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 Die Krähe im Wolfspelz (Urversion)

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Luna42
Babylonier
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BeitragThema: Die Krähe im Wolfspelz (Urversion)   07.01.17 17:01

Version: 25.03.2009

Wenn man andere sagen hört "sie hätten die Hölle gesehen" meinen sie damit, dass sie schon das Schlimmste im Leben erlebt haben. Sei es Liebeskummer, der Verlust einer wichtigen Person oder das eigene Unglück. Das nennen sie die Hölle. Sie beklagen und jammern über ihr Leben. Alle samt sind sie so erbärmlich.

Apollon hockt auf dem Dach eines Hauses und beobachtet die vorbeiziehenden Leute. Unbesorgt laufen sie durch die Straßen. "Corvus, Corvus", mahnt ihn ein schwarzer Fuchs, der neben ihm sitzt und die Beine nach unten baumeln lässt, "du ziehst schon wieder ein Gesicht... unglaublich." "Halt die Klappe, Fusco!", knirscht Apollon zwischen den Zähnen hervor. Jeder, der Apollon kennt, sagt Corvus zu ihm, obwohl er ein Wolf ist und keine Krähe. Den Apollon hat eine Fellzeichnung über dem linken Auge, die wie eine Krähe aussieht. Außerdem ist sein linkes Auge gelb und nicht dunkelblau, wie sein rechtes. Fusco lacht kaum merktbar auf: "Corvus, wenn du das versaust..." Apollon schaut ihn nun wütend an, sein gelbes Auge leuchtet auf: "Ich hab gesagt, du sollst die Klappe halten." Fusco blickt hinab und lässt sich vom Dach nach unten fallen. Kaum landet er unten auf dem Boden, schauen ihn die Leute alle entgeistert an. Er zuckt die Schultern und läuft auf die Pizzeria gegenüber zu. Apollon knirscht mit den Zähnen und reist wütend seinen Verband vom linken Arm. Er hat wieder mal eine Menge Verbände um. Fast alle auf der linken Seite. Auch kein Zufall. Dummer Weise lässt er immer sein linkes Auge aufleuchten, wenn er wütend ist. Das wird nicht sonderlich geschätzt von seinem Auftraggeber und so verpasst er ihm nicht selten eine Lektion in Gehorsam.

Dieser Idiot. Der versaut mir noch alles. Das ist mein Auftrag, der soll sich da raus halten. Bei Satan, möge ihn der Tod ereilen.

Apollon spring ebenfalls herunter und rennt in die Pizzeria. Fusco steht bereits vor einer Hündin mit weißem Fell und kleinen schwarzen Punkten. Ihr Kleid ist lang und weiß mit einigen hellblau Tönen. Sie greift nach einer Vase, die als Deko auf dem Tisch steht und wirft sie Fusco an den Kopf. "Verschwinde!", schreit sie ihn an. Die Leute in der Pizzeria fangen schon an zu flüstern. Apollon rennt auf die beiden zu und schlägt der Hündin gezielt ins Gesicht. Sie knallt zurück und mit dem Hinterkopf gegen die Tischkante, dabei verliert sie das Bewusstsein. Fusco streicht sich übers Gesicht und hat etwas Blut am Handschuh: "Miststück!" Apollon packt sie am Kragen und flüstert einige Worte auf Lateinisch. Sie geht in Rauch auf und nur Asche bleibt. Auch Apollon verschwindet in einem grau-roten Rauch. Die Leute tuscheln erschrocken miteinander. Fusco geht in Flammen auf und verschwindet ebenfalls.

Apollon und Fusco laufen durch eine trockene, staubige, heise und riesen große Höhle. Heißer Dampf steigt aus einigen Erdritzen empor. Hier und da sitzen ein paar Gestalten, die sie mit einem fiesen Grinsen Willkommen heißen. Sie gehen über eine Brücke, die über einen Lavafluss führt und gelangen zu einem finsteren Schloss über dem die Krähen kreisen. Beide betreten es und gehen von der Eingangshalle aus nach links durch eine große Tür. Sie gehen nur ein paar Schritte hinein und knien sich dann mit gesenktem Kopf hin. Keiner von beiden sagt ein Wort. Eine dunkle Gestalt kommt auf sie zu und schaut sie nachdenklich an. Es ist eine pechschwarze Fledermaus mit übergroßen Flügeln und Hörnern, wie nur Widder sie haben. "Ihr habt die Verräterin also erledigt?", stellt er fest. Beim Reden sieht man seine langen, spitzen Eckzähne. "Jawohl! Fürst der Finsternis", antworten sie gemeinsam und noch immer knien sie mit gesenktem Kopf da. Der Fürst kniet sich vor Fusco und hebt seinen Kopf. Er schaut ihm tief in die Augen: "Geh!" Ohne zu zögern antwortet er: "Wie ihr wünscht, Fürst der Finsternis." Fusco steht auf und geht langsam. Nun kniet sich der Fürst vor Apollon und hebt seinen Kopf an. Auch ihm schaut er tief in die Augen. Apollon versucht sich zusammen zu reißen, aber der Hass macht sich in ihm breit. Sein ganzen Leben ist er schon ein Diener des Teufels und doch hasst er ihn so. Sein gelbes Auge leuchtet wieder voller Hass auf. Der Fürst packt ihm am Hals und hebt ihn hoch: "Du lernst es nie!" Mit einem Ruck schmeißt er ihn gegen die Wand. Apollon sinkt zu Boden und rappelt sich ein wenig wieder auf. Wagt es jedoch nicht den Kopf zu heben: "Verzeiht mir, Fürst der Finsternis." Eine Energiewelle erwischt ihn und drückt ihn abermals kraftvoll gegen die Wand. Blut tropft seinem linken Arm. Die Wunde hatte sich wieder geöffnet. Er bleibt an die Wand gelehnt stehen mit gesenktem Kopf und versucht ein zittern zu unterdrücken. "Verzeiht mir, mein Fürst", bringt er kläglich hervor. Der Fürst verschwindet wieder im Dunkel des Raumes. Apollon geht langsam zur Tür, als er noch mal die Stimme des Fürsten vernimmt: "Corvus! Schau mich nie wieder so an." Er schluckt und antwortet nickend: "Nie wieder, Fürst der Finsternis." Durch die Eingangshalle kommt er in den rechten Flügel des Schlosses. Dort liegt sein Zimmer. Er lässt sich auf sein Bett fallen. Das ganze Zimmer ist im grau-schwarz gehalten. Die Decke auf dem Bett sieht aus, wie von Motten zerfressen und das Kissen verliert bereits Federn.

Wieso kann ich mich nicht ein mal zusammen reißen. Verdammt! Warum hat er Fusco schon so schnell gehen lassen. Das war doch Absicht.

Er drückt sein Gesicht wütend ins Kissen und beißt herein, um nicht vor Wut los zu schreien. Nach einiger Zeit schließt er die Augen und schläft ein.

Als es an der Tür klopfte, wachte Apollon auf. Es war Fusco, der bereits das Zimmer betreten hatte, als Apollon sich aufsetzte. Er warf Apollon einen neuen Verband hin: "Du hast es mal wieder nicht gepackt." Apollon traf das sehr. Als Fusco das merkte, verdrehte er die Augen: "Corvus, Corvus, du mit deiner gespaltenen Persönlichkeit." Apollon atmete tief durch: "Da kann ich nichts für." Doch Fusco wusste genau, wie er bei Apollon wieder die gewünschte Finsternis zum Vorschein brachte: "Der Fürst hat dir ja ordentlich eine verpasst." Schon verdunkelte sich wieder der Blick: "Halt einfach die Klappe." Fusco lachte: "Das ist der Corvus, denn ich so mag. Komm lass uns einen Trinken gehn." Das taten die beiden auch in einer ganz gewöhnlichen Kneipe.

Fusco war Apollons einzinger Freund. Niemand anders kam auch mit seiner gespaltenen Persönlichkeit zurecht. Er meinte immer, dass Apollon eine gute und eine böse Seite hätte. Die Gute von seiner Mutter, die eine starke Magierin der weißen Magie war und die böse von seinem Vater. Auch wenn sein Vater versucht hatte Apollon davor zu bewahren ein Diener des Teufels zu werden. Von Generation zu Generation ist jeder Nachkomme verpflichtet dem Teufel zu dienen. Der Erste von ihnen, so erzählt man, war ein Magier der weißen Magie und verpflichtete sich und alle seine Nachfahren dem Teufel. Seine weiße Magie wurde zur schwarzen. Im Austausch dafür würde seine Frau, die er so liebte und die nicht mehr lange Leben würde, geheilt von dem Krebs. Für den Versuch seines Vaters die Schwangerschaft seiner Geliebten zu verheimlichen, wurde er mit dem Tode bestraft und der Teufel nahm sich das Kind, kaum hatte es das Licht der Welt erblickt. Apollon wurde von Anfang an zum treuen Diener des Teufels ausgebildet.

Fusco schwenkte sein Glas: "Ein guter Wiskey, solltest du mal probieren." Apollon trank lieber ein Bier direkt aus der Flasche.

Das Bier schmeckt jeden Abend schlechter. Diese verkommene Kneipe ist der letzte Dreck. Warum schleppt der mich nur immer wieder hier her? Ist wohl eine alte Gewohnheit von ihm.

Das Glas machte einen dumpfen Ton, als Fusco es wieder auf den Tisch stellte: "Dein Vater hat den Wiskey auch sehr geschätzt."

Jetzt fängt er damit wieder an. Er ist wohl der einzige Dämon, der sich abends betrinkt. Kommt wohl mit seinem Alter nicht mehr zurecht. Aber das der Mistkerl nicht altert, ist schon ärgerlich. Mich lacht er in ein paar Jahren sicherlich aus und bequatscht dann meine Kinder, falls ich welche haben sollte.

Apollon schaute Fusco unbeeindruckt an: "Der hat ihn dann wohl das Hirn vernebelt, sonst würde er heut noch leben." Fusco fing lautstark an zu lachen: "Corvus, nimms locker. Du wirst dich eines Tages auch verlieben und Kinder haben. Dann kannst du es besser machen. Liebe ist eine Sünde, eine verführerische Sünde. Das Bindeglied zwischen gut und böse. Entscheidest du dich falsch, wirst du als Verräter sterben, sowie die Hündin heute. Wer versucht dem Fürsten zu entkommen, schaufelt sich sein eigenes Grab."

Apollon rannte durch eine leere Stadt. Alles war dunkel, kein Licht brannte weit und breit. Überall waren pechschwarze Krähen. Sie verfolgten ihn. Er lief auf ein Stadttor zu. Dahinter befand sich ein Hügel auf dem eine Art Pavillon stand. In dem Pavillon stand eine weiße Wölfin mit dem Rücken zu ihm gewand. Sie leuchtete hell. Als er den Pavillon erreichte erschien ein grelles Licht. Die Frau war verschwunden und eine weiße Krähe flog davon... Apollon erwachte und setzte sich auf.

Was war denn das? Ich sollte nicht so viel mit Fusco trinken. Sonst verliere ich noch den Verstand.

Kaum hatte er sich aufgerappelt und sein Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen, um wieder zu Besinnung zu kommen, klopfte es auch schon an der Tür. Ein grauer Igel trat ein. Apollon kannte ihn. Auch er war ein Dämon und schon sehr alt. Apollon hätte ihn am Liebsten nicht beachtet: "Was ist denn?" Der Igel schaute Apollon intensiv an: "Ein neuer Auftrag wartet auf dich, Corvus. Der Fürst will dich sofort sehen." Apollon nickte: "Ich werd ihn nicht warten lassen." Er ging an dem Igel vorbei und direkt zur Halle des Fürsten. Er kniete sich mit gesenktem Kopf hin, wie er es immer tat und von ihm erwartet wurde. Der Fürst tauchte aus der Dunkelheit auf: "Corvus, sieh her." Er hob den Kopf. Der Fürst sah ihn in die Augen. Apollon musste sich zusammen reißen, nicht wieder seinen Hass zum Ausdruck zu bringen. Ihm wurden Bilder einiger Diener telepatisch übermittelt und eine Anweisung sie zu beobachten und zu begleiten. Der Fürst wandte sich wieder ab und verwandt in der Dunkelheit: "Geh Corvus und berichte mir sorgfältig." Apollon stand langsam auf: "Wie ihr wünscht, Fürst der Finsternis." Er verließ die Halle und verschwand im grau-rotem Rauch. In einem Haus auf Mobius tauchte er genauso wieder auf. Sechs Diener des Teufels musste er sozusagen betreuen. Sie schauten ihn alle verblüfft an und jeder von ihnen wusste "Das ist Corvus, wenn er auftaucht ist man entweder des Todes oder der Fürst ist unzufrieden." Apollon hörte das ängstliche Schlucken von einigen. Ein höhnisches Grinsen ging über sein Gesicht: "Wie ich merke, kennt ihr mich bereits. Da spare ich mir die Vorstellung." Er schaute durch die Runde. Die schwarze Löwin war Leana, sie war eine sehr erfolgreiche Auftragskillerin. Neben ihr stand ihr Partner, ein grau-schwarz getigerter Kater namens Diritas. Dann waren dort auch die berüchtigten Zwillingsbrüder Fel und Odi. Die beiden dunkelgrünen Igel konnte man nur an ihrer Augenfarbe auseinander halten. Fel hatte rote Augen wärend Odi orange hatte. Man musste schon genau hinsehen. Auch diese beiden waren Auftragskiller. Die größte Angst ging von Egeo, der roten Fledermaus aus. Er war noch recht neu und diente dem Teufel erst seit 2 Monaten. Wie die anderen, war auch er ein Auftragskiller. Zu guter Letzt warf Apollon einen Blick auf den pechschwarzen Wolf, der einsam in einer Ecke saß. Er schaute Apollon direkt in die Augen. Apollon's Grinsen wurde breiter: "Mit dir hatte ich bereits das Vergnügen, Sentis. Mal schauen, ob du dich wieder aus der Schlinge ziehen kannst." Er ging auf den Tisch zu und schaute auf die Stadtkarte, die dort lag. Einige Stellen waren durch rote Kreise makiert. Leana trat näher heran und zeigte auf einen der Kreise: "Hier wurden die weißen Magier zuletzt gesehen." Apollon prägte sich den Namen der Straße ein: "Dann los! Bewegt euch!" Sie verließen das Haus. Leana führte Apollon zum besagten Ort. Die anderen folgten ihnen. Kurz vor einer Kreuzung blieben sie stehen und Leana deutete auf ein Haus: "Dort haben sie sich getroffen." Apollon schaute sie unbeeindruckt an: "Und weiter? Habt ihr das Haus durchsucht?" Fel und Odi schüttelten gleichzeitig mit dem Kopf. Apollon verdrehte die Augen: "Dann mal los! Ist ja kein Wunder, dass ich hier bin!" Er hörte, wie Sentis mit den Zähnen knirschte und wandt sich zu ihm: "Los! Du Faulpelz! Beweg deine müden Knochen, wenn dir dein Leben lieb ist!"

So, wie die sich anstellen, werd ich hier eine halbe Ewigkeit bleiben müssen. Was für ein fauler Haufen. Ich frage mich jedoch, warum es so viele sind. Normaler Weise werden nie mehr als zwei Leute benötigt und hier sind es gleich sechs. Warum hab ich nicht mehr Informationen vom Fürsten bekommen? Hier stimmt doch was nicht.

In dem Haus war niemand mehr. Sie teilten sich auf und durchsuchten das Haus. Apollon blieb in der Eingangshalle stehen und wartete. Es war schließlich ihre Arbeit und nicht seine.

Die sollen sich beeilen, auch wenn ich nicht glaube, das sie hier noch irgendwas finden. Wie blöd kann man auch sein? Sie hätten das Haus gleich durchsuchen müssen.

Egeo gesellte sich zu Apollon: "Ich konnte nichts finden." Apollon schaute in unbeindruckt an: "Dann such weiter." Egeo strahlte immer noch eine gewaltige Angst aus. Er ging hinunter in den Keller. Dort stand nur ein Bücherregal. Egeo schaute es sich genauer an und fand einen Schalter. Ein Geheimgang öffnete sich. Er rief nach oben: "Ich hab was gefunden." Die anderen liefen schnell hinunter in den Keller. Apollon schaut zufrieden auf den Geheimgang: "Na geht doch! Vorwärts!" Er geht voraus. Es ist stockduster, aber das macht ihm nichts aus. Er kann im Dunkeln sehen. Die anderen folgen ihn. Bis auf die Zwillinge konnten auch alle im Dunkeln sehen. Sie stopperten teilweise etwas ungeschickt hinterher. Der Gang war lang und eng. Ein Ende war bis jetzt nicht abzusehen. Die Wände waren feucht und immer wieder tropfte etwas von der Decke. Sie kamen an den Ausgang und landeten in einer großen Halle. Sie war durch und durch aus weißem Marmor und künstlerisch verziert mit Abbildungen von Krähen. Apollon drehte sich zu den anderen: "Was genau ist eigentlich eure Aufgabe?" Sentis lachte: "Hast du etwa keine Informationen bekommen?" Er hörte nicht weiter darauf, was Sentis sagte. Leana ergriff das Wort: "Es geht um eine Gruppe weißer Magier, die versuchen gegen der Fürsten vor zu gehen. Wir sollen sie vernichten. Viele Informationen dazu haben wir auch noch nicht gesammelt. Wir kennen nicht mal die Namen." Sie beginnen sich in der Halle etwas umzuschauen, doch sie ist völlig leer. Selbst in den Schränken ist nichts. Apollon ist verägert: "Das war dann wohl ein Reinfall." Egeo lässt den Kopf hängen: "Tut mir leid."

Was für ein Weichei. Wie kommt so jemand zum Teufel? Der ist doch völlig untauglich. Also wenn er so weiter macht, hab ich nichts Gutes über ihn zu berichten. Er wird wohl der Erste sein, denn ich erledigen muss. Hoffentlich taugt der Rest was. Ich hab keine Lust hier ewig meine Zeit zu verschwenden und dann doch alle aus dem Weg zu räumen.

In der Nacht träumte Apollon wieder. Er lief durch die dunkle Stadt, niemand war dort. Überall die Krähen, die lautstark kräzten. Am Ende der Stadt wieder der Pavillion und die weiße Wölfin, die wieder hell leuchete. Dieses Mal jedoch drehte sie sich zu ihm um. "Apollon", sagte sie klangvoll. "Wer bist du?", rief er. "Schau in dein Inneres...", sprach sie. Es hörte sich an, als wäre sie weit entfernt. Er erwachte aus dem Traum.

Ich verliere langsam den Verstand, wie mir scheint. Das kann ich mir nicht leisten. Ich muss wieder einen klaren Kopf bekommen.

Er schaute, ob die anderen schon wach waren. Zu seiner Überraschung waren sie das tatsächlich. Sie saßen bereits zusammen und überlegten, wo sie nach den Magiern suchen sollten. Diritas hatte sogar schon eine Idee, denn alle Orte, an denen die Magier gesehen wurden, waren im gleichen Stadtteil. Denn würden sie nun durchsuchen. Sie bemerkten nun auch, dass Apollon den Raum betreten hatte. Leana ergriff das Wort: "Wir haben schon einen neuen Plan." Apollon nickte nur. Ihm schwirrte immer noch der Traum im Kopf herum. Sie schauten ihn fragend an, hatten aber keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Deritas stand auf: "Gut, brechen wir auf." Apollon folgte ihnen und beobachtete sie. Sie schauten sich um und achteten darauf, was für Leute in den Häusern wohnten. Bei einem Haus waren alle Fenster zu gezogen, das wollten sie sich doch genauer anschauen. Sie schlichen sich durch ein Fenster im Erdgeschoss in das Haus. Vorsichtig hatten sie es aus den Angeln gehoben und leise auf den Boden gelegt. Im Haus hörte man Stimmen. Es war also auf jeden Fall jemand dort. Sie schlichen langsam in die Richtung aus der die Stimmen kamen. Die Tür zu dem Zimmer stand weit offen. Vorsichtig blickte Diritas hinein. Er entfernte sich wieder und flüsterte zu den anderen: "Da sind sie. Es sind vier Wölfe." Sie nickten sich zu und zogen ihre Waffen. Leana und Diritas kämpften mit Dolchen, Sentis hatte einen Sebel, Fel und Odi hatten jeder ein Schwert und Egeo war Messerwerfer. Er hatte einen Gürtel mit sechs Messern um. Sie stürmten in den Raum und die weißen Magier sprangen sofort auf. Apollon kam langsam in den Raum geschlendert. Wie erstarrt blieb er am Eingang stehen. Da war die weiße Wölfin.

Ohne zu zögern stürmten die sechs Auftragskiller auf die vier weißen Magier zu. Die weiße Wölfin blickte Apollon tief in die Augen und blinzelte dabei nicht ein einziges Mal. Was in Sekunden ablief, kam Apollon wie eine Ewigkeit vor. Diritas und Leana stürmten gemeinsam auf einen weißen Magier mit einem Tuch über dem linken Auge, wärend Egeo mit seinen Messern auf den in Samt gekleideten warf. Zur gleichen Zeit griffen Fel und Odi den Ältesten unter ihnen an, welcher bereits einen Gehstock bei sich trug. Sentis nahm sich die weiße Wölfin vor. Der Wolf mit dem Tuch wich spielend leicht aus, als wäre mit ihren Bewegungen eins. Egeos Messer prallten am dem Samt ab, als sei es eine Stahlrüstung und auch Fel und Odi hatten kein Glück. Sie konnten den alten Wolf nicht treffen. Ein unsichtbares Schutzschild umgab ihn, den kein Schwert der Welt hätte durchdringen können. Doch Apollons Blick war nur auf die weiße Wölfin gerichtet, die Sentis gerade mit seinem Sebel in zwei Schnitt. Jedenfalls hätte das passieren müssen, jedoch strich der Sebel ins Leere und nichts als weiße Federn blieben. Die anderen drei Wölfe flohen durch die Fenster. Er krachte laut und Scherben flogen zu Boden. Sie alle brauchten einen Moment, um das Geschehene zu verkraften, dann übernahm Leana das Wort: "Sollen wir ihnen folgen?" Alle Augen drehten sich zu Apollon, der nun eine Entscheidung treffen musste.

Sollen wir Ihnen folgen? Ich weiß es nicht. Verdammt! Ich weiß es nicht!

"Es ist eh schon zu spät", sagte er dann ruhig, "gehen wir zurück." Auf dem Weg zurück war Apollon ganz in seiner Gedankenwelt versunken. Keiner der anderen sprach auch nur ein Wort.

Dieser Traum... die weiße Wölfin... sie hat mich angestarrt... was hat das alles zu bedeuten? Ich muss ruhig bleiben. Wenn ich keinen klaren Kopf bewahre, werd ich das schwer büßen müssen. Das Wichtigste ist jetzt, dass wir herausfinden, wo ihre Schwächen liegen. Nicht einer von ihnen hat getroffen. Was für eine Schande!?

Kaum waren sie zurück, vernahm Apollon die Stimme des Teufels. Er sollte zurück in die Hölle kommen, um dem Teufel über den aktuellen Stand zu berichten. Apollon verschwand ohne ein Wort in grau-rotem Rauch. Die sechs Diener waren besorgt. Es könnte für jeden von ihnen den Tod bedeuten, wenn er zurück kam. Genauso gut, könnte es auch nur eine neue Anweisung sein. Sentis war der einzige, der sich einfach ruhig hinsetzte. Apollon kam in den Thronsaal des Teufels und kniete sich mit gesenktem Kopf hin: "Ihr habt nach mir verlangt, mein Fürst!?" "Berichte", erklang eine Stimme aus dem Dunkeln. Er begann mit seinem Bericht: "Wir sind auf vier weiße Magier getroffen, jedoch konnte nicht einer der Diener etwas gegen sie ausrichten. Egeo scheint mir gar nichts zu taugen, er hat immer nur Angst. Bis jetzt konnten wir nichts genaueres über die weißen Magier in Erfarhung bringen." "Töte jeden, denn du für untauglich hälst und räumt mir diese weißen Magier aus dem Weg!", befahl der Teufel. "Wie Ihr wünscht, mein Fürst", bestätgite Apollon. Eine Energiewelle traf ihn, dann eine weitere und noch eine weitere. Jedes Mal wurde er gegen die Wand gedrückt. Der Schmerz fuhr durch seinen ganzen Körper. "Damit du es mir ja nicht vergisst", lachte der Teufel finster. Apollon verließ den Thronsaal. Unter Schmerzen schleift sich Apollon zu seinem Zimmer und holt weitere Verbände heraus. Er erneuert die alten und reibt sich über die schmerzenden Stellen.

Dann wird Egeo wohl dran glauben müssen. Pech für ihn! Das ist das Mindeste nachdem ich für ihr Versagen büsen musste.

Seine Wut trieb ihn voran und er tauchte bei den sechs Dienern des Teufels auf. Man konnte sehen, dass einige vor Schreck die Luft anhielten. Apollon nahm sich jedoch nur Egeo vor: "Los komm mit!" Egeo schluckte und zitterte leicht, als er Apollon nach draußen folgte. Eine Weile liefen sie schweigend nebeneinander bis sie zu einem alten Friedhof kamen. Die Gräber waren schon von verschiedenen Pflanzen überwuchert, an einigen Stellen konnte man aber noch lesen, wer dort begraben lag. Egeo blieb nun ängstlich stehen: "Du willst doch etwas von mir." Apollon drehte sich grinsend zu ihm: "Ja, richtig." Er hebt seine rechte Hand und zeigt mit der offenen Handfläche auf Egeo: "Lebewohl!" Egeo will noch etwas sagen, als schon Blut aus seinem Mund fließt, genauso aus Nase, Augen und Ohren. Seine Schreie ersticken im Blut. Apollon sieht einfach nur zu, wie er langsam verblutet. Das Blut hat sich nur so über Egeos Körper ergossen und eine große Fütze sammelt sich auf dem Boden. Die beiden Gräber links und rechts neben Egeo haben auch bereits etwas abbekommen. Bevor sein Körper ganz ausblutet, kippt er bereits nach hinten, erstickt an seinem eigenen Blut. Apollon tritt noch mal gegen ihn, um zu sehen, ob er wirklich tot ist: "Du hattest einfach nicht das Zeug zum Diener." Er lachte und ging zurück zum Haus der restlichen fünf Diener.
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BeitragThema: Re: Die Krähe im Wolfspelz (Urversion)   07.01.17 17:10

Kaum war Apollon zurück scheuchte er die restlichen fünf Diener auf: "Los! Bewegt euch! Mir ist egal, wie ihr die weißen Magier aufspürt. Sucht von mir aus die ganze Stadt ab. Los! Los!" Jeder von ihnen ahnte, was mit Egeo passiert war und so zögerten sie nicht und machten sich auf den Weg. Nur Sentis hielt vor Apollon an: "Du magst vllt darüber entscheiden, wer von uns schließlich überlebt, aber denke daran: Wir sind unsterblich, wärend du alt wirst, werden wir so jung bleiben. Und zu alte Diener kann selbst der Fürst nicht gebrauchen." Er lachte und ging.

Ich gehe nicht davon aus, dass ich überhaupt so lange lebe, um alt zu werden. Was für ein Spinner.

Apollon machte sich selbst auch auf den Weg. Langsam lief er die Straßen entlang, doch konnte er nicht ausfälliges entdecken. Auch keiner der anderen findet auch nur einen Anhaltspunkt, als hätten sich die weißen Magier in Luft aufgelöst. Tagelang blieb die Suche erfolglos. Als wäre das nicht genug, träume Apollon auch weiterhin Nacht für Nacht von der weißen Wölfin. Sie schien ihn regelrecht zu rufen. Immer wieder sagte sie ihm, dass er in sein Inneres schauen sollte. Er befürchtete immer mehr den Verstand zu verlieren. Um sich nichts anmerken zu lassen, schickt er die fünf Diener jeden Tag wieder los, egal wie sehr sie behaupteten, dass sie eh nichts finden würden. Apollon machte sich auch an diesem Tag wieder alleine auf die Suche. Er wusste nicht, wo die anderen unterwegs waren, um die weißen Magier aufzuspüren. Eigentlich war ihm das auch egal. In dem Innenhof von ein paar Häuser kam ein weißer Magier auf Apollon zu. Es war keiner der vier, die sie vor einigen Tagen aufgespürt hatten. Dennoch freute sich Apollon über diesen Erfolg und grinste dem weißen Magier zufrieden entgegen: "Und ich dachte schon, dass ihr euch alle aus dem Staub gemacht habt." "Oh nein", entgegnete der Magier, "wir sind noch immer hier. Wir lassen uns doch nicht von ein paar Dienern des Teufels vertreiben, Corvus." "Du hast also von mir gehört", stellte Apollon fest, "dann weißt du ja auch, was dich jetzt erwartet." "Genau deswegen bin ich hier", antwortete er lächelnd, "um mich mit dir zu duellieren." Apollon lachte amüsiert und zögerte nicht länger. Schon schoss er die ersten schwarzen Magiekugeln auf den Magier, der jedoch geschickt auswich. Wenn eine Kugel ihm zu nahe kam, schützte er sich mit einem magischen Schutzschild.

So wird das nicht. Da muss ich wohl zum direkten Angriff übergehen.

Apollon rannte auf den Magier zu. Er machte nicht einmal den Versuch auszuweichen und fing Apollons Fäuste ab. Beide ringten miteinander, bis sie am Boden rollten. Apollon versuchte den Magier zu erwürgen und drückte seinen Hals zu, doch drehten sie sich schnell wieder rum und der Magier schlug ihm ein paar mal kräftig ins Gesicht. Es war ganz offensichtlich, dass der Magier viel stärker war als Apollon. Jedoch wollte dieser nicht aufgeben und stieß den Magier mit den Füßen von sich. Apollon wollte noch aufstehen, als er schon eine weiße Magiekugel abbekam und am Boden zusammen zuckte. "Du bist gar nicht mal schlecht", stellte der Magier fest, dann ging er und ließ Apollon zurück. Der Schmerz klang nach ein paar Minuten ab und Apollon richtete sich wieder auf.

Verdammt! Ich habe versagt. Die Fünf bringen es zu gar nichts und ich verliere einen Kampf. Der Fürst wird toben vor Wut.

Nachdem Apollon sich wieder aufgerappelt hatte, suchte er die umliegenden Straßen ab und hoffte irgendetwas zu entdecken. Jedoch blieb seine Suche erfolglos. Es war als hätte es diesen Magier nie gegeben, aber er war da gewesen. Apollon spürte noch immer den Schmerz vom Kampf.

Wieso sind hier so viele starke weiße Magier? Gegen die vier konnten sie nichts ausrichten und ich habe den Magier eben auch nicht einmal mit meiner Magie treffen können. Selbst als wir am Boden kämpfen, war er klar im Vorteil. Irgendetwas ist hier doch im Gange? Warum gibt mir der Fürst nicht mehr Informationen? Warum träume ich immer von der weißen Wölfin?

Apollon lehnte sich an eine Wand und starrte in den Himmel. Leana und Diritas stießen zu ihm. Sie ergriff das Wort: "Corvus! Wir haben ein größeres Anwesen ausgemacht und das scheint nur so von weißen Magiern zu wimmeln. Jedoch kommen wir nicht hinein. Es wird scheinbar von einem unsichtbaren Schild geschützt." Apollon zögerte nicht lange: "Führt mich hin." Das taten sie auch. Fel, Odi und auch Sentis warteten bereits davor. Sentis lachte: "Und, wie soll es jetzt weiter gehen?"

Gute Frage! Wenn wir da nicht rein kommen, dann können wir sie auch nicht ausschalten. Außerdem können dort weiß ich wieviele weiße Magier wohnen. Wie sollen wir gegen die alle bestehen? Wir haben ja nicht mal gegen die bisherigen etwas ausrichten können.

Sie beobachteten eine Weile das Haus. Die weißen Magier schenkten ihnen kaum Beachtung. Sie bewegten sich ganz frei auf ihrem Grundstück. Apollon hatte begonnen sie zu zählen: "Plus die zwei am Tor sind es bereits 11 weiße Magier. Vllt sind die vier auch noch im Haus, dann haben wir es mit mindestens 15 zu tun." Diritas murrte: "Das können wir nicht schaffen. Es ist unmöglich." Leana nickte: "Da stimme ich Diritas vollkommen zu."

Das weiß ich auch, aber Befehl ist Befehl.

Apollon wandt sich vom Haus ab: "Am besten einer bleibt immer hier und beobachtet sie. Wenn einzelne das Haus verlassen, werden wir ihnen folgen. Außerhalb haben wir eine größere Chance." Sentis ging einfach davon: "Dann macht mal. Ich kann auch woanders Däumchen drehen." Apollon knurrte. Fel und Odi erklären sich jedoch bereit die erste Schicht zu übernehmen. So gingen Leana, Diritas und Apollon zurück. Wo Sentis hingegangen war, wusste jedoch keiner von ihnen.

Tagelang beobachteten die Haus, doch es schien, als würden die weißen Magier nie heraus gehen. Apollon ärgerte sich und er wusste, dass ihnen langsam die Zeit davon lief. Der Fürst war nicht gerade der Geduldigste und Apollon würde dieses auch zu spüren bekommen. Gedankenversunken läuft er durch die Stadt und kommt zu dem alten Friedhof auf dem er auch Egeo getötet hatte. Ratlos starrt er auf die Gräber, als er eine Stimme hinter sich vernimmt: "Apollon." Er drehte sich um und sah den Magier, gegen den er vor ein paar Tagen gekämpft hatte. "Woher kennst du meinen Namen?", wollte Apollon wissen, denn niemand sonst nannte ihn bei seinem richtigen Namen. Jeder kannte ihn nur als Corvus. "Jeder weißer Magier kennt dich, Apollon. Ich will dir helfen", erklärte der weiße Magier. "Helfen?", fragte Apollon ungläubig.

Was will der eigentlich von mir? Ich sollte versuchen ihn auszuschalten. Das wäre zumind. ein kleiner Erfolg.

Der Magier blieb ruhig und begann zu erklären: "Du bist einer von uns Apollon. Ein weißer Magier. Du kannst dich vom Teufel lösen, wir können dir helfen."

Das ist doch nicht sein ernst? Ich verfüge über schwarze Magie, nicht über weiße. Gut meine Mutter war eine weiße Magierin, aber trotzdem bin ich keiner.

Als der weiße Magier merkte, dass Apollon sich unsicher war, drehte er sich weg: "Überleg es dir. In 48 Stunden treffen wir uns wieder hier. Bis dahin solltest du dich entschieden haben." Mit diesen Worten machte sich der weiße Magier aus dem Staub. Apollon sah ihm noch hinterher und hätte ihn sicherlich noch erwischen können, aber er blieb einfach nur stehen.

Sie können mir helfen. Das ist doch verrückt. Niemand entkommt dem Teufel.

Apollon kehrte zurück zu dem Haus der Diener und wartete auf sie. Wärenddessen dachte er jedoch über das Angebot des weißen Magiers nach.

Sie können mir helfen. Ich könnte frei sein, aber ich bin keiner von ihnen und wenn sie das feststellen, wars das mit ihrer Hilfe. Ich sollte ihn erledigen, wenn er in 48 Stunden wieder auftaucht. Doch sollte ich meine einzige Chance vertun? Welche Chance? Es ist noch nie jemand entkommen. Es ist unmöglich.

Er hielt sich den Kopf vor Verwirrung. Es schien fast so als würde seine gute und seine dunkle Seite gegeneinander kämpfen. Die gute Seite wollte entkommen und die dunkle Seite wollte einfach nur den weißen Magier töten. Fel und Odi kamen gerade von ihrer Schicht zurück. Apollon stand auf und verzog sich in sein Zimmer. Odi rief ihm noch hinterher: "Willst du gar nicht unseren Bericht hören?" "Haltet die Schnauze!", schrie er und im nächsten Augenblick wurde er wieder ruhig: "Entschuldigt, später." Fel und Odi sahen sich fragend an. "Jetzt tickt er völlig aus", stellte Fel fest. Odi nickte zustimmend. Die beiden Igel gingen wieder und ließen Apollon alleine. Auch weil sie nicht wussten, wie sie mit seiner seltsamen Stimmung umgehen sollten. Sie hofften, dass er sich in ein paar Stunden wieder eingekriegt hätte.

In der Zwischenzeit waren Diritas und Leana beim Haus der weißen Magier und beobachteten das Geschehen. Diritas gähnte gelangweilt: "Wie kann man nur die ganze Zeit auf einem Grundstück verbringen? Irgendwann müssten ihnen doch zumindest die Vorräte ausgehen." Darüber hatte sich Leana auch schon Gedanken gemacht: "Vllt gibt es einen anderen Ausgang, denn man so nicht sofort erkennt. Das ist allerdings nur eine Vermutung." "Hört sich aber nach einer guten Erklärung an", bestätigte Diritas, doch dann wurde seine Aufmerksamkeit geweckt. Aus dem Haus kam der weiße Magier mit dem Tuch über dem linken Auge in den Garten. Diritas wollte Leana auf ihn aufmerksam machen, jedoch hatte diese ihn längst bemerkt. "Ich sehe ihn auch", sagte sie halb abwesend auf den Wolf fixiert. Irgendetwas teilte er einem anderen weißen Magier mit, jedoch sprach er viel zu leise, als das Diritas und Leana es hätten hören können. Doch eines stand fest: Er war hier und das bedeutete, dass die anderen drei weißen Magier es sicherlich auch waren.

Einige Stunden vergingen und Fel und Odi kehrten zurück zu ihrem Haus. Apollon schien noch immer in seinem Zimmer zu sein. Odi klopte an und trat ein: "Corvus?" Er saß auf dem Fußbaden an die Wand gelehnt und sah irgendwie total fertig aus. Fel kam dazu, als Odi ihn heranwinkte. "Was ist mit ihm?", fragte Fel. Odi zuckte mit den Schultern. Apollon sah auf, sein Blick wurde eiskalt und wütend: "HINAUS!" Die beiden Zwillinge zuckten zusammen. Dann legte Apollon seinen Kopf auf seine Arme, welche auf seinen angezogenen Beinen lagen: "Nein, wartet! Bleibt hier!" Den beiden Igel war eines nun ganz klar: Mit Corvus stimmte etwas nicht. Odi wandt sich an ihn: "Wir sind gleich wieder da. Warte solange." Sie verließen das Zimmer und schlossen die Tür. "Fel, du bleibst hier", bestimmte Odi, "ich gehe zum Fürsten." Fel nickte und setzte sich so, dass er die Tür im Blick hatte. Apollon ringte innerlich noch immer mit sich selbst.

Ich werde ihn töten. Das ist meine Aufgabe. Aber er könnte mich auch retten. Ich kann gar nicht gerettet werden. Es ist unmöglich. Was soll ich nur tun?

Es dauerte nicht lange, da kam Odi zurück und mit ihm war Fusco gekommen. Er klopfte nicht einmal an, als er in das Zimmer von Apollon ging und kniete sich zu ihm runter. Fel und Odi standen an der Tür und beobachteten das Ganze. Fusco war besorgt, als er Apollon so erblickte: "Corvus?" Apollon sah ihn fragend an: "Was machst du hier?" "Du hast ein echtes Problem, wie es aussieht. Ich soll dich wieder hinbiegen, aber so wie du aussiehst, macht sich das nicht in einem Tag", erklärte er leicht grinsend. "Ich brauche keine Hilfe", knurrte Apollon. Fusco grinste noch immer: "Ich glaube doch." "Du hast ja recht", antworte Apollon dann wieder kläglich. Fusco wandt sich an die beiden Igel: "Ihr müsst jetzt erst mal ohne euren Aufpasser klar kommen. Das wird etwas dauern." Dann verschwand er im schwarzen Feuer mit Apollon und sie tauchten in der Hölle wieder auf. Fel und Odi sahen sich schulterzuckend an. "Gehen wir Leana und Diritas bescheid geben", schlug Odi vor. Fel nickte und die beiden machten sich auf den Weg.

Fusco hatte Apollon inzwischen in sein Zimmer gebracht, was sich als gar nicht so einfach herausgestellt hatte. Dauernd wechselte wieder seine Persönlichkeit. In einem Moment wollte er zurück und es den weißen Magier so richtig zeigen und im anderen wollte er Fuscos Hilfe. Als sie endlich im Zimmer angekommen waren, hatte sich Fusco erst mal völlig erschöpft an die Wand gelehnt, wärend Apollon auf seinem Bett saß, sich den Kopf hielt und immer mal wieder wütend zu Fusco blickte und dann sich wieder abwandt. "Was in aller Welt ist mit dir passiert, Corvus?", fragte Fusco nun. "Halt die Klappe, Fusco", war Apollons erste Reaktion. Keine Minute verging und änderte seine Meinung: "Ich brauche Hilfe." "Das sehe ich auch", bestätigte Fusco. Er ging auf Apollon zu und kniete sich vor ihn: "Wie kann ich dir nur helfen?" Er stand wieder auf setzte sich neben Apollon: "Dein Vater war eigentlich gar kein so schlechter Kerl. Ich habe dir immer nur gesagt, dass du diese dunkle Seite von ihm hast, damit du glaubst, dass es normal wäre. So ist es aber nicht. Dein Vater hat den Teufel immer gehasst, genau wie du. Du bist ihm sowieso sehr ähnlich." Apollon wurde ruhiger und sah auf: "Du hast mir schon öfter gesagt, dass ich meinem Vater ähnlich wäre. Mein Vater hat den Teufel verraten. Bin ich dazu bestimmt genauso zu enden?" Fusco schüttelte den Kopf: "Du siehst immer nur, dass das man flieht und stirbt, aber vllt kann man auch fliehen und leben. Dein Vater, Aposter, wusste das es möglich ist. Er hätte fliehen können, aber er wollte nicht." Apollon erinnerte sich zurück, als er noch sehr klein war. Sein Vater war in der Hölle getötet worden und somit würde seine Seele auf ewig in der Hölle gefangen sein. So erzählte man es sich, aber Apollon wusste, dass es stimmte. Er war als kleines Kind seinem Vater begegnet, der Seele besser gesagt. Durch einen Zufall hatte er die Ebene der verlorenen Seelen gefunden, doch diese konnte man nicht betreten. Apollon stand neugierig davor. Er war gerade einmal drei Jahre alt. Da entdeckte ihn sein Vater und wandt sich an ihn: "Flieh Apollon! Ich wollte nicht solch ein Schicksal für dich. Die weißen Magier können dir helfen. Geh zu deiner Mutter, der Teufel hat dort keine Macht. Ich sollte der letzte aus unserer Familie sein. Du solltest kein Diener werden." Apollon hatte geweint und gleichzeitig solchen Hass auf seinen Vater entwickelt. Er hätte selbst fliehen können, hatte es aber nicht getan. Warum? Seit diesem Tag war Apollon nicht mehr der Gleiche. Er unterwarf sich dem Teufel und auch wieder nicht. Seine gespaltene Persönlichkeit entstand. Fusco wusste nicht, was damals geschehen war und trotzdem ertrug er Apollons Launen. Manchmal ging Apollon dabei völlig in Trauer auf und Fusco fand mit der Zeit heraus, womit er seine dunkle Seite wieder zum Vorschein bringen könnte. Jetzt jedoch, wo Fusco ihn so sah, wusste er nicht mehr, ob Apollons dunkle Seite ihm wirklich so gut tat. "Ich weiß es auch", gab Apollon nach einiger Zeit von sich. Fusco sah ihn verwirrt an: "Wie jetzt?" Apollon blickte Fusco ernst an: "Ein weißer Magier hat mir angeboten zu fliehen. Sie könnte mir helfen." Fusco verstand jetzt: "Das hat dich so aus der Bahn geworfen." Er dachte an Aposter und grinste: "Und du weißt nicht, was du tun sollst. Aposter wusste, was er wollte. Die Sicherheit seines Sohnes und seiner Geliebten war ihm wichtiger, als sein eigenes Schicksal. Deswegen wählte er die Hölle, auch wenn das sein Ende bedeuten würde." "Fusco!", Apollon sah ihn durchdringend an, "Hätte mein Vater sich für die Freiheit entschieden, hätte er es geschafft?" Damit war Fusco etwas überfragt: "Nun ja, die Chance ist recht groß, dass er es geschafft hätte. Die weißen Magier sind schon seit Jahrhunderten im Krieg mit dem Fürsten und selbst als er einmal in die Welt der Lebenden kam, haben sie ihn zurück in die Hölle geschickt. Er hätte es schaffen können." Apollon knurrte wütend: "So ein Idiot!" Fusco lachte.

Fusco wurde dann etwas nachdenklich: "Hör mal Corvus, wenn du wirklich fliehen willst, dann helfe ich dir, aber dazu musst du dich entscheiden. Willst du oder willst du nicht?" Apollon kämpfte innerlich wieder mit sich und sagte schließlich verwirrt, wie er war: "Ich weiß es nicht." Fusco nickte verständlich und stand auf: "Schlaf erstmal, vllt hast du danach einen klareren Kopf." Er ging aus dem Zimmer. Apollon war sich da nicht so sicher, denn im Traum würde er sicherlich wieder die weiße Wölfin sehen und das machte alles nur noch schlimmer. Trotzdem legte er sich auf sein Bett und schloss die Augen.

Fel und Odi hatten inzwischen Leana und Diritas bescheid gegeben. "Und er hat wirklich von einer Sekunde zur anderen seine Meinung geändert?", fragte Leana ungläubig. "Wenn wir es doch sagen", sprachen die Zwillinge zu gleich. "Hm", machte Leana. So mussten sie wohl erst einmal auf Corvus verzichten, was nicht unbedingt schlecht war, weil so keiner fürchten musste der Nächste zu sein, der stirbt. Aber andererseits hatte Corvus immer gute Entscheidungen getroffen. Diritas hatte weiterhin das Haus der weißen Magier im Blick behalten, aber zugehört: "Weiß eigentlich jemand, wo Sentis abgeblieben ist?" Sie alle sahen ratlos aus. Odi überlegte einen Moment: "Er war gestern Abend kurz da und hat sich etwas zu Essen geholt, aber wo er sich tagsüber rumtreibt, weiß wohl keiner."

"Apollon, Apollon", klang die Stimme in Apollons Traum. Es war die weiße Wölfin. Ihre Stimme kannte Apollon inzwischen sehr gut. "Wo bist du? Wer bist du?", rief Apollon. "Sieh in dein Inneres! Du bist einer von uns. Vertraue uns", sprach sie beruhigend auf ihn ein. Apollon war jedoch hektisch in dem Traum. Er lief verwirrt zwischen den Häusern umher und suchte sie, aber er konnte sie nicht finden. "Wo bist du?", rief er erneut. Die weiße Wölfin tauchte aus einem kleinem Wirbelwind von weißen Federn vor Apollon auf. "Bitte, sag mir was du von mir willst", flehte er. Sie sah ihn mitleidig an: "Du weiß es, wenn du in dein Inneres schaust", sprach sie sanft und verschwand dann, sodass nichts als weiße Federn blieben. "Komm zurück!", brüllte er. Mit einem Ruck war er wieder wach und saß mit rasender Atmung im Bett.

So geht das nicht weiter. Das muss aufhören. Wer ist sie und was will sie bloß von mir? Warum gibt sie mir keine Antwort auf meine Fragen? Ich muss sie außerhalb meiner Träume sprechen, nur wie soll ich das anstellen? Solange ich nicht wieder der eiskalte Killer für den Fürsten bin, wird er mich nicht gehen lassen. Außerdem weiß ich nicht, was ich tun soll? Soll ich fliehen? Soll ich sie töten? Ich weiß es nicht mehr.

Ganze drei Tage dauerte es bis Apollon endlich eine Entscheidung fellen konnte. Fusco hatte ihm dabei geholfen seine Gedanken zu ordnen. Dabei hatte Apollon immer wieder mit innerlich zwischen seinen beiden Persönlichkeiten gekämpft. Hätte Fusco ihm nicht begestanden, würde er das sicherlich immernoch tun. "Also willst du ganz sicher nochmal mit einem weißen Magier in Kontakt treten?", fragte Fusco noch einmal zur Sicherheit. Apollon nickte: "Ich bin mir ganz sicher." "Na schön, ich werden Fürsten davon überzeugen, dass er dich wieder hochschicken kann, aber da wirst du auch einiges an Schauspielkunst drauflegen müssen und nicht nur bei ihm, sondern auch bei den Dienern", erklärte Fusco. Apollon nickte erneut. Die beiden gingen dann zum Fürsten und knieten nieder mit gesenktem Kopf. "Mein Fürst", sprach Fusco, "Corvus ist wieder soweit. Er kann zurück zu den Dienern und seinen Auftrag erfüllen." Der Teufel wandt sich direkt an Apollon: "Ist das wahr, Corvus?" Apollon nahm all seinen Mut zusammen und sagte mit entschlossener Stimme: "Wir werden die weißen Magier vernichten. Verlasst euch auf mich!" Der Teufel zeigte ein zufriedenes Grinsen: "Geht!" Apollon und Fusco verließen den Thronsaal und Apollon verschwand in grau-rotem Rauch. Als er bei den vier Dienern wieder auftauchte, waren diese überrascht. Apollon setzte sein fieses Grinsen auf und schon zuckten sie leicht zusammen: "Wo ist Sentis?" Leana zuckte gleichgültig mit den Schultern: "Er ist tot. Wir haben ihn so aufgefunden. Vermutlich hat ihn ein weißer Magier getötet." Apollon lachte leicht darüber.

Das geschiet ihm recht. Zum Glück bin ich diesen Idioten los.

Dann scheuchte Apollon die restlichen vier Diener auf, damit sie erneut die Stadt nach weißen Magiern absuchten. Das Wache stehen am Haus der weißen Magier hatten sie bereits aufgeben. Apollon trennte sich jedoch von ihnen und ging zurück zu dem Friedhof, wo er vor drei Tagen den weißen Magier getroffen hatte. Sicher, die Frist war lange um und trotzdem musste er es einfach versuchen. Er wartete eine ganze Weile auf dem Friedhof, doch es kam niemand. Nur das rauschen des Windes in den Blättern der Bäume und ein leichtes Pfeifen zwischen den Grabsteinen leistete ihm Gesellschaft.

Apollon lief zwischen den Gräbern entlang und horchte immer wieder, ob nicht doch noch jemand kommen würde. Als er vor zwei Gräbern stand, die mit Blut bespritzt waren, starrte er eine ganze Weile auf sie: "Tja Egeo, vllt werde ich genauso enden wie du." Er sah sich erneut um, doch auf diesem Friedhof war er ganz allein. Als die Sonne unterging machte sich Apollon auf den Rückweg. Die restlichen vier Diener waren auch schon zurück. "Habt ihr was gefunden?", fragte Apollon im verärgerten Ton. "Leider nicht", bestätigte Leana. Sie zogen sich in ihre Zimmer zurück und Apollon schlief nachdenklich ein.

"Apollon", sprach die weiße Wölfin klangvoll in seinem Traum. Er folgte ihrer Stimme, konnte sie jedoch nicht sehen. Doch er wusste, irgendwo hier war sie. "Sieh in dein Inneres", setzte sie fort. "Wie soll ich das machen?", rief er nun. "Weißt du wer du bist?", antwortete sie nun. Apollon war verwirrt. Natürlich wusste er, wer er war: "Ich bin Apollon, ein Diener des Teufels." "Nein, Apollon", wiedersprach sie, "Corvus ist der Diener des Teufels, Apollon jedoch nicht." Das verstand er nun wirklich nicht. Corvus, Apollon, er war doch ein und die selbe Person. Gut, niemand nannte ihn dort Apollon, aber er war immer noch er. Verzweifelt rief er erneut: "Ich verstehe das nicht. Was willst du von mir?" Dann wachte er auf.

Verdammt! Warum antwortet sie mir nicht? Wie soll ich verstehen, was sie von mir will? Schau in dein Inneres... schön und gut, aber wie?

Einige Stunden später saßen die vier Diener und Apollon wieder zusammen und überlegten, wie sie jetzt vorgehen sollten. "Am besten wir durchsuchen noch einmal die ganze Stadt. Es muss einen Grund geben dafür, dass die weißen Magier hier so aktiv sind", schlug Apollon vor. "Wie du willst, Corvus", sagte Diritas. Die vier machten sich zusammen mit Apollon auf den Weg. Apollon lauschte immer wieder, ob er nicht etwas auffälliges hören konnte, aber da war nichts. Auch die vier Diener schienen nicht viel Hoffnung zu haben, etwas zu finden. Doch da tauchte er auf, der weiße Magier, dem Apollon bereits zweimal begegnet war. "Los! Schnappen wir ihn uns!", rief Fel und rannte dem weißen Magier hinterher, der die Flucht ergriff. Die anderen drei folgten ihm auch. Apollon wollte auch hinterher, vorallem um mit ihm zu reden, aber dazu müsste er die Diener los werden.

Moment mal... er taucht vor unserer Nase auf und ergreift dann die Flucht? Was stimmt an diesem Bild nicht?

Bevor er sich weiter Gedanken darüber machen konnte, hörte er ein krächzen und noch eins und noch eins. Er drehte sich um und sah unmengen Krähen, die sich alle an einem Ort zu sammen schnienen. Denn einige Krähen kreisten darüber. Apollon dachte an seine Träume, sah noch einmal den Dienern hinterher und entschloss sich dann den Krähen zu folgen. Über einem Innenhof kreisten sie, einige hatten sich dort auch schon nieder gelassen. Apollon zögerte einen Moment, ging dann aber direkt in den Hof hinein. Dort stand eine Person. Erst konnte Apollon ihn nicht sofort erkennen, doch dann erinnerte er sich.

Das ist einer der vier Magier, die wir damals in dem Haus überfallen haben. Der Wolf mit dem Tuch über dem linken Auge.

"Hallo Apollon", sagte der Wolf in neutrallem Ton. Apollon war sich unsicher, aber er wollte ja unbedingt noch einmal mit einem weißen Magier reden. Nun hatte er die Gelegenheit dazu. Er holte einmal tief Luft und konnte seine Fragen dann nicht mehr zurück halten: "Ihr könnt mir helfen? Steht das Angebot überhaupt noch? Warum gerade ich? Es gibt unmengen Diener, die man retten könnte und sicherlich auch weiße Magier. Warum also? Ist das ein Trick?" Der Wolf lächelte leicht, was Apollon verwirrte.

Warum lächelt er? Hab ich was Komisches gesagt? Er sollte lieber mal auf meine Fragen antworten. Warum trägt der überhaupt ein Tuch über dem linken Auge? Hätte es eine Augenklappe nicht auch getan?

Der Wolf ging einen Schritt näher an Apollon heran. Am liebsten wäre Apollon gleich wieder einen Schritt zurück gegangen, aber er durfte keine Schwäche zeigen und blieb stehen. "Ich bin Sovos", begann der Wolf zu erklären, "ich bin der Bruder deiner Mutter." Er nahm sein Tuch ab und darunter kam das gleiche Krähensymbol wie bei Apollon zum Vorschein. Apollon stand fassungslos da und starrte Sovos an.

Der Bruder meiner Mutter? Das ist nicht möglich! Das muss ein Traum sein. So muss es sein, die vielen Krähen, genauso wie in meinen Träumen. Das ist nicht real.

Als Sovos bemerkte, dass Apollon das ziemlich schockierte, setzte er fort: "Das ist ein Schock für dich, dass kann ich mir vorstellen, trotzdem möchte ich dir deine Fragen beantworten. Ja, wir können dir helfen und das Angebot steht noch immer. Deine Mutter ist die Herrscherin der weißen Magier und die der Thronfolger. Reicht dir das als Begründung?"

Ich bin der Thronfolger? Das ist ein Witz oder? Ich kann doch nicht... sie kann doch nicht... warum?

"Ich verfüge über überhaupt keine weiße Magie", war das einzige, was Apollon heraus brachte. Sovos lächelte, ging auf Apollon zu und packte ihn an den Schultern: "Doch, die hast du, nur weißt du sie nicht zu nutzen." Apollon sah ihn nachdenklich an, wärend Sovos wieder einen Schritt zurück ging, um Apollon genug freiraum zu lassen.

Das ist mein Onkel und meine Mutter ist dann...nein, dass kann nicht sein... die weiße Wölfin? Nein, das glaube ich nicht, aber... es würde sovieles erklären...

Apollon ballte die Fäuste: "Na schön, ich werde mich vom Teufel lösen." Kaum waren die Worte ausgesprochen durchzog ein gewaltiger Schmerz seinen Kopf. Er sackte auf die Knie, hielt sich den Kopf und biss die Zähne zusammen, um nicht los zu schreien. Sovos kniete sich zu ihm runter: "Du kannst ihn besiegen, wenn du es nur willst." Die Worte von Sovos schienen jedoch nicht bei ihm anzukommen. In Apollons tobte eine ganz andere Stimme, die Stimme des Teufels: "Du gehörst mir Corvus. Nur mir! Du kannst mir nicht entkommen. Befolge meine Befehle! Töte die weißen Magier!" "Töte die weißen Magier", wiederholte Apollon völlig abwesend. Sovos sprang zurück: "Apollon!" Doch Apollon hörte ihn nicht. Er schoss unzählige schwarze Magiekugeln auf Sovos. Sovos wich immer wieder geschickt aus, als wäre er mit den Bewegungen seines Angreifers eins. "Apollon! Sieh in dein Inneres! Das bist nicht du!", schrie Sovos ihn an, jedoch griff Apollon weiter mit schwarzen Magiekugeln an und beschleunigte dabei das Tempo.

Sovos hatte immer mehr Mühe ihm auszuweichen, aber er wollte Apollon auch nicht angreifen. "Apollon! Wehre dich gegen den Teufel!", rief er erneut, doch Apollon griff unermüdlich weiter an. Die Krähen krächzten aufgeregt, einige flogen davon. Sovos wusste sich nicht mehr zu helfen, verwandelte sich in eine Krähe und flog davon. Der Rest der Krähen verschwand dann auch. Kaum waren sie außer Sichtweite sackte Apollon zusammen und fasste sich verzweifelt an den Kopf: "Was habe ich getan?" Er wusste nicht, was er noch tun sollte. Scheinbar konnte man dem Teufel wirklich nicht entkommen. Wenn er zu seiner Familie wollte, würde er sie vllt noch umbringen. Voller Zweifel stand er auf und lief durch die Stadt bis er die Grenze erreichte.

Ich muss es alleine schaffen. Entweder das oder ich werde sterben, aber ich werde so nicht weiter leben.

Entschlossen verließ er die Stadt und machte sich auf den Weg. Wohin er wollte, wusste nicht. In seinen Gedanken schwirrte nur eins: "Weg!" Bereits am Abend viel den vier Dienern auf, dass Apollon nicht wieder aufgetaucht war und Odi informierte den Teufel. Dieser tobte nur so vor Wut, denn er wusste genau, dass Apollon sich versucht hatte gegen ihn zu stellen und da er jetzt auch noch verschwunden war, stand eines fest - er würde nicht zurück kommen. Der Teufel zögerte keine Sekunde und setzte einen Dämon auf Apollon an. Er sollte ihn finden und ihn töten. Fusco hörte alles mit an und verließ ebenfalls die Hölle. Er musste Apollon finden, ihn warnen und ihn beschützen. Doch wo sollte er anfangen zu suchen. Gab es einen Ort, an den Apollon sich flüchten würde. Fusco fiel da nichts ein. Apollon war es immer egal gewesen, wohin er ging. Er begann in einer Stadt zu suchen, wo er mit Apollon oft gewesen war und hoffte, dieser würde dort auftauchen. Apollon war jedoch weit entfernt von dieser Stadt. Ewigkeiten lief er schon durch die weiten Wiesen bis er an einen kleinen Fluss kam. Das Plätschern des Wassers hörte Apollon schon von weitem. Es schien so friedlich seinen Weg zu suchen. Als Apollon auf den Fluss zuging, sah er dort eine weiße Wölfin, die noch spät am Abend ihre Wäsche wusch. Sie summte dabei ein Lied. Apollon konnte seine Augen nicht von ihr abwenden. Die Sterne schienen sich in ihrem Fell wieder zu spiegeln.

Wenn es Engel wirklich gibt, dann muss sie einer sein. Ich habe noch nie eine so schöne Wölfin gesehen.

Apollon ging langsam auf sie zu und lauschte ihrem Summen. Es schien ein fröhliches Lied zu sein und auch in Apollon machte sich die Freude dieses Liedes breit. Leicht lächelnd kniete er sich am gegenüberliegendem Ufer hin und sah zu ihr. Die weiße Wölfin bemerkte ihn erst gar nicht, doch als sie den Kopf hob, sahen sich die beiden in die Augen. Sie lächelte: "Hallo, ich bin Venusta und mit wem habe ich es zu tun?" "Ich?... Ich bin Apollon", antwortete er etwas unsicher, "ist es nicht reichlich spät, um noch die Wäsche zu waschen?" Mit einem Kichern antwortete sie: "Ist es nicht reichlich spät, um doch draußen ganz allein herumzusparzieren?" Apollon musste darüber selbst leicht lachen: "Ja, das ist es wohl." "Komm doch herüber", schlug sie vor. Apollon nickte, sprang auf einen Stein, der aus dem Wasser ragte und dann an das andere Ufer. Die beiden unterhielten sich, vorallem Venusta erzählte viel über sich. Sie lebte schon einige Jahre allein, da sie einfach ihr eigenes Ding machen wollte. Apollon hörte ihren Geschichten aufmerksam zu und obwohl sie soviel von sich preis gab, fragte sie kein einziges Mal nach, woher Apollon eigentlich kam und was er so machte. Das empfand er als sehr angenehm. Er half ihr die Wäsche aufzuhängen und ihren etwas chaotischen Haushalt etwas auf Vordermann zu bringen. Die Tage vergingen und die beiden verstanden sich immer besser. Apollon konnte sich schon gar nicht mehr vorstellen anders zu leben. Er liebte sie, da war er sich sicher, doch wie sollte er es ihr gestehen? Ob sie das Gleiche für ihn empfand?

Fusco war in seiner Suche nicht weiter gekommen. Immer wieder hörte er sich auch in der Hölle um, ob es etwas Neues gab, doch von Apollon fehlte jede Spur. Er hoffte, dass niemand ihn finden würde. Doch hätte er sich gewünscht, dass sein Freund ihn mitgenommen hätte und so suchte er Tag um Tag weiter. Der Dämon war genauso erfolglos. Keine Spur von Apollon, als würde eine andere Macht ihn schützen. Normaler Weise hätte der Teufel etwas über seinen Aufenthaltsort sagen können, aber in diesem Fall konnte er es nicht. Dem Teufel war dieses bei Apollon bereits aufgefallen, als er noch ein kleines Baby war. Schon da hatte Apollon diesen trotzenden Blick und sein gelbes Auge leuchtete auf. Es war weiße Magie, dessen war der Teufel sich sicher. Er hätte das Kind sofort töten können, doch wäre Apollon um einiges mehr wert, wenn er in seinen Diensten stände. Wenn er die Macht kontrollieren könnte, die Apollon so sehr schützte. Um ein Überlaufen zu verhindern, sprach der Teufel einen Zauber über Apollon. Sollte er sich jemals gegen ihn wenden, so sollte dieser Zauber dafür sorgen, dass Apollons freier Wille ausgeschaltet wurde und der nur noch die Befehle seines Fürsten befolgte. Doch irgendetwas lief schief. Apollon hatte sich von dem Zauber wieder gelöst und egal wie sehr der Teufel versuchte erneut auf ihn einzuwirken, er konnte Apollon nicht einmal ausfindig machen. Er tobte vor Wut und jeder Diener, der seinen Aufgaben nicht nach kam, bekam diese Wut auch zu spüren. Der Teufel tötete mehr seiner eigenen Diener in den letzten Tagen, als in einem ganzen Monat. Von alldem wusste Apollon jedoch nichts. Er hatte es schon längst vergessen.

Venusta war mit der Wäsche fertig, als sie sich zu Apollon ans Wasser setzte. "Apollon?", fragte sie sanft. "Was ist?", entgegnete er überrascht. Sie lehnte ihren Kopf leicht gegen Apollons Schulter. Er drehte den Kopf weg, weil er sich nicht sicher war, ob er rot anlief. Leise sprach sie zu ihm: "Ich mag dich wirklich sehr, Apollon. Viel mehr, als einen guten Freund und ich glaube, dass es bei dir genauso ist oder?" Apollon nickte erst unsicher, dann stimmte er ihr zu: "Venusta, ich glaub... ich liebe dich." Sie hob den Kopf und gab ihm glücklich einen Kuss auf die Wange: "Ich liebe dich auch."

Fusco war inzwischen in einigen Städten gewesen, doch nirgends war eine Spur von Apollon: "Das ist ja zum Verrückt werden. Der hat sich in Luft aufgelöst, so wie damals der kleine Bruder von Aposter." Er fing dann laut an zu lachen, sodass ihm schon fast die Tränen kamen. In seinem Lachanfall setzte er sich auf eine Bank und sprach mit einer Krähe, die über ihm auf einem Baum hockte: "Wäre es nicht zu komisch, wenn Apollon den Bruder seines Vaters gefunden hätte und die beiden jetzt zusammen sitzen und über den Teufel herziehen?" Fusco konnte unheimlich gut über seine eigenen Witze lachen. Trotzdem wünschte er sich bei Apollon sein zu können. Er hatte auch keine Lust mehr auf den Teufel, schon ewig nicht mehr und Apollon war ihm wirklich ans Herz gewachsen.

Der Dämon war da weniger guter Laune. Er hatte es inzwischen aufgegeben in den Städten und Dörfern zu suchen und versuchte nun querfeldein sein Glück. Er war schon durch einige Wälder gegangen, hatte einige Felder überquert und auch einige weiten Wiesen regelrecht nach Spuren abgesucht, aber erfolglos. Gerade folgte er einem Flußlauf, welcher weit von der Stadt floss. Doch zu seiner Überraschung stand dort ein Haus, langsam kam es in Sicht. Weiter lief er darauf zu und dann sah er ihn, Apollon. Er saß mit einer weißen Wölfin am Wasser. Ganz unbekümmert. Der Dämon knurrte verärgert und rannte auf die beiden zu. Kaum war er nah genug dran, schoss er auch schon mit schwarzen Magiekugeln auf sie. Venusta reagierte schnell genug und schubste sich samt Apollon ins Wasser. Apollon war nun aufmerksam geworden und kam aus dem Fluss schnell wieder heraus.

Ich Narr! Wie konnte ich das vergessen und nun ist Venusta wegen mir in Gefahr.

Er knurrte wütend und ging sofort mit schwarzen Magiekugeln zum Gegenangriff über. Die beiden wichen sich gegenseitig immer wieder aus, doch Apollon wurde auch des öfteren getroffen. Ihm war klar, dass er den Kampf verlieren würde, wenn ihm nichts einfiele. Der Dämon ließ ihm aber keine Zeit zum Nachdenken, unaufhörlich schoss er weiter. Venusta hatte ebenfalls wieder die Füße auf trockenem Boden und sah den beiden zu. Auch ihr war nicht entgangen, dass Apollon im Nachteil war. Sie zögerte nicht lange und verpasste dem Dämon einige gezielte Treffer mit weißen Magiekugeln. Der Dämon wich etwas zurück, ließ sich jedoch nicht beirren. "Du wirst sterben, Corvus", verkündete er selbstsicher. Apollon war noch völlig überrascht, dass Venusta eine weiße Magierin war. Sie hatte es mit keinem Wort erwähnt. Venusta merkte, dass Apollon nicht mehr bei der Sache war und blendete den Dämon mit einem grellem Licht, welches sie erzeugte. Dann packte sie Apollon am Arm und zog ihn mit weg: "Los! Wir dürfen keine Zeit verlieren." Apollon rannte mit, trotzdem kreisten viele Fragen in seinem Kopf.

Hat sie mir nur geholfen, weil sie wusste wer ich bin? War ihre Liebe nur vorgetäuscht, damit ich bei ihr bleibe? Hat mein Onkel etwa dafür gesorgt? Was soll ich jetzt tun? Wenn ich bei ihr bleibe, ist sie in Gefahr, ob sie mich nun liebt oder nicht... ich liebe sie.

Als sie ein gutes Stück gelaufen waren und der Dämon ihnen nicht zu folgen schien, blieben sie stehen. "Apollon", begann Venusta, "ist bei dir alles in Ordnung?" "Das fragst du noch?", entgegnete er etwas hart, "Du hast mir doch nur geholfen, weil du wusstest, wer ich bin." "Apollon", begann sie erneut, "ja, er ist wahr. Ich habe dich sofort erkannt und dir deswegen geholfen, aber das ändert nichts an meinen Gefühlen für dich. Ich liebe dich."
"Und das soll ich jetzt glauben?", fragte er unsicher und verletzt. "Apollon", versuchte sie es erneut, doch er wollte nichts hören und verschwand einfach in grau-rotem Rauch. Venusta schrie ihm noch hinterher, als könnte er sie noch hören: "APOLLON!" Doch kam er nicht zurück.

Venusta wusste nicht so recht, was sie jetzt tun sollte. Sie hatte große Angst um Apollon, ihre Augen füllten sich bereits mit Tränen. Nachdem sie eine Weile ratlos hin und her gelaufen war, entschloss sie sich zum Haus zurück zu kehren. Vorsichtig schaute sie sich um, ob nicht der Dämon noch in der Nähe wäre, aber wie es schien, war er verschwunden. Venusta ging ins Haus, auch hier schien alles in Ordnung zu sein. Sie griff zum Telefon und wählte eine Nummer: "Hallo... hier Venusta... Prinz Apollon war bei mir, aber er ist jetzt abgehauen... ein Dämon ist hinter ihm her..." Noch eine Weile telefonierte sie so mit einem der Häuser der weißen Magier. Sie schilderte, wie alles abgelaufen war, erzählte auch was sie für ihm empfand und was er für sie.

Fusco war inzwischen wieder unterwegs und suchte nach Apollon. Es schien völlig aussichtslos ihn zu finden. Er musste doch irgendwo untergekommen sein, schließlich hatte er kein Geld. Da war immernoch Fuscos verrückte Idee, dass er bei dem Bruder seines Vaters gelandet war... über diesen Gedanken musste er wieder breit grinsen. Er dachte an die Zeit zurück. Caligare, der Großvater von Apollon, hatte zwei Söhne. Aposter, den er "Verräter" getauft hatte und zum Verräter erzog. Er wollte nicht, dass seine Kinder ewig vom Teufel abhängig waren. Seinen zweiten Sohn Amelus, benannt nach einer Sternblume, brachte er kurz nach der Geburt fort. Wohin auch immer, jedenfalls wurde er nie gefunden. Caligare wurde wärend seiner Flucht getötet, aber Amelus war nicht bei ihm. Aposter war damals bereits 12 Jahre alt. Fusco kümmerte sich von diesem Tag an um ihn. Doch Aposter fehlte sein Bruder Amelus und Tag um Tag überlegte er, wie er ihm eine Nachricht zukommen lassen könnte. Schließlich war er noch ein Baby und die Nachricht müsste sich an den Finder richten. Doch Aposter konnte ihn nie finden oder in irgendeiner Weise Kontakt zu ihm aufbauen. Warum Caligare nun Aposter zurück gelassen hatte, ist Fusco bis heute schleierhaft. Fusco starrte in den Himmel: "Ja, Caligare, warum hast du das getan?" Caligare war sowieso total durch den Wind gewesen, nachdem sein zweiter Sohn geboren wurde. Selten war er in der Hölle anzutreffen und Aposter kümmerte sich um seinen kleinen Bruder. Fusco hatte schon lange nicht mehr daran zurück gedacht. Irgendwie drückte es auch seine Stimmung und er musste ja Apollon finden und nicht ewig in der Vergangenheit verweilen.

Apollon war wieder allein unterwegs. Er hatte gar nicht darauf geachtet wohin er verschwunden war. Nun lief er schon eine Weile ziellos umher. Immer wieder dachte er an Venusta, aber wäre er bei ihr geblieben, würde das ein übles Ende nehmen. Es war richtig zu gehen, wenn auch etwas unhöflich. Apollon war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, wie sich ihm jemand nährte. Von hinten legte er eine Hand auf Apollons Schulter: "Hey, du bist doch Fuscos Schützling!" Apollon drehte sich schlagartig um und machte große Augen: "Dimidius." "Also habe ich mich nicht geirrt", stellte Dimidius fest. Für einen Halbdämon kam Dimidius immer sehr freundlich rüber und trotz seiner Pistole, die er bei sich trug, wirkte er wenig bedrohlich. Doch das täuschte, dass wusste Apollon. Dimidius war sehr mächtig, vorallem wenn er seine dämonischen Kräfte nutze. Dämonische Magie, schwarze Magie und die stärke eines Dämons waren Dimidius gegeben, jedoch setzte er dies nur selten ein. Seine Feinde schreckte er meist mit der Pistole zurück, die nun wirklich das geringere Übel war. "Corvus, richtig?", fragte er noch mal. "Apollon", wurde er sogleich verbessert. "Seit wann das?", erkundigte sich Dimidius verblüfft, "arbeitest du nicht mehr für den Teufel?" "Nein, nicht mehr. Ich bin auf der Flucht", erklärte Apollon und sah dabei Dimidius direkt an.

Es passiert nichts. Ich hätte gedacht, wenn ich es ausspreche, würde wieder irgendetwas mit mir passieren, aber da ist nichts. Es ist seltsam.

Dimidius nickte: "Verstehe. Nun, da du Fuscos Schützling bist, werde ich dir mit meinem Rat etwas zur Seite stehen." Apollon sah ihn verwirrt an: "Wie meinst du das?" Er lachte: "Ich weiß, dass du zwei Persönlichkeiten hast. Wenn du dich vor dem Teufel verbergen willst, dann wirst du dich auf deine gute Seiten konzentrieren müssen, sonst findet er dich bald. Nur durch deine dunkle Seite kann er dich ausfindig machen. Die weiße Magie, die in dir ist, schützt dich vor ihm, aber auch diese ist nicht übermächtig. Sei also vorsichtig." Eine Moment musste Apollon darüber nachdenken: "Woher weißt du das alles?" "Fusco hat mir so einiges erzählt", erklärte er, dann sah er zu dem Berg, "ich muss zurück zum Schattentor, du kannst aber gerne erst mal bei mir bleiben, wenn du möchtest, Apollon." Er nickte knapp: "Danke." Die beiden stiegen den Berg hinauf, denn eine gigantische magische Mauer verhinderte, dass man einfach dort oben durch Magie auftauchen konnte. Dimidius war schon seit Jahrtausenden der Schattentorwächter. Niemand steht über Dimidius und er hat auch keine Untergebenen. Er ist einfach nur ein Wächter. Apollon wusste, dass der Teufel nicht zu Dimidius jemanden schicken würde. Die beiden ließen sich in Ruhe. Warum dieses jedoch so war, wusste Apollon nicht. Die Höhle lag ziemlich weit oben, trotzdem konnte man von dort aus noch nicht die Spitze des Berges erkennen und auch wenn man hinab sah, erblickte man nichts. Dimidius gab Apollon etwas Stroh, auf dem er schlafen konnte. Er selbst schlief auch nur auf einem Strohbett. Ganze vier Tage blieb Apollon bei Dimidius. Es war sehr kühl und Apollon fragte sich, wie Dimidius als Jackal es überhaupt die ganze Zeit hier oben aushielt. Apollon hatte dickeres Fell als er und trotzdem war ihm kalt. Nachdem er sich verabschiedet hatte, lief er den Berg wieder hinab. Der Weg war ganz schön schmal, jedoch war das Absicht. So sollten ungebetene Gäste abgehalten und vorallem Angriffe von größeren Truppen verhindert werden. Ein falscher Tritt und das wärs dann gewesen. Solch einen Sturz konnte niemand überleben.

Wärend Apollon so den schmalen Weg hinab lief, dachte er über Dimidius nach.

Er lebt seit Jahrtausenden hier, kein Wunder das ihm die Kälte nichts mehr ausmacht. Ob es wirklich wahr ist, dass hinte dem Schattentor die mächtigsten und grausamsten Kreaturen der Welt eingesperrt sind? Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Wer sollte sie dann dort eingesperrt haben? Dimidius bewacht irgendein Tor hinter dem vllt nichts weiter ist, als ein Gang weiter hinein in den Berg. Ich verstehe das nicht, warum er das tut. Es muss doch schrecklich einsam hier sein.

Apollon hatte nun endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Nun musste er nur wieder eine Richtung einschlagen. Er könnte direkt durch den Wald gehen oder am Rand entlang gehen bis er zu den Wiesen zurück kam. Nachdenklich lehnte er sich gegen den Berg.

Eigentlich ist es egal, wo lang ich gehe. Schließlich weiß ich nicht einmal wohin ich gehe.

Er entschloss sich für den Weg direkt durch den Wald. Einen richtigen Weg gab es dort allerdings nicht. Apollon ließ sich einfach von seinem Instinkt führen, dieses hatte ihn noch nie enttäuscht. Die Äste knackten unter seinen Füßen, das Rascheln der Blätter erschien unglaublich laut, doch dieses lag nur an der Stille. Es war wirklich sehr still, selbst dei Vögel sangen hier nicht. Das war schon immer so gewesen. Fusco meinte, dass in diesem Wald kaum etwas lebte, da die meisten Lebewesen die Anwesenheit des Schattentores spüren konnten. Früher war ihm das egal gewesen, jedoch war es nun so ganz alleine in einem recht finsterem Wald ganz schön unheimlich. Apollon schüttelte den Gedanken ab.

Das ist doch lächerlich. Ich bin selbst ein Diener des Teufels gewesen und etwas schlimmeres, als die Dämonen von ihm gibt es nicht.

Fusco hatte sich ratlos auf einer Wiese niedergelassen und starrte in den Himmel: "Wo bist du nur?" Aposter hätte ihn sicher gefunden, er war der einzige, der vom Teufel die Fähigkeit wollte Dämonen und Diener in seiner Nähe spüren zu können und gleich zu wissen, um wieviele es sich handelte. Er machte sich mit diesem Wunsch schon verdächtig, aber dem Teufel erklärte er, dass er so schneller Flüchtlinge aufspüren könnte oder auch seine Verbündeten. So gab sich der Teufel geschlagen und gab seinem Wunsch nach. Aposter wollte jedoch diese Fähigkeit, um in Falle einer Flucht seine Verfolger rechtzeitig spüren zu können. Sein Vater Caligare hatte ihm das von Anfang an eingehämmert. Er müsse fliehen, dass war seine einzige Chance. Leider kam es nie dazu. Fusco beneidete Aposter gerade um diese Fähigkeit. Wie schnell er Apollon so hätte finden können, aber es half ja nichts.

Nach einer Ewigkeit, die er durch den Wald lief, kam er an einer Stadt an. Apollon hatte viel Zeit zum Nachdenken auf seinem Weg und so war er immernoch in Gedanken versunken.

Es geht so nicht weiter. Egal, wo ich bin der Teufel wird mich finden, früher oder später... Wie sehr ich ihn hasse. Warum kann er mich nicht einfach in Ruhe lassen? Was bringt ihm das?

Er knurrte verärgert und ballte die Fäuste. Ein grauenvoller Schmerz durchzuckte seinen Kopf und ließ ihn auf die Knie sinken. Die Schmerzen schienen auch noch zu zu nehmen. Apollon hielt sich den Kopf, biss die Zähne zusammen und versuchte sich dagegen zu wehren. "Du gehörst mir!", erklang erneut die Stimme des Teufels in seinem Kopf, "Gehorche mir! Du hast nur Befehle zu befolgen. Vernichte die weißen Magier!" "Nein", jammerte Apollon. Die Schmerzen nahmen erneut zu. Es fühlte sich so an, als würde sein Kopf jeden Moment zerspringen. Er konnte sich nicht mehr zusammen reißen und schrie lautstark vor Schmerzen. Ein weißer Magier hörte ihn und rannte in die Richtung aus dem der Schmerzenschrei kam. Als er bei Apollon ankam, hatte dieser bereits seinen Kopf auf den Boden geknallt und die Tränen rannen. Ununterbrochen hörte er die Stimme des Teufels in seinem Kopf und die Schmerzen wollten einfach nicht aufhören. "Prinz Apollon", sprach der weiße Magier zu ihm. Apollon sah zu ihm, was ihm einiges an Überwindung kostete. "Versucht euch gegen ihn zu wehren. Ihr könnt das schaffen", mit diesen Worten versuchte der weiße Magier ihm zu helfen. Doch Apollon konnte nichts dagegen tun. Er gab sich die größte Mühe, jedoch veränderte sich nichts. Eine ganze Weile sprach der weiße Magier auf Apollon ein, jedoch änderte sich rein gar nichts. Als er den Anblick nicht mehr ertragen konnte und auch sonst keine Lösung wusste, schlug er Apollon mit einem gezielten Schlag ins Genick K.O.

Als Apollon wieder zu sich kam und aufrichtete, lag er in einem sehr weichen Bett in einem sehr edel eingerichtetem Zimmer. Er war allein und nutze den Augenblick, um das Zimmer auf sich wirken zu lassen: Rote Vorhänge vor den weißen Gardinen am Fenster, ein heller, hölzerner Schreibtisch mit passendem, gepolstertem Stuhl, ein Schrank mit Schubladen aus dem gleichen Holz und ein Nachschränkchen ebenfalls das gleiche, helle Holz. Er stand auf, der Teppichboden unter seinen Füßen war herrlich weich. Kaum hatte er seine Schuhe entdeckt, zog er diese auch wieder an. Unsicher ging er zur Tür.

Wo bin ich hier? Was ist eigentlich zuletzt passiert? Ich hatte Schmerzen... der Teufel und dann? Ich glaub da war ein weißer Magier, bin mir aber nicht sicher. Hat er mich hier her gebracht?

Er öffnete die Tür und tratt in einen langen Gang hinaus, der sich nach rechts zu biegen schien. Beide Richtungen versprachen nichts als unendlich Türen, so schien es. Apollon entschloss sich dem Gang nach rechts zu folgen, da dieser sich bog. Nachdem er ein Stück gegangen war, erblickte er eine Tür die offen stand. Es war Vorsicht geboten, schließlich wusste er nicht, wer hier wohnte. Erst einmal horchte er. Eine ältere Stimme sprach gerade: "Es ist nicht nur meine Pflicht den Prinzen zu beschützen, sondern auch eine Ehre. Macht euch keine Gedanken um meine Sicherheit." Die Stimme einer Frau antwortete: "Cantio, ich möchte doch nur, dass dir nichts passiert. Du musst das nicht tun." Apollon erkannte die Stimme wieder. Es war die Stimme aus seinen Träumen, die weiße Wölfin. Wie gebannt, ging er jetzt auf das Zimmer zu und blieb dann in der Tür stehen. Da waren sie, die vier weißen Magier von damals. Die weiße Wölfin saß auf einem Sofa, ihr gegenüber auf einem Sessel Sovos, am Fenster stand der Magier mit dem Seidenmantel und der ältere, weiße Magier stand fast direkt neben der weißen Wölfin. Sovos stand auf, als er Apollon bemerkte und lächelte: "Apollon, wie geht es dir? Setz dich doch zu uns." Er rührte sich jedoch nicht und sah total fixiert auf die weiße Wölfin. Sie lächelte sanft: "Komm her, Apollon." Sie deutete mit der Hand auf den Platz neben ihr. Erneut zögerte er, dann aber ging er an Sovos vorbei und setzte sich auf den zugewiesenen Platz. Der ältere Wolf nahm nun etwas Abstand, behielt aber Apollon im Auge. Apollon versuchte sich zusammen zu reißen und blickte fragend zu Sovos: "Wo bin ich hier?" "In einem unserer Häuser", erklärte Sovos, "die bezauberne Wölfin neben dir ist übrigens deine Mutter." Das hatte er sich schon gedacht, aber nun wusste er es sicher. Ihm würden jetzt so viele Fragen einfallen, aber er fühlte einfach völlig verunsichert. Avisa deutete lächelnd auf die anderen beiden Magier, zuerst auf den älteren, dann auf den Magier am Fenster: "Das ist Cantio und das ist Devoto. Sie sind unsere Leibwächter und mit die stärksten weißen Magier, die es gibt." Cantio und Devoto nickten Apollon höflich zu. Apollon konnte seine Fragen nun doch nicht mehr zurück halten: "Wie bin ich..." Sovos unterbrach ihn: "Hierher gekommen? Einer unserer weißen Magier hat dich gefunden und dich K.O. geschlagen, dann brachte er dich hierher. Man hat uns bescheid gegeben und so machten wir uns auch auf dem Weg." Er sah nun fragend seine Mutter an: "Warum hast du mir diese Träume geschickt?" Avisa nahm Apollons Hand und lächelte ihn beruhigend an: "Wir haben sovieles Schreckliches über Corvus gehört. Von meinem geliebten Sohn Apollon schien nichts mehr übrig zu sein. Ich beschloss dich in deinen Träumen zu besuchen, um dein wahres Inneres wiederzuerwecken und wie es aussieht, hat es funktioniert."

Mein wahres Inneres? Ich verstehe das noch immer nicht. Was meint sie damit?

"Was ist mein wahres Inneres?", fragte Apollon ruhig. Avisa zeigte lächelnd sehr viel Verständnis: "Du bist mein Sohn Apollon, der Prinz der weißen Magier. Du bist im Innersten gut. Auch dein Vater war nicht böse. Er wollte nur das Beste für unsere Familie. Er büste dafür, dass er seinen Auftrag mich zu töten nicht erfüllte. Aposter konnte das einfach nicht tun. Mit einem Schlag hatte er sich verliebt und als er Tag für Tag vor unserem Grundstück stand, lernte ich ihn besser kennen und verliebte mich auch. Doch er wollte nicht versuchen zu fliehen. Das Risiko war ihm zu groß, dass wir in noch mehr ins Blickfeld des Teufels geraten würden. Dabei führen wir schon seit Jahrtausenden Krieg mit dem Teufel. Als du geboren wurdest, war er sehr glücklich. Den Namen für dich suchte er aus. Apollon, der Vernichter des Teufels und Abwehrer jeden Unheils. Ein wunderbarer Gedanke und der Name klingt ja auch sehr schön, findest du nicht?" Apollon nickte leicht.

Mein Vater war ein Narr. Deswegen wird er auch auf Ewig als verlorene Seele in der Hölle bleiben müssen. Er hätte doch fliehen können. Jetzt ist mir das Klarer als je zuvor. Er hat mich einfach im Stich gelassen.

Avisa streichelte ihm leicht über den Rücken: "Hat man dir erzählt, wie dein Vater starb?" Apollon atmete tief durch: "Fusco hat mir erzählt, dass der Teufel ihm noch zeigte, dass er mich geholt hatte und ihn dann mit entsetztem Blick tötete. Er schlitze ihm die Kehle auf." Einen Moment schwiegen alle. Sovos ergriff dann das Wort: "Apollon, weißt du inzwischen was du willst?" Apollon nickte: "Ich will nicht mehr zurück. Auf keinen Fall." Dann begann Sovos zu erzählen: "Wie du ja nun weißt, bist du der Prinz der weißen Magier. Das bedeutete natürlich nicht, dass man sich nur von vorne bis hinten bedienen lässt. Man hat bestimmte Pflichten und die wirst du kennen lernen. Außerdem werde ich dir die weiße Magie beibringen und auch unsere besonder Form dieser, die Krähenmagie. Sie ist nur der Adelsfamilie gegeben und sehr mächtig." Er hörte aufmerksam zu und dachte dann an seinen Verfolger: "Was ist mit dem Teufel? Er wird Diener und Dämonen schicken." Avisa lächelte beruhigend: "Hier bist du sicher." Sovos sah ihn ernst an: "Da der Teufel dich unter Kontrolle bringen kann, darfst du erstmal das Haus nicht verlassen, bis uns da etwas einfällt. In den Garten kannst du ruhig gehen, aber nicht das Grundstück verlassen. Innerhalb unserer Grundstücke hat der Teufel keine Macht und kein Diener oder Dämon kommt hier ohne unser Wollen herein." Devoto fügte amüsiert hinzu: "Du hättest übrigens unser Grundstück betreten können, wenn du es versucht hättest. Wieviel Tage habt ihr da eigentlich Wache gehalten?" Apollon zuckte mit den Schultern: "Ich weiß nicht genau. Zwischenzeitlich saß ich in der Hölle fest."

Das ich eine gespaltene Persönlichkeit habe und meine Persönlichkeiten gegeneinander angekämpft haben, verschweige ich mal lieber. Irgednwann werde ich ihnen aber sagen müssen, dass ich eine gespaltene Persönlichkeit habe, wenn sie es nicht sowieso selbst merken.
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Luna42
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BeitragThema: Re: Die Krähe im Wolfspelz (Urversion)   07.01.17 17:19

Devoto ließ nicht locker: "Wieso saßt du in der Hölle fest? Hatte der Teufel dich abgezogen?" Apollon wollte auf diese Fragen nicht antworten. Er stand auf: "Ich muss erst mal an die frische Luft." Avisa wollte ihn davon abhalten, aber Sovos nickte bereits: "Das kann ich verstehen, aber bleib auf dem Grundstück." "Sicher", bestätigte Apollon und ging dann aus dem Zimmer, den langen Gang hinab und schließlich fand er eine Tür, die nach draußen führte. Im Garten waren noch andere weiße Magier, sie verneigten sich leicht. Apollon war das unangenehm und er versuchte es zu ignorieren. Im Schatten eines Baumes setzte er sich in die Wiese, lehnte sich an den Stamm und dachte nach.

Ich bin ein Prinz, wirklich ein Prinz. Ich kann das einfach nicht fassen. Mein ganzes Leben lang war ich nur ein Diener, der Henker des Teufels nannten mich einige. Corvus, der schrecken jedes Dieners... und nun soll ich ein Prinz sein? Das ist zuviel, aber es wird eh nicht lange anhalten. Meine gespaltene Persönlichkeit, die schwarze Magie... sowas kann doch kein Prinz der weißen Magier sein... meine Mutter und Sovos sind so nett zu mir. Auch die anderen weißen Magier scheinen keinen Groll gegen mich zu hegen. Aber wieso? Sie wissen doch, wer ich bin... sie müssten mich hassen.

Apollon bemerkte gar nicht, wie eine weiße Wölfin ihm näher kam und sich vor ihn hockte, so versunken war er in seinen Gedanken. "Apollon", sagte sie sanft. Er kannte diese Stimme und blickte sie an: "Venusta..." "Du siehst nicht glücklich aus. Freut es dich gar nicht wieder bei deiner Familie zu sein?", fragte sie besorgt. "Doch, ich glaube es freut mich", antwortete er knapp. Er fühlte sich noch immer unsicher. Venusta setzte sich neben ihn: "Zieh dich nicht so zurück. Sprich offen über das, was dich beschäftigt." Apollon sah sie ungläubig an und dachte über ihre Worte nach: "Ich bin anders." Venusta lachte darüber leicht: "Wie anders? Weil du schwarze Magie hast oder weil du dem Teufel gedient hast? Ich sehe nicht Corvus den Mörder hier sitzen, sondern Apollon unseren Prinzen. Bleib dir selbst treu Apollon. Niemand wird dich wegen deiner Vergangenheit hier verachten." "Hmm", machte Apollon nur.

Fusco war mal wieder in die Hölle zurück gekehrt, um das Neuste zu erfahren. Der Teufel schien noch wütender zu sein, als die letzten Tage, denn das ganze Schloss schien von seinen Wutausbrüchen zu beben. Fusco nährte sich dem Thronsaal, um mitzubekommen, was eigentlich los war. Ein paar Diener behaupteten, dass Apollon bei weißen Magiern untergekommen war. Der erste, der es ausgesprochen hatte, lag bereits tot im Thronsaal. Die anderen knieten noch zitternd nieder. "Verschwindet! Aus meinen Augen!", die Diener rannten regelrecht aus dem Thronsaal an Fusco vorbei. Er zog sich fürs Erste zurück und dachte nach. Apollon war also bei den weißen Magiern. Einen sichereren Ort, um vor dem Teufel zu fliehen, gab es wohl nicht. Das beruhigte Fusco. Trotzdem würde er gerne seinen Freund wieder sehen. Nur wusste er nicht einmal, wo Apollon genau anzutreffen war. Die weißen Magier hatten auf der ganzen Welt ihre Häuser versträut und es musste nicht einmal bedeuten, dass er in einem von diesen Häusern war. Somit konnte er erst einmal nur abwarten, was geschehen würde.

Die Tage vergingen und Apollon verstand sich bestens mit seiner Mutter und Sovos. Auch mit den beiden Leibwächtern Cantio und Devoto kam er gut zurecht. Trotzdem gab Apollon immernoch wenig von sich preis. Seine gespaltene Persönlichkeit hatte er bis jetzt unter Kontrolle halten können und bis jetzt schien auch niemand verdacht geschöpft zu haben. Venusta und er hatten sich wieder vertragen und waren ein richtiges Liebespärchen geworden. Das einzige, was Apollon noch belastete, war dass er das Haus nicht verlassen durfte. Er wollte sein Leben nicht auf diesem Grundstück verbringen und auch noch die Welt da draußen mit anderen Augen kennen lernen. Nicht als Mörder, Auftragskiller und Aufpasser für solche, sondern als freier Wolf. Doch die Gefahr war zu groß das Grundstück zu verlassen, dass wusste er. Damit würde er sich abfinden müssen bis eine andere Lösung sich ergeben würde.

Der Teufel hatte inzwischen einen neuen Plan gefasst. Apollon würde ihm so nicht davon kommen. Die übrigens vier Diener Fel, Odi, Leana und Diritas wurden ausgesandt eine Stadt zu finden, in der fünf Friedhöfe so angeordnet waren, dass sie einen Fünfstern, also ein Pentragramm ergeben. Bis jetzt hatten sich damit jedoch nicht sonderlich viel Erfolg gehabt. In manchen Städten gab es nicht einmal fünf Friedhöfe. Fusco hatte davon bereits gehört und wurde nun nervös. "Apollon, wie kann ich dich nur warnen?", fragte er sich selbst innerlich, doch es gab keine Antwort auf diese Frage.

Sovos versuchte inzwischen Apollon die weiße Magie näher zu bringen, jedoch war Apollon nicht gerade begabt. Die schwarze Magie zu nutzen, was für ihn soviel einfacher. Hass und Wut zu empfinden war ein Teil von ihm und nun sollte er an etwas Schönes denken? Jemanden beschützen wollen? Bis auf ein paar Funken weiße Magie brachte er überhaupt nichts zu stande. Sovos hatte jedoch sehr viel Geduld und erklärte es ihm immer und immer wieder. Apollon hätte es am liebsten aufgegeben, aber das ließ Sovos nicht zu. "Du kannst das", ermutigte er Apollon immer wieder, jedoch schien das nicht sonderlich zu wirken. Avisa machte sich Sorgen, ob Apollon vllt doch nicht die weiße Magie von ihr geerbt hatte und sprach darüber mit Sovos: "Was ist wenn er wirklich nur diese Funken zustande bringen kann?" Sovos schüttelte den Kopf: "Er kann mehr. Das Krähensymbol ist sichtbar vorhanden, dass bedeutet, dass er auch über die Krähenmagie verfügt, was zwangsläufig auch bedeutet, dass er starke weiße Magie hervorbringen kann." Er lachte: "Es ist ja nicht wie bei dir, wo man das Krähensymbol nicht sieht. Apollon wird das lernen, mach dir keine Sorgen." Avisa nickte, aber Sorgen machte sie sich trotzdem. Wie würde Apollon damit zurecht kommen, als schwarzer Magier unter weißen Magiern zu leben. Es würde ihn sicher belasten.

Eine weitere Woche verging und Apollon hatte noch immer keine Fortschritte in der weißen Magie gemacht. Apollon selbst glaubte schon nicht mehr daran, dass er es je lernen würde. Sovos hingegen war fest davon überzeugt. Gerade als sie wieder eine Unterrichtsstunde beginnen wollte, begann der Boden zu Beben und ein Sturm schien draußen aufzuziehen. Ein weißer Magier kam zu Sovos geeilt: "Sovos, es regnet Asche, der Himmel färbt sich schwarz, die Erde bebt und ein gewaltiger Sturm scheint aufzuziehen." Nun wurde Sovos Blick sehr ernst und gleichzeitig besorgt: "Alamiert alle Häuser. Wir müssen sofort gegen ihn vorgehen." Der weiße Magier eilte davon. Apollon sah Sovos fragend an: "Was passiert gerade?" Sovos wusste, dass Apollon dieses schockieren würde, doch konnte er ihm die Wahrheit nicht verheimlichen: "Der Teufel hat soeben unsere Welt betreten." Dann ging er ebenfalls schnellen Schrittes davon. Apollon stand noch total geschockt da, die Worte von Sovos klangen in seinen Ohren wieder und nachdem ihr klar wurde, was dies bedeutete, schrie er innerlich auf.

Der Teufel ist hier... wie soll man ihn besiegen? Er ist so mächtig... das ist nicht möglich. Es ist vorbei.

Apollon rannte nun in den Flur, um das Geschehen mitzuverfolgen. Er versuchte seine innere Panik zu verbergen. Devoto kam auf ihn zu und legte leicht seine Hände auf seine Schultern: "Mein Prinz, ihr müsst hier bleiben. Verlasst auf keinen Fall das Haus. Ich bitte euch, es ist zu eurer eigenen Sicherheit." Einen Moment blickte er Apollon noch an bis dieser leicht nickte, dann ging er. Die weißen Magier verließen das Haus, um gegen den Teufel anzutreten. Nur Venusta war geblieben und sprach sanft auf Apollon ein: "Es wird alles gut gehen. Sie schicken den Teufel zurück in die Hölle und dann kommen sie zurück. Du musst ihnen vertrauen." Er sah Venusta an, brachte aber kein Wort heraus. Wie gerne er das glauben würde, doch er hatte so oft schon die Macht des Teufels zu spüren bekommen, dass er wenig Hoffnung hatte. Venusta geleitete Apollon ins Wohnzimmer, wo er sich ans Fenster stellte und hinaus blickte. Sie setzte sich auf das Sofa: "Ich werd die ganze Zeit hier bleiben bis alle zurück sind und sie kommen zurück, glaube mir."

Wärenddessen war der Teufel in der Stadt mit den fünf Friedhöfen, die wie ein Pentagramm angeordnet waren auferstanden. Die vier Diener hatten von allen vier Friedhöfen Asche besorgt, diese in der Mitte des Pentragrammes positioniert und den Teufel herbei gerufen. Nun scharrte der Teufel sämtliche Diener und Dämonen um sich, die die ganze Stadt besetzten, um Mord und Verzweiflung zu sehen. Der Teufel selbst wuchs zu gigantische Größe heran, höher als ein 20-stöckiges Gebäude. Die weißen Magier sammelten sich um die Stadt und griffen dann gemeinsam an. Ein Krieg entbrannte. Avisa wurde von Cantio und Devoto beschützt, wärend sie mit einen riesen Schwarm von weißen Magiekrähen angriff. Sovos schlug sich alleine durch mit weißen Magiekugeln und ab und zu versuchte er mit einer riesigen weißen Magiekrähe dem Teufel zu schaden. Für diese war das ganz schön unangenehm, aber er vernichtete ihn nicht. Die anderen weißen Magier schossen mit weißen Magiekugeln auf Diener und Dämonen, welche selbst mit schwarze Magie angriffen oder auch mit ihren Waffen, wenn sie auf Nahkampf speziallisiert waren. Auf der ganzen Welt herrschten derweil Umweltkatastrophen: Vulkane brachen aus, Tornados tobten, Erbeben verschlungen Städte, riesige Wellen überschwämten Städte und die Asche regnete auf der ganzen Welt aus einem schwarzen Himmel.

Apollon sah immernoch besorgt aus dem Fenster. Er wusste, dass sicherlich ein erbitterter Kampf tobte und er selbst war sich nicht so sicher, ob er Sovos oder seine Mutter je wieder sehen würde.

Es ist vorbei. Ich hätte mich nie gegen den Teufel stellen sollen, doch nun ist es zu spät. Nur wegen mir werden sie sterben und ich stehe hier und tue nichts. Wie kann Venusta nur so ruhig bleiben, aber wahrscheinlich hat sie nur einfach keine Ahnung, wie mächtig der Teufel wirklich ist. Die ganze Welt wird er zerstören und nichts als Tod und Verzweiflung bringen. Vater, hast du das gewusst? Aber wenn du es wusstest, wieso wolltest du, dass ich fliehe oder verdummt man als verlorene Seele? Was mach ich mir Gedanken über einen Toten? Es hat doch keinen Sinn. Ich hatte mir doch geschworen nicht so zu enden, wie mein Vater und nun? Nun werde ich es doch. Durch Verrat an dem Teufel. Warum hast du mich nicht aufgehalten Fusco? Warum?

Venusta begann ein fröhliches Lied zu summen. Apollon horchte auf, sah aber weiter aus dem Fenster: "Wie kannst du jetzt so ein Lied summen?" Sie lachte leicht: "Ich hab doch gesagt, sie werden alle zurück kommen. Vertrau ihnen doch mal."

Das ist ein schöner Traum Venusta, aber die Realität sind anders aus. Es ist vorbei, einfach vorbei...

Fusco hielt sich wärenddessen aus den Kämpfen raus und suchte zwischen den weißen Magier nach Apollon. Er wollte mit ihm sprechen, dass musste er einfach und ihm auch helfen. Doch konnte er ihn bis jetzt nicht ausfindig machen. Nebenbei musste er zusehen, dass der Teufel nicht mitbekam, dass Fusco nicht für ihn kämpfte. Zur gleichen Zeit verstärkte sich der Wind in der Stadt, in welcher sich Apollon und Venusta befanden. Einige Gegenstände flogen durch die Gegend, prallen aber scheinbar gegen eine Art Barriere, die das Haus umgab. Apollon sah dem Geschehen bedrückt zu. Der Wind nahm immer mehr zu und dann wurde klar, was dort kam. Es war ein Tornado, der Stück für Stück die ganze Stadt verschlung.

Der Tornado verschlingt die Stadt und alle Bewohner. Unzählige Leute leben dort und ich stehe nur hier und schaue zu. Ich fühle mich, wie ein ehlender Feigling... der Teufel ist doch wegen mir hier, nur wegen mir und so viele sterben... wegen meiner Dummheit...

Apollon rannte aus dem Zimmer. Venusta sah ihm verduzt hinterher*: "Apollon?" Er lief durch den Flur und ging nach draußen. Der Tornado entfernte sich bereits. Apollon spürte den Wind nur leicht, da selbst dieser scheinbar von der Barriere abgehalten wurde. Niemand war dort. Alle weißen Magier waren los gezogen, um gegen den Teufel und seine Anhänger anzutreten. Er ballte die Fäuste und ging auf das Tor zu. Entschlossen öffnete er es und schritt nach draußen. Kaum hatte er einen Fuß vom Grundstück gesetzt, schien ihn eine gigantische Energie zu überfallen, sein Kopf schien vor Schmerzen explodieren zu wollen. Er stolperte nach vorne, schrie kurz auf und dann war er ganz still. Sein Blick richtete sich auf, ein teuflisch-krankes Grinsen spiegelte sich in seinem Gesicht wieder und er hörte den Teufel rufen: "Komm Corvus und vernichte die weißen Magier." Venusta kam aus dem Haus gerannt, doch bevor sie ihn erreichen konnte, verschwand er in grau-rotem Rauch. Sie sank auf die Knie und faltete die Hände: "Bei allen Mächten dieser Welt, bitte lasst ihn gesund wieder zurück kehren." Apollon tauchte in der Stadt auf, in welcher der Krieg tobte. Grinsend blickte er sich um, rannte dann los, um sich auf den nächsten weißen Magier zu stürzen. Fusco erblickte ihn jedoch, welcher gerade auf einem der Häuserdächer sich einen Überblick verschaffen wollte und sprang zu ihm runter. Kurz vor ihm kam er auf und packte Apollon an den Schultern: "Apollon, ich bin es Fusco." Jedoch nahm Apollon ihn gar nicht wahr und holte zum Schlag aus. Fusco ließ sich treffen und sah ihn grinsend an: "Noch immer so schlecht im Nahkampf." Der Spott über seine Nahkampffähigkeiten weckten in Apollon Erinnerungen und er blickte Fusco leicht lächelnd an: "Fusco..." "Es freut mich auch, dich wieder zu sehen", lachte er. Die beiden nickten sich zu und begannen dann auf die Diener und Dämonen des Teufels mit schwarzen Magiekugeln zu feuern. Der Teufel sah, dass Apollon nun wieder gegen ihn kämpfte und erzürnte noch mehr. Er erzeugte eine riesige schwarze Magiekugel und ließ sie auf Apollon los. Fusco bemerkte es noch rechtzeitig und fing den Angriff mit seinem Körper ab. Mit einem gewaltigen Knall wurde er zu Boden geschleudert. "Fusco!", schrie Apollon, eilte zu ihm und kniete sich herunter. Mit Tränen in den Augen sah er seinen Freund an: "Fusco... danke..." Fusco grinste ein letztes Mal, dann schlossen sich seine Augen und er starb.

Fusco... mein einziger Freund. Warum nur? Ich brauche dich doch. Was bin ich denn ohne dich?

Der Teufel lachte amüsiert über das Geschehen. So hatte er das zwar nicht geplant, aber Corvus am Rand der Verzweiflung zu sehen, war viel befriedigender, als sein Tod. Apollon stand auf, fest entschlossen sich und alle anderen zu retten, so wie Fusco es sich sicherlich gewünscht hätte. Noch immer liefen ihm die Tränen, doch er selbst begann zu leuchten, heller und heller. Mit einem Mal entlud sich dieses Licht und erhob sich als gigantische weiße Magiekrähe, welche Apollon auf den Teufel losschickte. Dieser hörte abprubt auf zu lachen und sah entsetzt zu der Krähe, welche sich durch seinen Körper bohrte. Es gab einen gewaltigen Knall und von dem Teufel war nichts mehr zu sehen, als hätte er sich im Nichts aufgelöst. Die Diener und Dämonen ergriffen die Flucht. Apollon leuchte erneut kurz auf, das Licht wurde kleiner und dort auf dem Boden saß eine schwarze Krähe. Sovos kam nun zu Apollon und ließ ihn auf seine Hand klettern. Der Blick von Sovos fiel auf Fusco, dann streichelte er Apollon über die Federn: "Er war ein wahrer Freund. Niemals hätte er gewollt, dass du um ihn trauerst."

Einige Wochen später war Fusco bereits beerdigt worden. Apollon hatte sich bereits nach einem Tag wieder zurück verwandelt und lernte nun die weiße Magie, welche er nun besser zustande bekam. Nebenbei beschäftigte er sich mit seinen Pflichten als Prinz und ging viel außerhalb mit Venusta sparzieren. Er war endlich frei und wollte für Fusco mit diese Freiheit erleben, in allen Zügen.

Apollons Erschaffung: Apollon ist aus einer spontanen Idee entstanden. Als Vivi ihren Charakter Takeru, den Seelenjäger ins RPG brachte, wandelte ich einen meiner Fantasycharkatere etwas um. Dabei handelt es sich um Krolock, den schwarzen Magier, der dem Teufel verpflichtet ist und jede Generation ihm Dienen muss. Sein Sohn Mars verfügte auch über Magie, allerdings weiße und er ließ diesen bei seiner Mutter zurück, um ihn vor dem Teufel zu verstecken. Apollon ist ein Mischmasch aus beiden. Deswegen verpasste ich ihm auch die gespaltene Persönlichkeit. Aller andere entwickelte sich erst später.

Namensbedeutungen und weiteres dazu:
Apollon - Vernichter, Unheilabwehrer (griechisch), griechischer Gott, ihm waren die Raben heilig
Fusco - schwärzen (lateinisch)
Sovos - frei erfunden, das Wort "successivus" (lateinisch), welches "nachfolgend" bedeutet, war mein Ideenursprung
Avisa - frei erfunden, das Wort "suavisaviatio" (lateinisch), welches "der süße Kuss" bedeutet, war mein Ideenursprung
Leana - die Löwin (italienisch)
Diritas - Grausamkeit (lateinisch)
Fel - Zorn (lateinisch)
Odi - hassen (lateinisch)
Egeo - Not leiden (lateinisch)
Sentis - Dornstrauch (lateinisch)
Caligare - umdunkeln (lateinisch)
Aposter - frei erfunden, das Wort "apostata" (lateinisch), welches "Abtrüniger" bedeutet, war mein Ideenursprung
Amelus - purpurne Sternblume (lateinisch - Originalschreibweise: amellus)
Devoto - verzaubern (lateinisch)
Cantio - Zauberformel/Zauberspruch (lateinisch)
Venusta - reizend (lateinisch)
Dimidius - halb (lateinisch)

Warum Krähen?
Krähen/Raben sind in der Mythologie mit vielen Sagen umwoben. Eine davon steht direkt in Verbindung mit dem Gott Apollon. Er schickte eine weiße Krähe aus, um seine Geliebte bewachen zu lassen. Doch obwohl sie bereits von Apollon schwanger war, betrug sie ihn mit einem König. Die Krähe berichtete dieses Apollon. Dieser war zornig darüber, dass die Krähe ihr nicht gleich die Augen ausgehackt hatte und verdammte die Krähe dazu schwarz zu sein. Das hat mich zu dieser Story inspiriert, in viellerlei Hinsicht:
- Avisa, die weiße Krähe
- Krähenmagie, eine besondere Form der weißen Magie
- ein weißer Magier wurde zum Schwarzen (Ursprung des Ganzen)
- die Krähenmagie, als eine Magie um zu beschützen
- das Krähensymbol

Warum der Gott Apollon?
Apollon oder auch Apoll genannt, ist ein sehr vielseitiger Gott. Er ist der Gott des der Jugend, der Kunst (insbesondere Musik und Dichtung), des Wissens, des Denkens, der Heilkunst, des Bogenschießens und wird später auch als Sonnengott oder Gott des Lichtes bezeichnet. Zur Zeit der römischen Kaiserzeit bekam er den Beinamen "Sol". Sol ist der Bruder von Luna, der Mondgöttin. Apoll steht in Verbindung mit Raben/Krähen und diese waren für ihn heilig, auch wenn er sie später strafte.

Fremdcharaktere:
Amelus - wird hier zwar nur erwähnt, aber ist in Wahrheit Angelfeathers Charakter Confaince, welcher von seinem Vater auf einer Insel ausgesetzt wurde, um dem Teufel zu entkommen; den Namen Confaince bekam er ja erst auf der Insel und kann daher in dieser Story nicht verwendet werden
Caligare - ist zwar mein Charakter, aber ist nur durch die Verwandtschaft mit Angelfeathers Charakter Confaince zu Aposter und Apollon überhaupt erwähnenswert geworden, somit ist Angelfeather mit bei der Entstehung dieses Charakters beteiligt gewesen

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Luna42
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BeitragThema: Re: Die Krähe im Wolfspelz (Urversion)   07.01.17 17:19

Ein halbes Jahr ist es nun schon her, seitdem der Teufel besiegt und Fusco tot ist. Apollon hat sich gut in die Rolle des Prinzen gefügt, kann es jedoch nicht ausstehen, wenn man Prinz zu ihm sagt. Trotzdem lässt er es über sich ergehen. Gerade ist er mal wieder mit Venusta in der Stadt unterwegs, was für Apollon inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist. Niemand läuft vor ihm schreiend weg oder versucht ihn zu töten. Seit einiger Zeit schon trägt Apollon seine Verbände nicht mehr, allerdings werden die Narben wohl nie richtig verschwinden. Am linken Ohr, am linken Arm sowie am linken Bein hat er jeweils eine kleine Narbe, knapp unter der Brust sind es zwei große Narben. Venusta stört sich daran nicht, auch wenn die Leute manchmal seltsam schauen. Die beiden sind auf den Weg in den Rosengarten. Apollon liebt Rosen und er freut sich immer wieder dort hin zu gehen. "Wir könnten doch morgen einmal alle zusammen ein Picknick machen. Was hälst du davon?", fragte Venusta ihn plötzlich. "Sicher", bestätigte Apollon leicht lächenld, "wieso auch nicht." Doch dann blieb er aufeinmal stehen.

War das ein kalter Lufthauch. Wir haben Hochsommer, wo kommt da so ein kühler Wind her?

Er sah zu einem Schaufenster und erblickte darin gespiegelt die Fratze des Teufels, direkt hinter sich. Wie erstarrt stand er da und rührte sich nicht. Zu groß war der Schock, dass er ihn dort sah. Venusta bekam von dem allem nichts mit. Sie kaufte gerade bei einem Obsthändler ein und bestaunte die exotischen Früchte, die dieser anbot. Apollon sah wie der scheinbar in seinen Körper ging, aber er spürte nichts außer einem kühlen Lufthauch. Als der Teufel dann nicht mehr im Schaufenster zu sehen war, rührte sich Apollon endlich, schüttelte leicht den Kopf und ging zu Venusta.

Jetzt beginne ich mir schon Sachen einzubilden. Das ist doch absurd, der Teufel ist tot und ich brauche mir nie mehr deswegen Sorgen zu machen.

Die beiden gingen wie vorgehabt später in den Rosengarten, genossen das schöne Wetter und ihre Zweisammkeit. Apollon hatte schon längst wieder vergessen, was er dort im Schaufenster gesehen hatte und war einfach nur glücklich mit Venusta einen so schönen Tag zu verbringen. Als sie jedoch zurück zum Grundstück kamen und zurück ins Haus gehen wollten, fühlte sich Apollon jedoch unwohl. Er hatte ein leichtes Übelkeitsgefühl, ließ sich aber nichts weiter anmerken. Nach dem Abendessen zog er sich auch in sein Zimmer zurück. Allen fiel auf, dass dies ungewöhnlich für Apollon war. Er genoss es fast jeden Abend im Garten zu sitzen und den Nachthimmel zu betrachten und ansonsten saßen sie zusammen im Wohnzimmer. "Ist irgendetwas vorgefallen?", wollte Sovos nun von Venusta wissen. "Nein, es war alles wie immer. Vllt ist er einfach nur müde." Avisa sah sehr besorgt aus: "Ich hoffe es."

Apollon schlief die Nacht sehr schlecht. Ständig träumte er vom Teufel, drehte sich im Bett und wachte mehrmals auf. Als der Morgen anbrach atmete er schwer und fieberte. Ihm war unheimlich heiß und die Übelkeit von gestern Abend hatte auch nicht nachgelassen. Bis um 10 Uhr morgens lag er im Bett, dann kam Sovos herein: "Guten Morgen Apollon..." Den Satz, den er hinzufügen wollte, brach er ab und ging auf Apollon, um seine Stirn zu fühlen: "Du siehst gar nicht gut aus und du bist ganz heiß." Sovos rief nach einen weißen Magier, nicht einmal den Namen konnte Apollon verstehen. Er fühlte sich für alles zu schwach. Ein hellgrauer Wolf trat ein und verbeugte sich leicht. Die beiden unterhielten sich kurz, jedoch kam es Apollon vor, als wären sie ganz weit weg. Er verstand kein einziges Wort. Schließlich stand der hellgraue Wolf neben ihm, fühlte ihm die Stirn, blickte ihm die Augen und legte die Hand auf seine Brust. "Es hat ihn übel erwischt", hörte Apollon ihn nun sagen, "ich werde mit meinen Heilfähigkeiten zu seiner Genesung beitragen. Macht euch keine Gedanken." Sovos schien darüber erleichtert zu sein, denn er lächelte leicht. Dann spürte Apollon erneut die Hand des Magiers auf seiner Brust und wie ihm eine angenehme Energie durchströmte. Seine Atmung wurde gleich viel ruhiger und die Hitze schien langsam zu verschwinden.

Sovos berichtete Avisa und Venusta von Apollons Krankheit. Avisa war besorgt: "Das hört sich nach einer Sommergrippe an. Mein armer Junge." Venusta beruhigte sie: "Apollon geht es schon bald wieder besser, da bin ich mir sicher." Sovos nickte zustimmend: "Ein Heiler ist bei ihm. Er ist sicher schnell wieder auf den Beinen." Doch da irrte sich Sovos. Immer wenn es Apollon endlich besser zu scheinen ging und der Heiler aufhörte seine Genesung zu unterstüzten, brach erneut das Fieber aus und es ging ihm wieder schlechter. Niemand verstand, was das war. Eine so hartnäckige Krankheit war niemandem bekannt. Sovos begann schon in der Bibliothek nach Flüchen und Bannzaubern zu suchen, die darauf passen würden. Den ganzen Tag verbrachte er dort immer, jedoch fand er nichts. Venusta saß stundenlang an seinem Bett und beobachtete ihn, wenn er schlief. War er jedoch wach, dann beruhige sie ihn mit ihren Worten, dass er bald wieder auf den Beinen sein würde. Der Heiler gab immernoch sein Bestes. Avisa war ständig den Tränen nahe und wurde von Devoto und Cantio aufgemuntert, obwohl den beiden das nicht so gut gelang.

"Corvus! Du hast mich doch nicht etwa vergessen?", lachte eine dunkle Stimme. Apollon erkannte sie, es war die des Teufels. Mit einem Schlag war er in der Hölle. Wie war er dort hingekommen. Panisch sah er sich um. Die Stimme des Teufels lachte erneut. Aus einem Flammenmeer bildete sich der Teufel vor ihm. "Ich habe keine Verwendung mehr für dich", er lachte höllisch. Apollon wich ängstlich zurück, jedoch packte der Teufel ihn und schlug ihm seine Krallen durch das Herz. Er riß die Augen auf, es war nur ein Traum. Sein Fieber war unheimlich angestiegen und er sah, wie der Heiler versuchte es mit seinen Kräften zu senken.

Werde ich sterben? Ich fühle mich so schwach.

Ganze zwei Wochen ging das so. Apollon Fieber nahm durch den Heiler ab und stieg wieder durch seine Träume oder wenn der Heiler eine Pause machte. Sovos, Avisa und Venusta waren schon am Boden mit den Nerven. Doch von einem Tag auf den anderen ging es aufeinmal Apollon besser. Das Fieber war verschwunden, keine Übelkeit und er fühlte sich auch nicht mehr so schlapp. Alle waren erleichtert und der Alltag kehrte zurück. Jedenfalls schien es anfangs so, jedoch war Apollon viel gereizter als sonst. Sovos nahm an, es wäre einfach Stress und er fühle sich nach der Krankheit noch nicht so gut. Doch Venusta und Avisa machten sich wirklich Sorgen. Venusta versuchte Apollon aufzumuntern: "Lass uns doch wieder in den Rosengarten gehen." "Geh doch, wenn willst", antwortete er genervt. Sie stellte sich vor ihn und schaute ihn verärgert an: "Apollon, was ist nur los mit dir?" "Musst du mir so auf die Nerven gehen?", erwiederte er. Das war Venusta zu viel. Wütend stampfte sie davon: "Mach doch was du willst." Apollon machte überhaupt nichts. Er saß immer nur in seinem Zimmer am Fenster, blickte ab und zu heraus und sonst tat er nichts.

Die anderen waren sehr um Apollon besorgt. Irgenetwas war geschehen, sonst würde es sich doch nicht so aufführen. Venusta versuchte mit ihm zu reden, immer und immer wieder, doch Apollon war immer nur genervt von ihr und versuchte sie so gut er konnte zu ignorieren. Bis Venusta es schließlich auf gab. "Dann mach doch was du willst!" schrie sie ihn an, ging aus dem Zimmer und knallte die Tür zu. Apollon rührte sich nicht. Er genoss einfach nur die Ruhe, die er nun erhalten hatte. Doch kurze Zeit später kam Sovos herein, sehr verärgert: "Was ist nur mit dir los? Reiß dich mal zusammen Apollon! So benimmt man sich wirklich nicht! Weißt du überhaupt, wie sehr du Venusta verletzt hast?" Apollon knurrte: "Geh mir nicht auf die Nerven." "Jetzt reicht es", knurrte Sovos, er war noch nie so wütend auf Apollon gewesen, "du kommst jetzt mit ins Wohnzimmer und beginnst dich endlich wieder normal zu benehmen. Hast du mich verstanden?" "Ich glaube nicht, dass du das Recht hast, so mit mir zu sprechen. Du bist nicht mein Vater!", gab Apollon zurück. "Ich bin zwar nicht dein Vater, aber wenn Aposter hier wäre, würde es sich für dich schämen. Das kannst du mir glauben!" "Was interessiert mich das? Ihr nervt alle nur." Sovos drehte sich weg: "Wenn du wieder zu Verstand kommst, weiß du ja, wo du mich findest." Er ging.

Zwei weitere Tage blieb Apollon in seinem Zimmer und tat einfach nichts. Wie aus dem Nichts, bekam er einen Wutausbruch und schmiss das Foto von seiner Mutter und seinem Vater, welches auf dem Nachttisch stand, einfach gegen die Wand. Durch den Krach wurde Sovos natürlich aufmerksam sowie auch Avisa. Beide gingen sie zu Apollon ins Zimmer. Avisa erschrack, als sie sah, was Apollon getan hatte. Trotzdem machte sie sich ohne Kommentar daran das Bild und die Scherben aufzusammeln. Sovos jedoch war mehr als wütend: "So langsam tickst du total aus! Was denkst du dir dabei? Warum tust du das?" Apollon knurrte und erzählte leise: "Aposter war ein Narr. Ich hasse ihn. Er hat mich einfach im Stich gelassen. Hätte er sich für das Leben hier entschieden, wäre alles gut geworden, aber er zog es vor zu sterben. Ich werd ihm das niemals verzeihen, niemals." Er ballte die Fäuste. Avisa legte das kaputte Bild auf den Nachttisch und ergriff Apollons Hände: "Apollon, dass ist doch nicht wahr. Dein Vater wollte nur das beste für dich. Niemals wollte er, dass du in der Hölle landest. Er hatte einfach Angst um dich. Versteh das doch." "Elender Feigling!", knirschte Apollon zwischen den Zähnen hervor. Sovos wandt sich beruhigend an Avisa: "Lass ihn! Wenn er meint, sich völlig von der Familie abschotten zu müssen, dann soll es es tun. Sollte er es sich anders überlegen, wird er schon kommen." Sovos verließ das Zimmer. Avisa sah noch einmal zu Apollon: "Wenn irgendetwas ist und du reden möchtest, ich höre dir doch zu." "Ich möchte über nichts reden", gab Apollon stur zurück. Sie nickteund ging traurig aus dem Zimmer.

Sovos lass wenig später in der Bibliothek, ein wenig über die Vergangenheit der weißen Magier und dachte über die Geschichte nach. Einst lebten die weißen Magier noch gemeinsam in einer großen Stadt, man nannte sie auch den White Place. Die Adelsfamilie lebte in einem großen weißen Palast. Schon damals waren sie mit dem Teufel verfeindet und es kam nicht selten vor, dass Diener und Dämonen des Teufels die Stadt angriffen. Ein weißer Magier jedoch verbündete sich mit dem Teufel. Seine Frau war totkrank. Sie hatte Krebs und so schloss er einen Pakt mit dem Teufel ohne die geringsten Bedenken. Für seinen Verrat wurde er und auch seine Frau aus den Reihen der weißen Magier verbannt. Heute ist Apollon der Nachfahre dieses weißen Magiers und Prinz der weißen Magier. "Ach Apollon, bitte stelle dich nicht gegen dein eigenes Volk, egal was mit dir los ist", sprach Sovos leise vor sich hin.

Sovos ließ Apollon einfach in Ruhe und wartete ab, dass er von alleine kommen würde. Avisa brachte ihm immer wieder etwas zu essen, da nicht mal mehr dafür aus seinem Zimmer heraus kam. Er schotttete sich völlig von allem ab. "Das Essen schmeckt ja furchtbar", knurrte Apollon. Avisa sah besorgt zu ihm: "Das hast du schon öfter gegessen." "Aus reiner Höflichkeit", knurrte er erneut. "Verstehe", gab Avisa bedrückt zurück. "Was verstehst du schon? Als ob du wüsstest, was in mir vor geht. Wo warst du denn mein ganzes Leben lang?" Avisa traff das schwer und sie ging traurig aus dem Zimmer. Apollon spürte keinerlei Reue so mit seiner Mutter gesprochen zu haben. Es vergingen keine fünf Minuten, dann kam Sovos wütend ins Zimmer: "Mir reicht es mit dir! Raus!" Apollon lachte: "Du schmeißt mich raus?" "Oh ja, das tue ich! Und komm erst wieder, wenn du dich entschließt wieder normal zu sein!" schrie Sovos ihn wütend an. Amüsiert ging Apollon und verließ das Haus. Um sicher zu gehen, dass er auch wirklich ging, folgte Sovos ihm bis nach draußen. Apollon drehte sich nicht ein einziges Mal um und ging einfach. Wohin er genau wollte, wusste er nicht, jedoch lachte er immernoch in sich hinein, da Sovos ihn heraus geworfen hatte.

Tagelang war Apollon alleine in der Stadt unterwegs und begann sich sein Essen zu stehlen. Kam ihm jemand dumm, zeigte er ihm mit seiner schwarzen Magie, wo sein Platz war. Langsam sprach es sich rum und die Leute in der Stadt hielten von ihm Abstand. Auch Sovos war dieses bereits zu Ohren gekommen und er schüttelte traurig den Kopf: "Wie konntest du nur so werden?" Avisa hielt sich für eine schlechte Mutter und Sovos versuchte sie vergeblich vom Gegenteil zu überzeugen. Schließlich konnte Avisa nichts dafür, dass Apollon beim Teufel landete. Obwohl Sovos sich selbst damals eine Menge Vorwürfe gemacht hatte. Wäre er an dem Tag mit gegangen, hätte vielleicht einer von ihnen es geschafft den Diener, der sich Apollon geschnappt hatte zu folgen und sie hätten sich nicht von den anderen Dienern abhalten lassen. Zu viert waren die Diener und nur zu dritt waren sie. Avisa wurde von Devoto und Cantio begleitet. Niemand hatte damit gerechnet, dabei hätten sie es in Erwägung ziehen müssen, dass der Teufel verdacht geschöpft hatte. Schließlich kam Aposter jeden Tag zu Avisa und war dadurch immer länger als zuvor fort. Einen Kampf mit den weißen Magiern wollten sie jedoch nicht riskieren. Avisa, Devoto und Cantio waren mit Apollon in der Stadt unterwegs, als sich ein Diener von einem Gebäude herab fallen ließ und sich den kleinen Apollon aus dem Kinderwagen krallte. Der Diener war wirklich flink und rannte so gleich davon. Avisa, Devoto und Cantio wollten gleich hinterher, doch drei weitere Diener stellten sich ihnen in den Weg bis der andere Diener mit Apollon in der Hölle verschwunden war. Dann waren die drei auch sogleich fort. Es war ein sehr düsterer Tag und die Tage darauf hörten sie auch nichts von Aposter. Wahrscheinlich hatte man ihn getötet. Avisa war wochenlang nicht ansprechbar. Sie ging immer sofort in Tränen auf, wenn man versuchte mir ihr zu reden. Von Apollon hörten sie dann erst wieder, als er bereits 10 Jahre alt war. Unter dem Namen Corvus war er schnell verrufen und gefürchtet. Jeder Magier weit und breit kannte seinen Namen und die Gefahr, die damit zusammen ging. Sovos hatte damals schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass Apollon sich jemals vom Teufel lösen würde und vorallem ändern könnte. Als es dann soweit war, hätte er glücklicher nicht sein können. Wie oft hatte er von den weißen Magiern gehört, was für ein eiskalter Killer er doch war und doch zeigte er sich hier gar schüchtern und zurückhaltend. Nun aber, war das nicht mehr so. Hatte er ihnen die ganze Zeit etwas vorgemacht? War das der wahre Apollon? Sovos wusste es nicht und konnte nur hoffen, dass er zurück käme und alles wieder in Ordnung kommen würde.

Apollon hatte die Nacht in einer fremden Wohnung verbracht. Anfangs hatte ihm die Polizei Schwierigkeiten gemacht, da sie versuchten ihn zu vertreiben. Da aber sämtliche Versuche die Wohnung zu stürmen, fehlgeschlagen waren und die Polizisten teilweise schwer verletzt wieder raus kamen und von schwarzen Kugeln, die leuchteten und durch die Luft flogen berichteten, gingen sie dazu über das Haus einfach nur zu umstellen und Apollon immer wieder aufzufordern mit erhobenen Händen heraus zu kommen. Apollon dachte jedoch nicht daran und hatte sich auf eines der Betten der Familie, die dort gewohnt hatte gelegt. Sie hatten panisch die Flucht ergriffen, nachdem Apollon ihnen mit seiner schwarzen Magie zeigte, wozu er im Stande war. Durch den ständigen Lärm von draußen konnte er zwar nicht sonderlich viel schlafen, aber hatte doch ab und zu ein Auge zugemacht.

So langsam gehen mir die echt auf die Nerven.

Auf einmal hatte Apollon nicht mehr das Bedürfnis sie einfach nur zu verscheuchen. Er wollte sich mit ihnen anlegen, sich streiten und einen Kampf riskieren. Mit einem fiesen Grinsen stand er auf und ging zum Fenster, wo man ihn gut sehen konnte. Einige Scharfschützen hoben ihre Waffen und begannen auf Apollon zu zielen. Erneut erklang eine Stimme aus einem Megafon: "Kommen sie mit erhobenen Händen heraus!" Apollon wollte ihnen diesen Gefallen tun, allerdings nicht mit erhobenen Händen. Er öffnete das Fenster und sprang heraus auf das Vordach. Es fielen sofort eine Schüsse, welchen Apollon auswich. Jedoch striff ihn einer der Schüsse, was ihn jedoch nicht davon abhielt weiter hinab zu rennen auf die Polizisten zu. Mit einem weiteren Satz landete er vor den Polizisten, die nun auf ihn zustürmten, um ihn zu verhaften. Apollon griff sie mit schwarzen Magiekugeln an und rief breit grinsend ihnen zu: "Nun los! Kommt schon! Zeigt mir was ihr könnt!" Immer mehr Polizisten schienen von überall zu kommen, aber Apollon schoss auch immer mehr und immer schneller schwarze Magiekugeln auf sie. Irgendwelche Kommandos wurden gebrüllt, Gruppen formatierten sich, doch das alles schien zwecklos zu sein. Im Hintergrund hörte man einige Passanten kreischen oder irgendwelche überflüssigen Kommentare rufen, womit sie versuchten die Polizisten zu unterstützen. Irgendwas in Apollon hielt ihn jedoch davon ab die Polizisten zu töten. Es gab zwar einige schwer Verletzte, aber niemanden verpasste er den Todesstoss. "Gebt nicht nach!" rief erneut eine Stimme lautstark. Erneut vielen Schüsse, aber Apollon lief hinter einigen Fahrzeugen entlang, um nicht getroffen zu werden. Solangsam schien ihm das auch zu öde zu werden und verschwand schließlich in grau-rotem Rauch. Auf einem Friedhof tauchte er wieder auf. Erst war ihm gar nicht bewusst, wohin er sich teleportiert hatte, als er auf ein Grab blickte... Fuscos Grab. Einen kurzem Moment wurde er ganz ruhig, blickte traurig auf das Grab und ließ sich dann unter einem Baum auf dem Friedhof, ganz in der Nähe des Grabes nieder. Er fühlte sich auf einmal schrecklich einsam und wusste nicht mehr genau, was er wollte. Sollte er zurück zu seiner Familie!? Aber die würden ihn ja doch nie verstehen. Dort wäre er niemals zu Hause. Verwundert darüber selbst keine Entscheidung treffen zu können, schloss er die Augen und versuchte den Schlaf nachzuholen, denn er in der Nacht verpasst hatte.

Apollon sah verwirrt umher. Er war in der Hölle. Wie war er dort hingekommen? Ein höllisches Lachen ertönte. Das Lachen des Teufels. Urplötzlich wechselte die Umgebung. Er befand sich auf einer weiten Wiese.eine leichte Brise fegte über die langen Grashalme. Verwirrt blickte Apollon um sich. Er hörte einen Schrei.Ohne groß darüber nachzudenken, rannte er in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Er erreiche ein Dorf, aber es schien auf einer völlig anderen Zeit zu stammen. Vllt aus dem Mittelalter!? Er wusste es nicht. Ein wimmern einer Frau war zu hören. Apollon folgte dem Geräusch und fand die Frau. Sie hatte die Knie angezogen und lehnte an einer Wand. Dann erblickte Apollon worauf sie starrte. Verunsichert ging er darauf zu. "Fusco?" fragte er immernoch unsicher und rehte den schwarzen Fuchs, der mit dem Gesicht zum Boden dort lag, um. Eine tiefe, blutige Wunde zeichnete die Stelle, wo sein Herz sein müsste. Apollon fühlte zittrig den Puls, er war tot. Es war eindeutig Fusco. Das konnte nur ein Traum sein. Fusco war vom Teufel getötet worden. Er hatte sich für Apollon geopfert. Erneut fand er sich urplötzlich woanders wieder. Es war ein Schlachtfeld und gerade durchbohrten Fusco eine Reihe Pfeile. Apollon war klar, dass er das nicht überlebt haben konnte. Und wieder fand sich Apollon an einem anderen Ort wieder. Apollon drehte sich orientierungslos im Kreis. Ein weißer Boden, überall ragten Zuckerstangen empor, Kekse waren wie Zäune angeordnet und einige kleine rose und hellblaue Häschen hüpften vorbei. Apollon hielt sich den Kopf: "Das kann doch nur ein Traum sein." Hinter ihm erklang eine Stimme: "Ja, richtig, das ist ein Traum, Corvus." Apollon drehte sich langsam um. Die Stimme... es war die von Fusco. Apollons Augen weiteten sich: "Fusco? Du bist tot!" Fusco grinste breit: "Ganz recht. Wir haben doch eben schon festgestellt, dass das ein Traum ist, also beruhige dich wieder." Apollon war nun noch mehr verwirrt: "Seit wann sagen mir die Personen in meinen Träumen, dass es nur ein Traum ist?" Fusco lachte darüber: "Weil ich diesen Traum geschaffen habe. Denn ich bin real. Naja, halbwegs. Zumindest kann ich hier Gestalt annehmen und mit dir reden." "Du bist real?" fragte Apollon nun völlig verblüfft, "heißt das... dass du... in mir drin bist!? In meinem Körper!?" Fusco zuckte grinsend mit den Schultern: "Nur in dem Bereich deines Bewusstseins, wo deine Träume liegen. Was soll ich denn mit deinem Körper anfangen?" Er lachte amüsiert und dachte dabei an vergangene Zeiten. "Sag mal hast du einen Schuss!?" brüllte Apollon, "raus aus meinem Kopf!" Fusco lachte und lehnte sich an eine der riesigen Zuckerstangen: "Keine Sorge. Ich habe nicht vor Tage hier zu bleiben, aber ich muss mit dir reden." "Worüber? Ich hab noch nie davon gehört, dass sich ein Toter in Träume schleicht. Das ist unnormal", entgegnete Apollon. Fusco grinste nun breit: "Als wenn du und ich jemals normal gewesen wären?" Apollon verschränkte nun ungeduldig die Arme: "Was gibt es? Komm endlich zur Sache!" "Ah!" machte Fusco, "und ich hatte mich schon gefragt, ob überhaupt noch etwas von dem alten Corvus übrig ist. Deine Ungeduld hast du scheinbar behalten." Apollon warf Fusco einen generten Blick zu. "Ist ja gut", gab Fusco nach, "ich war schon öfter mal tot. Zwei meiner Todesfälle habe ich dir gezeigt." Apollons Gesichtsausdruck verriet, dass er ihm nicht ein Wort glaubte: "Willst du mich jetzt für dumm verkaufen? Wenn man tot ist, ist man tot." Fusco lachte: "Da könnte ich dir jetzt einige Möglichkeiten aufzählen, wie Tote wieder lebendig werden, aber bei mir ist das einfach meine Fähigkeit." Er wurde ernster: "Kommen wir aber zur Sache. Ich kann nicht alleine zurück und bin in so einer Art Zwischenwelt gefangen. Du musst mich zurück holen." Apollon sah ihn skeptisch an: "Steigst du dann einfach wieder auf deinem Grab empor?" Fusco lachte laut: "Das wäre was oder? Nein, leider nicht. Mein alter Körper löst sich auf und ich erscheine wieder in vollem Glanz. Meine Seele materalisiert sich also." "Ok...", bestätigte Apollon, "und was soll ich nun eigentlich tun?" Fusco ging auf Apollon zu. Auf einmal waren sie wieder an einem anderen Ort. Doch dieser erschien eher durchsichtig, sie waren mittem im Wald. Zwei schwarze Kater zündeten ein Feuer an, ein kleines Lagerfeuer. Der eine sagte etwas zu dem anderen: "Warum sollen wir diesen Dämon wiederbeleben?" "Weil der Teufel es so will", entgegnete der andere. Dieser rupfte auch ein paar Blätter von einem Busch und warf sie in das Feuer. "Fusco!" rief er und kurze Zeit später materalisierte sich Fusco vor ihren Augen. Apollon sah sich das alles fassungslos an. Dann verschwand alles wieder und Apollon und Fusco waren in der Bar, in der sie früher oft zusammen getrunken hatten. Fusco drückte Apollon eine Falsche Bier in die Hand: "Werf etwas Lebendes ins Feuer und ruf meinen Namen. Es können Pflanzenteile sein, ganze Blumen oder wenn du magst, kannst du auch jemanden grillen." Er grinste breit und trank ein Glas Whiskey, dass wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein schien. Apollon setzte sich auf einen Barhocker und nahm eine kräftigen Schluck von seinem Bier: "Warum hast du mir das nicht schon früher erzählt?" Fusco grinste breit: "Vergessen!" Apollon klatschte die Hand gegen seine Stirn: "Du bist so ein Idiot!" Fusco lachte: "Das hat mir gefehlt. Beschmipf mich noch mal." Apollon schüttelte ungläubig den Kopf: "Ich sitze hier in einer Bar, in einem meiner Träume und ein Dämon ist in meinem Kopf mit dem ich mich unterhalte... Ich dreh jetzt total durch oder?" Fusco lachte lautstark: "Du hast dem Teufel gedient und andere Dämonen mit seltsamen Fähigkeiten gesehen und dann wundert dich sowas?" Apollon wollte etwas darauf erwidern, ließ es dann aber sein und trank sein Bier. Es schmeckte genauso scheußlich, wie sonst auch. Eine dunkle Stimme erklang: "Ein Bier, aber flott." Apollon sah in die Richtung aus der die Stimme gekommen war. Dort saß ein süßes, hellblaues Häschen. Die Vorderpfoten waren auf dem Tisch und die anderen standen auf einem Stuhl. Es sah zu Apollon rüber und wieder erklang die dunkle Stimme: "Was guckst du so, Wölfchen?" Apollon sah mit vielsagendem Blick zu Fusco.

Du hast sie wirklich nicht alle Fusco. Ein Hase in einer Bar mit einer düsteren Stimme in der Farbe? Hat der Tod noch mehr deinen Verstand zugesetzt?

Fusco fing das Lachen an, so sehr, dass ihm die Tränen kamen. "Hoffentlich trage ich keine bleibenden Schäden davon, dass du in meinem Kopf bist" fügte Apollon nun seinen Gedanken hinzu, was er jedoch laut aussprach. Fusco grinste: "Es wird jetzt eh Zeit dich zu verlassen. Vergiss nicht, was du zu tun hast." Dann verschwand alles und Apollon war mit einem Ruck wach. Unsicher blickte er auf dem Friedhof umher.

Was war das für ein Traum? Fusco braucht mich! Es war doch nur ein Traum. Sollte ich es probieren? Wozu? Träume sind nicht real. Ich vermisse ihn vllt nur oder nicht?

Apollon hielt sich verwirrt den Kopf. Er wusste nicht, was er tun sollte.

Es gibt nur eine Möglichkeit. Ich muss es einfach ausprobieren. Dann habe ich Klarheit. Denke ich.

Apollon sammelte etwas trockenes Holz zusammen und zündete dann mit etwas Mühe und ein paar Steinen ein Feuer an. Von der nächsten Hecke flückte er ein paar Blätter und warf sie ins Feuer. Skeptisch blickte er dabei: "Fusco?!" Ein Stück vor ihm materalisierte sich Fusco und grinste ihn breit an: "Und ich dachte schon, du hättest es dir doch anders überlegt." Apollon schüttelte den Kopf. Er war sich nicht ein mal, was er genau antworten sollte. Fusco merkte gleich, dass irgendwas nicht stimmte und sah Apollon fragend an: "Was ist los?" "Nichts" antwortete Apollon, "ich brauche deine Hilfe. Nein, verschwinde!" Fusco setzte sich auf seinen eigenen Grabstein und sah geduldig zu Apollon: "Deine beiden Persönlichkeiten mal wieder. Erzähl mir doch erst mal, was in der Zwischenzeit passiert ist. Immerhin ist das schon ein halbes Jahr her, dass ich gestorben bin und davor war auch schon einiges passiert." Erneut zögerte Apollon mit der Antwort. "Erzähl es mir!" forderte Fusco erneut auf. Er wusste, wenn Apollon in solchem Zwiespalt war, konnte man nur versuchen ihm die Entscheidung abzunehmen. Apollon fasste sich erneut an den Kopf, dann begann er jedoch zu erzählen: "Mein Onkel Sovos hatte mich gefunden und mit einigen Schwierigkeiten habe ich es doch zu den weißen Magiern geschafft. Dort lernte ich auch meine Mutter Avisa kennen. Sie ist die Herrscherin und ich... ich bin der Prinz, war der Prinz oder bin..." Fusco grinste: "Ok, ist egal. Erzähl weiter." Apollon erzählte dann weiter, obwohl ihn diese Ungewissheit nun zu Plagen schien: "Das der Teufel dann auftauchte und das die weißen Magier gegen ihn gekämpft haben usw. weißt du ja. Jetzt, ein halbes Jahr später habe ich mich mit meiner Familie gestritten oder sie sich mit mir. Sie konnten mich nicht akzeptieren. Nein, es war meine Schuld." Fusco hackte nach: "Warum habt ihr euch gestritten?" Apollon dachte einen Moment nach: "Ich glaube wegen meiner dunklen Seite. Sie wissen das nicht. Ich hab es die ganze Zeit ausgehalten, sie zurück gehalten... nein, sie war gar nicht da oder doch?" Apollon hielt sich Zähne knirschend den Kopf. Fusco lächelte: "Schon ok, mehr brauch ich erst mal nicht wissen. Wir müssen dich wieder hinbiegen und mit deinem Onkel und deiner Mutter reden. Lass uns zu den weißen Magiern gehen. Zu dem Haus, wo deine Familie lebt." Apollon schüttelte den Kopf: "Nein! Sie haben mich rausgeworfen, aber er sagte doch ich könnte wieder kommen? Und dann? Was würde es ändern? Wenn sie wüssten, wie ich wirklich bin, werfen sie mich eh raus? Bin ich mir da sicher?" Fusco packte Apollon einfach am Arm. Er war so damit beschäftigt mit sich selbst zu diskutieren, dass er gar nicht gemerkt hatte, dass Fusco näher gekommen war. Nun zog Fusco ihn zum Friedhofsausgang: "Sag mir wo lang. Denn Rest entscheide ich." Er grinste breit zu Apollon, als wollte er ihn damit aufmuntern.

Stück für Stück zerrt Fusco ihn durch die Stadt. Immer wieder muss er mit Nachdruck fragen, wo es denn nun lang ginge. Apollon machte es ihm wirklich nicht einfach. Da er aber so in Zwiespalt war, wusste er nicht, ob er voran sollte oder zurück und sich somit nur in die Richtung bewegte, in die Fusco ihn zog. Zum Abend hatten sie es endlich zum Grundstück geschafft. Fusco ging mit Apollon auf die Wachen am Tor zu. Er lächelte freundlich: "Hallo, dürfen wir eintreten? Wir würden gerne mit Sovos und Avisa sprechen." Die Wachen sahen skeptisch zu Fusco, schließlich war ein Dämon und dann zu Apollon, wo der Blick nicht weniger skeptisch ausfiel. Schließlich ließen die Wachen sie trotzdem wortlos ein. Die Magier im Garten werfen Apollon geringschätzige, fast verachtende Blicke zu. Fusco grinst und sieht die Magier dabei an, dann blickt er zu Apollon, denn er immernoch mitziehen muss, damit er sich bewegt: "Du musst ja was ausgefressen haben." Im Haus bleibt Fusco erst einmal stehen und sieht den Gang hinab: "Holla! Sind das viele Türen. Wo müssen wir denn hin?" Apollon schüttelt den Kopf: "Ist doch egal. Was soll das hier werden?" Dann blickt er jedoch gerade aus: "Das Wohnzimmer ist weiter hinten. Die Tür steht meist offen." Fusco zieht erneut Apollon mit sich. Eigentlich konnte er gar nicht fassen, dass Apollon es ein halbes Jahr geschafft hatte seine dunkle Seite zu verbergen. Kein Wunder, dass er jetzt so wirr im Kopf war. Das hatte sich sicherlich angestaut. Vllt waren es aber auch die Schuldgefühle. Es war schwer zu sagen, schließlich war das bis jetzt nur einmal passiert und damals ging es um die Entscheidung zu fliehen oder nicht zu fliehen. Fusco sah bereits die offen-stehende Tür und grinste erfreut, wand sich aber noch mal an Apollon: "Am besten, du sagst er mal nichts. Das würde sie sicher noch mehr verwirren. Lass mich reden." Bevor Apollon überhaupt zu einer Antwort kommen konnte, über die er sich nicht im Klaren war, zerrte Fusco ihn schon ins Zimmer, dass tatsächlich das Wohnzimmer zu sein schien. Sovos und Avisa waren mehr als überrascht, wer da ins Zimmer kam. Devoto wollte sofort Avisa verteidigen, wärend Cantio noch beobachtete. Jedoch deutete Sovos mit einer Handbewegung, dass sich Devoto zurück halten sollte. Was er dann auch tat. Fusco gab Apollon einen Schubs, sodass er sich aufs Sofa fallen ließ und dort erst mal saß. Dann sah er mit einem Grinsen zu Sovos, Avisa und dann den beiden Beschützern Cantio und Devoto: "Hallo, mein Name ist Fusco, wie ihr vllt wisst und ich bin hier um meinem Freund Corvus zu helfen." Sovos sah skeptisch zu Fusco, deutete ihm dann aber sich zu setzen: "Du warst tot." Fusco lachte, als wäre es ein guter Witz: "Ja, ich war tot. Das war jetzt bereits das zehnte Mal. Halb so wild." Sovos war nun etwas verblüfft, sah dann aber zu Apollon, der kein Wort von sich kam und scheinbar abwarten zu schien, was Fusco sagte. Am liebsten hätte Sovos ihm seine Meinung dazu gesagt, dass er nicht mal den Anstand hatte sich bei seiner Familie zu entschuldigen, aber vllt hatte er dieses ja gar nicht vor. Sovos sah nun mit einem prüfenden Blick zu Fusco: "Du sagtest, dass du hier bist, um Apollon zu helfen. Inwiefern?" Fuscos Grinsen verschwand, denn er wusste wie ernst das Thema eigentlich war und das bis jetzt niemand Apollon so aktzeptiert hatte, außer Fusco. Also begann er in ruhigen Ton zu erzählen: "Corvus ist nicht einfach. Ich habe ihn großgezogen, jedenfalls größtenteils. Schon sehr früh entwickelten sich bei Corvus zwei Persönlichkeiten, die ständig wechseln. Er hat eine gute Seite und eine dunkle. In der Hölle zeigte er vorwiegend die dunkle Seite, bei Aufträgen ausschließlich, aber ab und zu zeigte sich auch in der Hölle seine gute Seite. Dann saß er meinst auf dem Bett und ertrank in Selbstmitleid." Sovos unterbrach ihn, weil er das nicht ganz fassen konnte: "Moment mal, du willst uns erzählen, dass der Apollon, den ich kennen gelernt habe, der hier über ein halbes Jahr lang mit uns lebte, nur eine Hälfte von ihm ist?" Fusco nickte: "Seine dunkle Persönlichkeit zeigt sich mit Hass, Unverschämtheit, Ungeduld und ja, auch Killerinstinkt. Über seine gute Seite kann ich nicht so viel sagen. In der Hölle war es fast ausschließlich eine Selbstmitleidphase, aber er war auch viel ruhiger, zurückhaltend und gab mehr von sich Preis. Im Moment jedoch ist er wiedermal in einer Zwischenphase, wo sich keine seiner beiden Seiten durchsetzen kann. Deswegen wiederspricht er sich ständig selbst und kann keine Entscheidungen fällen. Es war meine Entscheidung hier her zu kommen, als ich endlich erfahren hatte, was los ist und hab ihn mit hier her gezogen." Avisa war den Tränen nahe. Ihr armer Junge, wie konnte soetwas nur passieren? Sovos sah nun mit ganz anderen Augen zu Apollon, es war eher ein trauriger Blick: "Warum hast du uns denn nichts gesagt?" Apollon versuchte die richtige Antwort zu finden, aber nicht mehr darin schien er sich sicher zu sein: "Ich wollte es sagen. Nein, ich musste es verbergen... ich weiß es nicht." Fusco lächelte: "Ist nicht wichtig, Corvus. Zerbrich dir nicht den Kopf." Dann sah er wieder zu Sovos: "Das ist es, was ich meine. Ich hab ihn schonmal wieder hingebogen, aber das braucht Zeit." Avisa wollte am liebsten Apollon umarmten und ihn trösten, aber ob ihm das im Moment recht wäre, wusste sie auch nicht und ließ es erst einmal sein. Sovos überlegte einen Moment: "Du kannst hier bleiben. Ich gebe dir ein Zimmer und dann kannst du dich um Apollon kümmern."

Fusco fand seine neue Unterkunft toll. Sie war einfach perfekt. Das Bett so weich, das Zimmer so schön eingerichtet... er könnte sich vorstellen für immer hier zu bleiben. Die Nacht war ruhig verlaufen. Nach etwas herumgezerre, bewegte sich Apollon ins Bett und schlief schließlich auch, sodass Fusco sich auch zurück ziehen konnte. Doch die Ruhe sollte nicht lange anhalten. Schon früh am Morgen kam Sovos zu Fusco ins Zimmer: "Morgen, entschuldige, dass ich dich schon so früh störe, aber Apollons dunkle Seite scheint jetzt da zu sein. Er ist unausstehlich." Fusco grinste und erhob sich von dem Bett, auf dem er gesessen hatte: "Ich kümmere mich um ihn. Schließlich hab ich ausreichend Erfahrung." Er lachte und ging dann an Sovos vorbei und zu Apollons Zimmer. Sovos sah ihm nachdenklich hinterher. Aposter hatte früher zwar oft von Fusco erzählt, aber erst jetzt, wo er ihn getroffen hatte, konnte er langsam verstehen, was Aposter damit meinte "Fusco sei ein wenig seltsam." Dann ging er ins Wohnzimmer und wollte Fusco einfach erst mal Apollon überlassen. Er hoffte, dass es eine Möglichkeit geben würde, wie Apollon das besser unter Kontrolle bringen könnte. Kaum hatte Fusco das Zimmer von Apollon betreten, wurde er angeknurrt und der Blick von Apollon war voller Hass und Wut. Fusco kannte Apollons dunkle Seite gut und auch wenn er oft ziemlich mies drauf war, hatte er Fusco noch nie so angeblickt. "Corvus?", fragte Fusco unsicher. Apollon sprang auf und ging auf Fusco mit den Fäusten los. Dieser wich seinen Schlägen einfach aus, aber wusste auch sogleich, dass hier etwas nicht stimmte. Ganz und gar nicht stimmte. "Corvus, was ist los? Was soll das werden? Warum dieser Blick?" wollte Fusco von ihm wissen. "Ich hasse euch! Ich hasse euch alle!" antwortete Apollon mit einem bedrohlichen Knurren. Fusco sah auf einmal entsetzt zu Apollon, denn er wusste nun was los war. Hass auf alles und jeden, davor die Phase wo man völlig verwirrt ist und nicht mehr weiß, was man will. Nun war er es, der knurrte: "Satan!" Jetzt musste schnell etwas passieren. Das war bereits Phase 6 und nach dieser würde in Phase 7 der Teufel die Kontrolle über Apollons Körper übernehmen. Wie konnte er nur so blind sein und das nicht gleich erkennen!? Darüber konnte er jetzt nicht nachdenken: "Corvus, ich bin es Fusco, dein bester Freund. Du hasst mich nicht. Genauso wenig wie du deine Familie hasst. Der Teufel bringt dich dazu das zu denken. Stell dich gegen diesen Zwang." Apollon schlug weiter auf Fusco ein: "Wehre dich Dämon!" Doch Fusco schüttelte den Kopf und sagte das, was er seit Jahren ihm schon nicht mehr gesagt hatte: "Ich würde dir nie etwas tun. Du bist für mich wie mein eigener Sohn." Mit einem Mal stoppte Apollon seinen Angriff. Die Faust hielt er noch in der Luft, sie zitterte: "Fusco..." Die Stimme des Teufels erklang in Apollons Kopf: "Nein! Es ist zu spät! Du kannst dich nicht mehr befreien! Jetzt nicht mehr!" Apollons Augen wurden für einen Moment ganz leer, dann wurde sein gelbes Auge etwas dunkler und sein Krähensymbol ganz schwarz. Fusco ging einen Schritt zurück, da er eine schlimme Vorahnung hatte. Ein teuflisches Grinsen ging über Apollons Gesicht: "Und jetzt werde ich dich töten, Fusco. Verrat wird immer mit dem Tode bestraft, hast du das etwa vergessen?" Zu seinem Angriff kam er nicht mehr, denn das gelbe Auge von Apollon leuchtete auf und ein Schrei ertönte, dabei hielt er sich das Auge: "Was ist das? Verdammt!" Dann verschwand er in grau-rotem Rauch. Fusco zögerte keine Sekunde und rannte aus dem Zimmer zum Wohnzimmer: "Sovos! Ich habe keine Zeit es lange zu erklären, aber der Teufel hat Apollons Körper unter Kontrolle. Er ist in Apollon und mit ihm sicherlich in die Hölle verschwunden. Dort wird er den Körper verlassen und seinen eigenen Körper wieder herstellen. Das kann Apollons Tod bedeuten, wenn er seinen Körper wieder hat. Ich brauche einen weißen Magier, der mit runter kommt. Ich kann nichts gegen Satan ausrichten." Sovos konnte das alles gar nicht fassen, stand jedoch sofort auf: "Ich komme mit runter in die Hölle." Avisa sah entsetzt und auch Devoto und Cantio wollten etwas einwenden, aber Sovos ließ sie gar nicht: "Wir sind so schnell es geht zurück." Dann ließ Fusco sich und Sovos auch bereist in schwarzen Flammen verschwinden, hinab in die Hölle.

Raus aus meinem Körper!

Apollon war in der Hölle gelandet. Immernoch besessen vom Teufel. Sie waren nicht am Schloss wieder aufgetaucht. Man konnte es aber in der Ferne sehen. Das war ein Teil der Hölle der gewöhnlich nicht betreten wurde. Apollons Auge leuchtete immer noch auf, er versuchte mit aller Kraft den Teufel aus seinem Körper zu verbannen. "Verdammte weiße Magie", knurrte der Teufel, "jetzt wehre dich verdammt noch mal nicht so!"

Das hättest du wohl gerne. Wegen dir hab ich mich mit meiner Familie gestritten. Wegen dir war ich all die Jahre hier in der Hölle. Jetzt werd ich dir mal zeigen, was ich von dir halte.

"Was in aller Welt machst du da? Du spinnst doch wohl. Du kannst meine Kräfte nicht benutzen", knurrte der Teufel. Doch genau das versuchte Apollon. Er griff nicht auf seine eigenen Kräfte zu, sondern die vom Teufel, um sie gegen ihn zu richten und ihn los zu werden. Der Teufel wollte das natürlich nicht zulassen und sie ringten die Seelen innerlich um die Kräfte des Teufels. Ein Energieladung durchzuckte Apollons Körper und verschwand irgendwo in der Hölle. Der Teufel knurrte: "Du verdammter Narr! Du hast fast meine gesamte Kraft verschleudert!"

Das hast du davon, wenn du meinen Körper einfach besetzt. Raus jetzt!

Apollon versuchte immernoch die Kontrolle zurück zu erlangen. Der Teufel hatte keine andere Wahl mehr und entzog Apollon all seine Kraft, damit wurde Apollons Körper für einige Zeit unbrauchbar und der Teufel verließ seine Körper. Apollon kippte völlig entkräftet um und rappelte sich schwer auf die Knie wieder auf. Sein Krähensymbol war wieder grau, wie zuvor und sein gelbes Auge sah auch wieder ganz normal aus. Zu seinem Entsetzen materialisierte sich der Teufel nun wieder aus schwarzer Magie. Apollon versuchte sich in Rauch aufzulösen, um zu verschwinden, aber es geschah nichts. "Was? Warum?", fragte er sich selbst und sah verzweifelt zum Teufel.

Was soll ich jetzt tun? Ich kann hier nicht weg.

Inzwischen hatte die Energieladung sich durch die Ebene der verlorenen Seelen gezogen und krachte in eine Seele herein, die aus der Ebene heraus katapultiert wurde. Der Körper dieser Seele materialisierte sich wieder aus schwarzer Magie. Fragend klopfte die Seele ihren Körper ab: "Ich lebe." Es war ein schwarzer Wolf mit gelben Augen, der nun in der Hölle stand und sein Leben zurück gewohnen hatte. "Ich fühle mich so alt. Wie viele Jahre sind seit meinem Tod vergangen?" fragte er sich selbst. Vor ihm war die Ebene der verlorenen Seelen. Sie lag in einer Art Höhle, aus der er nun erst einmal heraus klettern musste. Der Ausgang lag nämlich weiter oben.

Der Teufel war nun auch wieder komplett und sah mit einem fiesen Grinsen zu Apollon. Apollon rappelte sich schnell auf, auch wenn etwas wackelig udn rannte dann einfach los. Bloß weg vom Teufel. Der Teufel lachte amüsiert: "Du entkommst mir nicht. Im Moment bist du nicht in der Lage Magie einzusetzen. Du kannst mir gar nicht entkommen." Er spreizte seine Flügel und erhob sich in die Luft, um Apollon zu folgen. Apollon rannte weiter, bis er zu einigen Felswänden kam. Er wusste, dort gab es einen Eingang. Als kleines Kind war er einmal dort gewesen. Der Eingang war schmal und der Teufel würde ihm dort unmöglich folgen können. Das hoffte er zumindest, schließlich war es seine Hölle. Der Teufel schoss schwarze Magiekugeln auf ihn. Apollon wich ihnen immer gerade so aus und sprang dann in den Eingang zwischen den Felswänden. Dort ging es ein Stück hinab und Apollon kam ziemlich unsanft dort unten auf: "Ah, verdammt." "Apollon" erklang eine andere Stimme. Der schwarze Wolf war dort unten und hatte gerade überlegt, wie er am besten dort hoch kletterte. Apollon kannte diese Stimme und blickte zu dem schwarzen Wolf, wärend er sich wieder aufrichtete: "Das kann nicht sein. Du bist tot. Ich war doch selbst hier und hab dich gesehen. Dort bei..." Er schluckte.

Das ist nicht möglich. Mein Vater ist tot. Er kann dort nicht vor mir stehen. Nicht aus Fleisch und Blut.

Der Teufel flog über den Bereich und brüllte wütend: "CORVUS!!! Glaubst du, du kannst mir so entkommen? Du kannst dich nicht ewig verstecken!" Er krachte, da der Teufel auf die Felswände oben einschoss mit schwarzen Magiekugeln. Einige kleinere Steine fielen bereits herunter.

Der schwarze Wolf blickte zur Steindecke und dann zu Apollon: "Was geht hier eigentlich vor sich? Ich bin auf einmal wieder lebendig, der Teufel scheint über uns zu sein und du scheinst vor ihm zu flüchten. Warum bist du nicht einfach verschwunden. Hier unten kann man keine Magie einsetzen. Da müssen wir erst wieder hoch, aber das weißt du doch auch." Apollon knurrte nun, da er sich endlich von seinem Schock erholt hatte: "Das hat dich überhaupt nichts anzugehen. Du hast mich doch damals im Stich gelassen." Immer und immer wieder feuerte der Teufel mit schwarzen Magiekugeln auf die Felswände und Steine bröckelten ab und krachten nach unten: "Wenn du freiwillig raus kommst, mache ich es auch kurz und schmerzlos."

Sovos und Fusco hatten inzwischen das ganze Schloss abgesucht, aber ohne Erfolg. Dort waren sie nirgends und wie es schien auch nicht in der näheren Umgebung. Sovos blickte umher: "Wo sollen wir lang gehen? Ich hätte nie gedacht, dass die Hölle so groß ist?" Fusco überlegte ebenfalls, wenn sie den falschen Weg nehmen würden, wäre es vllt schon zu spät für Apollon. Fusco fiel nur noch eine Sache ein: "Halt dir die Ohren zu." Sovos tat dies, dann brüllte Fusco los in einer Lautstärke, die kein gewöhnlicher Sterblicher zu Stande bringen könnte: "CORVUS!!!" In der gesamten Hölle war das zu hören. "Fusco?" fragte Apollon sich selbst überrascht, dann schrie er jedoch, "FUSCO!!!" Fusco hatte zum Glück gute Ohren und hatte ihn trotz der großen Entfernung gehört: "Hier entlang." Schon rannte er los. Sovos blieb hinter ihm und versuchte mit dem Tempo mithalten zu können. Ein Dämon war nun mal um einiges schneller. "Apollon", begann sein Vater Aposter nun erneut, "bitte sag mir, was hier vor sich geht. Ich kann verstehen, dass du wütend bist, aber lass uns darüber später reden. Fusco wird es nicht allein gegen den Teufel schaffen. Wir müssen jetzt zusammen halten. Was geht hier vor sich?" Apollon knurrte: "Ich habe keine Ahnung warum du wieder lebst. Warum können Tote nicht einfach tot bleiben? Erst Fusco, dann Satan und nun auch noch du." Er blickte hoch zu dem Ausgang und überlegte, wie er hier wieder raus kommen sollte, ohne das der Teufel ihn gleich tötete, dabei beantwortete er immernoch knurrend die Fragen seines Vaters, aber nur sehr knapp: "Ich hab vor einem halben Jahr den Teufel umgebracht, dann hat er meinen Körper besetzt, was ich nicht wusste, landete dann hier, er hat meinen Körper verlassen, ich kann keine Magie einsetzen und jetzt sitz ich hier fest. Das ist alles." Aposter sah ihn völlig fassungslos an: "Du hast den Teufel getötet?" Apollon knurrte nur noch wütender: "Du hast doch danach gefragt, also beschwerre dich nicht über die Antwort."
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