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 Die Anath - Tag und Nacht, Sonne und Mond

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Luna42
Babylonier
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BeitragThema: Die Anath - Tag und Nacht, Sonne und Mond   07.01.17 13:43

Version: 22.02.2009

I. Kapitel: Die Mondanrufung – Part 1

“Luna! Luna!”, ruft mich jemand. Ich sitze wieder mal auf diesem einsamen Stein nahe meinem Haus. Verträumt schaue ich über die Wiese und genieße den leichten Wind. Neben mir taucht Sol auf. Er ist total aus der Puste und schnappt nach Luft. Auch er ist ein Wolf, so wie ich. „Luna, hast du mich nicht gehört?“, sagt er immer noch nach Luft schnappend. „Doch! Doch!“ „Warum reagierst du dann nicht?“, fragt er weiter. „Ist doch egal. Was willst du denn nun?“ Er schaut mich etwas verärgert an: „Das fragst du noch? Es ist heute Neumond. Lupa bereitet schon alles für die Anrufung vor und du schaust hier ins Nichts.“ Ich atmete tief durch. „Ich komme ja schon.“ Einen kurzen Blick werfe ich noch auf die Wiese und stehe dann auf. Wir laufen an meinem Haus vorbei und dann den Weg entlang, der in den Wald führt. Lupa und Sol leben zusammen in einem Haus im Wald. Wir drei sind die letzten unseres Volkes, aber von außen würde niemand erkennen, dass wir einem anderen Volk angehören. Die Tür steht wie immer offen. Sol und ich treten ein. „Da bist du ja, Luna.“, begrüßt mich Lupa erleichtert, „Du weißt, dass ist deine Anrufung.“ „Ja, ja, ich weiß.“ Es war noch viel Zeit. Wir hatten erst Mittag und die Anrufung konnte erst heute Nacht stattfinden. Die letzten paar Mal hatte es allerdings auch nicht funktioniert. Nur ich konnte dieses tun, da meine Kraft vom Mond kommt und ich somit eine Verbindung zu ihm habe. Man nennt so jemanden bei uns Mondkind. Lupa bezieht ihre Kraft aus der Nacht, daher ist sie ein Nachtkind und Sol ein Sonnenkind. So hat Sol uns beiden gegenüber am Tage einen großen Vorteil, da seine Kräfte stärker sind. Bei Regen ärgert er sich immer. Lupa ordnet die Kerzen an und legt die Räucherstäbchen bereit. Ich schmeiße mich in den Sessel und starre an die Decke. In den letzten Tagen war so gar nichts passiert. Ich langweilte mich. Sol und Lupa schien das überhaupt nichts auszumachen. Dabei konnten sie sich so gut wie ich an die Vernichtung unseres Volkes vor 10 Jahren erinnern und an die Prophezeiung. Die Ruhe machte mich ganz verrückt. Mit meinen 22 Jahren könnte ich bald schon eine Familie gründen, wenn ich nur den richtigen Mann finden würde. Sol und Lupa haben einander. Die beiden sind nun bereits seit 2 Jahren verlobt. So langsam könnten sie auch mal heiraten. Ich schaute zu den beiden rüber. Sie alberten mal wieder rum. Sol kitzelte Lupa von hinten ab und Lupa begann sich natürlich zu wehren und zurück zu kitzeln. Sie benehmen sich manchmal wie Kinder, dabei ist Lupa auch schon 23 und Sol sogar 25. Ich fragte mich, wie ihre Kinder wohl später mal sein würden und wie sie aussehen würden. Vllt würden sie so grau sein wie ich, denn Lupa war ganz schwarz und Sol weiß. Ich war schon etwas neidisch. Einen hübschen Mann hätte ich auch gerne. Nur in diesem verlassenen Tal würde ich wohl kaum jemanden kennen lernen. „Hey!“, erschreckte mich Lupa, die nun vor mir stand. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich sie nicht bemerkt hatte. „Was?“ Sie schüttelte den Kopf: „Du träumst mal wieder. Was ist nur los mit dir, Luna? Du bist in letzter Zeit überhaupt nicht mehr bei der Sache.“ „Entschuldige!“ Lupa kniet sich vor mich: „Was ist denn los?“ Ich schaue zu Sol herüber. Er steht mit verschränkten Armen da und wartet auf eine Antwort. Mein Blick wandert wieder zu Lupa, die mich erwartungsvoll anschaut. „Es ist nur... ach vergesst es.“ „Luna!“, mahnt sie mich. Ich stehe auf und gehe. Bevor ich durch die Tür gehe, schaue ich noch mal zurück zu den Beiden, die nun sehr besorgt nebeneinander stehen und mich ansehen. „Ich gehe nur etwas spazieren.“ Schnellen Schrittes laufe ich durch den Wald. In einiger Entfernung bleibe ich schließlich stehen und lehne mich an einen Baum. „Was mache ich hier eigentlich?“

I. Kapitel: Die Mondanrufung – Part 2

Ich ließ mich zu Boden sinken. Da saß ich nun auf der Erde und wusste eigentlich gar nicht warum. Was war nur mit mir los? Aber irgendwie wusste ich es auch. Ich musste in letzter Zeit so oft daran denken, wie unser Volk ausgerottet wurde. Es sah anfangs so aus, als wäre es ein ganz gewöhnliches Gewitter. Ein paar Blitze, das Donnern und der Regen, den ich noch heute spüre, wenn ich zurück denke. Doch es war kein gewöhnliches Gewitter. Ein großer Sturm wurde draus, die Erde bebte und verschlang einige von uns. Die Blitze setzen einige Häuser in Brand und der Sturm wurde zu einem Tornado. Alles wurde mitgerissen. Sol, Lupa und ich rannten weinend davon. Wir wussten auch nicht wohin. Immerhin waren wir noch Kinder. Seit dem sind wir auf uns gestellt. Wir haben immer gehofft, dass vielleicht noch jemand überlebt hat, aber gefunden haben wir niemanden. Auch heute wollen wir durch die Anrufung versuchen heraus zu bekommen, ob noch jemand von unserem Volk lebt. Ich wünschte es mir so sehr. Sol glaubt da nicht mehr dran, trotzdem will auch er Gewissheit. Plötzlich schrecke ich auf. Es wurde schon langsam dunkel. Ich träumte wirklich zuviel. Schnell lief zurück zu Sol und Lupa. Die beiden warteten bereits auf mich. Lupa sagte mit einem leicht besorgtem Ton: „Du warst aber lange weg.“ „Entschuldige! Ich bin wohl eingenickt.“ War glatt gelogen. Ich hatte nur mal wieder vor mich hingeträumt. Sie schaute mich skeptisch an. „Wirklich!“ Irgendwie kaufte sie mir das nicht ab, aber wir kannten uns ja schon seit unserer Kindheit. Da merkt man halt, wenn einer lügt. Ich ging einfach an ihr vorbei ins Haus. Sie hatten bereits alles für die Anrufung vorbereitet. Sol zündete die Kerzen an und kniete mich vor den Tisch auf dem die Kerzen standen. Die Räucherstäbchen waren im ganzen Raum verteilt, wodurch der Raum ziemlich verqualmt war. Ich begann mit der Anrufung. Hoffentlich würde ich keinen Fehler machen. Meine Worte mussten aus dem Herzen kommen und gut bedacht sein. „Neumond ist die Zeit in der wir neue Kräfte sammeln. Doch plagt uns die Ungewissheit. Die Ungewissheit, ob es noch jemanden aus unserem Volk gibt. Mein Mond zeige mir, ob es noch jemanden gibt von unserem Volk. Ich bitte dich!“ Ich fing an zu leuchten. Das war die letzten Male nicht passiert. Hatte ich alles richtig gemacht? Waren die Worte wirklich aus meinem Herzen gekommen? Was würde jetzt passieren? Ich bleib weiterhin vor dem Tisch knien und wartete ab. Das Licht verstärkte sich und wurde immer größer um mich herum. Schließlich konnte ich Sol und Lupa nicht mehr sehen. Sie riefen nach mir, aber ihre Stimmen verschwanden langsam. Das grelle Licht blendete mich sehr und so schloss ich schließlich die Augen. Ich spürte eine angenehme Wärme um mich herum. Das Licht wurde weniger und die Wärme verschwand. Ich öffnete wieder die Augen. Der Schreck traf mich tief. Ich war nicht mehr in dem Haus. Um mich herum riesige Felsen. Wo war ich nur. Ich sprang auf und drehte mich im Kreis. Das alles kam mir so überhaupt nicht bekannt vor. Was hatte ich nur getan? Wie sollte ich jetzt wieder zurück finden? So eine missglückte Anrufung hatte ich noch nie. Normaler Weise passierte nie etwas, aber jetzt war etwas passiert. Viel zu viel war passiert. Verdammt! Was nun? Ich lief nervös und leicht panisch hin und her. Ok! Ok! Setz dich erst mal! Ganz ruhig! Ich setzte mich auf einen Stein und überlegte. Aber das einzige was mir dazu einfiel, war immer nur: Was jetzt? Ich beschloss in eine Richtung zu laufen. Irgendwo müsste man hier ja wieder raus kommen und vielleicht würde ich dann jemanden finden, der mir sagen konnte, wo ich eigentlich war. Hier wuchsen nicht mal Bäume, überall nur Gestein und Staub. Mich würde es wundern, wenn ich auf jemanden treffen würde, aber jetzt war positives Denken angesagt. Ganz bestimmt bin ich gleich hier raus und stehe vor einem gemütlichen Haus mit netten Leuten, die mir den Weg beschreiben können. Glaubte ich das wirklich?

II. Kapitel: Schulden müssen beglichen werden - Part 1

Ich lief weiter und weiter, meine Füße schmerzten und meine Augen schienen vor Müdigkeit nicht mehr offen bleiben zu wollen. Doch wollte ich keine Pause machen, nicht einmal fünf Minuten. Irgendwen würde ich hier schon finden, früher oder später. Nur nicht aufgeben, dass wäre das Schlimmste, was ich tun konnte. Ich gähnte immer häufiger und meine Augen begannen zu tränen. Waren meine Füße überhaupt noch da? Ich spürte sie nicht mehr. Um mich zu vergewissern, sah ich zu Boden. Ja, da waren sie. Doch vor meinen Augen verschwamm langsam alles. Ich war so unglaublich müde. Meine Welt schien zu kippen und ein dumpfer Aufprall machte mir klar, dass ich umgekippt war. Ich machte mir nicht die Mühe wieder aufzustehen, dazu war ich viel zu erschöpft und müde. Die Umgebung um mich herum war so unwirklich. Würde ich wieder aufwachen? Würde mich jemand finden? Ich wusste es nicht. Meine Augen schlossen sich und eine angenehme Ruhe umgab mich.

Ich krallte meine Finger um die Bettdecke und drehte mich mürrisch zur Seite, als mir etwas Licht ins Gesicht schien. Meine andere Hand griff nach der Lappe auf dem Nachtischen neben meinem Bett, doch was war das? Dort stand keine Lampe, stattdessen ergriff ich etwas aus Metall. Bevor ich darüber nachdenken konnte, tropfte etwas heißes auf meine Hand. Ich zog sie erschrocken zurück und öffnete die Augen. Das war nicht mein Zimmer, nicht mein Bett und auch von sonst niemanden, den ich kannte. Ich richtete mich auf und erst jetzt bemerkte ich, dass es bereits wieder Nacht geworden war, denn der Mond schien leicht durch das Fenster. Nur eine schwache Sichel, aber er war da. Es war kein Neumond mehr. Wo war ich hier? Mein Blick wanderte zur Tür, sie war nur angelehnt. Ich stand auf und spürte im gleichen Augenblick, dass ich hunger hatte. Das musste warten. Schnellen Schrittes ging ich zur Tür und öffnete sie ganz. Ich sah in den Flur, nach rechts und nach links, eine Treppe führte nach unten. Nicht sicher, ob ich rufen sollte, sprach ich leise in den Flur: "Hallo? Ist hier jemand?" Keine Antwort, aber was erwartete ich, wenn ich nur flüsterte!? Allen Mut nahm ich zusammen und ging zur Treppe. Erst warf ich einen Blick hinab, bevor ich die Stufen nach unten nahm. Kaum war ich unten angekommen, hörte ich Geräusche. Es schien ein Fernseher zu laufen und aus dem Zimmer am Ende des Flurs schien Licht. Ich schluckte und ging auf das Zimmer zu. Langsam öffnete ich die Tür und blieb dann stehen. Da saß ein Wolf in einem Sessel vor dem Fernseher und lächelte mich freundlich an. Bevor ich überhaupt etwas sagen konnte, stand er auf und kam auf mich zu: "Hallo meine Schöne, gut geschlafen. Wie wäre es mit einem Dankeskuss?" "Ein Kuss?", murmelte ich noch gedankenversunken, dann jedoch wurde mir klar, was das Wort bedeutete und ich klatsche ihm eine mitten ins Gesicht. "Ow!", gab er von sich und hielt sich die Wange, "das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Ich habe dich immerhin gerettet." Etwas peinlich war mir das jetzt schon, aber er musste ja nicht gleich einen Dankeskuss verlangen. Ich wollte mich nicht geschlagen geben und entgegnete ihm frech: "Mag ja sein, dass du mich gerettet hast, aber einen Kuss bekommst du dafür nicht. Hat dich ja keiner drum gebeten." Er machte sich nicht die Mühe mir zu wiedersprechen: "Stimmt, aber fragen kann man ja mal. Wie wärs, wenn wir fernsehn. Du und ich, du liegst in meinen Armen." Da flog die zweite Schelle von mir ins Gesicht: "Sag mal gehts dir noch gut? Wir kennen uns überhaupt nicht." "Das kann man ändern", grinste er, "Ich bin Nox und die hübsche Frau ist?" Meine Wut schien sich ins Unermäßliche zu steigern. Was bildete der sich überhaupt ein? Wieso musste ich gerade an ihn geraten? Hätte mich nicht wer anders finden können? "Ich bin Luna", zischte ich, "und fass mich ja nicht an." Nox hob demonstrativ die Arme nach oben und setzte sich wieder auf seinen Sessel: "Wie du wünschst, Luna." Immerhin, ich habe mich verständlich machen können. Erleichtert darüber setzte ich mich auf das Sofa so weit wie möglich von ihm entfernt. "Wo bin ich hier eigentlich?", begann ich zu fragen. "Bei mir zu Haus", entgegnete er. "Das sehe ich auch." "Warum fragst du dann?" Ich hätte an die Decke gehen können: "Wie heißt der Ort hier?" "Keine Ahnung, hab ich vergessen", antwortete er so gelassen, dass ich fast vor Wut explodierte. "Sag mal, willst du mich veräppeln?", schrie ich ihn an. "Nein", erwiederte er unschuldig und sah mich an. Das konnte doch nur ein schlimmer Traum sein. Sowas passiert mir doch nicht. Ich sah weg und suchte nach einem Gegenstand, den ich anstarren konnte. Ob er sich schon wieder zum Fernseher gedreht hatte? Ich wollte nicht nachsehen.

II. Kapitel: Schulden müssen beglichen werden - Part 2

Eine ganze Weile starrte ich auf ein Bild von einer Berglandschaft an der Wand und gab kein Wort von mir. Ihn schien das gar nicht zu stören. Ich hörte, dass der Fernseher weiter lief und er es sich gemütlich gemacht hatte. Warum in aller Welt sagte er mir denn nicht wo ich war? Wollte er etwa das ich nicht ginge? Würde er mich hier etwa gefangen halten? Von diesem Gedanken ergrifften, sprang ich erschrocken auf. "Was ist los?", fragte er überrascht. "Ich gehe jetzt", sagte ich hastig und lief dann schnell in den Flur, zur Tür und dann hinaus. Ich sah viele große Häuser und auch Geschäfte. Das bedeutete also, dass ich in irgendeiner Stadt war. Doch in welcher? Hinter mir konnte ich Schritte hören und drehte mich um. Da stand er wieder, die Hand gegen den Türrahmen gelehnt, sah er mich an: "Wo willst du denn hin?" "Nach Hause", entgegnete ich verärgert. Jedoch wusste ich überhaupt nicht, wo ich war und wie ich hier wieder weg kam. "Mitten in der Nacht?", fragte er weiter. "Was geht dich das an?", zischte ich. "Ich wollte nur helfen." "Dann sag mir, wie die Stadt hier heißt." "Lass mich überlegen. Wie hieß der Ort hier? Irgendwas mit R.. Ri-Ri-Riderus." "Riderus?" "Ganz recht." "Sagt mir gar nichts." "Dann bleib doch erst mal hier und morgen helfe ich dir nach Hause zu kommen." Der Gedanke gefiel mir nicht. Ich wollte nicht noch länger bei diesem Typen bleiben, aber was blieb mir schon anderes übrig. Wir gingen wieder ins Haus. Nox machte den Fernseher aus und sah mich an: "Woher kommst du denn?" "Aus Terria", flüsterte ich fast, doch hatte er es gehört. "Das ist ziemlich weit weg. Wie bist du hier her gekommen?", fragte er weiter. Was sollte ich darauf jetzt antworten. Sollte ich etwa die Wahrheit sagen? Dann denkt er noch ich habe einen Schuss, aber vllt ist es auch genau das Richtige, um ihn los zu werden. Von dem Gedanken beflügelt, begann ich ihm die Wahrheit zu sagen: "Meine Freunde und ich, haben eine Mondanrufung durchgeführt und dann bin ich auf einmal irgendwo im nirgendwo gelandet. So ist das." "Ein Mondanrufung?", bestätigte er verblüfft. Volltreffer! Er denkt jetzt sicherlich, dass ich sie nicht mehr alle habe. Ein Problem weniger. Seine Augen weiteten sich:"Bist du ein Mondkind? Eine Anath?" Jetzt war ich es, die ihn anstarrte: "Woher weißt du etwas über mein Volk?" "Über unser Volk", korrigierte er. Nein! Nein! Das konnte doch nicht wahr sein. Dieser Typ war ein Anath, ein Überlebener unseres Volkes? "Du lügst", blaffte ich ihn an. Er ließ eine schwarze Aura um sich erscheinen: "Ich lüge nicht." Oh ja, es stimmte. Lupa konnte das auch, also war er ein Nachtkind. "Ok, ich glaube dir", sagte ich ruhig, "gibt es noch mehr Überlebende?" Er zuckte mit den Schultern: "Ich kenne niemanden. Bis eben dachte ich, ich wäre der letzte." Er grinste breit. Was hatte das nun wieder zu bedeuten. Nox kam näher an mich heran und flüsterte mit verführerischen Unterton: "Dann sollten wir für den Fortbestand unseres Volkes sorgen." Ich holte weit mit der Hand aus und schlug sie ihm voll ins Gesicht. Die Wucht des Schlages ließ seinen Kopf kurz zur Seite schwenken. Er rieb sich wieder über die Wange: "Man, hast du einen Schlag drauf." Am liebsten hätte ich gleich noch einmal zugeschlagen. Nox schien dieses zu ahnen und ging einen Schritt zurück: "Schon gut. Es war nur ein Vorschlag." Ich holte tief Luft und schrie ihn dann entschlossen an: "Ich glaube bei dir hat der Verstand ausgesetzt. Was glaubst du eigentlich, was du da von dir gibst?" Er lachte leicht: "Du bist mir noch was schuldig." Ich lief rot an. Vor Charme und vor Wut: "Ich bin dir gar nichts schuldig." "Ich habe dich gerettet", erklärte er, "ein kleines Dankeschön als Entschädigung hätte ich da gern." Irgendetwas in seinen Augen sagte mir, dass er damit nicht das Wort an sich meinte. Ich sah mich nach einem schweren Gegenstand um, denn ich ihm über den Kopf ziehen könnte. Er lehnte sich gelassen an die Wand: "Aber das muss nicht sofort sein. Ich kann warten. Doch Schulden müssen beglichen werden." Ich griff nach einer Vase. Eigentlich schade drum. Sie war sehr hübsch mit kleinen Engelsflügeln darauf. Schon holte ich aus, um sie ihn möglichst gegen den Kopf zu hauen. Nox war jedoch schnell und wich aus. Dann stürzte er sich auf mich. Die Vase fiel zu Boden und zersprang. Auch wir prallten auf dem Boden auf und er lag auf mir. Wärend mir die Röte ins Gesicht schoss, wurde mir auch bewusst, dass er die ganze Zeit meiner Hand hätte ausweichen können und doch hatte er jede Schelle abbekommen. Wieso nur? Ich sah Nox ins Gesicht, um ihn danach zu fragen. Jedoch spiegelte sich ein Funkeln in seinen Augen wieder und ich stieß ihn erschrocken von mir. Erstaunlich leicht löste er sich von mir und stand dann wieder auf. Hatte er etwa auch das einfach zugelassen. Er sah zu der zerbrochenen Vase: "Die war teuer." Die Tatsache, dass ich ihn damit erschlagen wollte, ignoriere er einfach. Ich stand ebenfalls wieder auf und schwieg. Was sollte ich jetzt sagen? Tut mir leid, dass die Vase kaputt gegangen ist? Das wäre lächerlich. Ich wollte ihn damit K.O. schlagen. Statt mir irgendeine Entschuldigung einfallen zu lassen, schwieg ich und setzte mich auf das Sofa, als wäre nie etwas gewesen. Nox räumte vorsichtig die Scherben weg.

III. Kapitel: Nox der einsame Wolf - Part 1

Als er mit dem Aufsammeln der Scherben fertig war, kam er fröhlich zurück ins Wohnzimmer und lächelte mich an. Ich sah zornig weg. Sollte er mich doch einfach in Ruhe lassen. Er hatte doch gemerkt, dass er mit seinem absolut unangebrachten Sprüchen bei mir nicht weit kam. Oder auch nicht. Nox setzte sich einfach direkt neben mich. Hätte ich mich doch nur nicht an den Rand gesetzt, jetzt hatte ich nicht mal die Möglichkeit einfach ein Stück abzurücken. "Lebst du alleine?", brach er das Schweigen. Überrumpelt von der Frage, musste ich tatsächlich einen Moment überlegen: "Ähm, nicht direkt. Zwei Freunde wohnen bei mir ganz in der Nähe." Jetzt, wo ich das ausgesprochen hatte, viel mir auch ein, warum ich überhaupt hier war. Ich hatte jemanden aus unserem Volk finden wollen und da war er. Eigentlich müsste ich jetzt begeistert sein, aber ich war es nicht. "Also lebst du doch allein", stellte er fest, "ich lebe auch ganz alleine und sehne mich nach Gesellschaft." "Kann mir gar nicht vorstellen, warum du alleine lebst", sagte ich mit ironischen Unterton. Es war offensichtlich, wer wollte schon mit dem zusammen leben? Ich gähnte und wäre wohl fast wieder eingeschlafen, hätte ich nicht erneut dieses Glitzern in seinen Augen gesehen. Ganz automatisch versuchte ich weiter von ihm weg zu rutschen, was natürlich nicht ging, da ich neben mir die Armlehne hatte. "Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, warum du alleine wohnst", sagte er in einem unglaublich verführerischen Ton, der mich dazu veranlaste einen Moment die Luft anzuhalten und ihn anzustarren. Schnell wand ich wieder den Blick ab. Für meinen Geschmack nicht schnell genug. Nox stand auf und ging aus dem Zimmer, er rief mir aber noch zu: "Du kannst ruhig schlafen, das werde ich jetzt auch machen. Mein Bett ist ja endlich wieder frei." Er lachte und dann hörte ich, wie er die Treppe hinauf ging. Mir klappte der Unterkiefer runter. Sein Bett? Ich habe in seinem Bett gelegen? So entsetzt über diesen Gedanken, rieb ich mir die Arme, dann schüttelte ich mich, um wieder klar denken zu können. Ein weiteres Gähnen bestätigte mir, dass ich nun wirklich schlafen sollte. Mit angezogenen Beinen legte ich mich auf das Sofa und schloss die Augen.

Ein angenehmer Duft stieg mir in die Nase, es roch süß und sehr fruchtig. Ich öffnete die Augen und sah Nox der direkt vor meinem Gesicht hockte. Vor Schreck fuhr ich nach oben und schlug einen Moment später ihm mit der Hand ins Gesicht. Sein Kopf bewegte sich leicht zur Seite, dann grinste er mich an: "Guten Morgen, gut geschlafen? Wenn du schläfst, bist du sogar noch süßer." Die Röte stieg mir ins Gesicht und ich brüllte ihn wütend an: "Hast du einen Knall mich so zu erschrecken? Außerdem mag ich es überhaupt nicht, wenn man mich beim Schlafen beobachtet." Nox stand auf und ging zu einem kleinen Tisch auf Rädern, den er scheinbar ins Zimmer geschoben hatte. Auf diesem Tisch stand eine Kanne und ein paar Tassen. Er schenkte in eine Tasse etwas ein und reichte sie mir. "Etwas Früchtetee, um wach zu werden?", sagte er fröhlich. Scheinbar hatte er sehr gut geschlafen, wenn meine Schelle ihn so wenig ausmachte oder ignoriere er sie einfach? Ich nahm den Tee dankend an.

III. Kapitel: Nox der einsame Wolf - Part 2

Wir frühstückten zusammen. Ich hatte auch riesigen Hunger und aß zwei Brötchen mit Erdbeermarmelade. Nox beobachtete ich mich mehr beim Essen, als er selbst etwas aß. Es machte mich ganz verrückt, dass er mich die ganze Zeit anstarrte: "Kannst du auch mal woanders hinsehen?" "Ich hab schon ewig niemanden mehr Frühstücken sehen", erklärte er. "Setz dich doch vor einen Spiegel", entgegnete ich wenig bemitleidend. Eines war klar: Nach dem Frühstück würde ich zusehen, dass ich hier weg kam. Sicherlich würde mir hier jemand den Weg beschreiben können.

Das hatte ich zumindest gedacht, aber egal wen ich in Frage, niemand wusste, wo Terria lag oder wie man dort hinkäme. Es war fast schon zum verrückt werden und das allerschlimmste war, dass Nox mir auf Schritt und Tritt folgte. "Wenn du nach Norden läufst, gehst schon in die richtige Richtung", erklärte er mir. Woher wusste der überhaupt, wo das lag!? Niemand anders hatte je von meiner Heimat gehört. Gut, es war wirklich ein kleines Dorf, trotzdem war es seltsam. "Warum folgst du mir?", fragte ich genervt. "Weil ich dich hübsch finde und du dich verlaufen wirst", sagte er gelassen, "außerdem schuldest du mir was." Ich drehte mich abprubt um: "Ich schulde dir gar nichts, damit das mal klar ist. Du bist unhöflich, unanständig und nur weil du mich gerettet hast, heißt das nicht, dass ich dich mögen muss." Die Leute warfen uns seltsame Blicke zu. Ich wurde leicht rot, drehte mich um und lief weiter. Da ich leider überhaupt nicht wusste, wo ich war, nahm ich Nox Ratschlag und lief nach Norden. Er folgte mir den ganzen Weg. Proviant hätte ich vllt mitnehmen sollen, aber ich hatte nichts eingepackt. Womit hätte ich das auch bezahlen sollen und ihn darum bitten!? Niemals! Dann wäre ich ihm nachher noch etwas schuldig. Als wenn ich ihm etwas schuldig wäre. Ich hatte ihn nicht darum gebeten mich zu retten. Lupa und Sol machten sich sicherlich riesige Sorgen. Ich hätte sie anrufen sollen. Verdammt! Das mir das erst jetzt einfällt, aber da wäre wieder das Geldproblem.

Der Boden auf dem wir liefen, wurde immer staubiger und schließlich war ich und meine Kleidung voller Dreck. Nox schien das gar nichts auszumachen, aber er war ja auch ein Kerl. Das ich ihn die ganze Zeit anschwieg, schien ihn auch nicht zu stören. Hatte der denn nichts bessers zu tun, als mir zu folgen!?

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