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 Das Rot des Blutes (von Heat the Dragon, Vivi und Luna42)

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Luna42
Babylonier
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BeitragThema: Das Rot des Blutes (von Heat the Dragon, Vivi und Luna42)   07.01.17 13:49

Vorgeschichte: 02.05.2009

Vorgeschichte Cruentus

Cruentus hieß einst Lantinus, Sohn des Palantinus. Ein hoch angesehener Mann mit einem großen Vermögen. Er war Palantinus einziger Sohn. Die Familie verfügte über eine einzigartige Fähigkeit. Das Symbol an ihrem Kopf ließ sie Lügner erkennen und zwingt sie die Wahrheit zu sagen. Sie lebten in der Zeit der Hexenverbrennung. Wurde man erst mal als Hexer oder Hexe verurteilt, konnte niemand mehr einen retten. Die Schreie der Verzweiflung und der Qualen klingen Cruentus noch heute in den Ohren. Einige weinten, einige fluchten, einige flehten um Gnade. Doch alle wurden sie vom Feuer verschlungen. Er schaute sich das nur ungern an, doch es gab genug andere Schaulustige.

Ihn interessierten eher die Reisenden, die ihn die Stadt kamen. So lernte er auch 1550 im Alter von 21 Jahren Seminex kennen. Er schien schon überall gewesen zu sein und konnte die wundersamsten Geschichten erzählen. Nur abends empfing Seminex ihn. Tagsüber öffnete nie jemand die Tür. Eines Nachts stand Seminex’s Haus in Flammen. Die Leute riefen laut „Dämon“ und schwangen wild mit den Fackeln. Er hielt nach Seminex Ausschau. Er konnte nicht glauben, dass er ein Dämon sein sollte. Für ihn war Seminex ein guter Freund. In den Flammen konnte er niemanden entdecken. Er lief um das Haus herum, doch außer dem riesigen Feuer war nichts zu erkennen. Die Hitze machte ihm zu schaffen und so hoffte er, dass Seminex entkommen war. Er suchte nach ihm. Die Straßenlaternen gaben nur wenig Licht ab, sodass es die Suche erschwerte. Seminex bemerkte ihn trotzdem. Seine Stimme klang aus einem Keller der nahe liegenden Häuser. Er stieg durch das Kellerfenster hinab. Der Keller lag ihn völliger Dunkelheit und versperrte ihm die Sicht. „Seminex?“, fragte er leise. „Komm her“, flüsterte seine Stimme. Der Schmerz klang mit. Er hatte sich Verbrennungen zugezogen. Lantinus ging auf ihn zu, obwohl er nicht ein Mal wusste, wo genau er sich befand. Er vertraute ihm blind. Als er kurz vor ihm stand, zog Seminex ihn zu sich herunter. „Alles in Ordnung?“, fragte Lantinus. Seminex antwortete mit kläglicher, leiser Stimme: „Es kommt alles in Ordnung.“ Dann ging alles ganz schnell. Seminex packte seinen Arm, führte ihn zu seinem Mund und ein kurzer, stechender Schmerz folgte. Lantinus konnte seinen Arm nicht wegziehen, er hielt ihn fest. Vielleicht hätte er um Hilfe schreien sollen, doch er tat nichts. Er hörte sein Schlucken, spürte sein saugen an seinem Arm, ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, doch tat er nichts. Langsam spürte er, wie er schwächer wurde. Ihm schwanden die Sinne und er sank langsam zu Boden. Er fragte sich, ob er wohl sterben würde, ob er tatsächlich ein Dämon war und ob er in die Hölle kommen würde. Seine Atmung ging schwer. Eine warme Flüssigkeit tropfte auf seinen Mund. Er leckte die Tropfen auf. Bevor ihm überhaupt bewusst werden konnte, dass es Blut war, hielt Seminex ihm bereits seinen Arm vor den Mund und er trank. Langsam erwachten seine Lebensgeister wieder. Doch nicht nur das. Er begann im Dunkeln sehen zu können, er hörte Stimmen aus weit entfernten Häusern, konnte Gerüche von überall her wahrnehmen. Seminex nahm den Arm von ihm weg und Lantinus richtete sich auf. Dabei starrte er Seminex verwirrt und schockiert zugleich an. Seine spitzen Reiszähne nahm er mit der Zunge wahr. Seminex lächelte: „Dein alter Name ist zu auffällig. Ab sofort nennen wir dich Cruentus.“ „Was hast du mit mir gemacht?“, fragte Cruentus schockiert. „Du bist nun ein Vampir. Verzeih mir, doch bin ich schon viel zu lange allein“, erklärte Seminex.

Die Jahre vergingen und Seminex lehrte Cruentus alles, um als Vampir überleben zu können. Am Tag schliefen sie meistens, doch konnten sie sich auch am Tag durch ihren Umhang mit Kapuze schützen. Das Sonnenlicht vernichtet sie nicht sofort, aber schwächt sie ungemein. Ständig mussten Cruentus und Seminex fliehen, wenn die Leute verdacht geschöpft hatten und 1686 ging Seminex in Flammen auf. Er schaffte es nicht mehr rechtzeitig aus dem brennenden, alten, verlassenden Theater, indem die beiden sich versteckt hatten. Anfangs war es sehr schwer für Cruentus dieses zu verkraften. Er hatte sehen müssen, wie das Feuer Seminex umschlang, wie er schreiend zu Boden ging und in den Flammen verschwand. Nur knapp schaffte er es aus dem obersten Stockwerk auf ein benachbartes Haus zu springen und dann zu fliehen. Stundenlang suchte man ihn. Doch er war schon fort. Allerdings hat Cruentus seit dem eine riesen Angst vor Feuer und schreckt schon vor einen kleinen Kerzenflamme zurück. Er erschuff sich nie einen eigenen Zögling oder suchte sich einen Gefährten. Die Angst war zu groß einen erneuten Verlust verkraften zu müssen. Außerdem kann er nicht sehen, wenn andere Vampire getötet werden. Er selbst würde auch nie einen Vampir töten. Vom Vampirorden waren anfangs auch noch einige übrig, die Cruentus des Öfteren um Rat bat. Jedoch fiel einer nach dem anderen schließlich dem Feuer zum Opfer. Ohne Orden, ohne Blutlinie, ohne Gefährte war er ganz auf sich gestellt. Ein Einzelgänger ist für andere Vampire ein leichtes Opfer. So begann Cruentus die Gebiete, indenen er sich aufhielt, für sich zu beanspruchen und andere Vampire auch mit Gewalt zu vertreiben. Er musste den Eindruck erwecken, dass er keine leichte Beute ist und wenn keine Vampire in der Nähe waren, konnte ihn auch niemand töten. Mit seinen 459 Jahren gehört er schon zu den etwas älteren und mächtigern Vampiren. Auch wenn es in der Neuzeit sehr viel leichter geworden ist sich zu verbergen, so muss er doch immer auf der Hut sein.

Atrotos Vorgeschichte:

Atrotos gehörte einer alten, ehrwürdigen Vampirfamilie an, die schon Jahrtausende bestand, es war damals eine Stolze und mächtige Familie, sie bestand aus vielen doch mit der Zeit wurden es immer weniger und nun ist Atrotos der letzte seiner Vampirfamilie, in der Zeit der Hexenverbrennungen und Dämonenaustreibungen mussten die meisten seiner Familie ihr leben lassen, Atrotos war noch sehr jung, zumindest für einen Vampir, er ist „gerade“ mal 115 Jahre alt, dennoch muss er seine ganze Familie repräsentieren, er war bekannt beim Orden, als der letzte der Familie, der Ordensführer schätzte ihn sehr, weil er zuverlässig und loyal war.

Atrotos lebte alleine in einem großen Anwesen, mit riesigen Grundstück, Gärtner und Zimmermädchen kümmerten sich um das Haus, obwohl es kaum was zu tun gab’ den das Haus war zu groß für eine Person und er machte keinen Dreck, Atrotos Familie war eine lange Rehe von Vampir-Drachen, eine andere Spezies wurde damals nie in Erwägung genommen, man musste es sich „verdienen“ in die Familie aufgenommen zu werden, nur die viel versprechendsten Drachen werden dann auch wirklich zu Vampiren gemacht, denn nicht jeder kann mit der Veränderung leben, die das alle mitbringt, zum Beispiel müssen alle Vampirdrachen ihren Feuer absagen und die Kunst des schwarzen Höllenfeuers erlernen, ein Feuer, das weder brennt noch in irgendeiner Weise Hitze verbreitet es ist ein spezielles Feuer, das die Vampirdrachen zum kämpfen benutzen, da ihr richtiges Feuer tödlich für sie selbst wäre, alles was mit dem schwarzen Feuer in Berührung kommt erleidet unsagbare Schmerzen, es ist ein Technik, die nur im Notfall eingesetzt werden soll.

Atrotos Anwesen war in der Nähe eines kleinen Dorfes gebaut, weit weg von den großen Städten, er war im Dorf als reicher, wohltätiger stolzer Mann bekannt, er ließ sich selten am Tag im Dorf blicken, aber das musste sein, damit niemand Verdacht schöpfte, er besuchte oft das Dorftheater, nahm an Festlichkeiten Teil, er spendete Geld im Waisenhaus, sie haben sogar eine Tafel mit seinen Namen dort angebracht. Doch all das war nur Maskerade in Wahrheit hasste er das zutiefst, immer nett sein zu müssen, immer stark sein zu müssen immer mit einer Maske rumlaufen, er hatte es so satt, aber er hatte keine Wahl, er musste seine Familie vor Schande bewahren und wer wusste schon was passieren würde, wenn er sich gegen den Orden auflehnen würde?

Natürlich musste Atrotos auch Menschen beißen, tat er auch, aber nur selten, dann hieß es Menschen seien „verschwunden“ oder man fand sie völlig entkräftet im Wald wieder, doch niemand würde einen so wohltätigen Mann wie Atrotos verdächtigen, er machte es auch nur selten, den die meiste Zeit, schöpfte er sein Blut an den in der Villa eingerichteten Weinkeller aus, seine Familie hat über Jahre hinweg in Kriegen und Schlachten Blut zusammengesammelt um eine Art Sicherheit für Schlechte Zeiten zu haben, Atrotos hasste dieses Blut, es war kalt und ungenießbar, nicht so als wie es direkt aus einem lebenden Körper fließt so rein und warm, doch Atrotos war auch hier in seinen Willen eingeschränkt, er musste die Maskerade wahren, um jeden Preis!

Doch eines Tages sollte es anders laufen:

Es war einer der Abende, wo Atrotos ein Mädchen zu sich nach Hause einlud, um ihr Blut zu saugen, er konnte seine Gier kaum verbergen, das Mädchen interpretierte das als eine Art Sympathie und Interesse an ihr, sie küssten sich, Atrotos küsste ihren Hals, er konnte das Blut genau spüren, er hielt ihre Hand es floss schnell durch ihre Adern, warm, er biss ihr schnell in den Hals. Das Mädchen wusste kaum, was mit ihr geschah, als sie schon bewusstlos wurde, Atrotos saugte gierig und schnell, achtete aber darauf, nicht von dem kostbaren Blut zu vergießen, zulange musste er darauf verzichten, er ließ sie aber diesmal am Leben, er nahm sie in die Arme, es war tiefdunkle Nacht, Atrotos ging raus, direkt neben seinem Haus war ein Wald, er ging dorthin um sie dort auszusetzen, doch als er dies Tat ging hinter seinem Haus was vor sich: Diebe hatten sich in den Weinkeller begeben und zapften den „Wein“ an, nach kurzen probieren wurde ihnen klar, um was es sich bei dem Wein handelte, Atrotos ging tief in den Wald, es hatte einige Zeit gedauert, er wollte, das sie nicht sofort gefunden wird, dann ging er zurück doch was er sah, entsetzte ihn! Seine prachtvolle Villa stand in Flammen! Die Menschen reifen durcheinander „Stirbt! Wesen des Teufels!“ und ähnliches, er bekam kaum was mit, nach einigen Moment machte er einige Schritte nach hinten, sie dachten Wohl, er wäre noch im Haus, er rannte weg, die ganze Nacht und den ganzen Tag danach, dann kam er endlich bei seinem Orden an, die würden ihm erklären, was passiert sei und ihm helfen!

Man schein ihm schon zu erwarten, doch alle hatten so einen Gesichtausdruck des Hasses, das machte ihm nervös alle gingen zu Seite und forderten ihn auf, zum Ordensführer direkt zu gehen, nicht fühle durften mit dem Ordensführer direkt Sprechen, doch nun Stand Atrotos Im Audienzsaal und der Ordenführer saß auf seinen Thron.

Ordensführer: Atrotos…

Atrotos verbeugte sich tief

Ordensführer: Du hast dich des Hochverrats schuldig gemacht!

Atrotos: “WAS!?“

Er schreckte auf, Hochverrat? Was hatte er getan?

Ordensführer: „Durch DEINE Fahrlässigkeit sind die Menschen wieder auf uns aufmerksam geworden, du hast mich sehr enttäuscht, Atrotos! Ich dachte du wärest einer meiner loyalsten Gefolgsleute!

Atrotos: „Was! Ich war immer loyal! Ich habe immer getan was von mir verlangt wurde! Ich konnte nichts dafür!“

Doch schon kamen 2 Wachen um ihn zu packen, Atrotos zückte seinen Degen, er war ein Meister des Fechtens, er hatte auch viele Jahre Zeit die Kunst zu lernen, die Wachen wichen zurück, sie wussten das er für seine Fechtkünste begnadet war. Doch der Ordensführer signalisierte mit einer Handbewegung, dass die Wachen verschwinden sollten, was sie auch taten.

Ordensführer: „Atrotos! Hiermit erkläre ich dich für vogelfrei, du darfst nun tun, was die beliebt, aber du wirst aus den Orden verbannt, jeder Vampir aus unserem Orden darf mit dir tun und lassen, was er will, ohne bestraft zu werden, dennoch darf dir niemand in irgendeiner Weise helfen, zudem wird eine großzügige Belohnung für den ausgezahlt, der mir deinen Kopf bringt…doch da du einer meiner loyalsten Gefolgsleute warst…lasse ich dir 24 Stunden, in denen dich niemand anfassen kann und nun VERSCHWINDE!“

Atrotos blieb zunächst wie angewurzelt stehen

Ordensführer: „VERSCHWINDE! SOFORT!“

Atrotos dreht sich um und lief…er lief stundenlang durch di Straßen, das würde sein Ende bedeuten, jeder wusste nun, dass auf seinen kopf eine Belohnung ausgesetzt war, jder würde ihn jagen, sein Herz war erfüllt von Hass gegen den Ordensführer, der ihn so einfach hat fallen lassen, nach einigen Stunden kam er bei der Großstadt an…

Vorgeschichte Insidia

Insidia ist ein weiblicher Drache, 20 Jahre alt und ist ziemlich verlogen. Auf der Straße betrügt sie die Menschen mit ihren Spielchen und klaut ihnen Geld und Essen. Manchmal sogar Kleidung inklusive Unterwäsche, um sie teuer zu verkaufen. Von ihren Eltern wurde sie vor 5 Jahren rausgeschmissen, weil sie eine schande für die Familie war, der sie meistens das Geld geklaut hat und belogen hatte. Eines Tages ging sie wieder auf Beutejagd und wollte diesmal einen älteren Mann mit einer sehr blassen Haut berauben. Doch als sie sich ihm nährte, packte er sie am Arm und schnupperte an ihrem Hals. „Es riecht nach Verlogenheit... das Blut einer Lügnerin.. er leckte sich über die Lippe. Mein Leibgericht.“ Er biss ihr in den Hals und saugte ihr Blut. Als er fertig war, brach Insidia auf die Knie zusammen. Sie hatte keine Energie mehr im Körper und konnte nicht einmal mehr auf den Beinen stehn. Sie spührte eine warme Flüssigkeit in ihren Mund und schluckte sie runter. Der Vampir hielt Insidia den Hals hin, um daran zu saugen, was sie sofort tat. Plötzlich entschwand der Hals und Insidia spührte neue Kräfte. Sie schaute sich um, sie konnte alles so gut sehn, besser als an Tag. Sie sah im Himmel sogar einige Fledermäuse, obwohl sie so schwarz wie die Nacht waren und praktisch unsichtbar waren. Insidia stand auf und schaute sich um. Von dem seltsamen Mann war keine Spur mehr. Aber sie hatte Durst. Großen Durst.

Sie sah sich um. Sie sah eine junge Frau hektisch durch die Straßen laufen und flog ihr nach. Als sie hinter ihr stand, pulsierte ihr Blut. Sie packte die Frau an den Schultern, drehte sich um und biss in ihren Hals. Die Frau schrie kurz auf und verstummte dann. Insidia trank ihr Blut bis die Frau tot zusammenbrach. Insidias Hemd war voller Blut und aus ihren Mund tropfte Geifer und Blut. Sie hatte einen unstillbaren Durst und suchte weiter nach Opfern.

Erst nach 6 weiteren Opfern war ihr Durst fürs Erste gestillt und sie flog auf ein Häuserdach. Sie setzte sich hin und schaute in den Mond. Sie leckte sich über ihre neuen Fangzähne und grinste breit. Spaßig. Ich bin nun ein Vampir.. das könnte ja noch richtig interessant werden... Sie lacht leise und flog über die Stadt.

Kapitel 1

Die halbe Nacht war Cruentus bereits unterwegs, als er endlich in der Stadt ankam. Man beachtete ihn kaum, obwohl er mit seinem Umhang, den sichtbaren spitzen Reißzähnen und seinen roten Augen ziemlich auffällig war. Doch in der Neuzeit gab es zum Glück viele Möchtegernvampire, wodurch er nicht mehr auffiel. Die meisten hielten ihn einfach nur für einen Spinner. Das Schöne an Großstädten war, dass sie des Nachts so belebt waren, wie am Tag. Die jungen Leute feierten gerne und die Einkaufszentren hatten meist bis spät in die Nacht auf. Cruentus liebte die Großstadt. Hier fiel man nicht groß auf und die Leute machten sich auch keine Gedanken. Die bunten Lichter der Diskotheken durchleuchteten die dunkle Nacht. Eine davon würde er sicherlich besuchen, um sich ein Blutdate, wie er es selbst gerne nannte, zu suchen.

Doch er war nicht der einzige Vampir, der die Großstadt aufsuchte, um unentdeckt zu bleiben. Atrotos hatte die Stadt auch gerade betreten. Er brauchte dringend Nahrung, denn er hatte noch kein Opfer diese Nacht gehabt. Die Lichter der Diskotheken waren ihm egal. Schließlich war er gesucht. Denn jeder Vampir könnte ihm gefährlich werden. Die Sterblichen standen da eher an zweiter Stelle. Es war eine riesige Stadt. Natürlich war Atrotos schon in solchen Städten gewesen, doch mochte er solche Städte nicht sonderlich. Wie sich die Menschenmassen durch die Straßen drängten, wie sie sich rüpelhaft wegstießen und niemand auf den anderen achtete. Er hasste zwar seine Heimat, doch die Großstadt konnte er genauso wenig leiden und doch hatte er keine Wahl. Die 24 Stunden würden bald vorbei sein und der Ordensführer würde bestimmt nicht warten, bis ein Vampir ihm zufällig seinen Kopf brachte. Sicherlich würde jemand auf ihn angesetzt werden, doch als allererstes musste Atrotos wieder zu Kräften kommen. Nun da er vogelfrei war, konnte er praktisch tun und lassen was er wollte, beißen, wann und wen er immer wollte. Das war der einzigste Vorteil daran, aber Atrotos würde das bis zum Ende auskosten. Ziemlich schnell viel sein Blick in eine gut besuchte Disko. Viele Mädchen tanzten ausgelassen durch die Menge. Viele Menschen sahen ihn komisch an. Er sah auch nicht gerade wie ein Stadtmensch aus, doch das hatte er schon ausgeblendet, denn er hatte sich schon ein Opfer ausgesucht. Ein Mädchen, das alleine in einer Ecke der Disko tanzte. Gerade zu einladend. Er ging zielstrebig auf sie zu. Sie sah ihn an, als wäre er ein Spinner oder ein Verrückter, doch Atrotos ließ sich nicht beirren: Er ergriff ihre Hand, ein Handkuss. Das Mädchen wusste gar nicht, wie sie reagieren sollte, fand es dennoch irgendwie charmant. Sie wollte irgendetwas sagen, auch wenn sie nicht wusste was. Sie war völlig baff, das nutzte Atrotos aus: „Sprich nicht weiter, tanzen?“ Cruentus überlegte noch in welche Diskothek er gehen sollte und schaute sich etwas um, als er Atrotos erblickte. Das gefiel ihm gar nicht, gedanklich ärgerte er sich: „Noch ein Vampir. Das hat mir noch gefehlt. Viel zu auffällig. Zwei Vampire in einer Stadt, aber… irgendwie kommt er mir bekannt vor. Wo hab ich das Gesicht nur schon mal gesehen?“ Atrotos bemerkte nun auch Cruentus. Was sollte er jetzt tun? Er könnte auf der Stelle davon rennen, aber vielleicht ist er gar nicht erkannt worden. Er schien nicht aus demselben Orden zu stammen. Was für ein Glück für ihn. Cruentus ging auf ihn zu: „Hey! Das ist mein Gebiet. Verzieh dich!“ Atrotos war erleichtert, dass er ihn scheinbar nicht erkannt hatte, jedoch wollte er sich auch nicht so einfach vertreiben lassen: „Ich wüsste nicht seit wann man ein Gebiet für sich beanspruchen kann.“ Wären nicht so viele Leute da, hätte Cruentus ihn sofort angegriffen, aber das Risiko war zu groß. Er würde sich und die Vampire auf der ganzen Welt in Gefahr bringen. Das wäre dann wie zu Zeiten der Hexenverbrennung und das wünschte sich Cruentus keinesfalls. Er wand sich ab: „Komm mir nicht in die Quere.“ Er verschwand in der „Second Street Disco“, die viele Leute anzog.

Atrotos wunderte sich, wie weit ist er überhaupt gelaufen? War er noch im Ordensgebiet? Er schien ihn nicht erkannt zu haben. Jeder aus dem Orden hätte ihn sofort erkannt, doch er sowie Atrotos wussten, dass ein Kampf mitten einer Disko zuviel Ärger verursacht hätte. Jedoch wird das bestimmt nicht das letzte Wort gewesen sein. Atrotos musste sich auf Probleme gefasst machen, vielleicht war er doch vom Orden geschickt worden. Er musste vorsichtig sein. Das Mädchen sah ihn komisch an, sie war sehr verwirrt. Atrotos beruhigte sie: „Mach dir keine Sorgen, es ist nichts, nur ein Spinner…“ Diese Erklärung konnte das Mädchen akzeptieren. So tanzen sie weiter und Atrotos konnte sie ihn Ruhe aussaugen, ließ sie sanft zu Boden fallen und ging aus der Disko. Wie er es vermutet hatte, hatte niemand was gemerkt. Wahrscheinlich würde es heißen, ihr Kreislauf hätte schlapp gemacht. Jedenfalls musste Atrotos sich um einen Unterschlupf bemühen. Er ging die Straße entlang, dann bog er in eine einsame Gasse ein. Er wollte endlich ein bisschen Ruhe von den ganzen Menschenmassen und dem Lärm. Doch war es ziemlich dumm von ihm in eine verlassene Gasse zu gehen, denn noch ahnten alle nicht, dass noch ein dritter Vampir in der Stadt war. Insidia lief durch das Stadtviertel und meidete dabei die Laternen an den Straßen. Selbst künstliches Licht konnte sie nicht vertragen. Sie suchte ein Opfer, gestern konnte sie überhaupt nichts trinken, weil man sie in einer anderen Stadt als Vampir entlarvt hatte und sie jagte. Es war vielleicht doch keine gute Idee gewesen, als kleinen Haps einem Baby in den Hals zu beißen, das sofort los schrie. Plötzlich pulsierte Insidias Blut. Sie sah ein paar Meter vor sich einen Mann, einen großen Mann, der mit Sträflingsklamotten durch die Straße rannte. Scheinbar war er aus dem Gefängnis geflüchtet. Insidia spannte ihre Flügel und flog ihm schnell nach. Als sie über ihn flog, sprang sie auf seinen Rücken und schnupperte. Ihr Blut pulsierte noch mehr. Dieser Mann hatte offensichtlich das Blut des Unglücks, das Blut wonach sich Insidia sehnte. Der Mann zappelte wild rum und konnte sich kaum auf den Beinen halten. „Geh runter von mir!“ schrie er laut. Doch dann verstummte er mitten im Satz als Insidia ihm in den Hals biss und sein Blut saugte. Sie saugte solange, bis er tot zusammenbrach. Sie flog von ihm runter und legte sich über die Lippen, die Blut verschmiert waren. „Köstlich.“ murmelte sie. Sie schnupperte in der Luft. Sie entnahm den Geruch eines Vampirs der in ihrer Nähe war. Sie flog sofort in die Nähe der „Second Street Disco“ und sah Atrotos auf der Straße stehen. Noch ein Vampir, und dazu noch ein Drache. Insidia liebte das Blut von Vampiren am meisten. Wie es warm über ihre Zunge floss und den Rachen runter lief, war für sie immer das Beste am Vampirblut saugen. Sie flog hinter Atrotos und schlich sich an ihn ran.

Cruentus bewegte sich inzwischen langsam durch die Menge. Die Musik dröhnte in seinen Ohren und doch konnte er jede Unterhaltung genau heraushören. An einem der Tische, die am Rande der Tanzfläche standen, saß eine junge Igelin, die scheinbar ganz alleine in die Disco gegangen war. Cruentus ging auf sie zu, machte eine kleine, höfliche Verbeugung und hielt ihr die Hand hin: „Darf ich sie zu einem Tanz auffordern?“ Sie nahm die Hand und nickte fröhlich. Er zog sie mit auf die Tanzfläche. Sie tanzte wild und lachte viel. Cruentus war mit ähnlicher Leidenschaft dabei, nur im Gegensatz zu ihr, schwitzte er nicht. Er konnte nicht schwitzen, aber das war noch nie einem Opfer aufgefallen. Er hörte ihr Blut pulsieren. Seine Gier nach dem roten Lebensquell entfachte. Seine Finger packten ihre Schultern und er zog sie näher an sich heran. Sanft flüsterte er ihr ins Ohr: „Du bist wunderschön.“ Sie kicherte. Er küsste ihr Wange und dann ihren Hals, doch aus dem Kuss wurde ein Biss. Seine spitzen Vampirzähne bohrten sich in ihren Hals. Sie stöhnte kurz auf und ließ sich in seinem Armen dahin treiben. Das warme Blut floss in seinem Mund. Genussvoll ließ er es seine Kehle herunter fließen. Mit jedem Schluck spürte er, wie ihre Lebenskräfte in ihn über gingen. Einige Leute kicherten. Sie dachten, dass Cruentus sie bis zur Bewusstlosigkeit küsste. Einige Frauen schauten auch neidisch zu den beiden. Cruentus spürte, wie ihr Herzschlag langsamer wurde. Er setze sie auf einen Stuhl und ließ von ihr ab. Noch einmal leckte er über die Wunde und die Löcher schlossen sich. Sie war vollkommen weggetreten. Als erfahrener Vampir war nicht ein Tropfen daneben gegangen. Jeder Blutfleck könnte einen verraten. Er entfernte sich von der Igelin und ging zum Ausgang der Disco.

Insidia hatte Atrotos mittlerweile in eine einsame Gasse verfolgt. Atrotos war in Gedanken vertieft und bemerkte sie nicht. Ein böser Fehler. Insidia sah ihr Opfer genauer an, ein Drache, das war selten und ein Vampir noch dazu. Die Gier nach Blut ergriff ihren Körper. Sie konnte schon kaum noch klar denken. Es war anders als sonst. Ihr Körper reagierte viel stärker auf ihn als gewöhnlich. Dieses Gefühl raubte ihr fast den Verstand. Was war bei ihm anders? Sie hatte schon einige Vampire davor ausgesaugt, doch noch nie hatte sie auf jemanden so heftig reagiert. Insidia konnte das nicht richtig einordnen. Ihr Blut pulsierte, so einen Leckerbissen hatte man nicht alle Tage und er war völlig ahnungslos: „Schade um ihn, eigentlich…“ Was hatte sie gerade gesagt? Sie hatte noch nie Mitleid mit eines ihrer Opfer, dennoch hatte sie irgendwie bedenken. Ein Hübscher war er ja, doch sie hatte auch andere Gutaussehende ausgesaugt. Irgendetwas war diesmal anders, sie stöhnte leicht auf. Sie hatte ihn noch nicht mal gebissen und trotzdem war sie so erregt. Schließlich packte sie Atrotos. „Was zum!?“, konnte er gerade noch von sich geben, als sie ihre spitzen Reißzähne in seinen Hals bohrte. Das Blut floss in ihren Mund, sie saugte hastig und gierig alles auf. Atrotos fühlte, wie langsam seine Kraft schwand: „So fühlte sich das noch mal an...“ Er erinnerte sich daran, wie er damals zum Vampir gemacht wurde. Er hatte nicht mal eine Wahl gehabt, er erinnerte sich, wie sein ganzes restliches Leben von Unglücklichkeit verfolgt war. Für Insidia war das Blut doppelt gut. Es war von einem Vampir, der vom Unglück verfolgt war. Während sie saugte, tastete sie ihren Körper ab, als wollte sie ihren Köper studieren, um ihn später wieder zu erkennen. Ihr wurde heiß, sie sah ihre Erinnerungen, sie war fast im Rausch, sie wurde fast wahnsinnig vor Erregung. Sie wusste, dass es nicht erlaubt war, Vampire zu töten und meistens hielt sie sich auch dran. Man wusste nie, was für Freunde der andere hat und ob man sich dadurch vielleicht sogar Feinde machte, aber sie konnte einfach nicht ablassen, zu sehr war sie in diesen Rausch vertieft. Als Atrotos dann schließlich völlig entkräftet zusammenbrach, ließ sie von ihm ab. Sie leckte hastig ihre Lippen an, sie fühlte sich so berauscht von dem Blut, sie zuckte sogar ein paar Mal vor Erregung. Dann sah sie Atrotos an, der würde es wohl nicht mehr schaffen. Sie musste abhauen, bevor vielleicht Freunde von ihm auftauchen. Atrotos sah ihr ins Gesicht. Er bekam kaum ein Wort raus, doch es schien ein stummes „Warum?“ zu sein. Insidia sollte besser fliehen, doch sie tat es nicht: „Wenn ich gehe wird er sterben!“ Darüber hatte sie sich noch nie Gedanken gemacht, ob ein Opfer tot oder lebendig war. Eigentlich war ihr dies egal, doch irgendwie konnte sie nicht mit ansehen, wie er da langsam starb. Sie beugte sich zu ihm. Was sollte sie jetzt tun? Ihre Vernunft verlangte, das sie sich so schnell wie möglich aus dem Staub machen sollte, aber ihr Körper wurde fast wie ein Magnet von ihm angezogen. Atrotos sah sie wehleidig an. Selten hatte er einen anderen Drachen außerhalb seiner eigenen Vampirfamilie gesehen und noch seltener so eine Schönheit. Schade, dass sie sich zu diesen Umständen treffen mussten. Er war überzeugt, dass sie vom Orden geschickt worden war, die 24 Stunden waren auch schon vorbei. Sie waren wohl sehr schnell. Wahrscheinlich würde sie irgendwas suchen, um einen Beweis für mein Ableben zu haben. Insidia wurde nervös, war es schlau ihm zu helfen? Doch sie biss sich in den Arm und hielt ihn ihm hin. Das Blut tropfte in seinen Mund. Erst jetzt Begriff er, was sie da tat, auch wenn es aller Logik wieder war, schein sie ihn retten zu wollen. Nach ein paar Tropfen packte er ihren Arm und saugte dran. Nach kurzer Zeit zog sie den Arm ihm weg und stand auf: „Sei froh, dass ich heute meinen großzügigen Tag habe!“ Nun konnte sie, auch mit etwas Überwindung, davonfliegen. Atrotos sah ihr hinterher. Wer war diese Frau? Am liebsten wäre Atrotos ihr gefolgt, aber er konnte kaum aufstehen. Er brauchte jetzt ganz dringen einen Unterschlupf, wo er über die Nacht bleiben konnte. Zum Glück fand er nach kurzem Suchen ein offenes Kellerfenster, er stieg durch. Der Keller war seit Jahren nicht betreten worden, er deckte das kleine Fenster ab und viel dann völlig erschöpft zu Boden und schlief ein. Insidia jedoch beobachtete ihn heimlich aus der Ferne. Sie konnte nicht einfach so verschwinden, warum bloß? Letztendlich versuchte sie sich selbst einzureden, sie wollte ihn nur noch einmal aussaugen, weil sein Blut so gut war. Sie flog durch die Straßen und suchte sich auch ein Quartier für den Tag. Nächste Nacht würde sie ihn wieder aufsuchen, das war ganz sicher. Sie fand einen alten Nonnenturm, dessen Fenster mit Holzplatten verdeckt waren. Das Holz war nicht grade fest und Insidia konnte es mit einem gut gezielten Tritt aufbrechen und rein fliegen. Sie kam in ein altes, verstaubtes Zimmer, wo überall Spinnweben hangen und große und kleine Spinnen rumkrabbelten. Sie sah noch einen alten morschen Kleiderschrank, wo ein Drache wie sie locker reinpasste. Sie öffnete die Schranktür und trat ein, dann lies sie sich kopfüber an der Garderobenstange runterhängen wie eine Fledermaus und schlief ein.

Cruentus lief bereits durch die Straßen auf der Suche nach einer Unterkunft. Vor einem Friedhof blieb er stehen und schaute kurz, ob ihn niemand sah. Mit einem Ruck sprang er über das Tor und lief zur Gruft herüber. Mit Leichtigkeit knackte er das Schloss und ging hinab zu den Särgen. Es war eine alte Familiengruft, die irgendeine Bedeutung für die Stadt hatte. Ihm war das völlig egal. Er nahm den Sarg, der ihm am besten gefiel und legte sich zu dem Skelett. Schnell zog er noch den Deckel zu. Sie Sonne ging kurze Zeit danach auch schon auf und Cruentus viel in einen tiefen Schlaf.

Kapitel 2

Die letzten Strahlen der Sonne erloschen. Atrotos, Insidia und Cruentus schlugen die Augen auf. Ein Vampir hat die Nacht im Blut und wacht sofort auf, wenn die Sonne untergegangen ist. Müdigkeit kennen sie nicht. Jedoch verspürten die drei die heftige Gier nach dem Rot des Blutes.

Insidia kam aus dem Schrank raus. Sie streckte sich und gähnte und ging dann zum Fenster. Sie schaute raus und das Licht des Vollmondes schien auf sie drauf. "Vollmond, perfekt! Die Nacht, wo junge Menschenpärchen am Strand hocken und in den Vollmond gaffen! " Sie grinste und man sah ihre langen Eckzähne. "Ein gutes Abendessen! " Sie sprang aus dem Fenster und spannte im Flug ihre Flügel. Sie flog los. Sie wollte zum Strand fliegen, doch dann fiel ihr der Vampir von gestern ein. Der Vampir, der wie sie ein Drache war und dazu noch ein Gutaussehender. Und vor allem war seine Vergangenheit voller Unglück. Sie erinnerte sich an den unglaublichen Geschmack den sie verspürte, als sie sein Blut trank. Geistesabwesen drehte sie sich sofort um und flog in die entgegengesetzte Richtung des Strandes und suchte nach dem Drachen. Atrotos kam aus dem Keller raus. Er ging stumm die Straße entlang und grübelte nach. „War da gestern Nacht nicht irgendwas?“ dachte er im Stillen nach. Er erinnerte sich an ein Mädchen, ein Drachenmädchen, wer war sie noch mal? In seiner Erinnerung drehte er sich schnell um und plötzlich stand das Mädchen da, das ihren Mund öffnete und ihre langen Eckzähne zeigte und dann spürte er nur noch einen stechenden Schmerz. Dann erinnerte er sich nur noch, wie er letzte Nacht in den Keller gegangen war. Das war’s auch schon. Hatte er das alles nur geträumt? Er betastete seinen Hals und spürte 2 Narben, in Form von kleinen Löchern. Nein, es war kein Traum gewesen. Das Mädchen hatte ihn gebissen. Er wusste nicht warum, aber er wollte sie unbedingt wieder sehn. Er wollte ihr noch einmal in ihr Gesicht sehen. Er wusste nicht warum, er wollte es einfach. Das Verlangen danach war stark. Was war es nur für ein Gefühl, das grade überhand von ihm nahm? Er ging schneller die Straße entlang und hielt Ausschau, ob sie noch irgendwo in der Stadt war. Insidia flog über die Straßen und schaute sich überall um. Nebenbei hielt sie immer wieder an und saugte von ein paar Passanten das Blut. Wie viele waren es bis jetzt gewesen? 6 bis 9? Ach egal, die paar Opfer sind nicht allzu wichtig, die Stadt kümmert sich ja jetzt darum die Leichen wegzuschaffen. Sie flog über die Straßen und hielt weiter die Augen offen.

Cruentus war bereits aus dem Sarg gestiegen und schob den Deckel wieder zu. Er wollte das Skelett nicht unnötig weiter belästigen. Nicht oft störte er die Totenruhe, aber manchmal war es einfach das beste Versteck. Er verließ die Gruft und mischte sich wieder unter die nächtlichen Massen der Stadt. Wie jeden Abend hielt er Ausschau nach dem geeigneten Ort für sein Blutdate. In der Zwischenzeit hatte der Ordensführer von Atrotos, sein Name war Igurthos, einen Kopfgeldjäger auf Atrotos angesetzt. Er wollte er nicht dem Zufall überlassen, ob Atrotos gefasst und getötet wurde. Decollo hatte im Auftrag Igurthos schon einige Vampire getötet. Er war bereits auf der Suche nach Atrotos. Viele Vampire waren ebenfalls auf der Suche. Igurthos hatte dafür gesorgt, dass sich auch außerhalb des Ordens schnell verbreitet hatte, dass Atrotos unter keinem Schutz mehr stand und ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt worden war. Cruentus wusste ebenfalls davon, jedenfalls im Unterbewusstsein. Ein junger Vampir, den er unterwegs zur Stadt letzte Nacht begegnet war, wollte ihn als Kampfpartner anwerben und war sogar bereit die Belohnung zu teilen. Jedoch hatte Cruentus kein Interesse daran und lachte den Frischling, so nennt man junge Vampire, aus. Als er keine Ruhe gab, drohte Cruentus ihm einen Kampf an. Das war dem Frischling zuviel und er verdrückte sich lieber. Decollo erreichte die Stadt in der sich Atrotos, Insidia und Cruentus aufhielten. Er schaute sich in Ruhe um. Cruentus erblickte ihn zwischen den Menschenmassen und kochte fast vor Wut. Nun musste er sich schon wieder um einen Vampir kümmern. Er ging zielstrebig auf Decollo zu: „Hey, das ist mein Gebiet. Verschwinde!“ Decollo lachte: „Dein Gebiet? Das hier gehört immer noch zu unserem Ordensgebiet.“ Die Wut in Cruentus wurde noch stärker: „Dein Orden interessiert mich nicht. Solange ich hier in der Stadt bin, ist das allein mein Jagdgebiet.“ Decollo verlor so langsam seine Geduld: „Entweder du verziehst dich jetzt oder du kannst was erleben.“ Cruentus würde sicherlich nicht weichen: „Du bist der jenige, der jetzt die Stadt verlassen wird.“ Kaum hatte er das gesagt, zog Decollo sein Schwert. Doch erblickte er Atrotos, der gerade an einer Gasse vorbeigelaufen war, in die er aus seiner Position gut sehen konnte. Er rannte an Cruentus vorbei die Gasse hinunter. „Hey, du Feigling!“, schrie Cruentus ihm hinterher. Er lief ihm nach. Die Stadt würde er keinem anderen Vampir überlassen.

Atrotos streifte durch die Straßen, er hätte sich eigentlich stärken müssen, aber er konnte kaum die Straße vor sich sehen. Alles war verschwommen, er hatte viel Blut verloren. In Gedanken sah er noch dieses Mädchen, was ihm die Nacht zuvor gebissen hat. Ohne Ziel lief er durch die Straßen, wenn er nicht bald an Blut kommt, würde er sterben. Ob schon Vampire hinter ihm her waren? Natürlich waren sie hinter ihm her. Viele würden hinter ihm her sein, wahrscheinlich wurde sogar jemand geschickt. Atrotos musste wieder zu Kräften kommen, keinesfalls könnte er so kämpfen. Er konnte kaum den Kopf hochhalten so schwach war er. Orientierungslos ging er dann in eine Gasse rein, vielleicht würde er ein leicht zu überwältigendes Opfer finden. Er ahnte nicht, dass sein Verfolger ihm schon dicht auf den Versen war. Insidia war noch auf der Suche nach Atrotos, auch wenn sie nicht ganz wusste warum. Sie bemerkte von der Ferne aus, was geschah. Natürlich erkannte sie Vampire, wenn sie sie sah. Zuerst sah sie Cruentus und Decollo. Sie schienen sich zu streiten, dann Atrotos. Völlig fertig biegt er in eine Gasse ein. Der eine Vampir hinter ihm her und der der bei ihm war auch gleich hinterher. Schien als würde es Ärger geben. Sie flog auf ein Haus und beobachtete alles von oben. "Habe ich dich endlich!" schrie Decollo. Atrotos bekam nur die Hälfte mit, er wurde fast ohnmächtig. Er rappelte sich aber noch mal auf und fokussierte seine Energie noch einmal. "Bist du vom Orden?" fragte Atrotos. "Ja, ich wurde geschickt um dich zu erledigen!" antwortete er. Er grinste breit: "Auf deinen Kopf ist ein gutes Sümmchen ausgesetzt." Insidia hörte das und ihr kamen Atrotos Erinnerungen hoch. Diese Sache schien wohl vor kurzen passiert zu sein. Sie wusste nicht ganz was sie tun sollte, machte sich aber bereit zuzuschlagen. Noch wartete sie auf etwas, wahrscheinlich das Decollo Atrotos angriff.

Cruentus hatte sich nicht abhängen lassen und tauchte nun auch auf: „Wegrennen ist nicht!“ Er erblickte Atrotos und erinnerte sich ihn bereits letzte Nacht gesehen zu haben. Atrotos sah gar nicht gut aus. Was wohl mit ihm passiert war!? Decollo drehte sich zu ihm um: „Verzieh dich! Das geht dich nichts an.“ „Solange du dich in meinem Jagdgebiet befindest, geht mich das sehr wohl was an“, erwiderte Cruentus. „Wie oft noch?“, schrie Decollo ihn an, „das ist unser Ordensgebiet.“ Atrotos hatte Mühe dem Geschehen zu folgen, aber der andere Vampir schien ihm zu helfen. Cruentus schlug mit der Faust gegen die Wand: „Mich interessiert euer Orden nicht. Das ist mein Jagdgebiet und ich dulde dich hier nicht.“ Decollo zeigte mit der Schwertspitze auf Cruentus: „Wie du willst. Dann räume ich dich zuerst aus dem Weg.“ Cruentus schlug ihm gezielt das Schwert aus der Hand und stürzte sich auf ihn. Die beiden rollten am Boden entlang und schlugen gegenseitig auf einander ein. Cruentus schlug Decollos Kopf heftig auf den Boden, worauf Decollo ihm eine Kopfnuss verpasste. Sie schienen beide gleichstark zu sein. Decollo sieht zu seinem Schwert und stößt Cruentus mit den Füßen weg. Schnell packt er sein Schwert und richtet es gegen Cruentus. Sie sind wieder bei der Anfangssituation angekommen. „Das kann ewig so weiter gehen. Du könntest verschwinden und ich vergesse die Sache“, schlug nun Decollo vor. Cruentus lachte: „Das Gebiet hier gebe ich nicht her.“ Die beiden gingen wieder auf einander los. Nur dieses Mal musste Cruentus mehr auf das Schwert aufpassen. Decollo wollte es sich nicht so leicht aus der Hand schlagen lassen. Geschickt und schnell waren sie alle beide, Decollo mit dem Schwert und Cruentus im Ausweichen. Ein Ende des Kampfes war nicht abzusehen. Atrotos beobachtete den Kampf zwischen den beiden, genauso wie Insidia das Geschehen von oben mit ansah. Man hatte sie noch nicht bemerkt, aber ihre Augen waren auf Atrotos gerichtet. Der nahm seinen Degen, er wollte nicht einfach so zu sehen, er musste seine ganze Kraft zusammen nehmen. Der Degen war eine sehr leichte Waffe, doch in dem Moment fühlte er sich an, als wäre er Tonnenschwer. Cruentus weichte noch den Schwerthieben von Decollo aus. Der ließ ihm einfach keine Ruhe. Immer und immer wieder folgten schnelle Schwerthiebe, er kam einfach nicht an ihn ran. Cruentus weichte immer weiter nach hinten aus, bis er an der Hauswand stand. „Jetzt habe ich dich!“ Er wollte den letzten Schlag ausführen, doch Atrotos griff mit dem Degen an. Decollo wich auch und Atrotos verfehlte dadurch Cruentus nur knapp. Der Degen blieb in der Wand stecken und Atrotos hatte nicht mehr die Kraft, ihn raus zu ziehen. Decollo schnappte sich Atrotos und hielt ihm sein Schwert an die Kehle: „So, ich habe was ich will, jetzt verschwinde ich wieder!“ Doch als er den Satz beendet hatte, traf ihn ein heftiger Tritt am Hinterkopf. Insidia hatte beschlossen, sich einzumischen. Decollo ließ Atrotos los und Insidia nahm ihn in den Arm: „Lass ihn in Ruhe!“ Atrotos konnte gar nicht fassen, das es wirklich sie war. Decollo sah alle an, gegen 3 konnte er unmöglich ankommen. Er rappelte sich wieder auf: „Dafür werdet ihr alle büßen! Der Ordensführer wird euch alle bestrafen!“ Dann lief er davon und Atrotos wurde bewusstlos. Er hatte einfach keine Kraft mehr. Insidia kniete sich zu ihm runter und rüttelte an ihm, vergeblich: „Super, grade hab ich ihn gefunden und dann das.“ Vielleicht hatte er zu wenig Blut getrunken? Sie biss sich in ihren Arm und hielt ihn darauf Atrotos hin. Doch Atrotos rührte sich nicht, nicht einmal wenn man ihm Blut vors Gesicht hielt: „Ist er... jetzt tot?“ Insidia bekam glasige Augen. Wieso weinte sie wegen ihm? Sie kannte ihn doch nicht einmal! Doch... auf eine komische Art und Weise war er doch etwas Besonderes. Sie wusste nicht warum und weshalb, aber es war so, als ob sie ihn schon Jahre kannte. Sie nahm ihn in die Arme und weinte. Cruentus klopfte sich den Staub von der Kleidung und schaute dann zu Atrotos und Insidia. Er wollte gehen, doch er konnte einfach keinen Vampir sterben lassen. Er ging zu Atrotos und Insidia. Er schob Insidia zur Seite und hob dann Atrotos hoch. Insidia sprang sofort vom Boden auf: „Was hast du mit ihm vor?!“ Cruentus schaute zu ihr: „Ich suche für ihn ein Versteck, wo er sich ausruhen kann.“ Insidia schaute ihn überrascht an. Moment, der war gar nicht tot? Cruentus ging die Straße entlang. Insidia folgte ihm. Er ging wieder zurück zur Grabstätte, ihm gefiel die Sache überhaupt nicht. Dennoch saßen sie alle drei jetzt in selben Boot. Er legte Atrotos vorsichtig auf den Boden. „Was geht hier eigentlich vor sich? Wer seid ihr beide und was macht ihr hier!?“ Insidia wusste es doch selbst nicht, dennoch versuchte sie erstmal seine Fragen zu beantworten, so gut wie möglich: „Ich bin Insidia, und wer er ist, weiß ich nicht. Ich kenne ihn selbst erst gestern, ich weiß nur, dass er wegen Hochverrat gesucht wird. Das weiß ich von seinem Blut...“ Cruentus sah sie verwirrt an: „Dann hast du ihn so hingerichtet? Aber wieso willst du ihm jetzt helfen?“ „Ich weiß es selbst nicht genau... ich denke... ich mag ihn einfach.“ Das hörte sich dämlich an, das merkte auch Insidia. „Was machen wir jetzt?“ fragte sie. „Er braucht viel Blut, er hat einfach keine Kraft mehr, um sich selber zu helfen. Wir müssen ihm ein Opfer bringen. Er muss wieder zu Kräften kommen, wir müssen alle fit sein. Es kommen harte Zeiten auf uns drei zu...“ Er ging nach draußen, Insidia folgte ihm. Cruentus wusste genau nach was er suchte. Nach einem unbekannten Obdachlosen, den niemand vermissen würde. Atrotos brauchte so viel Blut, dass der Mensch es unmöglich danach überleben könnte. Sein Opfer lief ihm regelrecht in die Arme. Betrunken und orientierungslos lief er Cruentus über den Weg: „Hallo mein Freund. Lust auf einen Drink?“ Der Typ sabberte und lächelte nur. Insidia verstand nicht, warum er ihn nicht einfach K.O. schlug und mit nahm. Doch Cruentus wusste genau, warum er das tat. Jemanden mit sich herum zu schleppen, zog immer Aufmerksamkeit auf einen. Die sie schon zur genüge hätten, als er Atrotos zur Gruft geschleppt hatte. Insidia folgte ihm stumm und beobachtete was er tat. Sein Opfer hielt er gut bei Laune mit ein paar Trinkergeschichten bis sie zum Friedhof kamen. Dort führte er ihn in die Bar, wie er dem armen, ahnungslosen Opfer erklärte. Atrotos lag immer noch regungslos auf dem Boden. Cruentus verpasste dem Opfer jetzt einen Schlag in den Nacken, worauf hin dieser bewusstlos umfiel: „So wird es leichter.“ Insidia wusste noch immer nicht so recht, was sie jetzt tun sollten. Auf das Blut hatte Atrotos doch überhaupt nicht reagiert: „Wie willst du ihm das Blut geben?“ „Lass mich nur machen“, entgegnete Cruentus. Immer diese jungen Vampire, dachte er. Denen wird auch gar nichts mehr beigebracht. Er öffnete vorsichtig Atrotos’ Mund und zog dann das Opfer heran. Er biss dem Opfer in die Pulsader und hielt dann den blutenden Arm über Atrotos’ Mund. Das Blut füllte seinen Mund. Es dauerte einen Augenblick bis Atrotos anfing zu schlucken und schließlich den Arm des Opfers packte und hastig trank. Insidia war erleichtert: „Er trinkt… er wird leben…“ Sie freute sich unheimlich ihn nicht verloren zu haben. Cruentus verspürte die Gier nach dem Blut nun viel heftiger als zuvor. Er hatte noch nichts getrunken und sah nun mit an, wie ein anderer an seiner Stelle trank. Bei Seminex war es auch oft so gewesen, aber sie teilten sich dann ein Opfer. Es schmerzte ihn sehr daran denken zu müssen und so wandte er den Blick von Atrotos ab. Dieser kam langsam wieder zu Kräften und ließ von dem fast Totem ab. Er richtete sich auf und wischte sich das Blut vom Mund, das daneben gegangen war. Nun, da Atrotos wieder auf den Beinen war, würden sie die restliche Nacht noch mit der Suche nach einigen Opfern verbringen, um Blut zu trinken.
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Luna42
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BeitragThema: Re: Das Rot des Blutes (von Heat the Dragon, Vivi und Luna42)   07.01.17 13:50

Kapitel 3

Die Drei hatten sich für die Nacht gestärkt und sich in die Gruft zurückgezogen. Insidia war froh, dass es Atrotos wieder besser ging. Atrotos hatte Schuldgefühle, da er alle mit rein gezogen hatte und Cruentus war wütend über die Entwicklung. Er wollte keinen Ärger, doch jetzt war es zu spät. Die Drei erwachten aus ihrem Schlaf und stiegen aus den Särgen. Es war ja ein Familiengrab, genug Särge für alle. Insidia und Cruentus sahen Atrotos an. Es war Erklärungsbedarf, er fing auch sogleich an. „Wie ihr sicher mitbekommen habt, werde ich wegen Hochverrats gesucht…“ er erzählte ihnen die ganze Geschichte. „Deshalb schmeckt dein Blut nach Unglück“ sagte Insidia. Cruentus verzog seine Mine: „Wunderbar, jetzt sitzen wir alle drei mit drinnen. Sie werden uns bis aufs Letzte jagen und uns vernichten...“ Cruentus erkannte den Ernst der Sache. Der Ordensführer spaßte nicht mit Verrätern. Insidia war dies egal, sie war froh bei Atrotos sein zu können. Auch wenn sie immer noch nicht wusste, warum. Sie musste immer zu ihm sehen und er zu ihr. Es war schon fast peinlich. „Wir müssen fliehen, aus dem Ordensgebiet raus.“ entgegnete Atrotos. Wenn sie aus dem Ordensgebiet raus wären, könnte selbst nicht mehr der Ordensführer etwas dagegen tun. Was nicht heißt, dass sie von Wagemutigen verfolgt werden. Doch es war besser als nichts. „Falls wir es lebend schaffen…“ sagte Cruentus „Der Ordenführer wird Leute schicken...“ „Ist doch egal. Wir fliehen einfach, bevor sie uns kriegen.“ meinte Insidia dazu. Hauptsache sie konnte bei Atrotos blieben. „Ich schlage vor, wir stärken uns erstmal und entscheiden dann, wohin wir gehen. Es tut mir leid. Wir kennen uns zwar noch nicht lange, aber wir müssen jetzt zusammen halten!“ schlug Atrotos vor. Cruentus stand auf: „Du hast recht, auch wenn es mir nicht gefällt. Wir teilen uns auf und treffen uns wieder hier!“ Mit den Worten verließ er die Gruft. Atrotos wollte auch gerade gehen, als ihn Insidia am Arm packte: „Wollen…wollen wir zusammen gehen?“ Insidia wusste gar nicht, was sie sagte. Sie klang wie ein dummes Schulmädchen, was nach einem Date fragt. Atrotos war verwirrt, doch konnte er nicht verbergen, dass er auch sie nicht mehr aus dem Sinn bekam. Er nickte und so flogen beide in die Nacht hinaus.

Cruentus konnte sich kaum auf die Beutejagd konzentrieren. Vorher war es für ihn schon immer gefährlich gewesen, da sein Orden nicht mehr existierte. Da hatte er sich was Schönes eingebrockt. Auf keinen Fall wollte er engeren Kontakt zu den beiden. Sie würden zusammen das Ordensgebiet verlassen und sobald sich die Lage beruhigt, wäre er auch schon wieder weg. Er wagte kaum so weit zu denken. Einen ganzen Orden im Nacken. Ihm schauderte es. Ihm war gar nicht danach ein Blutdate zu genießen. Er schnappte sich eine junge Dame, die sich scheinbar in den Nebengassen verlaufen hatte. Schnell packte er sie von hinten und biss ihr in den Hals. Sie wusste gar nicht wie ihr geschah und sackte nach hinten in seine Arme. Das Blut glitt seine Kehle herunter. Es tat gut und für einen kurzen Moment vergaß er seine Sorgen. Mit der Zunge leckte er über die Bisswunde und die Löcher verschwanden fast wie von Zauberhand. Die Frau sackte an der Wand zusammen und schlief. Cruentus schaute, dass ihn niemand sah und sprang auf das Häuserdach. Dort setzte er sich hin und schaute in die Weite des nächtlichen Himmels. Nur eine schmale Mondsichel war am Nachthimmel zu sehen. „Was soll ich nur tun, Seminex?“ fragte er leise. Natürlich würde er darauf keine Antwort bekommen und mit diesen beiden relativ jungen Vampiren hatte er sich echt was eingefangen. Über besonders viel Erfahrung schienen die nicht zu verfügen. Sie mussten aus dem Ordensgebiet raus, aber wohin? In das frühere Gebiet seines Ordens? Das gehörte jetzt Deceptor und seinem Orden. Wieso eigentlich nicht, fragte er sich nun. Deceptor war ihm noch einen Gefallen schuldig. „Seminex, was meinst du?“, sprach er wieder leise mit dem Himmel. Doch außerdem nächtlichen Treiben der Stadt hörte man nichts. Atrotos und Insidia hatten einen Platz am Strand gefunden. Dort lagen viele junge Pärchen unterm Sternenhimmel im Sand und küssten oder umarmten sich. Insidia wollte am liebsten fragen, ob sie und Atrotos nicht eben eine Pause machen könnten und es den Pärchen gleich tun könnten, aber dafür war sie nun doch zu durstig. Atrotos schnappte sich ein erwachsenes Pärchen und Insidia bekam ein junges Teeniepärchen. Insidia schaute dem Pärchen in die Augen. Erschrocken standen die beiden auf und schauten Insidia an. "Wer bist du? " fragte der Junge, doch dann sah er Insidia in die Augen und kippte ohnmächtig um. Das Mädchen rüttelte an ihrem Freund und schaute Insidia böse an, doch als sie dann ebenfalls in ihre Augen schaute, kippte auch sie um. Insidia lachte finster. „Hypnose ist doch was Tolles.“ sagte sie noch lachend. Sie beugte sich runter und biss zuerst dem Jungen in den Hals und saugte ihn aus. Sie leckte sogar noch das Blut auf, das daneben gegangen war und nahm sich dann das Mädchen vor. Die beiden lagen nun tot da und Insidia machte sich an das nächste Pärchen. Keiner hatte was davon bemerkt, weil alle nur verliebt in den Himmel gafften. Atrotos musste sein Pärchen durch einen gekonnten Nackenschlag zu Boden strecken, weil er die Hypnose wohl nicht beherrschte. Zum Glück hatte dies auch niemand bemerkt und er konnte ebenfalls in Ruhe saugen. Er sah dann aufs Meer raus. Es war eine tolle Aussicht, das Meer im Abendschein schimmern zu sehn. Er sah zu Insidia. Das letzte Pärchen war ein Seniorenpaar, weshalb sie es leicht aussaugen konnte. Atrotos reichten die beiden Menschen schon, und er glitt schnell zu Insidia. Wollte er sie jetzt tatsächlich fragen: „Willst du mit mir in den Himmel schauen?“. Er merkte, dass er das grade laut gedacht hat und Insidia diese Frage gehört hat. Sie schaute, leicht rot zu Atrotos und nickte: „ Ja, gerne..." Sie lächelte leicht. Atrotos und Insidia sahen sich den Nachthimmel an, es war eine dunkle, sternenklare Nacht. „Es tut mir leid, dass du wegen mir in Schwierigkeiten bist...“ sagte Atrotos. Doch Insidia schüttelte den Kopf: „Schon in Ordnung, macht dir keinen Kopf.“ Sie nahm ihn in ihren Arm. „Das ist eine schöne Nacht…“ sagte sie. „Ja.“ antwortete Atrotos. Sie sahen sich verträumt an. Im Licht des Mondes näherten sich ihre Lippen, doch als sie sich gerade küssen wollten, hörten sie Geschrei von hinten: „Mein Gott, was ist hier passiert!?“ Atrotos und Insidia verschwanden schnell und kehrten zurück in die Gruft. Atrotos war jetzt noch nervöser. Jetzt fühlte er sich verantwortlich für die ganze Sache und er wollte um jeden Preis Insidia beschützen. Sie mussten schnell aufbrechen, aber wohin? Vielleicht hatte Cruentus eine Idee. Er schien ein erfahrener Vampir zu sein. Vielleicht kannte er ein Gebiet, wo der Orden keinen Zugriff mehr hatte. Sie warteten auf Cruentus, der schließlich auch eintraf. Er wollte nicht noch mehr Zeit verschwenden und sofort aufbrechen: „Los! Verschwinden wir.“ „Wohin gegen wir?“, wollte Atrotos wissen. „Ins Ordensgebiet von Deceptor“, verriet ihm Cruentus, obwohl er sich ziemlich sicher war, dass die beiden damit nichts anfangen konnten. Die drei verließen die Gruft. Atrotos fragte sich, wer dieser Deceptor war: „Ist das ein Freund von dir?“ Cruentus ging das Gefrage etwas auf die Nerven: „Ein Freund? Kann man nicht sagen.“ Insidia schaute dauernd zu Atrotos und lief neben ihm her. Atrotos schaute auch immer wieder zu ihr. Seine Sorgen ließen sich jedoch nicht aus dem Kopf verbannen. Er hoffte nur, dass Cruentus wusste, was er tat. Cruentus musste einiges klar stellen, damit man sie möglichst nicht entdeckte: „Wir dürfen nicht auffallen, was zu dritt schon fast unmöglich ist. Keine Toten, keine Blutspuren, nur so viele Opfer wie unbedingt nötig. Ein Tagesmarsch wäre wohl auch angebracht.“ Insidia gefiel das gar nicht, dass sie sich so zurück halten sollte. Da machte das Bluttrinken gar keinen Spaß mehr: „Es sind noch genug andere Vampire unterwegs, die das genauso gut gewesen sein könnten. Warum sollte man auf uns schließen?“ Cruentus drehte sich zu ihr um: „Zufällig sind diese anderen Vampire alle hinter uns her. Die finden uns schneller, als du dir vorstellen kannst.“ Dass Cruentus damit recht hatte, wusste Atrotos nur zu gut. Der Orden war nicht gerade klein und auch ordensfremde Vampire hatten es auf die Belohnung abgesehen. Er fühlte sich von Minute zu Minute schlechter. Immer mehr wurde ihm klar in was er die beiden mit reingeritten hatte.

Igurthos hatte inzwischen von Decollo erfahren, was geschehen war und ihn sogleich wieder mit Unterstützung los geschickt. Er hatte die Belohnung noch mal erhöht und die beiden für ihn noch unbekannten Vampire mit auf den Steckbrief gesetzt. „Die beiden werden noch bereuen sich da eingemischt zu haben“, ärgerte sich Igurthos. Decollo war mit zwei weiteren Vampiren wieder auf dem Weg in die Stadt. Die Drei würden ihm nicht entkommen, dass hatte er sich geschworen. Decollo erwartete, dass sie aus dem Ordensgebiet fliehen würden. Deshalb zogen er und seine Mitstreiter so schnell wie es ging voran. Drei gegen drei, er war zuversichtlich, dass sie gewinnen würden. Cruentus war zwar ein erfahrener Vampir, doch hatte er ihn letztes Mal fast erledigt. Atrotos und Insidia waren junge Vampire und nicht so mächtig wie er selbst.

Atrotos, Insidia und Cruentus waren schon auf den Weg, bald würde die Sonne aufgehen, doch waren sie gewappnet. Atrotos und Insidia machte die Sonne nicht viel aus, dennoch hatten sie alle drei Mäntel angezogen. Sie waren am Ende der Stadt. Atrotos Sorgen wurden immer stärker, je mehr er sich Insidia hingezogen fühlte. Die warf ihm einen mitleidigen Blick zu. Er sollte sich keine Sorgen um sie machen. Sie war hier, weil sie es so wollte. Nur das sie sich zurückhalten sollte, passte ihr nicht ganz, doch das war jetzt nicht wichtig. Als sie die Stadt gerade verlassen wollten, wurden sie von Decollo und seinen Leuten abgefangen. „Habt ihr mich vermisst?“ sagte Decollo. „Verdammt!“ schrie Cruentus. Ein Kampf war jetzt nicht mehr zu vermeiden. Ob er mit den jungen Vampiren erfolgreich sein würde? Seine Gefolgschaft schien nicht schwach zu sein. Das würde ein harter Kampf werden. Atrotos zog seinen Degen heraus: „So sei es! Einer für jeden.“ Da Tantus und Sedare ehemalige Schüler von Decollo waren, kämpften sie alle 3 mit Schwertern. Tantus ging auf Cruentus los und Sedare auf Insidia. „Nun gehörst du mir…“ mit diesen Worten stürzte sich Decollo auf Atrotos. Dieser Werte jeden Schwerthieb mit seinem Degen ab, doch konnte das auf Dauer nicht gut gehen. Der Degen würde auf kurz oder lang zerbrechen. Insidia wich leichtfüßig den Angriffen von Sedare aus. „Bleib stehen du Miststück!“ Vor lauter Wut sah er gar nicht, das Insidia hinter einem Baum stand. Mit einem gezielten Schlag rammte er sein Schwert in dessen Stamm. Es war für Insidia ein leichtes ihm auszuweichen. Das Schwert steckte tief im Baum fest und Sedare konnte es nicht mehr herausziehen. „Miststück sagtest du?“ Sedare sah geschockt zu ihr, ohne Schwert konnte er sich nicht mehr verteidigen. Das war der Nachteil, wenn man nur auf den Schwertkampf getrimmt wird. Insidia trat ihm in die Magengrube. Sedare krümmte sich vor Schmerzen auf den Boden. Sie packte ihn an die Kehle und hob ihn hoch. Cruentus kämpfte währenddessen mit Tantus, der auch wie wild mit dem Schwert rumfuchtelte. Er musste nur ausweichen. Langsam wurde Tantus müde und seine Angriffe wurden träge und schwach. Er erhob das Schwert und wollte es auf Cruentus niederschlagen, doch wurde der Schlag von Cruentus abgefangen indem er den Schwertarm packte. Tantus war schon so entkräftet, dass Cruentus ihn ganz leicht aufhalten konnte: “Ich gebe dir eine Chance, verschwinde jetzt und ich lasse dich am Leben!“ Mittlerweile hatte er ihm das Schwert mit der anderen Hand abgenommen. Insidia war da nicht so freundlich. Sie tötete Sedare gleich indem sie ihn aussaugte. Atrotos kämpfte immer noch mit Decollo. Seine Angriffe waren gezielter und taktischer und es geschah das, was Atrotos befürchtet hatte: Sein Degen brach in zwei Hälften. „Verdammt!“ schrie Atrotos. Er versuchte noch auszuweichen, jedoch hatte Decollo schon zu gestochen. Es hatte nur die Schulter erwischt. „Atrotos!“ rief Insidia verzweifelt. Noch war Atrotos nicht besiegt. Er packte das Schwert, sodass Decollo es nicht aus ihm herausziehen konnte. „Lass los!“ schrie er Atrotos an. Der packte Decollos Gesicht, seine Hand leuchtete schwarz, schwarze Flammen tanzten über Decollos Kopf. Er schrie vor Schmerz auf, als würde er verbrennen. Schrie, wie um sein Leben, doch verbrannte er nicht, obwohl es sich so anfühlte. Cruentus sah entsetzt dem Schauspiel zu. Feuer war seine größte Angst. Auch wenn dies kein Richtiges war, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Er ertrug das Schauspiel nicht. Ihm kamen die Bilder von Seminex Tod wieder in den Sinn. Schnell drehte er sich weg. Decollo hatte so große Schmerzen, dass er schließlich ohnmächtig wurde. Atrotos zog das Schwert aus seiner Schulter und rammte es Decollo ins Herz. Tantus musste dem ganzen Schauspiel zusehen und lief entsetzt davon. Insidia lief zu Atrotos. „Ist mit dir alles in Ordnung!?“ sagte sie besorgt. „Es geht schon“ antwortete er, „wir müssen weiter. Alles in Ordnung, Cruentus?“ Cruentus atmete tief durch und nickte.

Die Drei machten sich langsam auf dem Weg und versuchten den Kampf zu vergessen. Sie gelangten zu einem Wald und betraten ihn. Es gab dort viele Abzweigungen. Manchmal machten sie stopp, um Blut von den Tieren zu trinken. Es war zwar nicht viel, aber ein guter Snack für zwischendurch. Insidia ging weiter, immer an Atrotos Seite. Sie wusste immer noch nicht, warum. Doch es fühlte sich gut an bei ihm zu sein. Plötzlich blieb Cruentus stehen und Insidia lief, in Gedanken versunken, gegen ihn. Er schaute kurz böse zu Insidia, die leicht grinste und ein paar Schritte weg ging. Cruentus schaute zu den beiden: „Ich glaube wir haben uns verirrt.“ Atrotos schaute ihn verwundert an: „Wie kommst du darauf?“ Cruentus zeigte auf ein totes Reh: „Das ist das Reh, was du vorhin ausgesaugt hast und das ist jetzt schon eine Stunde her. Wir sind eine Stunde lang gelaufen und sind nun wieder am Anfang.“ Insidia seufzte: „Toll, hab mir die Füße wund gelaufen für nichts!“ Sie sahen in den Himmel. Langsam ging die Sonne auf. „Wir sollten eine Unterkunft suchen.“ meinte Atrotos. Cruentus hatte zwar mit einem Tagesmarsch gerechnet, aber da sie sich sowieso verlaufen hatten, war das der bessere Vorschlag. Sie rannten den Weg entlang und hielten Ausschau nach einem Versteck. Sie fanden eine Höhle und gingen hinein. An der Decke liefen viele Wurzeln von den Bäumen entlang, die über der Höhle wuchsen, dort konnten sich die Drei fest hängen. Sie hangen wie Fledermäuse an der Decke und schliefen ein.

Kapitel 4

In der nächsten Nacht machten sich die Drei wieder auf, um aus den Wald zu kommen. Es war tiefdunkle Nacht. Man würde sie im Wald nicht so schnell finden, sie würden sich verlaufen, wie sie sich auch verlaufen hatten. Sie mussten einen Weg aus dem Wald finden, doch wie? Erst streiften sie wieder planlos durch den Wald, saugten Tiere aus, um zu überleben und kamen des Öfteren wieder an einer Stelle an, wo sie schon waren. „Sag’ mal, müsstest du nicht den Weg kennen, Cruentus?“ fragte Atrotos. „Der Wald war, als ich das letzte Mal im Orden war, nicht da“ antwortete er. So irrten sie weitere Stunden durch den Wald, bis es Insidia zu viel wurde: „Okay! Ich habe keine Lust mehr! Wisst ihr was? Ich fliege einfach und gucke, wo es lang geht!“ Sie flog nach oben und sah sich um. Atrotos fragte sich, warum er nicht schon eher darauf gekommen war. Insidia entdeckte eine Stadt am Horizont. Sie landete und zeige in die Richtung der Stadt. „Da ist eine Stadt, in dieser Richtung!“ sagte sie. „Ja das muss es sein! Beeilen wir uns!“ sagte Cruentus. Er lief voraus, Atrotos und Insidia hinterher. Nach zwei weiteren Stunden waren sie in der Stadt angekommen. Sie gingen fix durch die Stadt etwas weiter zum Orden. Cruentus schien gar nicht begeistert zu sein, hier sein zu müssen, was Atrotos wunderte. Waren das nicht Freunde von ihm? Sein Orden? Alles schien sehr merkwürdig. Cruentus war schon eine Ewigkeit nicht mehr hier gewesen. Es hatte sich einiges verändert: Die Häuser, die Leute und sogar die Bäume und Sträucher. Sie liefen schnell durch die Stadt. Cruentus hatte es eilig zu dem Privatgrundstück mit dem riesigen Schloss zu kommen. Zwei Türme ragten in den Himmel, ein riesiger Rosengarten vor dem Schloss, umschlossen von einem alten Eisenzaun, Rauch stieg aus zwei Schornsteinen und einige Fensterläden klapperten im Wind. Vor dem Schloss blieb Cruentus einen Moment stehen und auch Atrotos und Insidia hielten an. Insidia wurde etwas ungeduldig: „Gehen wir nun endlich rein?“ Sie erntete mit dieser Bemerkung einen mürrischen Blick von Cruentus, der dann jedoch das Tor öffnete und voraus durch den Rosengarten lief. Am Eingang des Schlosses standen zwei Wächter. Einer der beiden kam auf sie zu: „Was wollt Ihr hier?“ Cruentus holte ein kleines Wappen hervor und zeigte es ihm. Sie wurden ohne weitere Fragen ins Schloss gelassen. „Was ist das für ein Wappen?“, fragte Atrotos. Zwar war Cruentus ein scheinbar erfahrender Vampir, trotzdem war seine Verschwiegenheit alles andere als beruhigend. Doch was blieb ihnen schon anders übrig, als ihm zu vertrauen. „Das ist mein Ordenswappen“, antwortete er nun knapp und ging Ziel gerichtet in den Westflügel. Atrotos und Insidia folgten ihm. Sie mussten schnell gehen, denn Cruentus hatte es immer noch sehr eilig. „Gehörst du zu diesem Orden?“, wollte Atrotos weiter wissen. „Sicher nicht!“, entgegnete Cruentus. „Warum gehen wir nicht zu deinem Orden?“, mischte sich Insidia ein. Auch Atrotos hatte sich gerade diese Frage gestellt und musste Insidia anlächeln. Cruentus drehte sich mit einem Ruck zu den beiden um, dass ihnen für einen Moment fast der Atem weggeblieben wäre: „Ich… ich bin mein Orden!“ Insidia und Atrotos verstanden das nicht ganz. Ein Orden mit nur einem Vampir war doch kein Orden und ziemlich überflüssig. Insidia sollte es egal sein, aber Atrotos zerbrach sich doch den Kopf darüber. War Cruentus vielleicht nicht mehr ganz bei Sinnen? War es richtig ihm so einfach zu vertrauen? Er schaute besorgt zu Insidia, die ihn jedoch beruhigend zulächelte. Cruentus drehte sich wieder um, ging weiter und öffnete zwei große Türen, die in einen Saal führten. Am Ende des Saals saß ein Vampir, ein weißer Luchs mit schwarzen Umrandungen um die Augen. Als Cruentus den Saal betrat, stand er sofort auf: „Ah! Cruentus. Was für eine Überraschung. Es ist schon eine Weile her.“ „Ich will Schutz“, begann Cruentus kalt, „Schutz für mich und die zwei da.“ Er deutete auf Insidia und Atrotos. „Ach wie schön. Du hast zwei Gefährten gefunden“, freudestrahlend ging er an Cruentus vorbei und begrüßte die beiden jungen Vampire, „Wie schön euch kennen zu lernen. Ich bin Deceptor.“ „Gleichfalls“, antworteten Atrotos und Insidia zugleich. Sie schauten sich verlegen an. Bevor Deceptor weiter auf ihr Verhalten eingehen konnte, riss Cruentus ihn weg: „DECEPTOR!“ „Schrei doch nicht so“, meinte Deceptor, „ich hör dir ja schon zu… du willst Schutz für euch drei… wovor?“ „Vor einem anderen Orden“, erklärte er nun wieder ruhig. Deceptor fing an zu lachen: „Ich bin doch nicht verrückt.“ „Du bist mir einen Gefallen schuldig!“ wurde Cruentus lauter. Deceptor wurde ebenfalls lauter: „Ich riskiere keinen Ordenskrieg! Soll ich etwa so enden wie du?“ Am liebsten wäre Cruentus auf ihn los gegangen, aber das wäre das Dümmste, was er jetzt tun könnte. Der ganze Orden würde sich gegen ihn stellen, vielleicht sogar gegen sie alle drei. Ein Orden im Nacken reichte völlig aus. „Seminex und ich hätten dich damals deinem Schicksal überlassen sollen“, fauchte er wütend. „Seminex war sowieso ein Narr“, lachte Deceptor, „und jetzt raus hier!“ Cruentus schlug voller Wut Deceptor mit der Faust ins Gesicht. Er konnte nicht ertragen, dass man schlecht über Seminex redete. Deceptor flog zu Boden. Einige Wachen, die im Hintergrund standen, rannten auf Cruentus zu. Deceptor deutete ihnen jedoch nicht einzugreifen. Er stand wieder auf: „Cruentus… ich bin dir einen Gefallen schuldig… den sollst du haben. Ich lasse dich und deine zwei Gefährten gehen. Niemand hier wird euch etwas tun, aber betrete niemals wieder diesen Orden. Haben wir uns verstanden?“ Cruentus ballte die Fäuste und wandte sich dann ab: „Kommt! Wir gehen!“

Insidia, Atrotos und Cruentus hatten die Stadt wieder verlassen und liefen durch ein Maisfeld. Die Maiskolben ragten einige Zentimeter über die Köpfe der Drei hinaus und der Boden war sehr feucht und matschig. Offenbar wurde erst vor wenigen Stunden gegossen. Insidia sank mit einem ihrer Schuhe im Matsch ein und kam nicht wieder los: „Mist!“ Sie zog feste an ihrem Bein um loszukommen. Plötzlich flutschte ihr Fuß aus ihrem Schuh und sie fiel in den Dreck. Sie setzte sich sofort wieder auf und schaute auf sich runter. Ihr Top und ihre Hose waren total versaut. Auch in ihrem Gesicht fühlte sie den feuchten Dreck und wie er ihr durchs Gesicht lief. Sie biss die Zähne zusammen und schrie laut auf, sodass Atrotos und Cruentus beinah vor Schreck umgekippt wären. Sie drehen sich um und sahen Insidia geschockt an. Die beiden wussten, wie wütend eine Frau in ihrem Alter werden konnte, wenn die neuen Klamotten verdreckt waren. Atrotos half ihr sofort auf und versuchte den Matsch von ihren Klamotten runter zu bekommen, doch dadurch verschmierte er es noch mehr. Insidia schlug Atrotos Hand weg. „Lass das! Du machst es nur noch schlimmer!“ fauchte sie ihn an. Atrotos sagte beleidigt: „Ich wollte dir doch nur helfen!“ Cruentus schüttelte den Kopf: „Vielleicht kommen wir gleich in eine Stadt, wo es ein Kaufhaus gibt. Da kannste dir neue Klamotten holen.“ Insidia stöhnte: „Aber wir haben doch kein Geld.“ Sie wühlte in ihrer Tasche rum und zog eine leere Füllung raus: „Siehste? No wallet, no money!“ Cruentus zuckte mit den Schultern: „Dann klaust du eben Sachen. Wir sind ja schnell genug, um dann zu fliehen.“ Insidia überlegte kurz und grinste dann. Klauen war ihre Spezialität. Das würde kein Problem werden. Atrotos nickte und packte Insidia an der Hand: „Gehen wir weiter, dann kannst du dir noch Klamotten holen bevor die Sonne aufgeht.“ Sie gingen weiter durch das Feld. Als sie am Ende angelangt waren, flog Insidia hoch und schaute sich nach einer Stadt um. Von oben tropfte von ihren Klamotten noch Schlamm runter und traf damit Cruentus und Atrotos, die sich das Gesicht mit der Hand abwischten. Insidia sah von weitem Lichter und Hochhäuser. Sie rief zu den beiden runter: „Da vorne! Da ist eine große Stadt!“ Sie flog wieder zu den beiden runter. „Super. Dann können wir uns auch einige Opfer suchen, ich habe ganz schön Durst“, sagte Cruentus und ging schnellen Schrittes voraus. Insidia und Atrotos folgten ihm ohne weitere Worte. In der Stadt angekommen gingen sie durch die Straßen und suchten nach einem Einkaufscenter. Einige Leute schauten zu der Truppe hin und lachten immer, wenn sie Insidia sahen. Mal knurrte sie die Leute an, mal biss sie die Leute tot, mal ignorierte sie sie einfach. Atrotos und Cruentus schauten Insidia öfters verwundert an. So wütend haben die Zwei sie noch nie gesehen, auch wenn sie sie erst seid ein paar Tagen kannten. Keiner traute sich, Insidia zu beruhigen, nicht mal Cruentus. Dann erreichten sie ein großes, hell leuchtendes Gebäude, auf dem in großen Leuchtbuchstaben "“Shopping Center (24 Stunden geöffnet)“ stand. „Da sind wir“, sagte Cruentus, doch da raste Insidia schon ins Center rein und ließ Atrotos und Cruentus verwundert stehen. „Wir suchen uns einige Opfer!“ schrie Atrotos ihr nach und plötzlich schauten alle Leute ihn an. Cruentus gab ihm eine gewaltige Kopfnuss, worauf er sich den Kopf rieb und sich korrigierte: „Eh ich meine wir suchen uns was zu Essen: Schweine und so im Steakhaus.“ Die Leute schauten ihn immer noch an, gingen dann aber weiter. Cruentus schnauzte ihn wütend an: „Was sollte das denn?! Willst du dass wir auffliegen?!“ „Sorry, war so rausgerutscht!“ erwiderte Atrotos. Die beiden gingen durch die Stadt und suchten sich einige Passanten, denen sie das Blut aussaugen konnten. Insidia hatte inzwischen einen guten C&A Shop gefunden und sich ein paar Klamotten zusammen gesucht. Sie hielt die Klamotten heimlich hinter ihren Rücken und zog ihre Flügel ein, wodurch sie die Klamotten verdeckte. Dann schlich sie sich aus dem Laden raus, doch als sie aus dem Laden geht, schellt die Alarmanlage. Sofort rannten die Ladenbesitzer zu Insidia, die jedoch schnell ihre Flügel spannte und mit den Klamotten aus dem Laden und aus dem Center flog. Als sie draußen war, flog sie auf das Dach eines Hauses und versteckte sich hinter dem Kaminsims. Sie sah wie die Besitzer aus dem Center rannten und sich umschauten. Danach gingen sie wieder wütend rein. Sie hatten scheinbar keine Lust sie zu suchen. Es waren eh nur zwei Hosen und drei bauchfreie Tops. Insidia flog weiter durch die Stadt und suchte nun Atrotos und Cruentus. Die beiden hatten inzwischen das Blut von zwei jungen Damen genossen und liefen nun durch die ruhigen Gassen der Stadt. Atrotos war wieder nachdenklich geworden, als er mit Cruentus alleine unterwegs war. Er fragte sich, wer Cruentus eigentlich war. Wieso behauptete er sein eigener Orden zu sein und von wem hatten sie bei Deceptor gesprochen? Gab es etwas, dass sie wissen müssten? Atrotos war sich nicht sicher, ob er mit Cruentus darüber sprechen sollte. Wie würde er darauf reagieren? „Cruentus“, begann er. Genervt antwortete Cruentus: „Was denn?“ Immer noch überlegte er, ob er es jetzt wirklich ansprechen sollte, tat es aber schließlich: „Du hattest doch gesagt, dass du dein Orden bist. Ich…“ Cruentus unterbrach ihn: „Du verstehst es nicht.“ Sie schauten sich an. Atrotos nickte. Eigentlich war Cruentus gar nicht danach über so private Angelegenheiten zu reden. Er versuchte es so allgemein, wie irgendwie möglich zu formulieren: „Keine Blutlinie, nein… kein Orden ist für die Ewigkeit gemacht. Man glaubt sicher zu sein, aber das ist man nicht. Zwar können wir keines natürlichen Todes sterben, jedoch getötet werden. Irgendwann erwischt es jeden, ob es nun die Dummheit eines einzelnen war oder das blinde Handeln des gesamten Ordens. Ewiges Leben bedeutet nicht ewig zu Leben, so seltsam sich das auch anhört.“ „Du bist der letzte deines Ordens“, stellte Atrotos fest. „Du bist clever“, antwortete er knapp. Atrotos wusste nicht, ob er weiter darin rumstochern sollte. Unsicher fragte er weiter: „Wie konnte das passieren?“ „Und zu neugierig“, fügte Cruentus nun hinzu. Atrotos verstand und schwieg nun darüber.

Insidia suchte nach den anderen. Atrotos musste sich währenddessen verkneifen weiter Cruentus auszufragen. Mittlerweile war er wieder mit seinen Schuldgefühlen beschäftigt. Es war alles seine Schuld. Insidia, die er so sehr mochte, war wegen ihm in größter Gefahr und auch Cruentus. Zwar waren sie nicht gerade Freunde, dennoch hatte er ihn grundlos ins Verderben gestürzt. Schließlich war er eigentlich ein guter Mann, er hat ihnen seine Hilfe angeboten und versucht Schutz zu besorgen. Er hätte auch genauso ihn einfach verraten können und er wäre mit einem blauen Auge davongekommen. Cruentus klagten ähnliche Gedanken: Sein Plan war gescheitert und nun waren sie alle in Gefahr. Wahrscheinlich würden sie bald noch mehr Vampire schicken, wenn sie es nicht schon getan haben. Es würde nicht lange dauern bis sie sie finden würden. Insidia flog über die Stadt und entdeckte die beiden. Sie landete vor ihnen: „Was ist den mit euch los? Ihr seht so nachdenklich aus.“ Sie nahm Atrotos in die Arme. Es tat ihr schon ein bisschen leid, dass sie einen Ausraster hatte, doch nun mussten sie eine Unterkunft suchen, die sie wieder in einer Gruft fanden. Es war ihnen Leid sich ständig einen engen Raum teilen zu müssen, das sah Atrotos und machte sich noch mehr Schuldgefühle.

Am Morgen, die anderen schliefen bereits in den Särgen, Atrotos konnte nicht schlafen. Seine Schuldgefühle waren so unerträglich, dass sie ihn nicht schlafen ließen. Was könnte er tun? Sie hatten keine Möglichkeit mehr zu fliehen, sie würden von Orden gefasst und getötet werden, früher oder später. Doch der Gedanke, dass Insidia etwas passieren könnte, machte in wahnsinnig. Er würde alles für sie tun und schließlich fasste er einen Entschluss: Er steig aus dem Sarg, ging zum Sarg von Insidia und öffnete ihn. Sie schlief ruhig und friedlich, sie sah so wunderschön aus. Ihr durfte nichts passieren! Atrotos gab ihr einen sanften Kuss, schloss leise den Sarg und ging aus der Gruft zurück zu seinem Orden, um sich zu stellen! Das war die einzige Möglichkeit Insidia und auch Cruentus zu schützen! Er machte sich auf den Weg. Plötzlich wachte Insidia auf. Sie spürte, dass irgendwas nicht stimmte und stieg aus dem Sarg. Dort bemerkte sie, dass Atrotos Sarg offen war! Sie lief nach draußen, konnte ihn aber nicht finden. Schnell lief sie zurück zur Gruft und öffnete Cruentus Sarg, was ihm gar nicht gefiel. „Was ist denn!? Warum störst du meinen Schlaf!?“ meckerte er sie an. „Atrotos ist weg!“ antwortet sie. „Was!?“ Cruentus konnte es nicht fassen doch sah auch er den leeren Sarg. Warum sollte er einfach verschwinden, doch dann fiel der Groschen! „Er….will sich opfern!“ Cruentus stieg aus dem Sarg. „Opfern!? Wie meinst du das!?“ fragte Insidia. Sie bekam Panik. Atrotos war ihr sehr wichtig, der Gedanke, dass er sterben könnte machte sie schwindlig. Sie musste sich erstmal setzen: „Warum tut er das? Wie opfern!?“ „Er wird zurück zu seinem Orden gehen und sie werden ihn auf der Stelle töten….ich schätze er denkt dadurch könnte er uns schützen…“ Cruentus hätte Atrotos verfluchen können. Jetzt hatte er Schuldgefühle, er konnte nicht zulassen, dass schon wieder ein Vampir wegen ihm den Tod fand. Insidia war entsetzt. Beide waren sich schnell klar, dass sie Atrotos hinterher mussten. Sie mussten ihn einholen, aber wie? Beide gingen nach draußen und machten sich auf den Weg in Richtung Orden. Cruentus dachte, er würde denselben Weg, den sie hierher genommen haben, zurückgehen. Dennoch wussten sie nicht wie viel Vorsprung er schon hatte. Konnten sie ihn noch einholen?

Kapitel 5

Cruentus und Insidia machten sich auf den Weg nach draußen, um Atrotos zu suchen. Die Sonne war grade untergegangen und man konnte in der Ferne noch leichte rote Schleier am Himmel erkennen, jedoch störte das die Beiden wenig. Am Himmel schien bereits der Sichelmond und eine Gruppe von Fledermäusen flog ihre Runden. Cruentus und Insidia gingen wieder durch die Straßen der Stadt und an einigen Läden vorbei: ein Spielzeugladen, der Bäcker, das Baugeschäft und noch vieles mehr. "Atrotos, bist du hier irgendwo?" rief Insidia, doch sie hörte nur ihre eigene Stimme, die durch die Stadt hallte. Cruentus schüttelte nur den Kopf. "Er ist wahrscheinlich nicht mehr in der Stadt. Wir sollten besser auf den Wiesen oder im Wald suchen", schlug Cruentus vor. Insidia schaute traurig über ihre Schulter zu Cruentus rüber und seufzte: "Du hast wahrscheinlich recht." Als sie sich auf den Weg zum Stadt Tor machten, gingen sie an dem Einkaufscenter vorbei, wo Insidia letzte Nacht die Klamotten gestohlen hatte. Als sie dran vorbei gingen, kamen aus dem Center plötzlich zwei Polizisten mit Pistolen. Sie trugen beide ein typisches blau-weißes Hemd und je eine braune Hose, dazu eine Schwarze Mütze. "Bleib wo du bist junge Dame!" sagte der eine Polizist und zielte weiter mit einer Pistole auf sie. Hinter ihm tauchte eine Frau auf, die Besitzerin des Shops, wo Insidia ihr Zeugs geholt hatte." Das ist sie, sie hat die gestohlenen Sachen sogar an! Selbst das Preisschild hängt noch dran " schrie die Frau und zeigte auf Insidia. Insidia stöhnte: "Für so einen Mist hab ich leider keine Zeit." Sie spannte locker ihre Flügel, flog hoch in die Luft und machte sich weiter auf dem Weg. Die Polizisten fingen an nach oben auf sie zu schießen. Insidia wich jedoch locker aus. Cruentus rannte ihr wütend hinterher: "Warten wäre ja ganz nett gewesen!" Die Polizisten verfolgten sie und schossen weiter. Doch nach einer Weile waren Cruentus und Insidia nicht mehr zu sehen und die beiden gaben die Verfolgung auf.

Im Wald neben einer Wiese stampfte Atrotos durch den schlammigen Boden des Waldes. Es flogen viele Mücken umher und in der Nähe hörte man einen Uhu rufen. Atrotos beeilte sich schnell zum Orden zu kommen. So wie er Insidia kennt, ist sie sicher schon auf den Weg und sucht ihn. Vielleicht sucht ihn sogar Cruentus. Der Gedanke daran, dass er Insidia wahrscheinlich nie wieder sehen wird, wenn er sich dem Orden stellt, schmerzte sehr in seinem Herzen. Doch es musste sein. Der Schmerz wäre viel schlimmer, wenn wegen ihm Insidia etwas zustoßen könnte. Jedoch... würde das Kopfgeld für Cruentus und Insidia überhaupt storniert werden, wenn er sich stellt? Der Gedanke bereitete ihm Kopfschmerzen. Aber sicher könnte er das mit dem Orden verhandeln. Er stampfte einfach weiter durch den Wald und hoffte, schnell raus zu kommen.

Insidia landete auf einem großen Acker eines Bauerhofes und schnaubte. Die Verfolgungsjagd hatte eine ganze Stunde gedauert, was sie ziemlich aus der Puste gebracht hatte. Cruentus kam nun auch zu ihr hingeschlürft und atmete schwer. Er war ihr die ganze Zeit hinterher gerannt und es schmerzte sehr in seiner Brust vor Anstrengung. Er legte sich auf den Boden des Ackers und verschnaufte erstmal. Insidia schaute wütend zu ihm runter: "Wir haben keine Zeit für Pausen! Wir müssen Atrotos finden!" Cruentus schaute knurrend zu ihr hoch: "Ich bin dir eine ganze Stunde lang hinterher gerannt, wurde 3 mal fast von einer Kugel erwischt und ich spüre meine Füße nicht mehr. Ich brauche eine Pause verdammt!" Insidia ballte ihr Faust... musste dann aber grinsen: "Sag mal... du weißt schon das der Acker täglich mit Kuhmist gedüngt wird oder?" Cruentus schrie und sprang sofort auf. Tatsächlich klebte an seinem Mantel etwas Kuhmist. Angewidert schaute er auf seinen Mantel: "So ein Dreck!" Insidia musste nun lachen und aufpassen, dass sie vor Lachen nicht in den Acker fällt. Cruentus wurde nun richtig wütend und wollte Insidia grade schlagen, als er merkte, dass diese sich doch schon wieder auf den Weg gemacht hatte, in Richtung Wald. "Cruentus komm endlich und trödle nicht so herum!" Cruentus wollte am liebsten los schreien, stampfte Insidia aber nur wütend hinterher.

Atrotos erreichte das Ende des Waldes und sah nun wieder die Stadt vor sich, in der das Ordenshaus von Deceptor stand. Gerade noch rechtzeitig, wie es schien. Ein Gewitter zog am Himmel auf, bald würde es regnen. Atrotos ging auf die Stadt zu. Am Stadteingang saß ein Vampir auf einer Mauer, der ihn breit angrinste. „Ist irgendetwas?“, fragte Atrotos. Der Vampir sprang zu ihm herunter: „Du bist doch mit Cruentus gereist.“ „Ja, das bin ich“, bestätigte er. Was der Vampir nur von ihm wollte, aber er schien Cruentus zu kennen. Eigentlich hatte er überhaupt keine Zeit dafür, schließlich musste er sich beeilen zum Orden zu kommen. Er musste Insidia und auch Cruentus vor diesem schrecklichen Schicksal bewahren. Der Vampir lachte: „Im Orden wurden sogar schon Wetten abgeschlossen, wie lange es Cruentus noch macht.“ Atrotos war verwundert, sagte er das etwa wegen dem Kopfgeld: „Wieso das?“ Er lacht weiter: „Niemand von uns kann ewig allein bleiben. Man geht an der Einsamkeit zugrunde. Die Meisten hören dann auf Blut zu trinken und gehen ganz langsam zu Grunde.“ Würde Cruentus auch so enden? Nein, Insidia war bei ihm. Jedoch, würde sie bei ihm bleiben, wenn das Kopfgeld nicht wäre? Atrotos war sich nicht mehr so sicher, ob er sich wirklich dem Orden stellen sollte. Er wollte vor allem Insidia schützen, aber auch Cruentus. Dieser könnte jedoch an seiner Einsamkeit sterben, wenn der Vampir dort recht behielt. Er könnte dieses verhindern und mit Insidia zusammen bei ihm bleiben. Gemeinsam würden sie wieder vor dem Orden flüchten. Allerdings könnte das auch das Ende von allen dreien sein. Was sollte er nur tun?

Das Gewitter brach wie erwartet aus. Insidia flog über die Bäume des Waldes hinweg, während Cruentus sich mühevoll durch den Wald kämpfen musste. Ein heftiger Wind zog auf, Platzregen trat ein und es donnerte und blitzte. Der Wind blies Insidia kräftig entgegen. Sie musste sich nun ganz schön anstrengen in der Luft zu bleiben. Durch den starken Regen wurde beiden die Sicht erschwert. Der matschige Waldboden machte es Cruentus nicht gerade leicht voran zu kommen. Jedoch wussten sie, wenn sie nicht schnell genug voran kommen, würden sie Atrotos nie einholen. Cruentus konnte Insidia überhaupt nicht mehr sehen. War sie überhaupt noch da? Notfalls gingen sie getrennt zur Stadt. Er musste Atrotos einfach einholen. Daran zu denken, dass Atrotos sich opfern wollte, ließ Cruentus schneller voran kommen. Auf gar keinen Fall dürfte noch mal ein Vampir wegen ihm sterben. Insidia flog weiter zur Stadt, so langsam gewöhnte sie sich an das Unwetter. Weit konnte es auch nicht mehr sein.

Atrotos blieb noch etwas verwirrt stehen. Der andere Vampir sah es sich noch eine Weile an, doch dann ging er gelangweilt. Atrotos war irritiert. Er war völlig aus dem Gleichgewicht geraten, er wusste nicht mehr, was er tun sollte. Sein Kopf brummte, seine Brust tat ihm weh. Egal wie er es auch ausdachte, irgendwie schien in dem Moment alles falsch zu sein. Ihm kamen vor Verzweiflung die Tränen, er wusste einfach nicht mehr weiter, er fiel auf die Knie, warum? Warum musste all dies passieren? Warum mussten nur wegen IHM so viele in Gefahr geraten. Er fing an zu weinen. Es schien, als wäre nun das Ende angelangt, es gibt keinen Weg nach vorne oder nach hinten, nichts. Er war dazu verdammt zu sterben und Insidia und Cruentus, die nichts damit zu tun hatten, würden auch nur wegen ihm sterben. Er glaubt fast wahnsinnig zu werden, er hielt sich mit beiden Händen den Kopf, er hatte entsetzliche Kopfschmerzen. In einem Moment, wo man mit seiner Verzweiflung alleine ist, verlieren viele den Verstand. Als Atrotos gerade dazu imstande zu war, einfach aufzugeben, packte ihm eine Hand an die Schulter: “Atrotos! Was ist mit dir!?“ Es war Insidia, sie hatte Atrotos endlich gefunden! „Nein! Nein! Du darfst nicht hier sein! Es ist alles meine Schuld! Ich kann dich nicht beschützen, es tut mir leid…“ Doch Insidia schaute ihn beruhigend an. Atrotos weinte mittlerweile fürchterlich. Insidia nahm ihn in den Arm, jetzt verstand sie, wie Atrotos fühlte. Ihr stiegen langsam auch die Tränen auf. Es war ihr egal, was mit ihr passiert, solange sie nur bei Atrotos bleiben konnte. Sie war überglücklich ihn gefunden zu haben, sie versuchte ihn zu beruhigen, jetzt würde alles wieder in Ordnung kommen. Doch es gab noch ein Problem: Sie hatte Cruentus verloren. Der irrte nun alleine im Wald herum und wusste nicht mehr wohin. Atrotos und Insidia mussten ihn so schnell wie möglich finden, doch das ging nicht sofort. Atrotos war einfach noch nicht in der Lage dazu und Cruentus fand einfach nicht alleine aus dem Wald.

Als Atrotos sich langsam beruhigte machten die beiden nun auf die Suche nach Cruentus. Sie gingen durch ein kleines Dorf und sahen, dass es schon bald Tag wurde. Die beiden schauten sich besorgt an. Hoffentlich würde Cruentus noch rechtzeitig eine Unterkunft finden, dachten die beiden. Sie suchten sich ein leeres Haus, brachen dort ein und schauten sich nach einem Schlafplatz um. Das Haus schien recht neu zu sein, es standen sogar schon ein paar Möbel dort drin. Offenbar würde hier bald eine Familie einziehen. Insidia dachte nach: "Familie..." Sie schaut kurz und leicht rot zu Atrotos. Wie würde wohl das Kind zweier Vampire aussehen? Sofort schüttelte sie den Kopf und hielt sich an den Kopf. Was denk ich da eigentlich?! dachte sie und biss die Zähne zusammen. SO extrem war die plötzliche Liebe doch nun auch nicht! dachte sie wieder verbissen. Atrotos schaute verwundert aber lächelnd zu ihr rüber. Er nahm ihre Hand und zog sie zum Kleiderschrank. "Lass uns schlafen. Wir werden morgen weiter nach Cruentus suchen", sagte er sanft. Insidia nickte noch etwas rot und ging dann mit ihm in den Schrank. Sie schlossen die Tür und hangen sich wie Fledermäuse wieder an die Kleiderstangen.

Cruentus war wütend. Wieder schrie er laut in den Himmel hoch und trat gegen einen Baum, der darauf knackte und krachend auf Cruentus drauf fiel. Cruentus hob ihn mit einer Hand von sich runter und schmiss ihn in einen nah gelegenen See. Er war rot vor Wut und riss an seinen Stacheln rum: "Gott verdammter Mist! Ich bin jetzt zum 15ten mal an diesem dummen See vorbeigelatscht, wo ist endlich der Ausgang?!" Seid Stunden irrte er nun im Wald rum. Er hatte keinen Bock mehr darauf weiter rum zu laufen, vor allem da bald die Sonne aufgehen würde. Er hatte noch eine unglaubliche Wut auf Insidia, die ihn einfach so alleine gelassen hat. Hätte diese Tussi mich nicht mitnehmen können, als sie durch den Wald flog? dachte er mit knirschenden Zähnen. Er schaute in den Himmel hoch und musste blinzeln. Die ersten Sonnenstrahlen waren zu sehen. Er musste sich schnell ein Versteck suchen, aber er fand nicht mal eine Höhle. Aus Verzweiflung fing er an schnell den Boden aus zu buddeln und in einem Loch zu schlafen. Als er ein tiefes Loch gegraben hatte und seine Handschuhe Risse hatten und ganz schmutzig waren, sprang er rein und verbuddelte sich selbst. Er konnte jedoch kaum schlafen, weil Würmer, Maden und Ameisen um ihn herum krabbelten. Einige krabbelten auch in seinem Ohr rum. Das wird eine mehr als unangenehme Nacht, ehm ein mehr als unangenehmer Tag werden... dachte er, statt zu sprechen, da er sonst nur Dreck in den Mund bekommen hätte... Bei Sonnenuntergang sprang Cruentus mit einem Ruck aus der Erde. Er klopfte sich den Dreck und das Getier von der Kleidung und wischte sich übers Gesicht. Die Schuhe zog er kurz aus, um die Erde darin auszuschütten. Noch immer war er voller Dreck, aber besser ging es im Moment nicht. „Wie komme ich jetzt hier weg“, fragte er sich. Schließlich war er hier aufgewachsen und hatte Ewigkeiten als Vampir in dieser Umgebung verbracht. Er schloss die Augen und versuchte sich an den Weg, wie er vor langer Zeit war, zu erinnern. Ihm fiel ein, wie es einst hier aussah und wusste in welche Richtung er gehen musste. Schnellen Schrittes lief er durch den Wald. „Seminex, ich weiß jetzt wo ich hin will“, murmelte er vor sich hin. Unterwegs trank er wieder das Blut von Tieren. Er konnte sich auch etwas Besseres vorstellen, aber ihm blieb nichts anders übrig. Nach drei Stunden erreichte er tatsächlich ein Dorf. Allerdings konnte er sich an dieses Dorf gar nicht erinnern. Es schien noch nicht so lange zu existieren. Eine Menge Häuser waren neu und scheinbar noch nicht bewohnt. Er schaute sich etwas um. Die Leute starrten ihn an, weil er so schmutzig war. Als er ungestört war, stieg er in eines der unbewohnter Häuser ein und Wunsch sich und seine Kleidung. Danach ließ er sich aufs Sofa fallen und ruhte sich erst ein Mal aus: „Zum Glück hab ich hier her gefunden. Wo die beiden wohl abgeblieben sind? Sind ja selbst schuld. Atrotos macht sich einfach aus dem Staub, weil er glaubt alle so retten zu können. Was für ein Idiot? Aber ich würde es mir nie verzeihen, wenn er wirklich sterben würde. Und Insidia… die hat mich einfach zurück gelassen. Wir hätten bei dem Sturm zusammen bleiben sollen. Jungvampire! Wo bin ich da nur rein geraten.“ Er war unglaublich müde. Kein Wunder, immerhin hatte er die Nacht kaum schlafen können. Er hasste es, wenn ihm nichts anders übrig blieb, als sich in der Erde zu vergraben. Das war gerade mal das vierte Mal, dass er so etwas tun musste. Die Sonne hätte ihn viel zu sehr geschwächt. Er hätte es nie bis zum Dorf geschafft. Eigentlich wollte er in die nächste Stadt, aber er wusste nicht mal, ob diese überhaupt noch existierte war.

Atrotos und Insidia waren auch wieder erwacht, Atrotos hatte noch Bedenken, denn eigentlich wollte er die beiden letzte Nacht retten. Er war ziemlich verzweifelt, er wusste einfach nicht mehr was sie machen sollten. Sie hatten einfach keinen Plan mehr, aber erstmal mussten sie Cruentus wieder finden. Sie stiegen aus dem Schrank und bemerkten, dass Cruentus vor ihnen stand. Irgendwie muss er es auch hierher geschafft haben. Atrotos sagte nichts, doch Cruentus legte gleich los: „Was sollte das werden? Du wolltest dich opfern, oder!? Was denkst du dir dabei?“ Atrotos sah ihn beschämt an, er wollte doch nur helfen, doch Cruentus lies es damit erstmal gut sein. Er wollte jetzt keinen Streit haben. Sie mussten sich erstmal alle Blut besorgen, was sie auch taten. An diesem Abend sagte niemand mehr was zu dem anderen, die Stimmung war bedrückt. Ihnen war klar, das sie wieder gejagt werden würden und das sie weiter fliehen müssten. Sie hatten noch gar keinen Plan wohin. Was würde passieren? Nachdem sie sich gestärkt hatten, legten sie sich wieder schlafen, weil sie noch, vor allem Cruentus, ziemlich schwach waren. Sie gingen zurück zum Haus und legten sich wieder schlafen. Morgen müssten sie wieder Pläne schmieden…

Kapitel 6

Am nächsten Abend verließen die Drei sofort das Anwesen und gingen durch die Stadt. Sie teilten sich auf und jeder suchte sein eigenes Blutopfer. Atrotos und Insidia waren schnell fertig, sie wollten so schnell wie möglich aus der Stadt raus, bevor ein Kopfgeldjäger sie fand. Cruentus jedoch saugte sozusagen seine Wut ab. So dauerte es bei ihm etwas länger. Während er saugte, bemerkte er nicht, dass zwei dunkel gekleidete Männer, deren Münder mit einem Tuch verdeckt waren, ihn beobachteten. Sie trugen beide an ihren Gürteln Holzpflöcke, hatten große Kreuzketten um und Fackeln bei sich. Cruentus stampfte nun davon zu Atrotos und Insidia und wurde dabei von den beiden Männern verfolgt. Hin und wieder drehte sich Cruentus um, sah die Männer jedoch nicht, weil sie mit ihrer schwarzen Kleidung in der Nacht praktisch unsichtbar waren. Er kam bei Insidia und Atrotos an, die schon einige Minuten warteten. "Hätte das nicht nen bissel flotter gehn können?" nörgelte Insidia mit verschränkten Armen. Cruentus knurrte sie an und stampfte wütend zum Stadtende. Insidia und Atrotos schauten sich nur an und zuckten mit den Schultern, danach folgten sie ihm.

Sie kamen aus der Stadt raus und liefen nun über einen Landweg. Von Weitem konnte man große Berge sehen, deren Gipfel mit weißem Schnee bedeckt waren. "Ich denke, wenn wir über diese Berge gehen, haben wir einen guten Vorsprung. Dann werden uns die Typen nicht so leicht einholen", sagte Cruentus und zeigte dabei auf die Berge. Während sie sich über die Vorgehensweise unterhielten, hörten sie hinter sich ein lautes Knacken. Sie drehten sich um und sahen, dass die Männer ihnen gefolgt sind und einer von ihnen auf einen Ast getreten ist. "Idiot!" fauchte der eine seinen Kollegen an. Cruentus, Insidia und Atrotos gingen in Kampfstellung und die zwei Männer holten ihre Fackeln raus und zündeten sie an. "Wer seid ihr?" knurrte Cruentus. "Euer schlimmster Alptraum, ihr Monster!" antworteten die beiden im Chor und machten sich bereit zum Kampf. Cruentus sah nur noch auf die Fackeln der zwei. Der Anblick des Feuers brannte sich in seinen Kopf. Die Bilder von Seminex, der Kirche, dem Feuer und wie schließlich Seminex in den Flammen aufging kamen zurück. Wie erstarrt, stand er da. Insidia war von den beiden überhaupt nicht beeindruckt. Sie rannte auf die beiden Männer zu und wollte sich einen packen, jedoch wich dieser aus, während sein Kollege zum Angriff mit der Fackel über ging. „Insidia“, rief Atrotos. Er ging dazwischen und packte den Arm des Mannes. Mit einem Ruck warf er ihn über sich. Der Mann kam überraschender Weise auf den Füßen auf und bremste den Sturz mit diesen ab. „Kümmere dich um die Frau“, wies er seinen Kollegen an. „Kein Ding Kazzer, die mach ich fertig“, bestätigte dieser. Cruentus rührte sich noch immer nicht. Er war in Gedanken völlig wo anders. Kazzer zog eine Peitsche und ließ sie ordentlich auf dem Boden knallen: „Ihr Blutsauger werdet nun sterben.“ Atrotos dachte nicht daran sich von zwei Vampirjägern töten zu lassen und Insidia genauso wenig. Doch fragte er sich, was mit Cruentus los war. Er rührte sich nicht und schien auch nicht vor zu haben, ihnen zu helfen. Darum konnte er sich jetzt nicht kümmern. Kazzers Peitsche knallte durch die Luft. Atrotos schütze sich mit seinem Arm. Erstaunt darüber, wie hart sie ihn traf, sah er nicht den zweiten Hieb kommen. Kazzer hatte sein linkes Bein anvisiert. Die Peitsche wickelte sich darum und mit einem festen Ruck warf Kazzer nun Atrotos um. Insidia schreckte auf und wollte Atrotos zur Hilfe eilen, jedoch bekam sie dazu keine Möglichkeit. Ihr Gegner war verdammt schnell und stach immer wieder mit einem Messer zu, dabei schwenkte er die Fackel. Stück für Stück wurde Insidia zurück gedrängt. Ihnen musste schnell etwas einfallen. Sie hatten die beiden Männer absolut unterschätzt. Atrotos versuchte wieder aufzustehen, aber Kazzer zog erneut an der Peitsche, was ihn am Boden hielt. „Man hab ich einen dicken Fisch an der Angel“, lachte Kazzer, „sieh dir das an Medeo.“ Medeo konzentrierte sich ganz auf Insidia, lachte aber laut mit. „Cruentus“, schrie Atrotos. Keine Reaktion. „Cruentus, beweg dich“, rief Insidia zornig. Wieder keine Reaktion. Sie wurde richtig wütend und schlug mit einer Hand Medeo die Fackel aus der Hand: „Langsam werde ich richtig sauer.“ Medeo war kein Stück beeindruckt. Er nahm nun den Flock zur Hand: „Sag Lebewohl, du Biest.“ „Lebewohl“, erwiderte Insidia. Sie stürmte auf Medeo zu, packte ihn, ihre Finger glitten in seinem Körper hinein und ihre Zähne rammten sich in seinen Hals. Er schrie auf und stach sein Messer tief in ihren Rücken, den Flock zwischen ihre Rippen und versuchte sich loszureißen. Atrotos versuchte sich währenddessen von der Peitsche zu befreien. Kazzer zog ihn zu sich und hielt einen Flock bereit. Ihm war klar, dass es für seinen Kollegen zu spät war, jedoch wollte er sich diesen Vampir nicht durch die Lappen gehen lassen. Atrotos hatte nur noch wenige Sekunden. Da es keinen Sinn machte, sich festzuhalten, ließ er los. Der Vampirjäger sah sich schon siegreich, doch Atrotos packte nach der Peitsche und zog fest daran, sodass der Vampirjäger zu Boden fiel. Vampire haben mehr Kraft als Menschen und so war es für Atrotos ein leichtes ihn auf den Boden zu schleudern. Er verlor beim Aufprall seinen Pflock. Nun zog Atrotos ihn zu sich, packte ihn und biss ihn schnell in die Kehle und ließ den toten Körper fallen.

„Das war echt knapp, diese Vampirjäger werden immer trickreicher…“, Atrotos sah zu Insidia. „Wo kamen die auf einmal her?“ entgegnete sie. Cruentus stand noch gebannt vor den beiden. Er konnte keinen Muskel bewegen. Atrotos sah zu ihm und versuchte herauszufinden, worauf er sah. Er entdeckte, dass sein Blick auf die Fackel gerichtet war, die mittlerweile brennend auf den Boden lag und vor sich hin brannte. Atrotos trat das Feuer aus und lief zu Cruentus. „Cruentus! Es ist vorbei! Hörst du?“ versuchte er ihn zu beruhigen. „Was ist mit ihm?“ fragte Insidia. „Er scheint Angst vor Feuer zu haben.“ Cruentus sagte kein Wort immer und immer wieder kamen ihm die Bilder von Seminex in den Kopf, wie er unter Schmerzen qualvoll verbrannt, wie er schrie und dann nur Asche übrig blieb. Er wurde plötzlich aus seinen Gedanken gerissen, als Atrotos ihm eine Ohrfeige gab. „Aufwachen! Cruentus! Wir müssen hier weg!“ schrie Atrotos ihn an. „Eh… ja… du hast recht… lass uns gehen...“ antwortete Cruentus. Er hatte sich wieder gefangen. Es war ihm unsagbar peinlich, dass er sich vor Angst nicht bewegen konnte. Gemeinsam liefen sie aus der Stadt, durch den Wald und kamen dann auf einem großen Feld an. Die Nacht war noch jung, doch wo sollten sie hin? Sie hatten keinen Plan, was sie jetzt machen sollten. Später kamen sie an eine Höhle, die tief hinab führte. Drinnen wimmelte es von Fledermäusen. Sie gingen nicht weit hinein, sodass sie im Mondlicht sich zumindest untereinander sehen konnten. Atrotos verzichtete darauf ein Feuer anzumachen… Er bekam kein Wort heraus und schämte sich wegen seiner Flucht. Cruentus schämte sich auch wegen dem Kampf und bekam genauso wenig kein Wort raus. Insidia spürte die gespannte Stimmung. Sie überlegte was sie sagen sollte, doch sie selbst wusste keine Lösung für ihr Problem…

Die Drei setzten nach kurzer Zeit ihren Weg fort, mal wieder stumm. Sie schauten sich die ganze Zeit nicht in die Augen. Als sie am Bergpass ankamen, brach Insidia das schweigen: "Wie genau sollen wir jetzt dort ankommen? Ich denk mal nicht, dass mitten im Berg eine Treppe nach oben eingebaut ist " Insidia schaute hoch, der Berg erstreckte sich weit über den Himmel hinaus und war ganz verschneit. Sie stöhnte und fragte, jetzt schon lustlos: „Müssen wir wirklich über den Berg gehen?" Atrotos nickte: "Ja. Außenrum sind nur Bäche und Flüsse. Man weiß nicht, ob die anderen Jäger dort lauern. Ich wette, das waren nicht die einzigen Vampirjäger. " Cruentus nickte zustimmend und schaute zum Berg rauf. „Ich denke, wir müssen beim Aufstieg an einer Einhöhlung am Berg Pause machen. Seht ihr da oben? " er zeigte nach oben zu einer Einhöhlung im Berg, die man grade noch erkennen konnte, "Da machen wir dann Pause." Insidia ließ deprimiert den Kopf hängen: "Kann ich nicht einfach schon mal hoch fliegen?" Atrotos schüttelte den Kopf: "Nein. Wenn du hoch fliegst, wird es stärkeren Wind geben, du wirst dich kaum in der Luft halten können." Insidia verschränkte die Arme und schmollte: "Aber..." Cruentus wurde wieder wütend und knurrte: "Du gehst da jetzt verdammt noch mal hoch, oder…" Er grinste spöttisch und ballte die Faust, "Ich werde dich höchstpersönlich nach da oben befördern!" Insidia sah ihn entsetzt an und rannte schon freiwillig zum ersten großen Brocken des Felsen und begann hochzuklettern, wobei sie jedoch manchmal abrutschte und sich fest krallen musste, was nicht allzu elegant anzusehen war. Cruentus klatschte sich die Hand vors Gesicht und rief ihr hinterher: "Du bist eine Schande für die Natur weißt du das eigentlich?!" Insidia schrie nach hinten. "Halt die Klappe! Das ist doch leicht! KINDERLEICHT!" stumm heulte sie jedoch und flennte, "gleich rutsch ich ab..." Plötzlich spürte sie an ihrem Hintern einen starken Schubs. Sie drehte den Kopf knallrot nach hinten und sah, dass Atrotos ihr hoch half: "Ich dachte mir ich…" Insidia trat ihm feste mit den Schuh ins Gesicht: "Was fällt dir eigentlich ein?! Und das noch bei einer Frau!" Atrotos kippte mit einem knallroten Schuhabdruck um und Insidia kletterte schnell alleine weiter. Cruentus sah auf den Boden und seufzte: "Die Jugend von heute, unglaublich." Er latschte hinterher und benutzte den, noch am Boden liegenden Atrotos, als Hocker um besser am Felsen hoch zu klettern, worauf Atrotos wütend aufschrie: "MANO ICH HAB AUCH NOCH GEFÜHLE!" Er sprang auf und packte den Stein und zog sich hoch. Je höher sie an dem Berg hochkletterten, desto windiger wurde es und auch desto kälter. An einigen Stellen rutschte Insidia fast ab, aber Atrotos konnte sie zum Glück immer wieder fest halten. Sie kletterten weiter und kamen der Einhöhlung immer näher. Atrotos rieb sich übers Gesicht, er hätte es sein lassen sollen. Einen Hintergedanken hatte er nämlich schon gehabt, als er Insidia geholfen hatte. Atrotos machte sich auch wieder Sorgen, um die Gruppe. Es war alles seine Schuld, doch er sah ein, dass es alles schlimmer gemacht hatte. Er muss aufhören so mutlos zu sein und klammerte sich an die Hoffnungen eines Tages in Frieden zusammen mit Insidia zu sein, dass sie alle drei die Sache überleben würden und dass alles wieder gut wird. Besonders der Gedanke an Insidia gab ihm Kraft. Er sah wieder zu ihr hoch. Sie quälte sich weiter nach oben. Atrotos half ihr wieder, damit sie es in die Einhöhlung schaffte. Dieses Mal ohne ihr an den Hintern zu fassen, obwohl er es gerne getan hätte. Er war halt doch nur ein Mann, jedoch fand er Insidia auch sehr attraktiv. Sie war eine sehr schöne Frau und auch wenn sie ihn angegriffen hatte und fast getötet, hatte er sich irgendwie in sie verliebt. Er wusste nur nicht, wie er es angehen sollte, denn er hatte zwar schon viele Mädchen verführt, um sie zu beißen, doch nie hat er einer Frau seine Liebe gestanden und Insidia wäre bestimmt nicht leicht zu beeindrucken.

Endlich waren alle in der Einhöhlung angekommen. Es war zwar dunkel, doch das Mondlicht schien in die Höhle hinein. Atrotos versuchte nun irgendwie alles in den Griff zu bekommen. Als erstes setzte er sich neben Insidia und mit ein bisschen zögern legte er seinen Arm um sie. Er wusste, dass es so nicht mehr weiter gehen konnte. Schließlich hatte er Verantwortung für die Gruppe und es lag an ihm, dass sie die Sache überstehen. „Ich möchte mich noch mal entschuldigen, wegen der Aktion, dass ich abgehauen bin…“, fing Atrotos an und sah traurig zu Boden, „Ich habe aufgegeben… und was noch schlimmer ist, ich habe euch in Stich gelassen…“ Mit dem Worten sah er zu Insidia, die ihm verwundert ansah. Schon alleine das er seinen Arm um sie legte, doch jetzt diese Rede. „Ich verspreche euch, ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dass wir da heil wieder rauskommen. Es wird alles wieder gut, ich verspreche es! Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen, denn wegen mir, seid ich in dem Schlamassel…“ „Schon gut“, entgegnete Cruentus „Wir sitzen alle in einem Boot. Wir werden das schon schaffen, wir müssen nur zusammenhalten, dann können die nur schwer an uns ran.“ Ihn verwunderte der plötzliche Sinneswandel von Atrotos, jedoch willkommen war es ihm allemal. Jetzt würde er sich auch endlich anstrengen. Insidia war einfach nur froh, dass es Atrotos scheinbar wieder etwas besser ging und lehnte sich einfach gegen Atrotos. Sie spürte seinen Arm, den er um sie gelegt hatte. Er hielt sie fest, als würde er sie beschützen wollen und sie fühlte sich geborgen und sicher bei ihm. Sie entschied sich aber nichts zu sagen, um diesen Moment nicht zu zerstören. Stattdessen lächelte sie glücklich und kuschelten sich an Atrotos ran.

Cruentus nutzte die Zweisamkeit der beiden, um sich etwas abzugrenzen. Er setzte sich an den Abgrund vor der Einhöhlung und schaute hinauf zum Mond: „Nun bin ich hier, Seminex. Ich war unaufmerksam. Du hättest mir genauso eine verpasst, wie Atrotos. Nur stärker und mich angebrüllt, was für ein Idiot ich doch bin. Aber du bist nicht hier…“ Ein langes Schweigen folgte. Nicht einen Versuch startete er, nach den anderen beiden zu lauschen, ob sie ihm vielleicht zuhörten. Es war ihm egal. Sollten sie doch denken, dass er verrückt ist. Nun, vielleicht war er das auch. Er war sich nicht sicher. Nach so langer Zeit fragte er sich nun zum ersten Mal, ob er wirklich noch bei klarem Verstand war. Immer wandte er sich an Seminex, obwohl er schon ewig nicht mehr bei ihm war. Doch sein Lachen, sein Wissen, seine Ernsthaftigkeit und auch sein Mitgefühl hatte er nicht vergessen. Wie könnte er das je!? Bilder der Vergangenheit machten sich in ihm breit. Er wollte sie nicht sehen, aber sie kamen: Das fröhliche Lachen der beiden, wenn sie sich in der großen Menge eines Festes bewegten, wie sie die jungen Damen verführten, zum Spaß oder auch aus Nahrungsgründen. Seine Augen waren etwas glasig geworden, als er die Gedanken abschüttelte. Er zog sich zurück in die Einhöhlung, wo Atrotos und Insidia sich schon weiter nach hinten verzogen hatten, um von der Sonne geschützt zu sein. Insidia lag in Atrotos’ Armen. Er saß an die Wand gelehnt da und sah erst kurz auf, als Cruentus an den beiden vorbei ging und sich selbst in eine dunkle Ecke setzte. Die Sonne würde sehr bald aufgehen.
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Das Rot des Blutes (von Heat the Dragon, Vivi und Luna42)
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