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 Magicworld (oder auch "Saphirs Tagebuch")

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Luna42
Babylonier
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BeitragThema: Magicworld (oder auch "Saphirs Tagebuch")   05.01.17 22:05

Version: 23.04.2008

Saphir stellt sich vor

Ich liege hier im Gras, geniese den schönen Duft der Blumen um mich herum. Wie schön doch diese Welt geworden ist, aber das war nicht immer so.

Wenn ich mich vorstellen dürfte, mein Name ist Saphir und ich wurde in einer Zeit geboren, wo Unsterbliche und Sterbliche nicht friedlich nebeneinander leben konnten. Daher möchte ich euch meine Geschichte erzählen.

Diese Geschichte wird von Trauer, Krieg und einer total zerstörten Welt handeln, aber auch von Liebe, Freundschaft und Glück. Vielleicht erstmal noch kurz zu mir.

Ich bin 17 Jahre alt, habe schwarze, schulterlange Haare und blaue Augen, bin 180 cm groß. Den Rest erfahrt ihr durch meine Erzählung.

Das Leben beginnt

Am 06.06.1990 um 06:06 Uhr wurde ich in einem kleinen Dorf namens Lunaria geboren. Der Krieg ging zu dieser Zeit gerade erst los. Meine Mutter war auf der Flucht und brachte mich und meine beiden Geschwister jeden in einer anderen Familie unter. Ich wuchs also bei Pflegeeltern auf. Meine Pflegeeltern waren Tante Lilly und Onkel Chuck. Natürlich waren sie nicht meine Tante und mein Onkel, aber ich nannte sie so und sie werden es auch immer für mich bleiben. Schon von Klein auf konnte ich kein kaltes Wasser, keine Eiswürfel, keine Eiscreme und vieles mehr, was sehr kalt war nicht ausstehen. Das war sehr verwunderlich, denn kein anderes Kind reagiert so.

Meine ersten 5 Lebensjahre verbrachte ich in der Stadt Solis. Es war eine wunderschöne Stadt, viele Läden, wunderschön gebaute und verzierte Häuser und einen großen Kirchenturm. In Solis war der Krieg zu dieser Zeit noch nicht angekommen, die Stadt blieb verschont. Doch am 16.07.1995 vielen auch hier die Unsterblichen ein. Sie schickten Dämonen. Einige von ihnen hatten lange dünne Beine und Hände und liefen auf allen vieren, andere hatten riese fledermausartige Flügel, aber alle hatten sie lange Krallen und spitze Zähne. Onkel Chuck und Tante Lilly packten nicht mal ihre Sachen. Wir liesen alles stehen und liegen und versuchten aus der Stadt zu entkommen. Überall hörte man Schreie, die Leute versuchten verzweifelt den Dämonen zu entkommen. Onkel Chuck trug mich auf dem Arm. Sie rannten. Die Dämonen mit den Fledermausflügeln stießen von Oben herab und schnappen sich einige Kinder und flogen mit ihnen fort. Weinende Frauen schrieen ihnen hinterher, einige brachen zusammen. Ihre Männer versuchten sie mit tränenunterlaufenen Augen wegzuziehen, ohne Erfolg. Die anderen Dämonen rannten teilweise an den Wänden entlang. Sie stürtzen sich auf Männer und Frauen und zerrissen sie mit ihren Krallen. Einige Dämonen tranken sogar das Blut. Ich schloß die Augen und hörte nur noch die Schreie und die weinenden Frauen. Mein Onkel packte mich noch fester. Er rannte und rannte, meine Tante immer dicht dahinter. Wir schafften es tätsächlich aus Solis heraus. Die Schreie verstummten langsam und nach einer Weile setze mich Onkel Chuck ab. Tante Lilly standen die Tränen in den Augen und Onkel Chuck umarmte sie und versuchte einige beruhigende Worte zu finden.

Mir war das alles noch gar nicht so bewusst. Ich schaute mich um. Wir standen mitten auf einer total vertrockneten Wiese, bei jedem Schritt staubte der Boden. Ein Baum stand etwas weiter entfernt, er hatte nicht mal mehr Blätter. Onkel Chuck hatte meine Tante etwas beruhigt. Er kniete sich zu mir herunter: "Ist alles in Ordnung Saphir?" Ich sagte nichts, starrte ihn nur an und verstand gar nicht, warum er mich das fragte. "Komm Saphir, wir gehen nach Corvus. Dort wohnt ein guter Freund von mir. Er wird uns sicher aufnehmen." Er nahm mich an die Hand und legte den anderen Arm um meine Tante Lilly und wir gingen los. Wie weit es war oder wo genau wir überhaupt hingingen wusste ich nicht, aber ich war glücklich, dass meine Tante und mein Onkel bei mir waren.

Auf dem Weg nach Corvus

Wir liefen schon eine Weile, die Sonne stand hoch am Himmel und mir war ziemlich warm. Meine Füße konnten mich kaum noch tragen und durstig war ich auch. "Wie weit ist es noch Onkel Chuck?" fragte ich jammend. Er sagte darauf nur: "Nicht mehr weit, dann kommen wir zu einem Dorf." Immerhin ein Dorf, nicht Corvus, aber im Moment war mir jedes Ziel recht, hauptsache nicht mehr laufen.

Nach einiger Zeit kamen wir in dem Dorf an. Es war nicht gerade der schönste Platz, aber es gab Essen und Trinken und eine Unterkunft würden wir sicher auch finden. Der Krieg war hier scheinbar auch schon durchgezogen. In einigen Häusern waren in Wänden und sogar Dächern Löcher. Viele hatten nicht mal mehr Fenster. Mir machte der Anblick Angst und ich nahm mit einer Hand die Hand meines Onkels und mit der anderen die meiner Tante. Wir fanden ein Hotel und Onkel Chuck fragte, was eine Nacht mit Abendessen und Frühstück kostet. 20 Sera kostete ein Zimmer und je Essen zahlte man nochmal 5 Sera dazu. Sera ist Währung auf unserem Planeten, ein Sera entspricht etwa 0,80 Euro. Mein Onkel nahm das Zimmer. Endlich konnte ich mich ausruhen. Ich schlief schon sehr bald ein. Zum Abendessen weckte mich Tante Lilly. Wir gingen in den Speisesaal des Hotels und aßen und tranken soviel wir konnten. Meine Tante erzähle mir, dass Onkel Chuck einen Kutscher gefunden hatte, der uns nach Corvus fahren würde. Ich war begeistert, endlich nicht mehr laufen.

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, brachen wir auf. Der Kutscher war sehr freundlich. Er hatte dunkelbraune, kurze Haare, braune Augen und hatte eine blaue Weste an. Seine Hose war auch blau. Ich fand er sah sehr freundlich aus. Wir stiegen ein. Unterwegs schlief ich ein, aber Onkel Chuck weckte mich als wir ankamen. Corvus war ebenfalls ein kleines Dorf, aber nicht so mitgenommen vom Krieg, wie das Vorige. Im Gegenteil, die meisten Häuser sahen sogar fast aus wie neu. Tante Lilly nahm mich an die Hand und wir gingen schnellen Schrittes durch das Dorf. Onkel Chuck blieb schließlich vor einem weißen Haus mit blauem Dach stehen: "Hier wohnt mein Freund Malek." Er klopfte und tatsächlich machte uns ein Mann mit blonden Haaren und blauen Augen auf: "Chuck, wie schön dich zu sehen. Habe dich ja lange nicht mehr gesehen und das muss der junge Saphir sein, von dem du mir schon so viel erzählt hast. Hallo mein Kleiner." Ich konnte es nicht ausstehen, wenn man mich klein nannte. Zwar war ich erst 5, aber für mein Alter schon recht groß. Er winkte uns zu sich rein. Tante Lilly zog mich hinter sich her.

Das Leben bei Malek

Schon seit 3 Tagen wohnten wir bei Malek. Mir war ziemlich langweilig und das Gerede von ihm ging mir echt auf die Nerven. Schließlich sagte Onkel Chuck, dass ich doch etwas raus gehen soll und mit anderen Kindern etwas spielen soll. Endlich mal eine gute Idee. Nicht weit weg vom Haus spielten auch schon einige Kinder. Ich ging zu ihnen und fragte, ob ich mitspielen kann. Sie nickten und wir stellten uns kurz vor. Wir spielten verstecken und fangen. Nach 5 Runden war ich Sucher und Fänger, ich zählte 3mal bis 10. Weiter konnte ich noch nicht zählen. Dann ging es los, es war irgendwie sehr leicht. Ich konnte genau hören, wo sich wer versteckt hatte. Die anderen Kinder staunten, wie schnell ich sie alle hatte. Einer von ihnen, Mark hieß er, beschimpfte mich als Schummler. Ich wurde wütend und sagte, dass das nicht stimmte. Schließlich wurde ich so sauer, dass ich ihn anbrüllte und plötzlich ging er ein paar Schritte zurück und die anderen Kinder auch. "Er hat rote Augen, er hat rote Augen!" riefen sie alle durcheinander und zeigten auf mich. Ich hatte doch keine roten Augen, ich habe blaue. Was wollen die denn von mir? Ich drehte mich um und rannte nach Hause.

Zu Hause angekommen, erzählte ich das Ganze unter Tränen Onkel Chuck, Tante Lilly und Malek. Onkel Chuck gab mir ein Glas kaltes Wasser. Wie ich schon erwähnt hatte, konnte ich kalte Sachen überhaupt nicht leiden, aber Onkel Chuck sagte, ich müsste das trinken. Tat ich dann auch. Ich beruhigte mich nach kurzer Zeit wieder und Onkel Chuck meinte, dass ich mit diesen Kindern nicht mehr spielen sollte. Kurze Zeit später baute ich mit ein paar Holzbausteinen kleine Türme. Am Abend ging ich nach oben in mein Zimmer, um zu schlafen. Ich wurde etwas später wieder wach, weil sich lautstark jemand unterhielt. Als ich genauer hinhörte stellte ich fest, dass es Onkel Chuck und Malek waren, aber sie unterhielten sich nicht nur, sie stritten. Vorsichtig machte ich die Tür auf und schlich die Treppe ein paar Stufen nach unten, um sie besser hören zu können. Es ging scheinbar um mich, denn ich hatte meinen Namen herausgehört. Ich strengte mich an, um noch mehr zu verstehen. Malek sprach gerade: "Er ist ein Unsterblicher, er wird uns in enorme Schwierigkeiten bringen. Warum hast du mir das verschwiegen?" "Saphir ist doch noch ein Kind. Er kann doch auch nichts dafür von wem er abstammt. Wir werden das schon geheimhalten", versuchte Onkel Chuck ihn zu beruhigen. Ich bin ein Unsterblicher? Wer sind dann meine Eltern und warum haben sie mich hier zurück gelassen? Mir schoß so vieles durch den Kopf und ich hatte Angst. Angst um Onkel Chuck und Tante Lilly, denn was wäre denn, wenn sie wegen mir in Schwierigkeiten wären. Noch eine ganze Weile stand ich wie erstart auf der Treppe, dann ging ich zurück in mein Zimmer, legte mich auf mein Bett und starte an die Decke.

Ich sprach Onkel Chuck und Tante Lilly nie darauf an. Immerhin hätte ich es ja gar nicht hören dürfen. Die Zeit verging und ich spielte nie wieder mit den Kindern in Corvus. Tante Lilly und Onkel Chuck versuchten mich immer bei Laune zu halten und mit der Zeit hatte ich mich auch daran gewöhnt. Wir hatten nun schon den 14.07.1998. Ich war also bereits 8 Jahre alt und mein Leben war zu diesem Zeitpunkt noch ok.

Tag des Grauens

Genau an diesem Tag, den 14.07.1998 sollte mein Leben sich auf grauenvolle Weise ändern. Es war noch früh am Morgen, Tante Lilly ging mit mir auf dem Markt einkaufen. Die Sonne schien und es sah aus, als würde es ein wunderschöner Tag werden. Meine Tante kaufte an einem Obst- und Gemüsestand ein paar Äpfel, einen Salat und verschiedene Kräuter. Ich weiß das noch so genau, weil ich diesen Tag niemals vergessen werde. Sie bezahlte und wir wollten weiter.

Plötzlich hörten wir Schreie hinter uns. Sie kamen aus der Richtung, in der auch Maleks Haus stand. Wir drehten uns um, damit wir sehen konnten, was los war. Eine Frau kam angerannt mit einem total zerfetzten Arm, das Blut lief nur so herunter. Die Frau stütze sich dann an einer Hauswand ab und brach schließlich zusammen. Niemand half ihr. Im Gegenteil sogar, die Anwesenden rannten chaotisch los. Tante Lilly stand da wie erstarrt, aber wo schaute sie hin? Dann sah ich es auch. Es brannte, Maleks Haus brannte. Meine Tante rannte ohne ein Wort zu sagen einfach los, los Richtung Haus. "Tante Lilly", rief ich hinterher, "Tante Lilly!" Sie hielt nicht an, ich versuchte Schritt zu halten und rannte ihr hinterher. Ich hatte Angst, Angst um Onkel Chuck, Angst Tante Lilly aus den Augen zu verlieren und Angst das wieder Dämonen kamen. Am Haus angekommen sah ich weder Onkel Chuck noch Malek. Die Flammen schoßen nur so in die Höhe, das Haus krachte langsam zusammen. Tante Lilly rief immer wieder: "Chuck! Chuck! Kannst du mich hören?" Aber nichts, kein Lebenszeichen, keine Antwort, einfach nichts. Ich wusste nicht, was ich tuen sollte. Das Einzige was ich tat war, regungslos da stehen und auf das Feuer starren. Ich zuckte zusammen, als ich das raue Gebrüll von Dämonen hörte. Da war aber noch ein anderes Geräusch, ich konnte hören, wie sie die Krallen in Stein schlugen, Schritt für Schritt. Sie kamen näher. "Tante Lilly, Tante Lilly", rief ich immer wieder und schaute in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Aber meine Tante reagierte nicht. Sie war inzwischen auf den Boden gesunken und weinte. Ich konnte überhaupt nichts tun. Die Dämonen kamen, sie schoßen in einem rasendem Tempo an mir vorbei und fielen über meine Tante her. Sie schrie! Ich musste mit ansehen, wie die Dämonen mit ihren langen Krallen meine Tante Lilly einfach so zerfetzten. Diesen Moment werde ich nie vergessen, wie sie schrie, wie die Krallen durch ihren Körper hindurch fuhren, wie das Blut floß und spritzte und wie die Dämonen sich das Blut von ihren Krallen leckten. Ich glaube ich war ganz bleich, jedoch rührte keiner der Dämonen mich an. Sie beachteten mich nicht einmal. Es kam mir vor, als stände ich dort eine Ewigkeit. Ich weiß nicht wie lange, aber als ich endlich wieder zu Sinnen kam, rannte ich einfach los. Einfach irgendwo hin, ich schaute nicht einmal auf das, was um mich herum passierte. Ich hörte nicht die Schreie und hätte auch nicht gemerkt, wenn jemand hinter mir her gerannt wäre. Mir war einfach alles egal.

Als ich schon eine Weile aus der Stadt raus war, blieb ich schließlich mitten in einem Wald stehen. Mir liefen die Tränen am Gesicht herunter. Ich versuchte nicht einmal sie wegzuwischen. Meine Beine konnten mich nicht mehr tragen, ich sank auf die Knie. "Warum? Warum ich?" schrie ich in einer Lautstärke, die kein Sterblicher jemals hervorbringen könnte. Der ganze Wald bebte und auch einige Äste vielen herunter. Ich verstummte und versuchte mich langsam zu beruhigen.

Das Abenteuer beginnt

Die Sonne ging auf, ich war scheinbar vor Erschöpfung eingeschlafen. Noch immer verfolgen mich die Bilder. Tante Lilly, Onkel Chuck, einfach für immer fort. Ich schüttelte den Gedanken ab. Wenn ich mich jetzt nicht zusammen nehme, was wird dann nur aus mir werden? Aber machte das überhaupt noch einen Unterschied? Ich hatte kein Geld, nichts zu Essen, nicht zu Trinken und kein zu Hause.

Aber ich gab nicht auf. Man hörte das Knacken der Zweige unter meinen Füßen, kaum ein Licht drang durch den dichten, weiten Wald. Ich lief einfach immer weiter, wusste nicht wohin ich ging, hoffte nur irgendwann ein Dorf oder eine Stadt zu erreichen. Mir taten schon die Füße so sehr weh, dass ich sie kaum noch spürte, als ich endlich das Ende des Waldes erreichte. Ich schaute in die Ferne. Vor mir befand sich eine weite, grüne Wiese, die mir unendlich lang erschien. Kein Haus und kein Mensch war weit und breit zu sehen. Sollte ich nun weiter laufen? Umzukehren, wäre idiotisch gewesen, also lief ich weiter. Meine Füße konnten mich kaum noch tragen, aber ich gab nicht auf. Ich weiß nicht, wie weit ich gekommen war, bevor ich zusammen brach, aber als ich zu mir kam, lächelte mich ein Mädchen an, das in etwa in meinem Alter war. "Wie geht es dir?" fragte sie. Ich brachte kein Wort heraus und schaute sie einfach nur an. "Ich bin Sally, Tochter der Herrin des Himmels", sagte sie stolz. Von wem ist sie die Tochter? Ich verstand kein Wort. "Wer bist du?" fragte weiter. Jetzt antwortete ich doch: "Ich bin Saphir." "Hallo Saphir, freut mich sehr dich kennen zu lernen. Wir haben dich mitten auf einer Wiese gefunden. Wie bist du denn da hin gekommen? Ein Unsterblicher in deinem Alter ist doch sonst nie alleine unterwegs." Erst schaute ich sie wieder ungläubig an. In diesem Moment wurde mir erst wirklich klar, dass ich wirklich ein Unsterblicher war. Ich erzählte ihr von meinem Leben und sie hörte mir zu.

Als ich zuende erzählt hatte, war sie es, die mich jetzt anstarte. Schließlich sagte sie: "Ich helfe dir." "Bitte was?" fragte ich ganz erstaunt. Sie wiederholte: "Ich helfe dir. Ich helfe dir deine richtigen Eltern zu finden und herauszubekommen, wer du wirklich bist." Ich konnte mir ein lächeln nicht verkneifen und bedankte mich. Sally stellte mir dann ihre Mutter vor, die Herrin des Himmels. Der richtige Name ihrer Mutter war jedoch Sophie. Sally erzählte mir, dass ihre Mutter schon 1.324 Jahre alt war und Sally war wirklich genauso alt wie ich. Was mich jedoch am meisten erschrack, war dass wir uns in einem schwebenden Palast über den Wolken befanden. Es war absolut unglaublich. Sally führte mich herum. Sie zeigte mir die Bibliothek, den Ballsaal, das Speisezimmer, verschiedene Gästezimmer, ihr eigenes Zimmer und sogar das Zimmer ihrer Mutter. Es war so unglaublich. Soviel Gold und fast alles in hellem weiß, einfach unbeschreiblich. Von den Gästezimmern durfte ich mir eins aussuchen. Ich nahm eins im Westflügel. Es war langsam spät geworden und wir gingen zu Bett.

Sally erzählt

Ich wachte auf, es war schon hell, für meinen Geschmack etwas zu hell. Durch das viele weiß und gold strahlte das ganze Zimmer. Wenn man schon richtig wach gewesen wäre, dann sieht das wunderschön aus, aber so war es einfach viel zu viel.

Sally war schon wach, sie kam mir entgegen. "Guten Morgen, Saphir!" rief sie. "Guten Morgen", erwiederte ich noch ganz schläfrig. Wir gingen frühstücken. Nach dem Frühstück erzählte mir Sally, dass ihre Mutter schon dabei war, die möglichen Arten Unsterblichen rauszusuchen, die als Eltern in Frage kämen. Sie erklärte mir, dass nicht jeder Unsterblicher blaue Augen haben konnte und das einige Unsterbliche sowieso nicht in Frage kämen, wie z. B. die Vampire. "Welche Arten Unsterbliche gibt es denn alles?" fragte ich neugierig. "Also es gibt die Dämonen, die Vampire, die Hexer und Hexen, die Magier und Magierinnen, die Teufel und die Engel. Wir hier sind alles Engel." sagte sie stolz. Etwas verwirrt fragte ich, was denn der Unterschied zwischen Hexern und Magiern wäre. "Hexer benutzen die schwarze Magie und Magier die Weiße, sonst gibt es keinen Unterschied. Deswegen nennt man sie aber anders, um sie unterscheiden zu können. Willst du sonst noch was wissen?" grinste sie. Mir viel gerade nichts ein, obwohl, ich würde schon gerne wissen, was den ihre Mutter als die Herrin des Himmels so macht. Nach kurzer Überlegung fragte ich sie schließlich.

"Meine Mutter ist sowas wie eine Königin. Sie herrscht über alle Engel und wacht über das Paradies. Jeder Sterblicher mit reinem Herzen kommt nach seinem Tod ins Paradies. Reines Herz bedeutet nicht unbedingt, dass man nie etwas angestellt haben darf, aber wenn man etwas unrechtes getan hat, dann muss man dafür reuen und sein Leben danach so gestalten, dass man es wieder gut macht und man muss sich selbst verzeihen. Dann kommt man ins Paradies. Alle Engel tragen dazu bei, dass es im Paradies immer friedlich zu geht und niemand traurig sein muss. Meine Mutter überwacht das und ihre Gedanken formen das Paradies. Ich werde auch eines Tages Herrin des Himmels sein, aber das kann man frühstens mit 1.000 Jahren übernehmen. Meine Mutter hat mit 1.031 Jahren den Platz von ihrer Mutter, meiner Großmutter, übernommen. Leider ist meine Großmutter tot. Alle Unsterblichen über 2.000 Jahre wurden getötet von dem Dämon, der im Todestempel eingeschlossen ist. Die Sterblichen öffneten vor 8 Jahren den Tempel, obwohl die Warnung vor dem Dämon dran stand. Er tötete alle mächtigeren und älteren Unsterblichen. Die restlichen Teufel, die übrig blieben, haben ihn dann mit gemeinsamen Kräften wieder eingeschlossen. Du musst nämlich wissen, die Teufel sind die Mächtigsten unter uns. Aber das erkläre ich dir ein anderes mal", sie ging Richtung Bibliothek und winkte mich hinter sich her. Mir wurde jetzt auch klar, warum der Krieg ausgebrochen war. Dieser begann ja auch vor 8 Jahren.

Die alte Sprache

In der Bibliothek angekommen, zeigte mir Sally einige Bücher. Ich konnte nicht eines davon lesen. Ich hatte noch nie so komische Zeichen gesehen. Sally erklärte mir, dass das die Sprache der Uralten war. Also die Sprache, die schon exestierte bevor die Unsterblichen die Sprache der Sterblichen übernahmen. Sie erklärte mir weiter, dass alle Bücher und Schriften in dieser Sprache verfasst werden. Das brachte mir jetzt viel, ich konnte das ja nicht mal lesen.

Sie fing an zu lachen: "Ich werde dir die Zeichen beibringen und die Sprache. Ist ganz einfach, ich bin aber selbst noch am lernen, aber das macht ja nichts." Sie drückte mir ein Buch in die Hand und wir setzten uns an einem Tisch, der in der Bibliothek stand. Sie erklärte mir Stück für Stück die Zeichen auf der ersten Seite und ich übte sie schreiben. Es war gar nicht so schwer, wie ich dachte. Bis zum Mittagessen hatten wir schon die ersten 3 Seiten durch. Ich lernte sehr schnell und verstand auch gut die Sprache. Sophie meinte, dass das völlig normal bei einem Unsterblichen war und die Sprache einem Unsterblichen sozusagen in die Wiege gelegt wird, man muss sie nur erst wieder wecken. Dann klappte das mit dem wiedererwecken ja ganz gut. "Ich habe jetzt nochmal überprüft welche Arten Unsterbliche für dich in Frage kommen. Es ist nur Hexer und Magier übrig geblieben. Teufel können keine blauen Augen haben, Vampire und Dämonen sind ausgeschlossen und ein Engel kannst du auch nicht sein, weil ich über jedes Kind hier bescheid weiß. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob dich irgend jemand vermisst", erklärte mir Sophie. Leichter gesagt als getan, immerhin lebte ich schon mein ganzen Leben lang nicht bei meinen richtigen Eltern. Ich konnte nur hoffen.

Nach dem Mittagessen lernte Sally selbst weiter. Sie legte mir ein weiteres Buch daneben, wo die Zeichen und Worte erklärt waren. Ich lernte sehr fleißig und schnell. Am Abend hatte ich bereits die ersten 20 Seiten durch. Sallys Mutter kam und schickte uns ins Bett. Ich war so froh bei ihnen gelandet zu sein.

Suche ohne Erfolg

Eine Woche wohnte ich nun schon bei Sally und ihre Mutter Sophie erkundete sich bei den Hexern und Magiern nach meinen Eltern, allerdings bislang ohne Erfolg.

Sophie hatte angefangen mir zu erklären, wie ich mein Kräfte richtig einsetzte. Sie sagte aber auch, dass ich noch nicht meine wahren magischen Kräfte einsetzten könnte, da diese sich erst an meinem 16. Geburtstag entwickeln, wie bei allen Unsterblichen. Also musste ich mich erst auf meine körperlichen Vorteile gegenüber Sterblichen konzentrieren. Ich kam sehr schnell dahinter. War man sich erstmal dessen bewusst, war es auch ganz einfach. Ich konnte Häuserwände hinauf und hinab rennen, an der Decke stehen, schneller als der Wind laufen und unheimlich weit und hoch springen. Daran fand ich besonderen gefallen. Ich sprang nur so durch die Gegend.

Der Sonnenuntergang war jeden Abend wunderschön. Ich schaute ihn mir seit 2 Tagen vom Dach aus an. Ein unvergesslicher Anblick war das, wie die hellen Strahlen der Sonne langsam hinter den Wolken verwanden und schließlich hinter dem Horizont.

Zwei Tage später beim Mittagessen erzählte mir Sophie, dass sie Neuigkeiten für mich hätte. Ich war gespannt, aber ihre Miene war ernst. "Ich habe Nachricht von den Magiern und den Hexern und", sie brach ab. "Und?" fragte ich. "Dich vermisst niemand. Die einzige Möglichkeit, die es noch gibt, wäre dass du der Sohn von älteren Unsterblichen bist und diese sind leider alle tot." Ich senkte etwas den Kopf. Was sollte ich denn nun tun? Für mich stand nur eins fest, ich wollte wissen, wer meine Eltern waren und wie sie gelebt hatten.

Am nächsten Morgen hatte ich einen Entschluss getroffen. Ich wollte wir zurück zu den Sterblichen, mein eigenes Schicksal finden und meine Vergangenheit ergründen. Sophie verstand das, aber Sally konnte das nicht. Sie war sehr traurig und als ich dann los wollte, schenkte sie mir das Buch mit der Sprache der Alten. "Damit du weiter lernen kannst", sagte sie und versuchte zu lächeln. Ich umarmte sie zum Abschied und sagte ihr, dass wir uns wieder sehen werden. Ihre Mutter hatte mir Proviant, eine Decke, ein Kissen und eine Landkarte in einen Reiserucksack gesteckt. Ich nahm alles dankbar an. Sophie brachte mich zurück in die Welt der Sterblichen. Ich war in der Stadt Ventex.

Ventex

Ventex war eine vom Krieg bereits zerstörte Stadt, den Leuten hier ging es allen nicht besonders gut. Umso erstaunlicher war das Verhältnis zwischen den Menschen. Sie teilten ihr Essen und Trinken so gut sie konnten. Mich empfing man in einem Café sehr freudlich und obwohl ich kein Geld hatte bot man mir eine warme Suppe und etwas Tee an. Ich nahm dankend an. In dem Café waren viele Kinder. Die meisten älter als ich, aber auch gleichaltrige. Als ich gerade gehen wollte, kam ein kleiner Junge herein. Er war viel jünger als ich. Ihm liefen die Tränen an den Wangen herunter. Ich ging zu ihm hin und sagte ihm, er sollte doch mit an den Tisch kommen. Das tat er auch und auch er bekam etwas Suppe und Tee.

Als er sich etwas beruhigt hatte, fing er an zu erzählen: "Meine Eltern sind tot. Ich weiß nicht mehr wohin. Kannst du mir helfen?" Ich nickte: "Du kannst mit mir kommen, ich habe sonst auch niemanden mehr. Ich bin Saphir, bin 8 Jahre alt und du?" Er nahm noch einen Löffel von der Suppe und sagte: "Ich bin Mike, bin erst 5 Jahre alt. Danke dass ich mitkommen darf." Er lächelte und ich nickte ihm zu. Jetzt hatte ich also einen Begleiter, so würde die Reise zumindest nicht ganz so langweilig werden. Ich fragte nach einer Unterkunft und man sagte uns, dass in der Nähe eine Scheune leer stand, dort könnten wir übernachten.

Nachdem Mike aufgegessen hatte, gingen wir die Scheune suchen. Schwer zu finden war sie nicht, aber besonders aussehen tat sie auch nicht mehr. Im Dach waren schon einige Löcher und Türen hatte sie auch nicht mehr, die Fenster hatten alle kaputte Scheiben, aber zumindest war noch Stroh drin. Wir bauten uns Strohbetten daraus. Einen Schlafplatz hatten wir also schonmal.

Wir verbrachten drei Tage so in Ventex. Ich wollte nun weiter. Proviant hatte ich ja noch von Sophie, das würde schon so für 2 Wochen reichen. Also machten wir uns auf den Weg. Ich wollte nach Levia, den Levia war die Hauptstadt und vielleicht würde ich dort etwas erfahren. Es sollte dort nämlich auch eine riesige Bibliothek geben.

Mikes Geschichte

Wir machten uns also auf den Weg nach Levia. Ich erzählte Mike mein bisheriges Leben und er hörte mir aufmerksam zu. Als ich zuende erzählt hatte, fragt ich ihn: "Wie hast du deine Eltern verloren?" Er senkte den Kopf und dann sah er mich an: "Ich habe meine Eltern mit 4 Jahren verloren. Ich komme eigentlich aus der Stadt St. Samira, aber die Stadt gibt es ja nicht einmal mehr." "Was? So schlimm war es da?" fragte ich ganz erstaunt. Er nickte: "In St. Samira waren es nicht einfach nur Dämonen die dort einfielen, auch Hexer und Hexen waren dabei. Alles was in die riesigen Energieexplosionen reingeriet war sofort tot. Es war furchtbar. Genau so eine riesige Explosion kam auch auf uns zu. Wir rannten noch los um ihr zu entkommen, aber nur ich schaffte es gerade so. Durch die gewaltige Stärke wurde ich noch etwas weiter weg geworfen, aber ich hatte noch genug Kraft um weiter zu laufen und aus der Stadt zu kommen. Es war so furchtbar, aber ich möchte nicht weiter darüber reden." Ihm liefen die Tränen von den Wangen. Ich fragte nicht weiter, das war schon genug.

Auf zur nächsten Stadt

Die Sonne ging inzwischen wieder unter, der lilarote Himmel sah unheimlich schön aus. Mike und ich beschloßen heute nicht mehr weiter zu gehen. Wir suchten uns etwas Holz zusammen und machten ein Lagerfeuer. Ich holte etwas Brot raus und eine Wasserflasche, wir aßen zu Abend.

Eine ganze Weile schwiegen wir nur und schauten ins Lagerfeuer, die Sterne waren schon hell und klar am Himmel zu erkennen. Dann ergriff ich das Wort: "Bereust du es mitgekommen zu sein?" "Nein", schrie er, "ich habe es keine Sekunde bereut. Ich bin sogar sehr froh nicht mehr alleine zu sein." Ich lächelte und auch er find an zu grinsen. Ach war das schön, alleine wäre die Reise mir sicher schwerer gefallen. Wir legten uns hin und schliefen dann ein.

Die Sonne war schon aufgegangen als ich wach wurde. Ich weckte Mike. Schnell aßen wir noch etwas und schon waren wir wieder unterwegs. Wir wollten so schnell wie möglich die nächste Stadt erreichen. Nach der Karte wäre das Columbia. Ich wusste nichts über diese Stadt, aber das war mir auch nicht wichtig. Sie war nur ein Halt von drei Städten bis nach Levia.

Mike war zeitweise etwas langsam, ihm taten die Füße weh. Ich nahm ihn schließlich an die Hand und zog ihn hinter mir her. Noch eine weitere Nacht hier drausen wollte ich nicht verbringen. Es konnte auch nicht mehr weit sein bis zur nächsten Stadt und tatsächlich kamen wir kurz vor Sonnenuntergang in Columbia an. Sekundenlang blieben wir beide vor der Stadt stehen. Nicht vor Freude, nein, vor entsetzen. Dort wo Columbia einst gewesen sein musste, waren nur noch Ruinen zu sehen. Kein Mensch war weit und breit zu sehen, kein Laut zu hören. Ich ging langsam zwischen den Ruinen entlang, dabei zog ich immer Mike hinter mir her. "Was machen wir denn jetzt?" fragte er besorgt. Nach kurzem Überlegen sagte ich: "Wir suchen uns hier einen Unterschlupf und morgen früh gehen wir weiter." Ich schaute ihn an, er nickte.

Wir fanden ein relativ stabilles Haus, schien früher einmal ein Café gewesen zu sein. Ein paar alte Stühle dienten uns gut zum Feuer machen. Ich hoffte, dass keine Dämonen mehr in der Nähe waren. Gleich morgen bei Sonnenaufgang wollte ich weiter.

Die Wüste Kains

Wir waren schon einige Tage wieder unterwegs. Mike konnte nicht mehr laufen, ich trug ihn. Es war unheimlich heiß, verwunderlich war das jedoch nicht. Die Wüste Kains nannte man dieses staubige Stück Land. Ich ging mit dem Wasser so sparsam wie nur möglich um. Es konnte auch nicht mehr weit sein. Mike machte sich Sorgen, dass wir uns verlaufen hatten, aber ich war mir sicher, dass das der richtige Weg war.

"Hey, wohin des Weges?" ertönte eine Stimme. Ein junger Mann kam hinter einem Felsen hervor. Er musterte uns kurz, dann sagte er: "Unsterblicher, was treibst du dich mit einem Sterblichen rum?" Mir war sofort klar, dass das auch ein Unsterblicher sein musste. Hoffentlich gerieten wir jetzt nicht in Schwierigkeiten. "Er ist mein Freund", antwortete ich. Mike stieg von meinem Rücken, blieb aber hinter mir stehen. "Dein Freund? Soll das ein Witz sein? Wir sind verfeindet mit den Sterblichen. Weißt du denn nicht, was sie getan haben?" er schrie fast. Ich antwortete im selben Ton, wie er: "Mike ist und bleibt mein Freund. Nur weil ein paar Sterbliche einen Fehler begangen haben, bedeutet dieses nicht, dass alle so sind. Dieser Krieg ist doch absolut schwachsinnig." Der Unsterbliche schaute mich ganz verdutzt an und schwieg. Ich nahm Mike an die Hand und ging weiter.

"Warte", sagte der Unsterbliche plötzlich, "du hast Recht mit dem was du sagst, aber als Einzelner bringt dir diese Meinung nichts. Lass mich dich begleiten, dann überzeugen wir Unsterbliche und Sterbliche davon den Krieg und die Feindschaft zu beenden." Ich drehte mich um: "Darüber hatte ich bis jetzt gar nicht nachgedacht, aber ich find die Idee gut. Ich bin Saphir und das ist mein Freund Mike. Wer bist du?" Er hatte jetzt ein breites Grinsen im Gesicht: "Ich bin Samir, Sohn von Armond, ich bin ein Hexer. Von wem stammst du ab und zu welchem Volk gehörst du?" Die Frage musste ja kommen, aber rausreden konnte ich mich nicht: "Ich weiß es nicht, das versuche ich gerade herauszufinden." Die Verwunderung stand ihm gerade zu ins Gesicht geschrieben, aber er sagte einfach nur: "Gut, dann helfe ich dir dabei halt auch. Gehen wir?" "Ja, auf zur nächsten Stadt, nach Wolfsmond."

Wolfsmond

Ich hatte schon befürchtet, wir würden nie ankommen, aber wir hatten es geschafft, vor uns lag die Stadt Wolfsmond. Samir machte ein ernstes Gesicht. Hatte er etwa noch immer etwas gegen Sterbliche? Ich wollte gerade weitergehen, als Samir seinen Arm vor mir ausstreckte, um mich zurück zu halten. "Warte!" sagte er total abwesend. "Was ist denn?" fragte ich unverständlich. Er schien richtig beunruhigt zu sein. Was hatte das zu bedeuten?

Endlich antwortete er: "Wir sollten einen großen Bogen um diese Stadt machen, denn ER ist hier." "Und wer ist ER?" fragte Mike schnell hinterher. "ER ist ein Verstoßener, ein Hexer älter als jeder andere. Dieser Hexer wurde seltsamer Weise von dem großen Unglück verschont und ER hasst alle anderen Unsterblichen. Keiner wagt es sich mit ihm anzulegen. Nur der Fürst kommt gegen ihn an. Daher machen wir einen Bogen um diese Stadt." erklärte er uns und lief nach rechts, damit wir um die Stadt herum liefen. "Hat ER auch einen Namen oder ist das sein Name?" sagte ich etwas grinsend. Samir fand das nicht so komisch: "Ja, ER hat auch einen Namen, aber den spreche ich erst etwas weiter entfernt erst aus. Man sagt, er würde es sofort merken, wenn jemand in seiner Nähe seinen Namen sagt. Deswegen sage ich nur "ER" zu ihm." Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ein Unsterblicher kann merken, wenn man seinen Namen nennt!? Etwas eigenartig kam mir das schon vor.

Wir waren jetzt gut 2 Stunden von Wolfsmond entfernt, Samir blieb stehen: "ER heißt Timorius und er soll schon über 15.000 Jahre alt sein und verstoßen wurde ER, weil er vor 13.000 Jahren, so sagt man, den damaligen Fürsten stürzen wollte, um selbst die Herrschaft zu ergreifen. ER soll absolut herzlos sein und das Wort "Gnade" verachtet ER. Soviel zu Timorius." Samirs Worte fand ich ganz schön erschreckend. Wie konnte man so eiskalt sein!? Aber das war jetzt nicht wichtig, wir musste weiter und das Essen und Trinken gut einteilen bis zur nächsten Stadt. Die letzte Zwischenstation bevor wir bei der Hauptstadt ankommen. Technica hatte man diese Stadt getauft, früher hieß sie anders, aber seit dem dort alles durch Maschinen geht, ist es Technica. Ich war schon sehr gespannt.
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BeitragThema: Re: Magicworld (oder auch "Saphirs Tagebuch")   05.01.17 22:09

Green Night

Um nach Technica zu kommen, mussten wir durch den Wald "Green Night". Er wurde so genannt, weil kein Licht durch das Dach dieses Waldes schien. Es war dort total duster. Mike wollte erst nicht hinein gehen, aber es war der kürzeste Weg. Jetzt waren wir ja auch schon eine halbe Stunde in dem Wald unterwegs und es war nichts passiert. Ein bisschen mehr Licht hätte ich mir trotzdem gewünscht.

Mike hatte richtige Schwierigkeiten, deshalb nahm ich ihn an die Hand. Dadurch, dass ich Unsterblich war, konnte ich im Dunkeln auch recht gut sehen. Samir lief sogar ganz normal durch den Wald. Die Fähigkeit sollte sich mit dem Alter verbessern, das sah man an Samir ganz gut.

"Ist es noch weit?" wandte sich Mike an Samir. "Um ehrlich zu sein, ja", antwortete er etwas genervt. Dabei hatten wir den ganzen Weg noch nicht viel miteinander gesprochen. Was hatte er nur schonwieder? Aber ich sagte nichts und ging mit Mike weiter.

Die kleinen Äste knackten unter unseren Füßen, die kleinen Pflanzen am Boden knatschten und der Wind heulte zwischen den Bäumen entlang. Es war ansonsten ganz still. Mike fing an etwas vor sich hinzusummen. Ich fand es angenehm bei dieser Stille noch etwas anderes zu hören. Samir jedoch machte das scheinbar noch nervöuser. "Psst" machte er auf einmal. Wir blieben stehen und waren ganz still. Flüsternd fragte ich: "Was ist?" "Ein Canis", antwortete er ebenfalls flüsternd, "das ist ein Dämon." Mike klammerte sich fest an mich.

Wir lauschten und bewegten uns kein Stück, nur der Wind und unser Atem war zu hören. Aber dann, hörte ich es. Es schien etwas schweres näher zu kommen, das Knacken der Äste war nicht zu überhören. Mike hätte fast geschrien, wenn ich ihm nicht noch den Mund zugehalten hätte. Da war ein riesiger Hund, an die 3 Meter hoch. Er hatte kein Fell nur faulende Haut, die schon leicht grünlich gefärbt war, an einigen Stellen konnte man durch ihn hindurch schauen, es war dort nur sein Skelett zu sehen. Dieses Ding schien nicht einmal Muskeln oder innere Organe zu haben. Wie sollten wir nun daran vorbeikommen?

Samir ging auf den Dämon zu, dabei murmelte er immer wieder vor sich hin: "Amicus." Das Wort war aus der Sprache der Alten, eines der ersten Wörter, die ich konnte, er heißt Freund. Ob das wirklich funzionierte? Dieses Ding bewegte sich jedenfalls bis jetzt nicht weiter von der Stelle, ob das nun ein gutes Zeichen war!? Der Dämon öffnete sein Maul, seine schwarzen, fauligen Zähne waren gut zu erkennen. Wie er damit noch etwas essen konnte, war mir schleierhaft. Die Fratze veränderte sich und wurde zu einem Knurren. Samir blieb stehen, ganz still. Der Dämon machte einen Satz auf ihn zu. Blitze schoßen aus Samirs Händen hervor und schleuderten den Dämon zurück. Er musste den Kopf mit erwischt haben, denn der Unterkiefer des Dämons lag auf dem Boden. Samir machte ein paar Schritte zurück. Der Unterkiefer fing an sich säureartig zu zersetzen bis nichts mehr übrig war.

Samir sagte nüchtern: "Gehen wir weiter!" Und das taten wir auch.

Technica

Nach zwei Tagen erreichten wir Technica. Wir gingen in die Stadt. Kaum jemand arbeite, das Meiste machten Roboter. Samir suchte ein Hotel für uns und Mike und ich schauten uns etwas in der Stadt um. In einer Stunde sollten wir uns wieder treffen.

In der Stadt gab es unmengen Läden, Obst-, Schmuck-, Uhren-, Klamotten- und Plunderläden gab es am meisten. Die Menschen hier sahen sehr glücklich aus und es war überhaupt nichts vom Krieg zu spüren. Man sah aber auch, dass die Leute, die hier lebten, sehr reich waren. Die Preise sprachen auch dafür. Ich genoss es sehr mich durch die Menschenmengen zu tummeln und die vielen Dinge in den Läden zu bewundern. Auch Mike machte es sehr viel Spaß. Vor manchen Schaufenstern blieb er ewig stehen.

Nach einer Weile setzten Mike und ich uns an einen Brunnen. Ich holte das Buch von Sally raus und übte noch etwas die alte Sprache. Inzwischen konnte ich das sehr gut. Samir hatte auch schon manchen Abend mit mir geübt.

Samir kam angelaufen: "Ich habe ein Hotel für uns. Es ist nicht weit von hier." Wir folgten ihm. Das Hotel war nobel und musste eine Stange Geld kosten, aber Unsterbliche haben einen unerschöpflichen Goldvorrat und so war das für Samir ein leichtes es zu bezahlen. Jeder von uns hatte sein eigenes Zimmer mit einem Himmelbett mit roten Vorhängen, einem großem Fenster ebenfalls mit roten Vorhängen, ein Nachtschränkchen, einen Schreibtisch mit weichgepolstertem Stuhl und einen gläserenen Esstisch. Die Teppiche waren so weich, dass man hätte drauf schlafen können, aber die Betten waren tausendfach weicher und mit Seide bezogen. Ich hatte noch nie solchen Luxus gehabt. Es war einfach unglaublich.

Am Abend saßen wir zusammen bei Samir im Zimmer, ein drei Gänge Menü. Zuerst gab es eine zarte Spagelsuppe, dann Hummer. Ich hatte sowas noch nie gegessen, war auch gar nicht so leicht das Tier auseinander zu kriegen. Zuletzt gab es Vanilleschiffchen, das waren kleine Boote aus Vanillepudding mit Himbeersoße übergoßen. Das schmeckte richtig lecker.

Auch wenn es noch so schön war, wir hatten keine Zeit zum bleiben. Morgen früh sollte es weiter gehen zu unserem eigentlichen Ziel.

Die Hauptstadt Levia

Levia war von Technica um einiges weiter weg, aber nach gut 3 Wochen kamen wir ohne weitere Vorkommnisse an. Die Hauptstadt war wunderschön, es war ein Wunder, dass sie noch nicht angegriffen wurde. Levia war nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die größte Stadt. Die Bibliothek befand sich im Zentrum. Wir fuhren mit dem Bus hin.

Unterwegs sahen wir viele Läden, einen großen Markt, zwei Theater eine Oper und am Immortal vorbei. Das Immortal ist der ganze Stolz Levias, man nennt es auch das Haus der Wunder. Sagen zufolge soll es vor vielen Hundert Jahren von Unsterblichen errichtet worden sein. Kunst wird in diesem Haus ausgestellt, also eher ein Museum. Die Bilder und Gegenstände, die dort zu sehen sind, sollen alle von Unsterblichen stammen. Das Immortal stand früher auch einmal für den Frieden und die Zusammenarbeit zwischen den Unsterblichen und Sterblichen. Nun war es nurnoch ein Museum mit Kunst von Unsterblichen.

Wir waren da, die Bibliothek. Ein großer weißes Haus. Was sage ich? Es war kein Haus, eher ein Palast. Zwanzig Stufen führten zum Eingang hinauf. Die Türen waren mindestens 3 Meter hoch. Wir gingen hinein und fragen am Empfang, wo wir denn Bücher über Unsterbliche finden könnten. Der etwas ältere Mann zeigte nach links: "Ich müsst die Treppe dort hinauf nehmen in den zweiten Stock, dann in den Raum mit der alten braunen Tür. Wir bedankten uns und gingen hinauf.

Die Tür war wirklich alt. Ehrlich gesagt, zerviel zu schon fast. Sie knarrte als wir sie öffneten. Samir ging zuerst rein. Mike würde mir hier keine große Hilfe sein, er konnte noch nicht lesen. "Den Teil der Biliothek haben früher wohl auch Unsterbliche genutzt", meinte Samir. "Wie kommst du darauf?", ich sah keinen unterschied zu anderen Räumen. Lachend antwortete er: "Einige Bücher sind in der Sprache der Alten geschrieben." Ja, dann war wohl klar, dass die Bibliothek früher auch von Unsterblichen genutzt worden war. Samir fing mit Stammbäumen ab M an, ich nahm die davor. Mike passte auf, dass nicht jemand kam. Immerhin wäre es nicht verwunderlich, wenn man bei uns vermutete, dass wir Unsterbliche sind. Uns beiden war klar, dass das viel zu viele Bücher und Stammbäume waren, um sie in der Zeit durchzusehen, aber wir hatten ja schon einen Plan. Mike würde ganz normal bei Schließung gehen und sich in einem Hotel schlafen legen. Samir hatte ihm schon etwas Geld gegeben. Wir beide würden dann bei Schließung uns an die Decke legen bis der Kontrollgang durch war. Dann könnten wir die ganze Nacht weiter machen. Da war es doch mal ganz praktisch ein Unsterblicher zu sein, da man als Unsterblicher nicht unbedingt jede Nacht schlafen musste.

Bei Schließung war ich immerhin schon bis E gekommen und Samir schon bis Q. Wie abgesprochen ging Mike und wir sprangen an die Decke und legten uns hin. War schon ein eigenartiges Gefühl. An der Decke schlafen hätte ich sicher nicht gekonnt, dafür fühlte sich das viel zu seltsam an. Samir grinste mich an, als er sah wie ich das Gesicht verzog. Irgendwie war mir das jetzt etwas peinlich. Die Wache brauchte ewig bis er hier vorbeikam. Wir lagen eine ganze halbe Stunde nur so an der Decker herum. Endlich war er weg. Wir ließen uns einfach fallen und machten weiter.

Samir und ich wurden tatsächlich kurz vor Sonnenaufgang fertig, leider ohne Erfolg. Wir machten uns durch eines der Fenster aus dem Staub. Sprangen über die Dächer der Häuser und setzten uns dann auf die Stufen des Immortal. Wir schwiegen uns eine ganze Weile an, dann fragte Samir: "Was willst du jetzt machen?" Das war eine gute Frage. Was sollte ich jetzt machen? Gab es überhaupt noch eine Möglichkeit etwas über meine Vergangenheit herauszufinden. Meine Zieheltern waren tot, die Herrin des Himmels konnte mir nicht helfen und selbst in der Biliothek war nichts zu finden. Der ganze Weg umsonst. Er schaute mich immer noch an, auf eine Antwort wartend. "Ich weiß es nicht", antwortete ich schließlich. Er nickte kurz und schaute dann wieder zur Straße. Wir waren hier erst um 9 Uhr mit Mike verabredet, jetzt war es gerade mal halb 6. Stumm starten wir beide auf die Straße.

Samir sagte schließlich leise: "Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann sollten wir vielleicht erstmal versuchen diesen unnützen Krieg zu beenden. Was meinst du?" Er blickte wieder zu mir herüber. Ich nickte verhalten und schaute dann weiter auf die Straße. Niedergeschlagen fühlte ich mich und auch etwas traurig. So gern hätte ich mehr über meine Eltern und Vorfahren gewusst, aber nun würde das wohl immer ein unerfüllter Wunsch bleiben.

Illusionstor 1

Mike war pünktlich um 9 Uhr da, wir kauften noch etwas Proviant und zogen dann weiter. Diesmal sollte es zu den Magiern gehen. Samir sagte, dass das Tal des Drachen nur durch eines der Illusionstore zu erreichen ist. Im Tal des Drachen leben die Magier und wir wollten zu Kainer dem Herrscher über die Magier. Es gab da nur ein kleines Problem, wir wussten nicht welchse Illusionstor zum Tal des Drachen führte. Ehrlich gesagt, war das ein großes Problem, es gibt nämlich 25 Illusionstore.

Ein Illusionstor zu finden war schon schwer, denn nicht um sonst hatte es diesen Namen. Die Tore waren nicht zu sehen, sie zeigen nur eine Illusion. Dabei konnte es sich um einen Wald, einen See, einen Berg, ja sogar nur um einen einzelnen Baum oder Felsen handeln. Samir wusste aber wo er hin wollte. Er hatte davon gehört, dass hier ganz in der Nähe ein Illusionstor war. Es war auch gar nicht schwer zu finden. Bei diesem Illusionstor handelt es sich um einen ewig brennenden Wald. Den Wald fanden wir und gingen einfach mitten hinein. Mike musste ich hinter mir her ziehen, er hatte Angst.

Wir landeten tatsächlich in einer ganz anderen Welt, in einer anderen Dimension. Zwar waren wir noch auf unserem Planeten, aber jenseits der Welt der Sterblichen. Es war wunderschön, wie im Paradies. Jede Menge Obst, Gemüse und Wasser. Auch Tiere gab es eine Menge, aber wir waren falsch. Leider hatte mir Samir damals etwas verschwiegen. Man kam nicht auf dem selben Weg zurück. Hinter uns war kein Tor zu sehen und auch wenn man zurück lief, kam man nicht zum brennenden Wald zurück. "Die Mühe kannst du dir sparen", sagte Samir, "es muss hier auch irgendwo eine Illusion geben, die zurück führt. Das ist halt das Risiko dabei." Mike wurde etwas panisch: "Wie sollen wir hier denn das Tor finden? Das ist ja riesig. Da brauchen wir ja ewig, vielleicht Jahre." Erst nahm ich Mikes Worte nicht sonderlich ernst. Ich war der festen Überzeugung, dass wir das Tor schon bald finden würden. Vielleicht würde es ein paar Tage oder Wochen dauern, aber bestimmt keine Jahre. Genug zu Essen würden wir hier jedenfalls finden.

Samir fing abends immer ein paar Fische oder ein Kaninchen. Obst und Gemüse besorgten immer Mike und ich. Wir suchten Tag für Tag nach dem Ausgang ohne Erfolg. Nach den ersten drei Wochen hatten wir nicht einmal ein Viertel dieser Ebene abgesucht. Es war doch größer als ich geschätzt hatte. Ich schaffte es einfach nicht mehr Mike aufzumuntern, ich war ja selbst total niedergeschlagen. Samir klopfte mir auf die Schulter und flüsterte: "Keine Sorge, man findet immer irgendwann hier wieder raus." Welch Aufmunterung, irgendwann, wann sollte dieser Tag denn sein?

Wir brauchten ganze 2 Jahre um den Ausgang zu finden. Mike hatten wir in der Zwischenzeit angefangen lesen und schreiben bei zu bringen. Ich war nun schon 10 Jahre alt und sprach fließend die Sprache der Alten. Durch einen Fluss gelangten wir wieder zurück zum brennenden Wald, genau am 17.07.2000.

Zerstörte Welt

Wir waren also zurück, aber das Bild, das uns die Welt bot, war alles andere als schön. Die Welt war total zerstört, egal an welche Stadt wir kamen. Auch viele Wälder und Wiesen waren total zerstört, einige sogar abgebrannt.

Nach 2 Monaten glaubten wir nicht mehr daran, eine noch erhaltene Stadt zu finden. Samir kaufte eine Zeitung. Auf der Titelseite stand etwas über einen Friedensvertrag, der zwischen den Unsterblichen und den Menschen verhandelt wurde. Verhandlungsführer waren die Königin Amelia und der Fürst Azazel. Amelia ist die Königin der Sterblichen und Azazel ist der höchste Unsterbliche, ein Teufel, sein Wort gilt für alle Unsterblichen. Die Verhandlungen fanden immer im Tempel des Friedens statt. Im Tempel des Friedens dürfen keine Kämpfe stattfinden. Er ist Unsterblichen, wie Sterblichen heilig. "Sollten wir nicht hingehen, um zu sehen wie es läuft?" fragte ich Samir. Er schaute mich an und dann Mike: "Ja, wir sollten hingehen."

Wir machten uns also wieder auf den Weg. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass diese Entscheidung mein Leben enscheidend verändern würde.

Der Tempel des Friedens

Wir brauchten nur 5 Tage zum Tempel des Friedens. Er war wunderschön mit seinen Gold-, Silber- und Mamorverziehrungen. Die Verziehrungen zeigten immer wieder drei Vögel. Einer von ihnen war Golden, einer Silber und der letzte wurde mit schwarzen Mamor dargestellt.

Der Tempel stand offen und wir gingen hinein. "Ist das groß", staunte Mike und da hatte er auch recht. Da hinten saßen Fürst Azazel und Königin Amelia an einem goldenen Tisch und diskutierten. Wir waren nicht die einzigen hier, auch andere waren gekommen, auch Sally und ihre Mutter waren da. "Das sind alles die Herren und Herrinnen der einzelnen Völker", flüsterte mir Samir zu und ich nickte verständlich. Ich schaute mir die einzelnen Personen an und dann blieb ich wie erstarrt. Noch nie hatte ich soetwas schönes gesehen, die blonden Locken, die himmelblauen Augen, ihre zarten Lippen. Mit einem Schlag hatte ich mich total in sie verliebt, sie war schöner als ein Engel es je sein konnte. Nach einigen Minuten, die ich einfach nur erstarrt da stand, ich weiß nicht wielange es wirklich war, fragte ich Samir, wer das war. "Sie ist die Tochter von Marius, Marius ist der Herr der Hexer, mein Herr", sagte er sehr stolz und respektvoll und zog mich dann hinter sich her, damit wir an der Seite uns setzen konnten.

Die Tochter von Marius, niemals würde sie sich für mich interessieren. Ich wusste ja nicht einmal wer ich bin. Mir ging nur noch sie durch den Kopf, nicht mehr der Friedensvertrag, nein nur sie. Ich war unendlich traurig und glücklich zu gleich. Sie war einfach zu weit entfernt von mir, als lebe sie in einer ganz anderen Welt, die ich niemals erreichen konnte und doch machte es mich schon unheimlich glücklich sie nur anzusehen.

"Saphir", Mike zog an mir, ich drehte mich zu ihm, "was wollen wir denn jetzt hier machen?" Ja, das war eine gute Frage, was machen wir jetzt? Einfach einmischen konnten wir uns nicht, vielleicht lief ja auch alles ganz super. Sie diskutierten ja schließlich nur schon seit mehr als 2 Wochen über diesen Friedensvertrag. Anstatt, dass ich etwas sagte, antwortete Samir: "Wir warten ab." Gut, wir warteten und ich schaute ständig zu Marius Tochter herüber.

Der Friedensvertrag

Tatsächlich schafften sie es einen Friedensvertrag aufzustellen, er wurde von Fürst Azazel verlesen. Die wichtigsten Punkte waren eigentlich nur, dass die Unsterblichen den Sterblichen kein Leid zufügen dürften, die Sterblichen keinen der Tempel der Unsterblichen jemals wieder betreten und dass sich beide Seiten respektieren. Die Herren und Herrinnen der einzelnen Völker sollten auch unterschreiben. Alle unterschrieben und der Vertrag war gültig.

Man hatte Sekt holen lassen, um auf das freudige Ereignis anzustoßen, Samir bekam auch ein Glas. Wir drei sollten als Zeugen dabei sein. Es wurde angestoßen und jeder trank einen Schluck. Nach kurzer Zeit kippten sie alle um, Sally sagte entsetzt: "Schlafmittel, Schlafmittel muss im Sekt gewesen sein." Nur Sally, Mike, die Tochter von Marius und ich waren übrig geblieben.

Es ertönte eine laute Stimme: "Holt mir den Friedensvertrag!" Ich schnappte mir ohne groß nachzudenken den Vertrag und lief zu einem der bunt verzierten Fenster. "Kommt!" sagte Sally, zog an Marius Tochter und deutete auf mich. Ich schlug das Fenster ein. Mike kletterte als Erster hindurch. "Was ist mit den anderen?" fragte die Tochter von Marius. Sally antwortete: "Amy, wir haben doch eh keine andere Wahl, wenn wir hier bleiben, wird das auch niemanden etwas bringen." Die beiden kletterten auch durch das Fenster. Ich ging nun zuletzt mit dem Friedensvertrag, genau in dem Moment, als einige Dämonen herein traten.

Die Flucht

Leider hatten die Dämonen mich gesehen. Wir rannten los, so schnell wir konnten, aber es war nicht schnell genug. Nicht nur, dass die Dämonen ebenfalls durch das Fenster hinterher kamen, sondern von vorne kam ein Mann heraus. Er war ganz in schwarz gehüllt und hatte die Kaputze von seinem schwarzen Mantel übers Gesicht gezogen. Er stellte sich uns entgegen und deutete mit einer Handbewegung den Dämonen anzuhalten. Sie taten es auch. Der Mann strich mit seiner Hand ganz langsam die Kaputze herunter. Amy und Sally schraken zurück. "Eurer Reaktion nach, meine Damen, wisst ihr wer ich bin, nicht wahr?", sagte er ganz ruhig und gelassen, als ob überhaupt nichts wäre. "Timorius", sagte Amy schließlich. Ich schaute zu ihr herüber und dann wieder zu ihm. "Timorius", wiederholte ich nochmal ganz leise und schaute ihn wie erstarrt an. Mike klammerte sich an mich. Über Timorius Gesicht huschte ein breites, fieses Grinsen: "Euch ist also allen bekannt, was ich doch für ein scheußlicher Kerl bin. Dann wird es für euch ja sicher auch kein Problem sein mir den Friedensvertrag freiwillig zu geben oder wollt ihr das ich ihn mir hole!?" Ich wollte ihm den Friedensvertrag nicht geben, aber ich wollte mich auch nicht mit ihm anlegen, also was tun? Mein Blick schweifte herüber zu Amy und Sally nach einer Antwort suchend. Sie schauten mich auch an, genauso ratlos wie ich.

Schließlich hatte ich einen Entschluss gefasst, ich würde ihm den Friedensvertrag nicht geben. "Nein", rief ich. Timorius wirkte sehr verwundert: "Was nein? Willst du mir den Friedensvertrag etwa nicht geben? Scheinst wohl doch nicht zu wissen, wer ich bin." "Doch, das weiß ich und genau deswegen gebe ich ihn dir nicht.", sagte ich ohne auch nur einen Moment lang mir die Angst anmerken zu lassen und ich hatte Angst, sehr sogar. Er rasste auf mich zu und ehe ich überhaupt nachdenken konnte, was ich jetzt machte, streckte ich die rechte Hand aus und schleuderte ihn mit einem Energiestoß zurück. Ich blieb wie erstarrt stehen, so erstaunt war ich darüber. Sally zögerte nicht lange, sie gab Amy einen Schubs und packte meine Hand und zog an mir, damit ich mich von der Stelle bewegte. Wir rannten los, leider waren da noch die Dämonen. Timorius rappelte sich auf und die Dämonen sprintenten wieder los. Amy drehte sich kurz um und erzeugte mit beiden Händen ein grelles Licht. Wir verschwanden dahinter und konnten Timorius und seinen Dämonen entkommen.

Als wir weit genug entfernt waren, ruhten wir uns auf einer Wiese aus. Niemand von uns konnte sagen, was Timorius nun mit den anderen machte!?

Timorius Vergangenheit

Ich wusste nicht viel über Timorius, nur dass er ein Ausgestoßener war und dass er unheimlich mächtig sein soll. Deshalb wunderte es mich auch sehr, dass ich etwas gegen ihn ausrichten konnte. War eigentlich mehr Reflex, sonst hätte ich es wohl gar nicht erst versucht. "Warum ist Timorius eigentlich ein Ausgestoßener?", fragte Mike plötzlich. Mich hätte es auch interessiert, was denn nun eigentlich damals passiert war und was er nun vor hatte!? Sally antwortete: "Das weiß ich nicht." "Aber ich weiß es", schob Amy dazwischen, "mein Vater hat es mir erzählt." Ich war schon gespannt, den Timorius sah schon vom äußeren nicht sonderlich einladend aus. Seine Augen schienen pechschwarz zu sein, seine Haare waren es auch, seine Kleidung war ebenfalls schwarz, aber schon ziemlich zerrissen: Überall eingerissen, mit Löchern und an dem linken Handschuh fehlte der Zeigefinger.

Amy begann zu erzählen: "Vor etwa 10.000 Jahren, als Timorius schon das Alter von 5.000 Jahren erreicht hatte, begann seine Finsternis im Herzen zu wachsen. Der damalige Fürst Mephisto richtete ein Fest aus, zu ehren der Geburt seines Nachfolgers, dem schwarzen Prinzen Samuel. Timorius war der Berater von Fürst Mephisto, er hatte sein vollstes Vertrauen. Der Aufbau des Festes wurde Timorius überlassen, er sollte es unvergesslich machen und das tat er auch. Man sagt, Timorius Augen sollen zu diesem Zeitpunkt noch grün gewesen sein. Am Tag des Festes jedoch, genau in dem Augenblick, als Fürst Mephisto auf seinen Sohn anstoßen wollte, färbten sich Timorius Augen pechschwarz und sein Blick verfinsterte sich. Er zog sein Schwert und ging damit auf den Fürsten los. Der Fürst konnte ihm ausweichen und giff selbst zum Schwert, aber ehe es zum Kampf kommen konnte, hielten ihn schon andere Unsterbliche auf. Fürst Mephisto hatte ein gutes Herz und verzichtete darauf in einzusperren oder gar zu töten. Doch eines tat er, er verstieß ihm aus den Kreisen der Unsterblichen auf das er sein Leben in der Einsamkeit verbringen musste, ohne einen Zugang zur Welt der Unsterblichen zu haben. So musste er unter den Sterblichen umherwandern und bis heute will er sich an allen Unsterblichen rächen."

Nun machte ich mir noch mehr Sorgen, was wohl mit den anderen, die im Tempel gewesen sind, geschehen ist. Was sollte wir jetzt eigentlich tun? Dann kam mir ein Gedanke: "Was ist den mit den ganzen anderen Völkern, was werden sie denken, wenn ihre Herren und Herrinnen nicht zurück kommen? Was werden die Sterblichen denken, wenn ihre Könnigin nicht wieder auftaucht?" "Wenn wir nichts unternehmen, wird der Krieg erst richtig ausbrechen", sagte Sally leise auf meine Fragen antwortend.

Illusionstor der Hexer

Mike zog an meiner Hose. "Wo gehen wir denn jetzt hin?", fragte er leise. Die Angst stand ihm immernoch ins Gesicht geschrieben. Ich zuckte mit den Schultern. Amy und Sally waren ein Stück voraus gegangen und schienen zu diskutieren. Dann kam Sally zu mir: "Saphir, wir gehen zuerst zu den Hexern, dann zu den Engeln, den Magiern und schließlich werden wir die Sterblichen unterrichten, was geschehen ist. "Was ist mit den Teufeln?", fragte ich verwundert. "Nun, du musst wissen Saphir, die Teufel sind nur eine kleine Familie. Sie besteht nur aus Azazel, Azazels Bruder Marduk und Marduks Sohn Armand." Ich zählte nochmal nach und erinnerte mich dort drei Teufel gesehen zu haben. Jedenfalls nahm ich an, dass es Teufel waren. Daher hatte sich also das Ganze erledigt.

Wir machten uns also auf den Weg zu den Hexern. Ich war gespannt, wie wir dort hinkommen würden und wo diese wohnten. Immer wieder musste ich unterwegs Amy anschauen, wie schön sie doch war. Trotzdem sagte ich mir, dass ich mich zusammen reisen müsste, immerhin ging es um den Frieden.

Es war ein ganz schön weiter Weg. Mike musste ich Zeitweise Huckepack tragen. Wir machten selten Pausen, denn die Zeit rannte uns davon. Nach ganzen neun Tagen kamen wir an einem Wasserfall an. Amy deutete darauf: "Dahinter befindet sich ein Illusionstor. Dort kommen wir zu meinem Volk." Ich war nicht sonderlich begeistert. Wie ich doch kaltes Wasser hasste, aber da müsste ich jetzt wohl durch. Ich nahm Mike auf den Arm und wir gingen durch den Wasserfall. War das schrecklich. Möglichst viel von dem Wasser versuchte ich abzustreifen, mit nicht sonderlich großem Erfolg. Hinter dem Wasserfall lag eine Höhle. Amy tastete sich an den Wänden entlang, bis ihre Hand schließlich in der Wand verwandt. "Hier hindurch!" und schon war sie auch verschwunden. Wir gingen hinterher.

Der erste Tag bei den Hexern

Hinter dem Illusionstor präsentierte und eine große Stadt. Fast alle Häuser waren mit silber verziert. An den Türen der Häuser präsentierte sich das Wappen der Hexer, ebenfalls in Silber, ein Drache mit großen, weiten Schwingen. Die Häuserwände waren fast alle weiß, einige graue gab es auch. Die Dächer waren meist dunkelblau, manche auch dunkelrot oder schwarz. Die silbernen Verzierungen an den Wänden zeigten immer ein Tier. Es gab Wölfe, Falken, Katzen, Hunde, Raben und Bären, jedes Haus hatte nur eines der Tiere abgebildet. Jedoch gab es auch Häuser ohne Verzierungen. Mich hätte jetzt sehr interessiert, was das zu bedeuten hatte, aber wir musste zum Schloss am Ende der Stadt, um den Berater von Marius zu sprechen, Saint.

Das Schloss hatte zwei Stockwerke, rechts und links jeweils einen großen Turm, die Wände waren weiß, unterhalb des Daches war mehrmals das Wappen in silber abgebildet, das Dach war dunkelblau. Wir gingen hinein. Amy lies uns in der Eingangshalle zurück und suchte nach dem Berater ihres Vaters.

Die Eingangshalle war ebenfalls weiß und an den Wänden sah man wieder silberne Verzierungen. Allerings waren hier alle Tiere zu sehen und nicht nur eins. Mein Blick schweifte zur Decke. Dort entdeckte ich die drei Vögel, die ich auch beim Tempel des Friedens gesehen hatte. Wieder einer in gold, einer in silber und einer in schwarzem Mamor. Was hatte das zu bedeuten? Aber ehe ich Sally darauf ansprechen konnte, kam Amy schon mit einem braunhaarigen Mann zurück. Seine Haaren waren ungefair 5 cm lang, er hatte dunkle, grüne Augen und schwarze Kleidung an. Er musterte uns drei und machte dann eine leichte Verbeugung vor Sally, die diese abnickte. "Ich bin Saint, Marius Berater. Eure Neuigkeiten kannte ich bereits. Timorius hat den Magiern, den Engeln und uns eine Nachricht zukommen lassen", begann er, "Wenn wir den Krieg nicht aufrecht erhalten, sollen die Herren und Herrinnen der einzelnen Völker sterben. Außerdem will er den Friedensvertrag haben." Er machte eine Pause und wartete unsere Reaktion ab. Niemand sagte etwas, ich war erschrocken und wusste nicht, was wir jetzt tun sollten?! Nach einer langen Pause fuhr er fort: "Wir haben uns mit den Magiern und Engeln auf eine Lösung geeinigt." Eine Lösung? Hoffentlich eine Gute. "Timorius soll in dem Glauben gelassen werden, dass der Krieg fortgesetzt wird, d. h. wir täuschen einen Krieg mit den Sterblichen vor. Wir haben ein Team aus den drei Völkern zusammengestellt, dass sich mit der Planung für solch eine Täuschung befasst. Das Team sitzt bei den Magiern zusammen", er machte wieder eine kurze Pause, "Den Friedenvertrag müssen wir wohl oder übel aushändigen. Es wird noch an einem Plan gearbeitet, wie wir die Gefangenen aus Timorius Gewalt befreien wollen. Wenn wir das schaffen, kann der Friedensvertrag neu aufgesetzt werden." Sally unterbrach ihn jetzt: "Habt ihr denn schon eine Idee?" Er schüttelte den Kopf. "Saphir hat Timorius doch zurückschleudern können", warf Amy daraufhin ein. Ich schaute sie etwas verwundert an. Das Ganze war mehr Reflex gewesen, außerdem hatte ich ja nichtmal gewusst, dass ich sowas kann. Bevor ich etwas sagen konnte, übernahm Sally wieder das Wort: "Saphir kann nicht gegen Timorius antreten. Er hat überhaupt keine Ahnung von Magie, den Saphir weiß nicht zu welchem Volk er gehört und ist auch nicht bei Unsterblichen aufgewachsen. Deswegen hatte meine Mutter vor zwei Jahren bei den Völkern nachgefragt, ob ihn wer vermisste." "Ach, dass ist der junge Mann, den man keinem Volk zuordern konnte" mischte sich Saint verwundert ein, "Nun, wenn du aber Timorius zurückstoßen konntest, dann musst du mind. 10 sein, den in diesem Alter entwickeln sich die ersten magischen Kräfte. Ich könnte dich in Magie unterrichten, den die Ausführung ist bei allen Völkern gleich, nur mit dem Unterschied, dass sie unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Wir würden dann ja sehen, ob du uns gehen Timorius wirklich eine Hilfe wärst." Ich nickte verlegen und bedankte mich. Amy sagte nun: "Saint, zeig ihnen doch ihre Zimmer. Wir sind alle ziemlich müde vom langen Weg hierher. Ich werde mich dann auch zurückziehen." Sie lächelte uns nochmal zu und war dann auch wieder verschwunden. Saint ging die Treppe hinauf und winkte uns mit der Hand, ihm zu folgen. Sally hatte das Zimmer gegenüber denen von Mike und mir. Mike und mein Zimmer waren noch durch eine Tür verbunden, die wir offen ließen. Die Zimmerwände waren weiß, unter der Decke war auf einer Borte wieder das silberne Wappen dargestellt. Die Himmelbetten waren mit schwarzen Vorhängen bestückt und auch schwarz bezogen. Die Vorhänge der Fenster waren ebenfalls schwarz und sogar der weiche Teppich. Die Betten waren noch weicher, als damals in dem Hotel mit Samir. Hoffentlich geht es ihm gut.

In der Nacht

Mike und ich waren sehr bald eingeschlafen. Mitten in der Nacht fing jemand an mich zu rütteln. Ich wurde langsam wach und erkannte jetzt auch die Stimme. "Saphir, wach doch auf, bitte wach auf", sagte Sally immer wieder. "Bin ja wach", erwiderte ich total verschlafen. "Entschuldige, dass ich dich wecke, aber ich kann einfach nicht richtig schlafen. Dauernt habe ich Albträume. Ich mache mir solche Sorgen um meine Mutter", sagte sie bedrückt. Ich nahm sie in den Arm und versuchte sie zu beruhigen: "Das verstehe ich, Sally. Du brauchst keine Angst haben, deiner Mutter wird nichts passieren. Es wird alles gut werden. Du wirst sehen. Ich verspreche es dir." In Gedanken hoffte ich dieses Versprechen auch halten zu können. Sally weinte. Mir war ja genauso nach Weinen. Ich hatte auch Angst. Angst, was geschehen könnte, Angst, um Samir. Aber ich weinte nicht, ich versuchte stark zu sein. Für Sally und auch für Mike, der sicherlich noch viel mehr Angst hatte, vor dem was kommt, als wir.

"Ich bin eine richtige Heulsuse", sagte sie dann. "Aber nein, das bist du nicht. Das ist schon ok", beruhigte ich sie. Jedoch setzte sie schlurzend fort: "Und dir gehe ich damit auch noch mitten in der Nacht auf die Nerven." "Sally, jetzt hör mal zu. Wir sind doch Freunde und ich bin gern für dich da, wenn du mich brauchst. Also hör auf sowas zu sagen", sagte ich jetzt ernst und schloss es mit einem Lächeln ab. Sie nickte und Lächelte jetzt auch wieder. Die Tränen wischte sie sich noch ab. "Danke", sagte sie noch, "ich werde dann mal wieder schlafen gehen. Gute Nacht." "Gute Nacht", erwiderte ich und dann ging sie aus dem Zimmer.

Vorbereitung auf den Kampf

Beim Frühstück trafen wir uns wieder. Wir saßen an einem langen, hölzernen Banketttisch. Die Teller waren weiß und am Rand mit Silber verziert. Auch das Besteck war aus Silber. Der Tisch war reichlich gedeckt: Eine Käse- und eine Wurstplatte, verschiedene Marmelade, Honig, Gemüse und auch etwas Obst. "In einer halben Stunde fangen wir mit dem Unterricht an. Wir treffen uns in der Eingangshalle", sagte Saint noch bevor er ging. Amy und Sally unterhielten sich angeregt über Mode, Schmuck und über den neusten Klatsch und Tratsch der beiden Völker. Schön, dass sie sich so ablenken konnten, mir schwebte so einiges im Kopf herum. Ich war sehr gespannt auf den Unterricht, aber auch etwas nervös. Immerhin konnte von dem Erfolg so einiges abhängen. Die beiden kicherten. Amy sah so hübsch aus, ich konnte kaum den Blick abwenden. Sie bemerkte mich jedoch gar nicht, so sehr war sie in das Gespräch mit Sally vertieft. Mike versuchte von jedem etwas zu probieren. Seine Augen strahlten richtig. Was Samir jetzt wohl gerade dachte und wie es ihm ging!? So sehr wünschte ich mir, er wäre jetzt hier. Er hätte mir sicher mit einem Rat zur Seite stehen können oder hätte mich einfach ausgelacht. Je nachdem, wie ihm gerade war.

Ich stand auf. "Bis später dann," verabschiedete ich mich und ging in die Eingangshalle. Saint kam auch gerade. "Wir gehen auf eine Wiese am Rande der Stadt. Dort können wir ungestört üben", meinte er. Mitten durch die Stadt liefen wir. Die meisten Leute schauten mich eigenartig an. "Fremden gegenüber sind wir immer etwas skeptisch. Mach dir nichts draus", bemerkte er wärend wir weiter durch die Stadt liefen. Endlich an der Wiese angekommen, wollten wir auch sogleich beginnen. Die Wiese war recht groß und schon etwas ramponiert: Viele Löcher, vertrocknete Halme, plattgetretene Flächen. "Siehst du den Stein dort?", fragte er mich. "Ja", antwortete ich kurz. "Sieh nur den Stein an, streck die rechte Hand aus, bleib ganz ruhig und locker, versuche den Stein mit den Fingern zu fühlen und dann stell dir vor, wie er sich in die Luft bewegt", erklärte er mir Stück für Stück und ich befolgte seine Anweisungen. Es klappte, der Stein hob vom Boden ab. So überrascht über meinen Erfolg, verlor ich die Konzentration und der Stein viel wieder zu Boden. "Du braucht noch Übung", bemerkte er. Den ganzen Tag übten wir die verschiedensten Dinge. Am Abend war ich froh, als ich endlich etwas essen konnte und mit Amy, Sally und Mike über meine Fortschritte reden dürfte.

Tag für Tag verging so. Saint war eigentlich nie zufrieden. Ich lernte nicht schnell genug, nicht gut genug. Manchen Tag dachte ich daran einfach aufzugeben, aber Saint hielt mich davon ab und machte mir immer wieder klar, was davon abhänge. Nach zwei Wochen war ich dann doch gut genug in Saints Augen. Er weihte mich in den Plan ein. Saint, ich und vier weitere Unsterbliche würden einen Angriff auf Timorius vortäuschen und ihn so ablenken, so lang wir konnten. Wärenddessen würden sich fünf andere Unsterbliche in seine Burg einschleichen und die Gefangenen befreien. Am nächten Tag sollte es losgehen. Ich war sehr nervös und hatte auch etwas Angst. Mike und Sally machten mir immer wieder Mut, trotzdem fühlte ich mich nicht wirklich besser. Ich ging schließlich auf mein Zimmer, um etwas meine Ruhe zu haben. In Richtung Decke starrend, legte ich mich auf das Bett. Gerade als ich die Augen geschlossen hatte, klopfte es an der Tür. "Herein", rief ich. Ich war sehr überrascht, wer dort ins Zimmer trat. Es war Amy: "Ich wollte dir noch Glück wünschen." "Danke", sagte ich kurz. Nicht im stande noch ein weiteres Wort heraus zu bringen. In letzter Zeit hatte ich zwar oft schon mit Amy gesprochen, aber da waren immer Sally und Mike dabei gewesen. Nun waren wir allein. Sie lächelte. Wie schön sie doch war. Ihr Lächeln war so warm und herzlich. Ich lächelte kurz zurück und drehte mich dann wortlos zu dem Fenster. Was ich jetzt tun sollte oder sagen könnte, viel mir in dem Moment absolut nicht ein. Bevor ich mir etwas ausdenken konnte, küsste sie mich auf die rechte Wange. "Pass auf dich auf!", flüsterte sie und ging langsam aus dem Zimmer. Immer wieder streichelte ich mir mit der Hand über die Wange. Ich hatte alles um mich herum vergessen.

Timorius' Burg

Die Sonne ging gerade auf. Ich war bereits wach, konnte einfach nicht mehr schlafen. Zum einem war ich immernoch total nervös wegen dem Kampf, den ich heute vor mir hatte und zum anderem war ich etwas durcheinander, wegen dem Kuss von Amy. Was hatte er nur zu bedeuten!? Ich löste mich von dem Gedanken und ging runter in die Küche. Einen warmen Früchtetee machte ich mir. Die Gedanken ließen mich jedoch nicht los, egal wie sehr ich versuchte an etwas anderes zu Denken. In ein paar Stunden würden Saint und ich uns mit den anderen Unsterblichen treffen, zwei Magier, ein weiterer Hexer und ein Engel. Im Befreiungsteam sollen wohl zwei Engel, zwei Magier und ein Hexer sein. Um wenn genau es sich handelte, wusste ich nicht, aber die Namen würden mir ja eh nichts sagen.

Saint hatte mir gestern nochmal klar gemacht, dass wir einzeln wahrscheinlich gar nichts bei Timorius ausrichten können und uns deshalb auf gemeinschaftliche Angriffe konzentrieren müssen. Er meinte aber auch, dass ich Timorius wieder zurückstoßen könnte, wie es mir bereits einmal gelungen war. Die Unsterblichen hofften darauf, so hätten wir eine größere Chance, dass alles so klappte, wie geplant.

Ich schrack auf. Saint hatte mir die Hand auf die Schulter gelegt. Er war wohl in die Küche gekommen, als ich in Gedanken war. "Keine Panik", sagte er, "spar dir die lieber für später auf." Sehr beruhigend war das nicht gerade, aber wir alle wussten, dass es ein großes Risiko war. Niemand von uns wusste, ob wir es schaffen würden und ob wir überhaupt wieder heil da raus kamen. Wir alle riskierteten unser Leben, aber das war auch die höchste Pflicht eines Unsterblichen. Jeder Unsterbliche war dazu verpflichtet seine Herrin oder seinen Herren und den Fürsten zu beschützen. Warum genau, es nun so wichtig war, hatte mir aber keiner erklärt. Saint ging in der Küche immer wieder auf und ab. Dann fragte ich: "Woher wusstest du, dass ich hier bin?" "Einfach ein Gefühl. Ich bin ja auch nervös, das sind wir alle", meinte er leise zu mir. Er war scheinbar in Gedanken.

Die Küchentür ging auf und ein Hexer trat herein: "Saint, Armond lässt fragen, ob er sich schon zu euch gesellen darf!?" "Sicher, schickt ihn herein" antwortete Saint gelassen. Armond, ist das vielleicht Samirs Vater!? Ich war gespannt, wer dort jetzt durch die Tür kommen würde. Ob es wirklich Samirs Vater ist oder hat er nur zufällig den selben Namen!? Der Hexer, der dort durch die Tür trat, hatte schwarze Haare und grüne Augen, genau wie Samir. Eine gewisse Ähnlichkeit war auch zu erkennen. Die Haare waren kurz geschnitten und die Kleidung war schwarz und ähnlich wie bei Saint. Mir war bereits aufgefallen, dass viele Hexer sich so kleideten. "Guten Morgen Saint", sagte er mit einem leichten Lächeln, "und du musst der junge Saphir sein, auf den soviel Hoffnung gesetzt wird." Ich nickte nur und Saint ergriff das Wort: "Wie immer versuchst du deine gute Laune nicht zu verlieren, aber das wird uns gegen Timrorius auch nicht helfen." "Wer weiß, wer weiß", antwortete er wieder lächelnd. Inzwischen war ich mir ziemlich sicher, dass es sich um Samirs Vater handelte. Immer dieses Lächeln, es war ähnlich wie bei Samir. Nur Samirs grinsen war durch nichts zu übertreffen. Hoffentlich ging es ihm gut. Mir fehlte jetzt sogar sein freches Grinsen, obwohl ich vorher der Meinung gewesen war, darauf verzichten zu können.

Die Zeit verging nur langsam, doch mussten wir nun los. Ich atmete nochmal tief durch, bevor wir das Reich der Hexer verliesen. Durch Magie zu reisen, war etwas eigenartig und war einem Unsterblichen erst mit 200 Jahren möglich. Saint hatte mich mit dem Rücken an seine Brust gezogen. Von der Landschaft sah man so gut wie gar nichts wärenddessen. Man sah nur Bruchteile dessen und jede Menge Farben, die sich tunnelartig um uns kreisten. Schließlich sah man nochmal ein helles Licht und wir waren angekommen. Wir standen vor einem großen Berg, hinter uns ein großer Wald. Den Engel konnte ich ganz leicht von den beiden Magiern unterscheiden, es war schließlich nicht das erste Mal, dass ich einen Engel sah. Er war in weiß gekleidet, wie die beiden anderen auch, aber er hatte goldene Verziehrungen an der Kleidung. Er hatte blonde, etwas schulterlange Haare und blaue Augen. Die beiden Magier waren ein Mann und eine Frau. Der Mann hatte hellbraune Haare, kurzgeschnitten und grüne Augen. Die Frau lange, gelockte, blonde Haare und blaue Augen. Wir begrüßten uns kurz und wurden einander vorgestellt. Der Engel hieß Hieronymus, der Magier Ignazio und die Magierin Roxane.

Wir setzten unseren Weg fort zu Timorius Burg. Das andere Team würde einige Minuten später von der anderen Seite kommen, um in die Burg einzudringen. Jetzt hieß es Aufmerksamkeit erwecken, aber zu auffällig dürfte es nicht sein. Hieronymus jagte mit einer unheimlichen Geschwindigkeit schwebend nach oben und fegte die Dämonen mit einen kräftigen Windstoß von Burgmauer. Ignazio und Roxane führten gemeinsam einen Energiestoß aus um das Tor zu öffnen. Hieronymus kam zu uns herunter und wir gingen in die Burg hinein. Bis jetzt war nichts von Timorius zu sehen. Wir gingen durch einen recht schmalen Gang, rechts und links waren einige Türen. Unsere Schritte hörte man auf dem grauen, glaten Steinboden. Die Wände ebenfalls grau und kahl. Die Türen waren aus dunklem Holz und sahen teilweise schon etwas morsch aus. Hieronymus ging voraus, dicht gefolgt von den beiden Magiern, dann folgte Armond und zum Schluss Saint und ich. Es war ganz ruhig, nur unsere Schritten waren zu hören und unser nervöses Atmen.

Das Labyrinth

Wir kamen an eine Abzweigung nach links. Sie führte uns in eine große Halle von der aus eine geschwungene Treppe hinauf führte. Auch hier alles in grau, ein großer Kronleuchter mit schwarzen Kerzen hing von der Decke herab. Einige Wachstropfen waren schon auf dem Boden. Das Geländer der Treppe war mit dickem Staub bedeckt, die Stufen jedoch schienen des öfteren benutz zu werden. Auf der anderen Seite der Halle war ein weiterer Gang.

Saint deutete auf die Treppe: "Gehen wir hinauf." Saint ging voraus, ich folgte ihm, hinter mir Armond. Die anderen drei zögerten kurz, kamen dann aber auch hinterher. Oben angekommen standen wir wieder zwischen zwei Schmalenwänden mit einigen Türen. Rechts und links führte jeweils eine Öffnung wieder in schmale Gänge. "Ich fürchte, das ist ein Labyrinth", meinte Armond. "Sieht so aus", antwortete Roxane. Immer wieder schauten wir in alle Richtungen, nach einem Hinweis suchend, aber da war nichts. "Schauen wir, was sich hinter den Türen verbirgt", sagte Saint und öffnete die Erste. Ein fast leerer Raum, nur ein Stuhl stand darin und an der Decke wieder ein Leuchter, aber ohne Kerzen, der Raum war dunkel. Saint schaute sich kurz um, bewegte den Stuhl von der Stelle und verließ dann schulterzuckend wieder das Zimmer. Wir öffneten die nächste Tür und wieder das Selbe, ein Stuhl, ein Leuchter ohne Kerzen. Armond, die beiden Magier und Hieronymus rissen jeweils auch eine Tür auf und überall das Selbe. Jedem von uns Stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Was sollten wir jetzt nur tun!? Würden die anderen überhaupt die Gefangenen finden können!? Oder würden wir jemals Timorius finden!?

Saint lehnte sich an die Wand und starrte gegen die Decke, Armond fing an nervös hin und her zu laufen, die beiden Magier schauten sich nichts sagend an und Hieronymus hielt sich die Hand vor die Augen und murmelte irgendwas. Ich wollte hier nicht rumstehen und verzweifeln, es musste doch irgendeinen Sinn machen. Warum war in allen Räumen das Selbe oder gab es vielleicht einen Raum, der anderes war!? Von dem Gedanken gepackt, vielleicht doch etwas zu finden, machte ich eine Tür nach der anderen auf. In diesem Gang war nichts oder hatte ich etwas übersehen!? Die anderen kümmerten sich nicht um mich, sie finden an zu diskutieren, was sie denn jetzt machen sollten. Ich ging nach rechts in den nächsten Gang. Er war etwas länger, als der andere und wieder überall diese Türen. Wenn wir weiter gingen, könnte das auch bedeuten, dass wir uns total verliefen, denn die Burg wirkte bereits von außen recht groß. Ich atmete tief durch und schaute zu den anderen zurück. Sie diskutieren immernoch und bemüten sich dabei nicht zu schreien. Eine ganze Weile schaute ich ihnen nur so zu, aber richtig hinhören tat ich nicht.

Dann hörte ich eine Tür knarren. Es kam aus dem Gang, in dem ich war. "Psst", machte ich, die anderen drehten sich zu mir um. Ich schaute wieder in den Gang und tatsächlich war eine Tür aufgangen, aber niemand kam heraus. Die anderen kamen jetzt zu mir, aber niemand ging weiter. Saint nahm es jetzt in die Hand. "Kommt", flüsterte er. Wir gingen auf die Tür zu, war das vielleicht eine Falle!? Saint schaute in den Raum und deutete uns zu warten. Nach kurzem Warten kam er wieder heraus. "Nichts", sagte er schulterzuckend, "genau wie die anderen Räume auch." Mir machte das Angst. Warum war die Tür aufgegangen, wenn niemand darin war. Ich war mir ganz sicher, dass sie geschlossen war, als ich den Gang betrat und ich hörte ja auch dieses Knarren. Die anderen fingen wieder an zu diskutieren. Hieronymus war scheinbar dafür das Ganze abzubrechen. Ich wandte mich von den anderen ab und ging in das Zimmer.

Erst blieb ich stehen und schaute mich erstmal etwas um, ging dann ein paar mal um den Stuhl, tastete die Wände ab und schließlich setzte ich mich absolut ratlos auf den Stuhl. Der Boden unter mir löste sich im nichts auf und ich viel mit dem Stuhl hinab, ich schrie. Mit einem lautem Krachen kam ich auf dem Boden auf, der Stuhl war in zwei. Ich hörte Saint von oben rufen: "Saphir! Ist alles ok?" "Ja", antwortete ich. Mir war nichts passiert, nur der Hintern tat mir etwas weh. "Was ist das unten?", rief er wieder. Es war duster, wieder kein Licht. Jede Menge Holzreste lagen hier herum. Ich war in einem Raum gelandet, ohne Stuhl. Naja, mit jede Menge kaputter Stühle. "Da ist eine eiserne Tür", antwortete ich jetzt, "ich versuche sie mal zu öffnen." Sie war ziemlich schwer, selbst für mich, denn Unsterbliche haben um einiges mehr Kraft als Menschen. Die Tür öffnete sich langsam und dahinter war ein weiterer Gang. Gut beleutet mit kaminroten Wänden und samtrotem Teppich.
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Luna42
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BeitragThema: Re: Magicworld (oder auch "Saphirs Tagebuch")   05.01.17 22:12

Die Begegnung mit Timorius

Die anderen kamen jetzt herunter gesprungen, um sich das auch anzuschauen. "Wir sollten schauen, wohin der Gang führt", meinte Ignazio. Saint nickte und ging als erstes in den Gang hinein. Wir folgten ihm. Bis auf die Eisentür war keine weitere Tür zu sehen, aber am Ende bod der Gang nach rechts ab. Am Ende war eine schwarze Tür. Wir stellten fest, dass auch diese aus Eisen war. Armond zögerte nicht lange und öffnete sie. Einer nach dem anderen gingen wir durch die Tür. Der Raum hatte schwarze Steinwände und jeden halben Meter hing ein roter Vorhang an der Wand. Auch hier war der Teppich samtrot, ein Glastisch stand in der Mitte des Raumes, um ihn herum rot-gepolsterte Stühle. Hinten in der linken Ecke stand ein hölzerner Schreibtisch an dem ebenfalls ein rot-gepolsterter Stuhl stand. Rechts neben uns stand ein großes Bücherregal, in dem allerdings nur die beiden obereren Regale mit Büchern gefüllt waren. Der Raum wurde durch einen goldenen Leuchter erhellt, dessen rote Kerzen schon fast ganz herunter gebrannt waren.

Wir schauten uns etwas um und stellten fest, dass hier kein Staub zu finden war. Wozu wohl die Vorhänge da waren!? Es gab keine Fenster. Ich streifte einen der Vorhänge bei Seite, dahinter war nichts, nur eine kahle Wand. In der rechten, hinteren Ecke bewegte sich nun einer der Vorhänge. Eine Hand kam hervor, um den Vorhang bei Seite zu schieben, an dem Handschuh fehlte der Zeigefinger. Mir war sofort klar, wer das war, Timorius.

Mit einem höhnischen Grinsen kam er hervor und schaute einem nach dem anderen an. "Wen haben wir denn da? Habt Ihr euch etwa verlaufen? Oh ihr Armen", sagte er und lachte dann laut, "Ihr habt ganz schön lange gebraucht, meine Wachen haben schon vor einer Ewigkeit Alarm geschlagen." Wieder schaute er uns einer nach dem anderen an. Jetzt ergriff Saint das Wort: "Wo sind die Gefangenen?" Timorius fing lautstark an zu lachen: "Das tut mir aber leid, da seit er am völlig falschen Ende." Und wieder lachte er. "Du verdammter Mistkerl. Mephisto hätte dich damals töten sollen", schrie Armond. Timorius hörte auf zu lachen, sein Blick wurde ernst, er hob seine Hand und das nächste, was ich sah war, wie Armond gegen die Wand donnerte. Ich schluckte, Armond sank auf den Boden und blieb liegen, man hörte nur noch sein leisen stönen. "Da warens nur noch fünf", wieder fing Timorius an zu lachen. Würden wir hier überhaupt wieder lebend heraus kommen!? Ich hatte wenig Hoffnung. Mein Hals war wie zugeschnürrt. Ich konnte meinen Blick nicht mehr von Armond lösen, wie er dort bewegungslos lag und kaum noch schaffte einen Ton von sich zu geben. Saint packte mich an der Schulter und schaute mich ernst an. Ich musste mich jetzt zusammen reisen, es hing immerhin eine Menge davon ab.

"Und nun?", begann Timorius wieder, "Wollt ihr euch eine Reihenfolge aussuchen, in der ihr sterbt oder darf ich selbst wählen?" Wie konnte man nur so herzlos sein!? Ignazio antwortete entschlossen: "Du glaubst wohl, dass wir jetzt aufgeben, aber da hast du dich geschnitten." Wieder lachte er lautstark und hörte abprubt auf, eine Handbewegung ein Knall und Ignazio ging zu Boden. Er bewegte nochmals sein Finger. Es sah fast so aus, als würde versuchen wieder aufzustehen und dann blieb auch er bewegungslos liegen, er gab nur noch leise laute von sich. Die Angst schien in mir die Überhand zu gewinnen. "Da warens nur noch vier", lachte Timorius wieder. Roxane ballte die Fäuste, ihr stiegen Tränen in die Augen und ihr Blick war voller Wut. Mit einem Mal rannte sie auf Timorius zu, um ihn die Faust ins Gesicht zu donnern. Er machte wieder nur eine leichte Handbewegung und sie donnerte zurück gegen die Wand. Einen Moment blieb sie noch an der Wand stehen. "Damit kommst du nicht durch. Du wirst sehen", sagte sie leise und sank dann ebenfalls zu Boden und rührte sich nicht. "Und da warens nur noch drei", lachte er, schaute dann zu uns herüber und danach zu Hieronymus, "Wer mag wohl der Nächste sein?" Keiner von uns sagte ein Wort.

Nach einigem Schweigen, wärenddessen uns Timorius immer wieder grinsend anschaute, fing er wieder an im höhnischen Ton weiter zu sprechen: "Ihr habt wohl geglaubt, ihr könnt hier so reinsparzieren und meine Gefangenen befreien, aber das ist nicht. Das Einzige, was ihr hier finden werdet, ist der Tod." Er legte eine kurze Pause ein: "Ihr seit so armseelig. Jeder weiß, wie mächtig ich bin und ihr kommt hierher und wollt euch mit MIR anlegen. Wie erbärmlich ihr doch seit." Mir reichte es, ich machte einen Schritt auf ihn zu: "Du hälst dich wohl für was ganz Tolles. Ich weiß nicht, was daran toll ist, anderen weh zu tun." Wieder die Handbewegung. Ich hielt meine Hände entgegen, nicht wissend, was da überhaupt auf mich zu kam. Den Druck spürte ich am ganzen Körper, meine Füße hoben vom Boden ab und ich knallte gegen die Wand. Der Schmerz machte sich im Rücken breit, allerdings war ich nicht so doll gegen die Wand geknallt, wie die anderen. Ich konnte mich noch auf den Beinen halten und ging auch wieder ein paar Schritte vor zu Saint. Timorius staunte nicht schlecht, sein Blick wurde ernst und seine Worte auch: "Jetzt erinnere ich mich wieder an dich. Du bist doch der Junge, der mir mit dem Friedensvertrag am Tempel des Friedens davon gekommen ist! Schon da habe ich mich gefragt, wie du mich zurück stoßen konntest!? Wer bist du?" Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen ein weiteres Mal das Wort gegen Timorius zu erheben: "Ich bin Saphir und ich werde nicht zulassen, dass du Sterbliche sowie Unsterbliche tyranisierst." "Mutige Worte, wenn man deine Lage betrachtet", sagte er den Blick von mir abwendend. Dann schaute er ruckartig wieder zu mir, die Handbewegung folgte. Saint schubste mich zur Seite und bekam die volle Wucht des Angriffes zu spüren. Er knallte gegen die Wand und sackte zu Boden. Leise sagte er noch: "Mach ihn für mich fertig Saphir." Dann verlor er das Bewusstsein. Jetzt brauch Timorius in lautem Gelächter aus und kam wieder höhnlich mit seinem Satz: "Da warens nur noch zwei."

Ein letzter Versuch

Die Wut stieg in mir auf. Ich wollte Saints Wunsch nachkommen. "Timorius das bereust du", schrie ich. "Wie lächerlich", lachte er. Hieronymus nahm beide Hände um eine Energiekugel auf ihn zu schleudern, auch ich benutzte beide Hände um seinen Angriff zu unterstützen. Timorius setzte mit einer Hand dagegen und ruschte ein Stück zurück. "Das war wohl nichts", lachte er wieder. Dann machte er wieder diese Handbewegung und Hieronymus knallte gegen die Wand. Er stönte kurz auf und sank dann zu Boden. Jetzt war ich allein. "Und da war es nur noch einer", lachte er lautstark.

Ich wusste nicht, was ich jetzt tun sollte!? Hatten die anderen schon die Gefangenen befreit!? Die Angst kroch in mir hoch, aber meine Wut war immernoch da und aufgeben wollte ich nicht. Ich ließ die magische Energie durch meine Hände fließen und rannte auf Timorius zu. Ich versuchte mit der Hand zuzuschlagen, wieder seine Handbewegung. Meine Hand schlug auf seine, es tat unheimlich weh, ich hörte es knacken. Er nahm die andere Hand und schlug mir heftig in den Magen. Ich flog zurück gegen die Wand. Ehe ich zu Boden sinken konnte, knallte er mit einer Handbewegung nochmal auf mich rauf. Dann erschien er blitzschnell vor mir und packte mich am Hals. "Wie fühlt sich das an? Hast du jetzt genug?", fragte er grinsend. Ich hatte mühe das Bewusstsein nicht zu verlieren. Er hob mich hoch und feuerte mich gegen die nächste Wand. Ich konnte mich nicht mehr halten und viel nach vorne auf den Boden. Meine eine Hand konnte ich nicht mehr bewegen, sie schien gebrochen zu sein. Mit der Anderen versuchte ich irgendwie wieder aufzustehen. Ich sah Timorius Füße vor mir. Von meiner Stirn lief etwas warmes hinab, vermutlich war es Blut. "Wo bleiben denn jetzt deine großen Worte?", fing er wieder höhnisch an zu Fragen.

Doch dann drehte er sich um und ging einige Schritte von mir weg. Jetzt hörte ich auch warum, es kamen Schritte auf uns zu. Mein Blick wurde ganz verschwommen. Ich hörte, wie die Eisentür aufging; sah noch, wie Timorius gegen die Wand flog und merkte, wie mich jemand vorsichtig berührte. Dann wurde mir schwarz vor Augen und alles um mich herum verstummte.

Bei Fürst Azazel

Ich öffnete langsam die Augen. Im ersten Augenblick sah ich alles noch recht verschwommen, aber es legte sich langsam. Beide Hände konnte ich wieder bewegen und versuchte aufzustehen. "Bleib mal lieber liegen", sagte eine Stimme, die mir so ganz fremd war. Erst jetzt merkte ich, dass das hier unmöglich das Reich der Hexer sein konnte. Das Bett war ganz schwarz, das Holz, die Decke, das Kissen, das Lacken, der Himmel, einfach alles. Der Himmel wieß allerdings am Rand eine goldene Naht auf. Dann bemerkte ich meine Kleidung: Schwarze Handschuhe, schwarzes Hemd, die Hose war wahrscheinlich auch schwarz und alles schien aus Seide zu sein, so fühlte es sich jedenfalls an. Ich richtete mich ins Sitzen auf, um mich besser orientieren zu können.

Da kam er mit einem Buch in der Hand auf mich zu. Er setzte sich auf einen schwarzen, gepolsterten Stuhl, der neben dem Bett stand. "Wie geht es dir? Fühlst du dich noch schwach?", fragte er freundlich. Er hatte schwarze, schulterlange Haare, rote Augen, ein schwarzes Hemd, eine schwarze Hose, schwarze Stiefel und einen schwarzen Umhang. Ein Lächeln huschte jetzt über sein Gesicht, sodass ich seine Zähne sehen konnte, die Eckzähne waren ein klein wenig größer als Normal und spitz. Nachdem ich ihm eine ganze Weile so anschaute, anwortete ich schließlich: "Es geht, ich fühl mich eigentlich ganz gut." "Das ist schön", antwortete er, "Es war ganz schön knapp bei dir. Du hattest eine Menge Blut verloren, Saphir. Vorallem durch innere Blutungen." "Woher...?", er unterbrach mich. "Woher ich deinen Namen kenne?" fuhr er fort, "Zum ersten hat Samir dich erkannt und zum zweiten hat Sally mir eine Menge über dich erzählen können. Und da keiner wusste, welche Blutgruppe du hast, haben wir das auch erstmal feststellen müssen." Ich wusste nicht mal selber, welche Blutgruppe ich habe, also fragte ich: "Und welche habe ich?" Er antwortete nicht direkt: "Am besten, ich stelle mich erstmal vor. Ich bin Azazel, man nennt mich auch den Fürst der Finsternis. In Wirklichkeit bin ich aber gar nicht so finster, wenn man von meiner Kleidung und meinem Wohnstil absieht", ein lächeln ging über sein Gesicht, "Weißt du, Saphir!? Vor 10 Jahren, bevor der Krieg zwischen den Sterblichen und Unsterblichen ausbrach, war ich unheimlich verliebt in eine Sterbliche, sie hieß Marie. Doch als der Todestempel geöffnet wurde und ich miterlebte, wie meine Vorfahren und viele andere Unsterbliche getötet wurden und wir mit gemeinsamen Kräften den Dämon wieder einsperren konnten, waren die Unsterblichen in Aufruhr. Sie wollten es nicht zulassen, dass soetwas wieder passiert und der Krieg wurde ausgerufen. Ich habe mich dann von Marie getrennt." Sein Blick wurde traurig. "Warum erzählst du mir das? Ich darf doch du sagen?", fragte ich. "Sicher darfst du das. Ich sage ja auch du", lächelte er, "Ja, warum erzähle ich dir das!? Als man deine Blutgruppe bestimmen wollte, war man recht erschrocken. Du hast nämlich keine der normalen Blutgruppen, du hast die eines Teufels. Saphir, du bist mein Sohn."

Gespräch mit Fürst Azazel

Ich war wie gelähmt, Fürst Azazel sollte wirklich mein Vater sein. Wir schwiegen eine Weile, dann fragte ich: "Warum hast du mich bei meiner Mutter gelassen?" Sein Blick wurde traurig und er wirkte bedrückt. "Ich habe nicht gewusst, dass Marie schwanger war. Obwohl sie mindestens im fünften Monat gewesen sein muss. Mir ist es nicht aufgefallen und sie hat mir auch nichts gesagt", erzählte er ruhig, "Als sie mit dem Ergebnis des Bluttestes kamen, war ich ziemlich erschrocken. Ich konnte erst gar nicht fassen, was sie mir da sagten. Dann bin ich aber zu dir und habe dir mein Blut gegeben. Erst da wurde mir eigentlich richtig klar, dass du mein Sohn sein musst." Er machte eine Pause, dann fuhr er fort: "Du warst sehr schwach und so war es sehr riskant dich gleich hierher zu bringen. Daher blieb ich erstmal dort, bei dir. Sally kam dann später zu mir und erzählte mir, was sie über dich und deine Vergangenheit wusste. Du hast ganz schön was durch gemacht, nicht wahr?" Ich nickte leicht. Wieder begann er: "Sally sagte, dass Chuck wohl wusste, dass du ein Unsterblicher bist. Woher wusste er das?" "Ich weiß es nicht. Es gab da mal einen Vorfall", ich brach ab. "Was für einen Vorfall?", fragte er. Ich antwortete nach kurzem Zögern: "Als wir bei Malek lebten, spielte ich mit den anderen Kindern draußen Verstecken. Ich fand sie ganz leicht, daher behaupteten sie, ich würde schummeln. Als ich wütend wurde, haben sich meine Augen rot gefärbt. Am Abend hörte ich dann durch Zufall einen Streit zwischen Onkel Chuck und Malek. Dadurch erfuhr ich zum ersten Mal, dass ich ein Unsterblicher war." "Verstehe", sagte er nachdenklich, "ich hoffe wir werden trotz allem eine glückliche Familie." Wieder nickte ich. Er lächelte.

Mir fielen jetzt die anderen wieder ein. "Was ist mit den anderen? Geht es ihnen gut?", fragte ich besorgt. "Es geht allen gut", antworte Azazel, "Du musst dir keine Sorgen machen." "Was ist mit Mike?", fragte ich als Nächstes. "Er ist bei Sally. Sie hat ihn mit zu sich genommen", meinte er, "allerdings finde ich, er sollte in eine richtige Familie seines Gleichen." Der Gedanke an sich war gut, aber es fiel mir unheimlich schwer, mich von Mike zu trennen. "Du kannst ihn dort ja besuchen", sagte er jetzt, als ob er meine Gedanken gelesen hätte, aber vielleicht konnte er das ja auch!? "Vater", sagte ich, wie eigenartig es doch war, ihn so zu nennen, "und was ist mit Sally, Amy und Samir? Kann ich die auch besuchen?" "Sicher", antworte er lächelnd, "Sally und Amy wirst du sogar sehr bald wieder sehen. Wir müssen nämlich den Friedensvertrag erneut abschließen." Achja, dass hatte ich fast vergessen.

Jetzt, wo ich überlegte, wer alles wieder dort sein würde, wurde mir erst richtig bewusst, was es bedeutete der Sohn von Fürst Azazel zu sein. Wenn ich mich recht aus dem, was ich über die Teufel wusste, entsinnte, dann wäre ich Fürst Azazels erstes Kind und somit sein Nachfolger. "So erschrocken darüber?", fragte er. Also doch, er konnte meine Gedanken lesen. "Das mit dem Gedanken lesen, lernst du auch noch. Aber vielleicht sollte ich dir jetzt erstmal etwas über dich und deine Familie erzählen."

Über mich als Teufel

Mein Vater begann zu erzählen: "Die Teufel sind die Mächtigsten unter den Unsterblichen. Schon früh haben wir viel mehr Kraft gegenüber den anderen. Von Generation zu Generation werden wir stärker, vorallem die in der Fürstenlinie. Trotzdem nehmen unsere Kräfte mit dem Alter weiter zu. Bis jetzt kam es nur einmal vor, dass ein Kind seinen Vater überholte. Ich bin stärker als mein Vater und leider der Einzige, der gegen Timorius ankommt." Ich war etwas verwundert. Timorius war so stark, obwohl er doch nur ein Hexer war. Wie konnte das sein!? Er setzte fort: "Zu Timorius erzähle ich dir später etwas, aber jetzt solltest du erstmal mehr über dich und deine Familie wissen. Als Fürst hat man dafür zu Sorgen, dass es allen Unsterblichen gut geht und ihnen kein Leid geschied. Außerdem trägt man Sorge dafür, die Seelen schlechter Menschen nach dem Tod zu reinigen, um ihnen als Wiedergeburt eine weitere Chance zu geben. Nutzen sie diese allerdings nicht, landen sie in der sogenannten Hölle. Ich würde es eher als das Nichts bezeichnen, denn dort gibt es nichts, nur die ewige Dunkelheit. Dann gibt es noch die 13 Siegel, die wir bewachen müssen. Alle Teufel wachen über die Siegel, allerdings kann nur der Fürst sie wieder versiegeln, wenn sie einmal gebrochen wurden. Aber zu den Siegeln komme ich ein anderes mal." Jetzt machte er eine Pause. Das waren jetzt eine ganze Menge Informationen auf einmal, aber es gab noch viel mehr. Allein schon die Bedeutung der 13 Siegel würde mich sehr interessieren. Warum mussten sie überhaupt bewacht werden!?

Er stand jetzt auf und ging ans Fenster. "Deine Eckzähne verändern sich nur langsam, das ist bei allen Teufeln so. Die Ansätze sind bei dir schon da. Mit etwa 14 Jahren sind die vollständig ausgeprägt. Allerdings machen mich deine Augen nachdenklich. Jeder Teufel hat rote Augen, es setzten sich immer die teuflischen Gene durch, deine sind aber blau. Jedoch könnte ich mir vorstellen, dass du die Augenfarbe wechseln kannst, Saphir. Du hattest ja selbst gesagt, dass du vor Wut rote Augen bekommen hast. Da müssen wir mal sehen, wie das bei dir ist!? Soweit ich weiß, hat man dir ja schon ein bisschen was über unsere Familie erzählt. Wir sind nur noch zu viert: Marduk, mein Bruder; Armand, sein Sohn; ich und du. Wie du merkst, sind alle männlich. Teufel können nur Söhne bekommen, niemals Töchter und die Kinder sind immer Teufel, niemals gehören sie dem Volk der Mutter an", erklärte er mir und drehte sich wieder zu mir um, "Nur deine Augen!? Die geben mir Rätsel auf. Ich verstehe nicht, warum du blaue Augen hast!? Mir fällt auch keine Erklärung dazu ein." Mein Vater kam wieder zu mir und setzte sich aufs Bett, er lächelte mich an: "Aber das ist ja auch nicht so wichtig. Jetzt ist erstmal wichtig, dass du deine Familie richtig kennenlernst und dich bei uns wohl fühlst. Alles andere kann danach kommen."

Das Zimmer

Er lies mich alleine und wollte später mit etwas zu warmen zu Essen wieder kommen. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich genauer im Zimmer umzuschauen. Allerdings durfte ich noch nicht aufstehen.

Links und rechts neben dem Bett standen kleine Nachttische aus Holz, auch sie schwarz. Auf dem Linken stand eine Kanne und daneben eine Tasse. Ich schenkte mir etwas ein, es war Tee und er war noch warm. Einen Schluck nahm ich, es war Kamillentee, nicht unbedingt mein Lieblingsgetränk. Ich schaute mich weiter um. Der Teppich war schwarz, die Wände waren schwarz sowie die Decke und die Fensterrahmen. Die Fenster befangen sich links von mir und rechts die Tür, auch im schwarz, aus Holz. Auf der Tür befanden sich allerdings wieder diese drei Vögel: Einer schwarz, einer gold, einer silber. Immer mehr drängte sich jetzt die Frage, was sie zu bedeuten hatten!? Neben der Tür standen links und rechts einige Kommoden, alle schwarz. Auf einer standen zwei Fotos. Allerdings konnte ich von hier nicht genau erkennen, wer darauf abgebildet war.

An der Wand mir gegenüber stand ein Bücherregal, auch es war schwarz. Es voll mit Büchern, die meisten mit schwarzen Umschlägen und silberner Schrift. Einige hatten auch dunkle, braue Umschläge mit weißer Schrift. Daneben stand eine kleine schwarze Couch und vor ihr ein gläserner Tisch. An der selben Wand, dicht neben dem Fenster, stand ein schwarzer Schreibtisch und vor ihm stand ein weich gepolsterter, schwarzer Holzstuhl. Auf dem Schreibtisch lag ein Buch mit schwarzem Umschlag, daneben ein schwarzes Tintenfass mit schwarzer Feder. Das Zimmer wurde duch einen goldenen Kronleuchter erhellt, der acht weiße Kerzen hatte. An der Wand hing noch ein Gemälde, es zeigte einen weißen und einen schwarzen Wolf in einem dunklen Wald. Besonders farbenfroh war das Zimmer nicht, aber ganz erträglich.

Ich legte mich jetzt wieder etwas hin, um mich auszuruhen. Nach einer Weile kam mein Vater mit dem Essen.

Der nächste Morgen

Wärend ich aß, erzählte er mir, dass Timorius entkommen sei. Beim Abschluss des Friedensvertrages würden daher jede Menge Wachen aufgestellt werden und alles streng kontrolliert. Das Treffen sollte in einer Woche stattfinden. Bis dahin sollte ich wieder auf die Beine kommen und meine Familie besser kennenlernen.

"Ich denke, du kannst morgen wieder aufstehen. Dann werde ich dir alles hier zeigen. Armand und Marduk wirst du dann auch kennenlernen und unseren treuen Diener und Freund. Das Schloss sollst du aber noch nicht verlassen, darauf möchte ich dich erst vorbereiten", erzählte er weiter. Vorbereiten!? Worauf denn!? Das kam mir jetzt schon eigenartig vor. Er lächelte mich wieder an.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich richtig gut, aber richtig fit war ich immernoch nicht. Mein Vater kam ins Zimmer und brachte mir schwarze Stiefel. Ich zog sie an und stand auf. Erst ein wenig wacklig, doch ich fand schnell wieder das Gleichgewicht. Er führte mich aus dem Zimmer, durch einen Flur mit vielen Türen, eine geschwungene Treppe hinab in die Eingangshalle, alles in schwarz. Die Treppe war rechts von der Eingangshalle und auf der anderen Seite war eine weitere. Das Zimmer musste also im rechten Flügel liegen. Wir gingen unter der Treppe hindurch in einen weiteren Flur mit vielen Türen. Wir gingen links in die dritte Tür in das Speisezimmer. "Guten Morgen", entgegenete uns eine Stimme. "Morgen", erwiederte mein Vater, "Wo ist Armand?" "Der kommt gleich", antwortete er. Das musste dann wohl Marduk sein. "Guten Morgen Saphir", sagte er jetzt, "Ja, ganz recht, ich bin Marduk." "Morgen", entgegnete ich überrumpelt. Schlimm, dass die alle Gedanken lesen können. Ich fühlte mich dabei nicht ganz wohl. Im Prinzip musste man gar nichts mehr sagen, weil sie ja eh schon wussten, was man dachte. "Komm setz dich", meinte mein Vater und zeigte dabei auf einen Stuhl. Er setzte sich an den Kopf des Banketttisches, links neben ihm saß ich und rechts Marduk.

Marduk hatte längere Haare als Azazel, aber auch sie waren schwarz. Logischer Weise hatte auch er rote Augen und ähnliche schwarze Kleidung. Die Tür ging auf und ein junger Teufel trat herein. Ich würde ihn auf das selbe Alter, wie Samir schätzen. "Guten Morgen", begrüßte er uns. "Morgen", entgegneten wir. "Da ist ja unser kleiner schwarzer Prinz. Siehst schon viel besser aus, Saphir", sagte er und setzte sich dann neben Marduk, "Ich bin Armand und bin 19 Jahre alt." Seine schwarzen Haare gingen etwas über die Ohren und auch er hatte rote Augen. Die Kleidung ähnlich wie bei Marduk und meinem Vater. Wir frühstückten zusammen. "Wie gefällts dir bis jetzt hier?", fragte mich Marduk. "Ganz gut", antwortete ich, "allerdings etwas eintönig." Armand lachte, auch Marduk und mein Vater mussten darüber lächeln.

Das Schloss

Nach dem Frühstück gingen mein Onkel Marduk und mein Vater ihren Erledigungen nach. Armand sollte mir in der Zwischenzeit das Schloss zeigen. Zuerst zeigte er mir Zimmer in diesem Gang. Wir fingen von der Eingangshalle aus an, damit ich mir alles besser einprägen konnte. Der Flur hatte sechs Türen rechts und acht links. Die Türen hatten äußerlich keinen Unterschied, alle waren sie schwarz und aus Holz.

Wir begannen mit der ersten Tür links. In dem Raum plätscherte ein kleiner Springbrunnen. Das Wasser lief durch die Rillen der einzelnen Steine, die im ganzen Raum als Fußboden verlegt waren. Die Wände waren genauso schwarz, wie überall bisher, auch die Decke. Allerdings waren die Steine weiß und schienen ein wenig zu leuchten. Über dem Brunnen hing wieder ein goldener Kronleuchter mit weißen Kerzen. "Dein Vater kommt manchmal hierher um nachzudenken", erklärte mir Armand, "Er meint durch das Plätchern des Wassers könnte er sich von allen anderen Gedanken befreien." Hübsch war der Raum, aber betreten wollte ich ihn trotzdem nicht. Ich hasste Wasser und vermutlich war es auch noch kaltes. Da Armand nichts sagte, wollte ich nun etwas wissen: "Kannst du auch Gedanken lesen?" "Nein", antwortete er und lächelte, "Zum Gedanken lesen brauch man viel Übung. Bei unseren Vätern ist das inzwischen reine Rutine. Ich lerne seit 3 Jahren, man fängt mir 16 Jahren an. Mit 16 Jahren kann man nämlich voll auf seine magischen Kräfte zugreifen." Sowas ähnliches hatte schonmal Sohpie zu mir gesagt.

Wir schlossen die Tür und gingen zu dem Zimmer gegenüber. Es schien sich um ein Arbeitszimmer zu handeln. Ein schwarzer Schreibtisch stand darin, ein großes Bücherregal und einige Pflanzen. Nur ein kurzer Blick, dann gingen wir zum Raum daneben. Auch hier befand sich ein Arbeitszimmer, fast genauso eingerichtet, nur anderes platziert. Das Zimmer gegenüber war mit vier schwarzen, kleinen Holztischen ausgestattet, an denen jeweils zwei schwarze, gepolsterte Holzstühle standen. Auf den Tischen stand jeweils ein Schachbrett. "Das ist das Schachzimmer", sagte Armand, "Wir spielen ganz gerne mal Schach. Kannst du Schach spielen?" Ich schüttelte den Kopf. "Macht nichts, das lernst du schnell und dann gefällts dir sicher", meinte er. Daneben war das Esszimmer, in dem wir vorher gefrühstückt hatten.

Armand ging jetzt gleich zur nächsten linken Tür und erklärte mir, dass auf der rechten Seite, alle sechs Zimmer Arbeitszimmer waren. Das Zimmer war fast schon ein kleiner Wald. Die nächste Tür gehörte auch noch mit dazu. Ich sah einen schwarzen Falken in einem der Bäume sitzen. Alle Bäume waren recht klein, da die Decke nicht höher war. Dieses Zimmer wurde mit modernem Licht beleutet. "Hier halten wir unsere Falken", erklärte er mir wieder, "es sind aber keine gewöhnlichen Falken, sondern magische. Die Falken bringen unserere Briefe zu anderen Unsterblichen, egal wo sich diese befinden. Danach kommen sie mit der Antwort zurück." So war das, aber woher die Vögel wohl wussten, wo sich der gewünschte Empfänger befand!? Die nächsten drei Türen gehörten zur Bibliothek. Sie war riesig, noch größer als die bei Sally. Die Bücher waren alle in der Sprache der Alten geschrieben. "Hier kannst du dich später genauer umschauen und wirst auch so manchen Tag lernen müssen", sagte Armand, "Aber keine Sorge, die erste Zeit lernst du von deinem Vater und später selbstständig."

Den Flur hatten wir abgeschlossen, also gingen wir zurück zur Eingangshalle. Von dort aus, gingen wir wieder die Treppe hinauf. Mein Zimmer war das dritte von rechts, gleich neben an, war das meines Vaters. Die restlichen Zimmer waren Gästezimmer. Alle Räume waren ähnlich eingerichtet. Wieder zurück durch die Eingangshalle gingen wir nun die andere Treppe hinauf. Armands Zimmer war das vierte von links und Marduks war gleich daneben. Auch hier war der Rest für Gäste bestimmt und alles ähnlich eingerichtet. Wieder zurück in die Eingangshalle gingen wir durch die Tür, welche sich zwischen den beiden Treppen befand. Wir kamen in einen ründlichen Raum mit 13 Forten. "Das hier sind die 13 Siegel", sagte er stark betont. Auf jeder der Forten war ein anderes Bild zu sehen. Die ersten sechs waren in Gold und die nächsten sechs waren in Silber dargestellt. Von links begann es mit einem Alder, dann ein Baum, eine Maus, ein Hund, ein Bär, die Sonne, der Mond, ein Wolf, eine Katze, eine Eule, eine Fledermaus, eine Ratte und zuletzt der Vogel, der sonst immer zu dritt abgebildet wurde. Allerdings war er in keiner der üblichen Farben dargestellt, er war eisblau.

"So, dass wars", sagte Armand. "Wie das wars? Wir waren doch noch gar nicht in dem rechten Flur unter der Treppe", antwortete ich verwundert. "Das sind die Zimmer der Bediensteten", meinte er darauf, "Der Bereich ist extra nur für sie. Die Tür neben der rechten Treppe führt zur Küche und die neben der linken zum Bad. Mehr Zimmer gibt es hier nicht, aber reicht auch völlig." Das stimmte allerdings, es waren eigentlich schon viel zu viele Zimmer. Wer brauchte schon sechs Arbeitszimmer und über ein Duzend Gästezimmer!? Da viel mir ein, dass ich noch keinen einzigen Bediensteten gesehen hatte. Wie eigenartig es doch war.

Diener und Wachen

Armand ging mit mir in die Bibliothek. Er wollte mir ein paar Bücher zeigen. Obwohl die Bibliothek so groß war, wusste Armand genau, wo er die Bücher fand. Die Bücher, die er mir zeigte, waren von Mephisto verfasst worden. Sein ganzen Leben war darin verfasst. Es waren fünf sehr dicke Bücher. Er legte eins auf einen Pult und fing an darin zu blättern. "Schau hier, Saphir. Mephisto hat genau beschrieben, wie Timorius sich damals verändert hat. Er war mal sehr gütig und setzte sich für die Leute ein", erzählte Armand und zeigte dabei auf die Zeilen. Er sprach weiter: "Doch dann, als Mephisto sich verliebte und einen Sohn haben wollte, wurde Timorius immer eigenartiger. Er vergass seine Pflichten und wiedersprach Mephisto, wo er nur konnte. Samuel geboren wurde und Mephisto zu Ehren seines Sohnes eine Feier abhielt, wurden Timorius Augen pechschwarz." Sein Blick schwankte dann zu mir. "Den Teil kenne ich schon", sagte ich. "Ja, ich weiß", bestätigte er, "Amy hat es dir erzählt. Samuel war übrigens unser Großvater. Ich kann mich aber kaum noch an ihn erinnern."

Die Tür ging auf und ein Dämon mit Flügeln trat herein. Allerdings sah er nicht aus, wie die anderen Dämonen mit Flügeln, die ich bisher gesehen hatte. Er war viel muskulöser, ging aufrecht und größer. "Guten Tag Armand und guten Tag Prinz Saphir. Ihre Väter sind soeben zurück gekehrt. Sie sind im Garten", verkündete er und machte danach eine Verbeugung und ging wieder. "Achja, der Garten!", schrie Armand fast, "Denn hab ich dir ja ganz vergessen zu zeigen. Komm mit." Wir gingen aus dem Zimmer heraus und in das letzte Arbeitszimmer. Dort befand sich eine Tür durch die wir in den Garten gelangten. Es war wunderschön. Eine breite grüne Wiese, die rechts und links einige Rosenbeete hatte. Alle Rosen waren blau. Ein paar Bäume standen auf der Wiese, die Schatten spendeten.

Mein Vater kam sogleich auf mich zu. "Wie gefällts dir hier Saphir?", fragte er. "Ganz gut", antwortete ich. "Du hast ja eben schon Gorn kennen gelernt. Unser treuster Diener und Freund. Wir haben hier eine Menge Dämonen und ich weiß, du hast eine Menge durch gemacht, aber keiner dieser Dämonen wird dir je etwas tun oder etwas gegen seine Anweisung. Ich würde sie dir gerne zeigen, aber weiß nicht, ob du dazu schon bereit bist. Anstonsten verschieben wir das. Naja, eigentlich wollte ich es nicht heute machen, aber wenn du meinst, dass du soweit bist, dann zeige ich sie dir", er lächelte. Ich überlegte kurz. War ich dazu wirklich bereit. Ich würde wahrscheinlich Dämonen sehen, die genauso waren, wie die damals bei Tante Lilly. Es tat weh daran zu denken, aber ich nickte schließlich. Wir gingen alle gemeinsam ums Schloss und er zeigte mir immer wieder, wo die Dämonen sich befanden. Es waren genau solche Dämonen, wie damals. Einige mit Flügeln, einige ohne. Ich fühlte mich etwas unsicher un mein Vater legte den Arm um mich.

Der Tag vor dem Treffen

Zwei Wochen vergingen. Ich gewöhnte mich langsam an das Leben als Teufel. Mein Vater hatte mit mir die Lektionen begonnen. Vorallem viel Geschichte, Magie und die verschiedenen Dämonenarten. Alles musste ich in der alten Sprache lernen. Mein Vater wusste immer sofort, wenn ich etwas nicht verstand. In dem Fall war das Gedankenlesen praktisch. Später sollten noch Lektionen über die verschiedenen Völker folgen. Für die 13 Siegel wäre es noch zu früh.

Bei den Geschichtslektionen hatten wir beim ersten Fürsten begonnen. Es gab bereits 11 Fürsten vor meinem Vater. Die meisten hatte mein Vater nicht gekannt, weil sie bereits tot waren. Auch durch diesen Dämon, der im Tempel eingesperrt ist. Zu damaligen Zeiten lief dieser nämlich noch frei herum und ehe es einer schaffte ihn einzusperren vergingen viele Jahrtausende. Vier seiner Vorgänger kannte mein Vater. Samuel und Mephisto lebten mit hier im Schloss, die anderen beiden hatten sich in einen Tempel zurück gezogen. Leider sind sie ja nun alle tot.

Morgen würden wir uns im Tempel des Friedens mit den anderen Herren und Herrinnen der Völker treffen und natürlich mit der Königin Amelia. Der Friedensvertrag musste neu aufgesetzt werden. Es würde aber sicher nicht so lange dauern, wie beim letzten Mal, da die wesentlichen Inhalte bekannt waren. Amy und Sally würde ich dort dann auch wieder sehen. Wie das ganze wohl ablaufen wird!?

Gorn trat herein und verkündete: "Marius, der Herr der Hexer, wünscht euch zu sprechen Fürst Azazel. Er wartet in der Eingangshalle." Was der wohl jetzt wollte!? Gorn machte eine Verbeugung und ging. Mein Vater erhob sich. "Ich werd dann mal schauen, was er will", er lächelte, "Saphir, du kannst schon etwas im Buch weiter blättern, wenn du magst." Und schon verschwand er aus der Bibliothek. "Denk nicht so lange drüber nach, Saphir", sagte Marduk, "Marius und dein Vater sind gute Freunde. Es kann auch was total unwichtiges sein." Ich blätterte weiter im Buch und schaute mir einige wahrscheinlich wichtige Daten an. Bis wir zu dem Teil mit Timorius kommen würden und dem was danach geschah, würde es noch einge ganze Weile dauern. Dabei interessierte mich das sehr, aber mein Vater wich immer aus, wenn ich das Thema ansprach und auch Marduk und Armand gaben mir keine Auskunft. Schon irgendwie eigenartig. Was wohl geschehen war!?

Nach einiger Zeit kam mein Vater wieder. "Und was war?", fragte Marduk. Er wirkte etwas bedrückt, doch antwortete dann: "Einer der Hexer hat Timorius in der Nähe des Tempel des Friedens rumschleichen sehen." "Willst du das Treffen absagen?", fragte Marduk wieder. "Nein!", sagte mein Vater sofort, "Es wird alles wie planmäßig ablaufen. Uns war schon vorher klar, dass Timorius nicht ruhig abwarten wird. Ich werd noch ein paar Wachen mehr aufstellen lassen für morgen, um ganz sicher zu gehen." Hoffentlich passierte morgen nichts. Das letzte Treffen war auch bewacht worden, allerdings nicht so intensiv.

Das Treffen

Die Sonne war bereits aufgegangen. Ich knöpfte noch das schwarze Hemd oben zu, zog mir die schwarzen Stiefel an und warf mir den schwarzen Umgang mit dem goldenen Rand um. Die Brosche des Umhangs musste ich noch vorne zu machen, sie zeigte die drei Vögel. Mein Vater trat herein und richtete nochmal meine Sachen. "Dann wollen wir mal", sagte er und schaute mich mit einem strahlenden Gesicht an. Wir verließen das Zimmer und gingen nach unten in die Eingangshalle. Marduk und Armand warteten dort bereits. Gorn fragte noch, wann er uns zurück erwarten dürfte. Marduk meinte wohl gegen Abend.

Mein Vater öffnete die Tür und wir gingen hinaus. Jetzt breitete er die Arme aus und um uns herum erschien ein wundervoller Glanz. Es sah fast so aus, als würden tausende Glühwürmchen um uns herum tanzen und es wurden immer mehr bis man nur noch Licht sah. Dann verschwand das Licht und wir standen vorm Tempel des Friedens. Ich lief neben meinem Vater und wir schritten in dem Tempel hinein, hinter uns Marduk und Armand. Alle waren sie schon da. Die Unsterblichen verneigten sich alle und Vater nickte ihnen freundlich entgegen. Es war schon komisch von allen angeschaut zu werden, man fühlte sich immer beobachtet. Wir begrüßten Königin Amelia und ihre Tochter Dana. Königin Amelia und mein Vater setzten sich gegenüber hin. Dana ging dann zu einem Wachen von Königin Amelia. Ich ging mit Marduk und Armand auch ein Stück nach hinten. Vater fing an mit einer Feder alles auf zu schreiben. Königin Amelia ging immer wieder die einzelnen Punkte durch. Sie wollte ganz sicher gehen, dass alles seine Richtigkeit hatte.

Ich schaute zu Sally herüber, sie lauschte ganz konzentriert dem Geschehen. Danach sah ich zu Amy, auch sie schaute den Verhandlungen zu. Wie schön sie doch war. So gerne wäre ich zu ihr gegangen und hätte mit ihr geredet, aber der Friedensvertrag war jetzt wichtiger. Königin Amelia ließ nochmals ihre Tochter den Vertrag lesen, bevor sie sich ganz einverstanden damit gab. Sie setzte ihre Unterschrift, dann mein Vater seine. Der Friedensvertrag wurde verlesen. Die Herren und Herrinnen der einzelnen Völker unterschrieben. Der Vertrag war gültig. Das Original sollte sicher verwart werden, eine Kopie gab es jeweils für Königin Amelia und uns. Mein Vater würde den Vertrag hier im Tempel magisch versiegeln. Gerade als er dieses tun wollte, schlug man draußen Alarm. Mit einem großen Knall flogen die Türen des Tempels auf und ein Dämon flog tot und total zerfetzt herein. Ihm folgten unzählige Dämonen, die nicht zu uns gehörten. Die Unsterblichen schleuderten ihnen sofort Energiekugeln entgegen. Marduk und mein Vater machten eine Handbewegung und jeder hatte ein schwarzes Schwert in der Hand. Beide töteten in einer wahnsinns Geschwindigkeit Dämonen. Armand hielt mich am Arm fest und wehrte die paar Dämonen ab, die durch kamen. Marduk und Vater schlugen Köpfe ab, spalteten diese oder schlugen die Dämonen einfach in zwei. Das Blut floß nur so. Marius und Sophie verteidigten zusätzlich noch Königin Amelia. Was für eine Kraft sie doch hatten. Immer wieder schoßen sie gleich mehrere Energiekugeln auf die Dämonen oder erzeugten sogar ganze Energiefelder. Kainer und sein Sohn hatten auch ganz schön Kraft. Die Dämonen schoßen ununterbrochen durch den Eingang. Es schien überhaupt kein Ende zu geben. Ich schaute auf den Eingang. Zwischen den Dämonen trat eine dunkle Gestalt herein, Timorius. Bevor Timorius sich um jemand anderen kümmern konnte, trat mein Vater schon gegen ihn an. Allerdings ohne Schwert, dass würde bei ihm wahrscheinlich nicht viel helfen. Marduk musst jetzt mehr Dämonen übernehmen. Man sah, dass es ihm ganz schön zusetzte. Es kamen auch immer mehr Dämonen zu uns durch und Armand tat sein bestes. Ich versuchte ihn zu unterstützen und schoß auch mit einigen Energiekugeln. Die Situation schien aussichtslos. Mein Vater und Timorius setzten sich ordentlich zu. Tätsächlich mussten sie gleichstark sein. Timorius versuchte jede Gelegenheit auszunutzen auch andere zu attackieren, aber Vater wehrte seine Attacken immer wieder ab. Doch dann machte er wieder diese erschreckende Handbewegung. Er erwischte voll Marduk, der an die Wand knallte. Man sah ihm die Schmerzen an, aber er stand wieder auf und tötete wieder unzählige Dämonen. Der Dämonenandrang wurde langsam weniger, es kamen nicht mehr so viele durch den Eingang. Timorius machte die Handbewegung jetzt gegen meinen Vater, der jedoch mit beiden Händen sie auffing und nur ein Stück zurück geschoben wurde. Vater zeigte mit zwei Fingern auf Timorius. Man sah regelrecht die Energie, die sich um ihn sammelte. Timorius wollte noch auf ihn zu gegen, aber dann wurde er von Blitzen umringt, die ihm scheinbar ganz schön zusetzten. Er schrie und dann befreite er sich mit einer gigantischen Energie. Sie sahen beide ganz schön geschafft aus. Über Timorius Gesicht ging ein fieses Grinsen, die Handbewegung folgte. Vater versuchte noch dazwischen zu gehen, aber wieder traf sie Marduk, der ein weiters Mal gegen die Wand knallte. Er sank auf die Knie und kam nicht mehr hoch. Armand ließ mich los und wehrte die Dämonen ab, die jetzt vermehrt auf Marduk losgingen. Jetzt hatte ich alle Hände voll zu tun mich selbst zu verteidigen. Ganz schön schnell kamen die Dämonen immer wieder. Durch einen Angriff von mir, waren sie meist nicht K.O. Ich hörte meinen Vater rufen, konnte aber nicht nach ihm schauen. Es waren einfach zu viele. Schließlich war ich nicht schnell genug und einer der Dämonen stürtzte mich zu Boden. Ich stieß ihn mit einer Energiekugel fort, doch ehe ich mich aufrichten konnte, war schon der nächste da. Immer und immer wieder versuchte ich wieder hoch zu kommen, doch die Dämonen waren schneller. Die Panik machte sich in mir breit und ich schrie nach meinem Vater. Ich wusste natürlich, dass es so ziemlich unmöglich war, dass er mir jetzt helfen konnte und doch schrie ich. Meine Attacken liefen weiterhin ins Nichts, ich schloß die Augen, spürte meine ganze Angst, hörte jedes Wort das gesagt wurde, die Kampfgeräusche waren ganz und gar verschwunden. Ich hörte nur noch die Worte und Armand, der verzweifelt versuchte seinen Vater zu beschützen. Meine Angst verschwand, ich wollte nur noch eins, Armand helfen. Mit einer gewaltigen Energiewelle befreite ich mich von den Dämonen. Ich wusste zwar nicht, wie ich das gemacht hatte, aber ich stand wieder auf den Beinen. Sofort rannte ich zu Armand und schlug einen Dämon nach dem anderen nieder und dieses mal standen sie nicht wieder auf, obwohl ich nur mit der Faust zuschlug. Es wurden immer weniger Dämonen und als auch der letzte zu Boden ging, machte sich auch Timorius aus dem Staub.

Armand starrte mich erstaunt an. "Deine Augen", sagte er, "sie sind tatsächlich rot."

Zwei Augenfarben

Mein Vater ging auf Marduk zu und heilte seine Wunden. Dann schaute er sich Armand an und heilte auch seine. "Bist du verletzt, Saphir?", fragte er mich jetzt. Nach kurzem Überlegen antwortete ich: "Nur ein paar Kratzer, glaub ich." Ein Lächeln ging über sein Gesicht und er heilte meinen Wunden. Er schaute einmal rum und nahm dann den Friedensvertrag, um ihn endlich zu versiegeln. Vater säuberte mit einer Handbewegung den ganzen Tempel von dem vielen Blut des Kampfes und den Leichen der Dämonen. Wir verließen den Tempel. Königin Amelia und ihre Tochter stiegen in die Kutsche. Die langen, dunkelbraunen Haare gleiteten leicht im Wind daher. Dann ging die Kutschtür zu und sie fuhren fort. Marduk und mein Vater verabschiedeten sich von den Herren und Herrinnen der verschiedenen Völker und dann verschwanden auch wir mit dem gleichen Zauber, mit dem wir auch gekommen waren.

Im Schloss angekommen begrüßte uns Gorn freundlich und fragte, ob er aufdecken lassen sollte. "Später", antwortete mein Vater kurz. Wir gingen trotzdem ins Speisezimmer. "Saphir", sagte er jetzt, "was hat Chuck damals getan, damit deine Augen wieder grün wurden?" Ich erinnerte mich gut daran: "Er gab mir kaltes Wasser." Vater sah jetzt sehr nachdenklich aus, Marduk schien das Thema auch zu befassen. Armand klärte mich auf: "Es ist ungewöhnlich, dass du in dem Alter schon solche Kräfte hast. Wir vermuten jetzt, dass nicht nur deine Augenfarbe wechselt, sondern auch deine Kräfte dadurch zunehmen. Allerdings wissen wir nicht warum, deswegen sind unsere Väter so nachdenklich." Achso war das. Ob es wohl etwas damit zu tun hatte, dass ich keine kalten Sachen mochte und besonders kein Wasser!? Warum war ich bereits jetzt so stark!? Der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Ich ging schließlich nach oben auf mein Zimmer. Dort schaute ich aus dem Fenster und dachte über den Kampf heute nach. Was war eigentlich passiert!? Meine Angst hatte überhand genommen und dann waren meine Gedanken nur noch darauf konzentriert Armand zu helfen. Aber warum haben sich dann meine Augen rot gefärbt!? Woher kam diese Kraft!? Ob Vater eine Erklärung hat!? Ich schaute jetzt die drei Vögel auf der Tür an. Und was ihr zu bedeuten habt, weiß ich auch noch nicht oder was die 13 Siegel verbergen. Meine Schritte waren kaum zu hören auf dem Boden. Ich zog die Schuhe aus und ließ mich auf das Bett fallen in Richtung Decke starrend.

Nach einer Weile kam mein Vater herein. "Saphir, ich würde gerne mit dir etwas testen", meinte er. Ich nickte und folgte ihm. Wir blieben vor dem Raum mit dem Brunnen stehen. Er machte die Tür auf und ging voraus, dann winkte er mich rein. Mir gefiel das gar nicht, soviel Wasser. "Du magst kein Wasser", stellte er fest. Ich nickte. "Na komm", sagte er, "es wird dich nicht umbringen." Nach kurzem Zögern trat ich doch hinein. "Tauch mal deine Hand in den Brunnen", forderte er mich auf. Davon war ich wenig begeistert, aber tat es dann doch. Er nahm jetzt eine Kerze: "Geh mit den Hand über die Flamme. Keine Sorge, ein Teufel kann sich nicht verbrennen." Auch diese Anweisung befolgte ich. Die Hand war wieder ganz trocken, obwohl ich nur kurz durch die Flamme geglitten war. Er nahm meine Hand und lächelte leicht. Und nun!? Was hatte das zu bedeuten!? "Ganz einfach", sagte er wieder meine Gedanken lesend, "du hast eine besondere Gabe und dadurch erklärt sich jetzt auch deine Fähigkeit die Augenfarbe zu wechseln. Das müssen wir nur noch unter Kontrolle bringen. So jemand, wie dich, wird nur selten geboren und kommt nur unter den Teufeln vor. Man nennt sie die Hüter des Feuerphönix."

Gespräch mit Armand

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging ich etwas in den Garten. Ich atmete die frische Luft ein. Heute würde ich mit den theoretischen Inhalten über die Phönixvögel beginnen. Es gab einige Aufzeichnungen der früheren Hüter. Hoffentlich brachten mir diese auch was. Armand war heute früh nicht da gewesen, er soll wohl die ganze Nacht weg gewesen sein. Was er wohl so treibt!? "Saphir", erklang Armands Stimme hinter mir, "hast du mich vermisst?" Ich drehte mich um und schaute nach oben. Da stand er auf dem Dach und mich hätte es fast vor Schreck von den Füßen gehauen. Er hatte lange schwarze Schwingen. Es sah wunderschön aus. "Hast dich erschrocken was!?", lachte er, "mit 16 Jahren haben Teufel und auch Engel die Fähigkeit sich Flügel zu erschaffen, aber die Engel haben kleinere, weiße Flügel. Schweben kann jeder Unsterblicher, aber fliegen ist ein ganz anderes Gefühl." Die Flügel lösten sich auf, dabei gleiteten die Federn zu Boden und zerfielen in schwarze Funken, die gleich wieder verschwanden. Er sprang zu mir runter. "Ich hab das Frühstück verpasst, nicht wahr?", fragte er. "Ja", antwortete ich, "wo warst du eigentlich?" "Bei Gabriel, er ist ein guter Freund von mir. Wir haben die ganze Nacht gequatscht und uns amüsiert. Mit den Flügeln komme ich da schneller hin, als mit dem Pferd oder zu Fuß", erzählte er mir und dann gingen wir rein und in die Küche. Armand schnappte sich etwas Brot und Käse und setzte sich dann hin. Ich nahm ihm gegenüber Platz. "Wann will Azazel mit dir die Bücher durchgehen?", wollte er wissen. "In ca. einer Stunde, aber vielleicht kannst du mir ja schon ein bisschen was erzählen!?", meinte ich dazu. "Ich hab keine Ahnung davon. Weiß eigentlich selbst kaum was darüber. Hat uns bis jetzt nicht so sehr betroffen. Azazel hat sich zwar mit um die beiden anderen Hüter gekümmert, aber ich musste mich damit noch nicht auseinader setzen", erzählte er schulterzuckend. Das hatte ich mir schon fast gedacht, obwohl ich ja gehofft hatte, dass er durch die Freundschaft zu Gabriel vielleicht irgendwas wusste.

Die drei heiligen Vögel

Ich verstand nicht wirklich, was das zu bedeuten hatte. Der Hüter des Feuerphönix, was ein Phönix war, wusste ich, aber ich hatte das immer nur für ein Märchen gehalten. Ein Vogel, der aus seiner Asche wieder zu neuem Leben auferstehen kann. Und was hatte ich jetzt damit zu tun!? "Komm, Saphir", sagte mein Vater. Wir gingen wieder auf mein Zimmer. "Hier können wir in Ruhe reden", meinte er, "siehst du die drei Vögel auf deiner Tür?" "Ja", sagte ich leise. "Der goldene in der Mitte ist der Feuerphönix", erklärte er mir, "der Silberne ist der weiße Phönix und den in schwarzem Mamor nennt man den schwarzen Phönix. Jeder für sich hat eine besondere Kraft und alle zusammen behüten sie diese Welt." Er machte ein Pause. Wenn ich der Hüter des Feuerphönix bin, dann müsste es ja auch Hüter für die anderen beiden Phönixvögel geben!? Mein Vater nickte und setzte fort: "Der Hüter vom Feuerphönix ist immer ein Teufel, es gab auch mal eine Zeit, wo es mehrere Hüter gab. Der Hüter des weißen Phönix ist ein Magier oder ein Engel und der des schwarzen Phönix ein Hexer oder ein Teufel. Auch hier kann es mehrere Hüter geben, doch im Moment gibt es jeweils einen." Wieder unterbrach er. Ich würde sicher die anderen beiden Hüter kennen lernen, immerhin gehörten die drei Phönixvögel auch zusammen. "Ja", bestätigte er, "die anderen beiden sind schon älter als du und haben ein wenig Erfahrung. Doch keiner der beiden hat es bis jetzt geschafft einen Phönix zu rufen." "Wer sind denn die anderen Hüter?", wollte ich jetzt wissen. "Einen kennst du schon, der tut sich allerdings sehr schwer damit. Samir ist der Hüter des schwarzen Phönix", erzählte er ruhig, "und der Hüter des weißen Phönix ist Camilla, die Tochter von Kainer." "Kainer hat doch auch einen Sohn", fügte ich hinzu, aber bevor ich fortsetzen konnte mit meiner Frage, beantwortete sie schon mein Vater: "Gabriel ist Kainers Sohn, dass stimmt und er ist auch sein Nachfolger. Camilla wurde als zweites Kind von Kainer geboren. Man muss bedenken, dass Gabriel bereits 68 Jahre alt ist, Camilla gerade mal 23." Das hätte ich nie gedacht. Ich würde ihn eher auf 17 oder 18 Jahre schätzen. Vater lächelte. "Unsterbliche altern nun mal nicht so schnell und älter als ich oder Marduk kann man eh nicht aussehen", erklärte er immernoch lächelnd. Eigentlich hätte mir das selbst klar sein müssen, denn meinen Vater könnte man zwischen 30 und 40 Jahre schätzen, älter sicher nicht. "Wollen wir wieder zu Marduk und Armand gehen?", fragte er jetzt nach kurzem Schweigen. Erst nickte ich, doch dann viel mir etwas ein: "Auf einer der 13 Siegel ist doch auch ein Phönix oder etwa nicht?" Er sah nicht sehr glücklich über diese Frage aus, aber er antwortete dann mit einem bedrückten Gesichtsausdruck: "Es waren oder eigentlich sind es noch vier Phönixvögel, allerdings...", er brach ab.

"Allerdings?", fragte ich nach. "Der Eisphönix ist unten eingesperrt", fügte er jetzt hinzu. "Warum?", hackte ich nach. "Früher oder später hätte ich es dir eh erzählen müssen", meinte er nachdenklich, "vor vielen tausend Jahren wurde er eingesperrt, noch vor meiner Zeit. Mephisto war es, der den Eisphönix hinter eines der 13 Siegel sperrte. Zuvor waren es nur 12 Siegel gewesen. Das hatte er nicht gern getan, aber ihm blieb nichts anderes übrig. Du musst wissen, Saphir, der Phönix an sich ist nicht gut oder böse, sein Handeln macht das des Hüters aus." Wieder brach er ab, doch konnte ich es mir schon fast denken: "Timorius ist der Hüter des Eisphönix." Er nickte: "Und leider der einzige Hüter des Eisphönix. Daher auch seine Kräfte." So langsam verstand ich das. "Jetzt gehen wir aber nach unten", er versuchte dabei zu lächeln, aber man sah ihm an, dass das Thema ihn noch sehr beschäftigte, "morgen werden wir dann ein bisschen Phönixkunde machen. Du musst eine Menge lernen und das meiste selbstständig, ich kann dir dabei nicht viel helfen." Ich nickte und lächelte: "Ich schaff das schon, Vater."

Wechseln der Augenfarbe

Wir gingen zusammen in die Bibliothek. Mein Vater hatte schon ein Buch für mich rausgesucht. "Es ist das Buch des letzten Hüter des Feuerphönix. Hier sind viele Aufzeichnungen drin", erklärte er mir und reichte mir das Buch. Es war sehr dünn und da sollten viele Informationen drin stehen!? Er lächelte, da war doch was faul!? "Wenn du die Seiten alle gelesen hast und das Buch dann zu schlägst und vorne wieder aufschlägst, geht es weiter. Das Buch ist mit einem Zauber belegt", erzählte mir jetzt. Armand und Marduk gingen wieder aus der Bibliothek. "Wo gehen sie hin?", fragte ich sogleich. Er sagte lächelnd: "Gedankenlesen üben."

Gleich zu Anfang wurde beschrieben, wozu man die Augenfarbe wechseln konnte. Es diente dazu, um unbemerkt zu bleiben, wenn man es wollte. Allerdings waren die Augen sonst immer rot. Naja, meine waren ja jetzt auch rot und wenn ich wieder etwas kaltes trinken würde, dann wären sie sicher wieder blau. Im Buch beschrieb er genau, wie man die Augenfarbe wechselte. Wir fingen auch gleich an zu üben und nach ein paar Versuchen klappe es recht gut.

Nach vier Tagen lesen und üben besuchten wir die Hexer. Marius und mein Vater unterhielten sich über alles mögliche. Ich hatte Gelegenheit mit Amy zu reden. Sie erzählte mir so einiges, was in letzter Zeit so passiert war. Sie sollte schön von Sally grüßen und Mike war jetzt in einer Familie unter Sterblichen. Sie gab mir die Adresse, ich danke ihr. Wir redeten noch eine ganze Weile, so wie sich gute Freunde halt unterhalten. So gern wäre ich mehr für sie, als nur ein guter Freund. Die Tür ging auf und Samir kam herein. "Hey Saphir, hast du es auch mal hier her geschafft?", er grinste breit, "dachte schon du hast mich vergessen." "Nein", sagte ich, "ganz sicher nicht." "Fürst Azazel" sprach er ernst und verbeugte ich, "Marius" und wieder eine Verbeugung. "Setz dich Samir", sagte Vater, "wie weit bist du inzwischen mit dem Buch?" Seit dem letzten Mal um einiges weiter", antwortete er. "Hast du deine Kräfte inzwischen unter Kontrolle?" fragte Vater weiter. "Ja, es geht", meinte er, "aber das kann ich ja nachher zeigen oder ist die Zeit heute so knapp?" "Nein im Gegenteil, ich würde mich freuen. Saphir könnte dir dann gleich zuschauen. Er ist nämlich der Hüter des Feuerphönix", erklärte ihm mein Vater. Samir grinste breit: "Ach, auch einer der Unglücklichen. Na dann viel Spaß noch." Das hörte sich nicht gerade aufbauend an, aber dass war ich von Samir schon gewöhnt.
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BeitragThema: Re: Magicworld (oder auch "Saphirs Tagebuch")   05.01.17 22:15

Schwarzes Feuer

Wir gingen raus auf die Wiese, genau die Selbe, wie damals Saint mit mir. Er fing erst mit etwas Kleinem an, wie er selbst sagte. Schwarzes Feuer ließ er um seine Hände tanzen und als er die Hände wieder schloss, war das Feuer verschwunden. Dann zeigte er uns, dass er sich in Feuer hüllen konnte, auch hier war es schwarz. "Ich könnte noch einen Feuerdämon beschwören, aber das letzte Mal ist er mir außer Kontrolle geraten", erzählte er mit einem breiten Grinsen. Mein Vater winkte ab: "War Camilla in letzter Zeit nochmal hier, um mit dir zu sprechen?" "Nein", antwortete Samir, "aber es wäre wohl mal wieder Zeit." Vater nickte: "Saphir und ich gehen morgen hin, möchtest du mitkommen?" "Im ernst?", fragte er verwundert, "ich war noch nie bei den Magiern." "Sicher", sagte Vater, "es ist ja nicht so, dass es verboten wäre." Jetzt lächelte Samir vor Freude: "Sehr gerne." Morgen würde es also zu Camilla gehen. Wie weit sie wohl schon ist und ob sie wirklich besser damit zu recht kommt als Samir!? Ich werde es erleben. Vielleicht kommt Armand mit!? Dann könnte er sich gleich wieder mit Gabriel unterhalten. Marduk würde dann sicher auch mit kommen.

Wir gingen zurück zum Schloss. Da war einiges los, was wohl passiert war!? Die Hexer machten uns jedoch gleich Platz. So konnten wir ohne Probleme durch. Wir gingen zu Marius und Vater fragte ihn sogleich: "Was ist los, Marius? Warum sind die alle hier?" Marius drückte meinem Vater etwas in die Hand. Er schaute darauf hin Marius fassungslos an. "Das kann nicht sein", sagte Vater leise. "Es ist aber so", antwortete Marius, "eben hat es mir einer meiner Leute gebracht. Er hat es auf seinem Tisch liegen sehen und viele, die in der Eingangshalle stehen, habe es auch gefunden. Der Rest ist hier, weil sie davon gehört haben." Mein Vater setzte sich hin und schaute das Ding weiter an. Jetzt konnte ich es auch sehen. Es war ein kleines Wappen, der Eisphönix war darauf abgebildet und zwei rote übereinander gekreuzte Schwerter. Ist das vielleicht Timorius Wappen!? "Er kann nicht hier gewesen ein", sagte Vater jetzt, "nicht mal einer seiner Dämonen könnte je ein Illusionstor durchschreiten." "Das habe ich auch gedacht", bestätigte Marius, "aber scheinbar hat er jetzt einen Weg gefunden. Wie sollte sonst das Wappen hier her kommen?" Das hörte sich nicht gut an. Wenn er hier herein gekommen ist, dann wird er sicher auch zu uns rein können, denn wir hatten auch ein Illusionstor. "Marius", sagte Vater jetzt und stand dabei auf, "ich werde dem nach gehen, aber jetzt muss ich los. Beruhige sie irgendwie." Er nahm mich am Arm und wir gingen schnellen Schrittes aus der Burg. Dann brachte Vater uns wieder zu unserem Schloss.

Die zehn Medallions

Mein Vater eilte in die Bibliothek. Marduk und Armand waren dort. Er nahm sich ein Buch und verschwand gleich wieder. "Was ist den los?", fragte Marduk, "ihr seit schon so früh zurück." "Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube Timorius ist bei den Hexern durchs Illusionstor gekommen. Marius hatte Vater ein Wappen mit dem Eisphönix und zwei Schwertern darauf gegeben", antwortete ich. "Deswegen das Buch über Illusionstore", fügte Armand hinzu, "dann wird er unseres schließen." Wenn das Illusionstor geschlossen ist können Armand und ich nicht mehr alleine weg, aber Timorius kommt hier zumindest nicht rein. "Ich schicke eine Nachricht an die Engel und Magier", sagte Marduk und verließ die Bibliothek. "Wie ist denn das nur möglich?", fragte Armand. Ich zuckte mit den Schultern.

Vater kam zurück und kurz nach ihm Marduk. Armand, Marduk und mein Vater machten sich daran eine Erklärung zu finden. Viele Bücher sahen sie durch. Ich beschäftigte mich weiter mit dem Buch über den letzten Hüter des Feuerphönix. Vielleicht würde mich das etwas ablenken. Nach stundenlanger Stille, erhob Marduk das Wort: "Ich habe etwas gefunden. Hier steht: ...Zenobio wurde wegen seiner Untaten aus den Reihen der Unsterblichen verstoßen. Niemals sollte er in eines der Reiche zurück kehren können. Jedoch fand er ein Medallion durch das er die Illusionstore passieren konnte. Wir schlossen die Illusionstore. Anfangs mit Erfolg. Doch bei einer Sonnenfinsternis durchschritt er selbst das geschlossene Tor. Nach vielen erbitterten Kämpfen schafften wir es Zenobio auszulöschen. Wir suchten überall nach diesen Medallions. Es waren insgesamt zehn. Sie sollten alle vernichtet werden, jedoch wurden es nur neun. Eines der Medallions war verschwunden..." Das hörte sich nicht gut an. Wenn Timorius tatsächlich das verschwundene Medallion hatte, würde er bei einer Sonnenfinsternis auch das geschlossene Illusionstor passieren können. "Dazu müsste er es erstmal finden", sagte Marduk. Vater setzte fort: "Wenn er nicht schon längst weiß, wo es sich befindet." Was sollten wir jetzt nur tun!? Einen Sonnenfinsternis findet nicht sonderlich häufig statt, aber irgendwann kommt der Tag und dann!? Mir lag aber noch eine andere Frage auf den Lippen und ich sprach sie aus: "Wer war eigentlich Zenobio?" Vater wollte gerade etwas dazu sagen, aber Armand war schneller: "Zenobio war wie Timorius ein Verstoßener. Allerdings lang vor seiner Zeit. Wenn man jedoch den Stammbaum von Timorius zurück verfolgt, sieht man, dass Zenobio ein Vorfahre von ihm war." "Was nicht heißt, dass jeder aus der Familie schlimmes Verbrochen hat", fügte Vater hinzu.

Als ich zu Bett ging, lag ich noch lange wach da. Mich beschäftigten noch immer die Ereignisse des Tages. Was wohl in den nächsten Tagen alles passieren würde!? Und warum hatte Timorius sich durch sein Wappen angekündigt!? Welchen Zweck er damit nur verfolgen könnte!? Mich ließ der Gedanke nicht los, dass dabei irgendetwas faul sein musste.

Camilla

Am nächsten Morgen gingen mein Vater und ich erst zu den Hexern um Samir abzuholen. Vater erkundigte sich bei Marius, wie die Stimmung war. "Nun", begann Marius, "man kann nicht sagen, dass es ein Tag wieder jeder andere ist. Die Anspannung ist zu spüren und viele fürchten, dass er sehr bald wieder kommen wird. Habt Ihr denn schon mehr in Erfahrung bringen können?" Vater nickte: "In einem Buch ist von einem Medallion die Rede mit dem auch Verstoßene das Illusionstor passieren können. Und bei Sonnenfinsternis sogar durch geschlossene." Den letzten Satz hatte er fast schon geflüstert, aber Marius hatte ihn verstanden. "Was sollen wir denn jetzt tun?", fragte Marius. Vater zuckte mit den Schultern. Samir kam herein: "Fürst Azazel, Marius." Jeweils folgte eine Verbeugung. "Setz dich Samir. Wir haben eben noch etwas zu besprechen", wies ihn mein Vater an. Er setzte sich neben mich. "Marius", begann Vater, "er wird hier einfalls durch ein geöffnetes Tor kommen. Bei einer Sonnenfinsternis würde er sicher durch unser Tor schreiten. Willst du und dein Volk, dass ich das Illusionstor schließe? Ich weiß, dass ihr dann hier nicht mehr raus kommt, aber Timorius könnte nicht hierher kommen." Marius stand auf und ging am Tisch hin und her. Dann schaute er zu Amy und antwortete: "Ich werde ankündigen, dass das Illusionstor heute Abend bei Sonnenuntergang geschlossen wird. Ist dir das recht?" Vater nickte. Marius schien die Entscheidung nicht leicht zu fallen, was man auch verstehen konnte. Es würde für sie kein Weg hier raus führen. "Wir gehen dann jetzt zu Camilla. Marius, es wird sicher einen Weg geben, wie wir Timorius das Medallion wieder abnehmen", versuchte Vater ihn zu beruhigen und verabschiedete sich.

Das Reich der Magier sah ähnlich aus, wie das der Hexer. Sie hatten jedoch ein anderes Wappen, welches auch hier an den Türen in Silber zu sehen war. Ihr Wappen zeigte ein Einhorn, das gerade die Vorderhufe hochriß. Viele Häuser waren mit einem Tier in Silber verziert. Einge hatte auch keine. Es waren, wie bei den Hexern, sechs verschiedene: Falken, Wölfe, Katzen, Eulen, Hirsche und Hasen. Wir gingen durch die Stadt zum Schloss. Kainer selbst empfing uns: "Willkommen. Es ist schön, dass Ihr trotz der Aufregung gekommen seit. Gehen wir nach oben in mein Besprechungszimmer." Seine langen dunkelblonden Haare flogen im schnellen Schritt nur so hinter ihm her. Wir betraten das Zimmer. Camilla, Gabriel und auch Ignazio waren dort. Alle in der typisch weißen Kleidung der Magier. Camilla und Gabriel hatten die selben braunen Augen, wie ihr Vater. Gabriel sogar die Haarfarbe, jedoch waren seine Haare kurz. Lockige Haare Haare hatte Camilla und ihre Haarfarbe sah aus, wie weiß, aber es war wohl eher ein sehr helles Blond. Ignazio ergriff das Wort: "Entschuldige Kainer, aber wir sollten jetzt doch mal das Problem mit Timorius ansprechen. Ich weiß, wie Ihr dazu steht, aber als euer Berater empfehle ich es euch sehr." Kainer winkte ab: "Zuerst wollen wir den Fortschritt von Camilla beurteilen, danach können wir das immernoch besprechen." Es sah so aus, als ob Kainer diesem Thema aus dem Weg gehen wollte, aber vielleicht täuschte ich mich da auch. Wir setzten uns. "Camilla, mein Sohn Saphir ist der Hüter des Feuerphönix, daher werdet Ihr euch jetzt öfter zu dritt zusammen setzen." Sie nickte. "Sehr erfreut, Saphir. Ich hoffe, wir drei werden ein gutes Team abgeben", sagte sie sehr edel. Es hörte sich etwas eigenartig an, wie sie sprach, aber das war wohl ihre Art. Sie setzte fort: "Samir hängt immer etwas hinterher. Die Übungen fallen ihm oft sehr schwer. Ich habe scheinbar ein Händchen dafür." Samir verdrehte die Augen. Ich musste mir das Lachen verkneifen. Wieder begann sie: "Jetzt sollten wir jedoch etwas raus gehen, damit ich meine neuen Zauber vorführen kann. Ihr werdet sicher mit mir zufrieden sein, Fürst Azazel."

Wir gingen auf eine Übungsplatz nicht weit vom Schloss. Es gab dort nicht mehr als Sand und Steine. Camilla hob die Hände nach oben und formte einen weißen Feuerball von gigantischer Größe, dann ließ sie ihn wieder verschwinden. "Ich beführchte", sagte sie, "das Übungsfeld wird dem nicht standhalten." Vater nickte. Sie zeigte noch so einiges: Feuerpeitschen, Feuerdämonen, Feuerschild und ein Bogen aus Feuer mit Feuerpfeilen. "Sehr gut", meinte Vater, "hast du es nochmal probiert, den weißen Phönix zu rufen?" "Ich probiere es täglich, doch ist es mir noch nie geglückt. Auch im keinem der Bücher steht, wie er beschworen werden kann. Habt Ihr nicht noch welche?", fragte sie. Mein Vater schüttelte den Kopf: "Ich habe dir alle gegeben, die in der Bibliothek waren. Mehr Aufzeichnungen gibt es nicht." "Und bei den anderen beiden? Steht da was?", forderte sie weiter zu wissen. Samir antwortete: "Nein! Es steht nicht ein Wort davon. Vielleicht kann man sie ja gar nicht beschwören. Immerhin steht nicht mal drin, ob es je einem gelungen wäre." "Es ist schon des öfteren gelungen", bestätigte Vater. "Und Saphir, wie sieht es bei dir aus?", fragte sie. "Ich habe gerade erst angefangen", erklärte ich ihr. Camilla lief wieder in Richtung Schloss zurück. Samir flüsterte mir unterwegs etwas zu: "Es ist immer recht anstrengend mit ihr, aber sie sagt auch hilfreiche Sachen, wenn man die Geduld hat ihr solange zu zu hören." Ein Grinsen ging über sein Gesicht. Ich musste auch lächeln. Sie war schon etwas eigenartig, aber auch daran würde ich mich gewöhnen können.

Problem Timorius

Als wir zurück im Schloss waren, fragte Kainer sogleich: "Wie weit ist Camilla?" "Sie ist gut", antwortete Vater, "aber wir sind noch immer nicht soweit, dass ich sagen könnte: Der Rest kommt von allein." Kainer hatte sich scheinbar mehr erhofft. Iganzio ergriff das Wort: "Wir sollten jetzt über Timorius reden." Diesmal nickte Kainer und gab Ignazio ein Handzeichen, dass er beginnen sollte. "Was wird jetzt gegen Timorius unternommen? Wir wollen nicht warten bis er hier eintrifft und uns alle vernichtet", sagte er. "Es ist so", begann Vater, "Timorius hat wahrscheinlich ein Medallion durch das er die Tore passieren kann. Man müsste es ihm also abnehmen. Die Frage ist allerdings noch wie!? Und dieses muss auf jeden Fall noch vor der nächsten Sonnenfinsternis geschehen." "Wieso das?", warf Gabriel ein. "Weil er dann auch durch geschlossene Tore gehen kann", antwortete ich. "Ob nun eine Sonnenfinsternis ist oder nicht, das Tor hier steht offen", wurde Ignazio lauter. Kainer deutete ihm seine Stimme zu senken. "Ich verstehe, dass ihr alle aufgebracht seit, aber im Moment kann ich euch nichts weiteres anbieten, als das Illusionstor zu schliessen", sagte Vater ruhig. Der Blick von Kainer sagte eigentlich schon alles, aber er fügte dem noch die passenden Worte hinzu: "Das kommt überhaupt nicht in Frage." "Die Hexer lassen ihr Tor heute Abend schliessen", fügte Vater hinzu, "aber das ist eure Entscheidung." Ignazio ergriff wieder das Wort: "Vielleicht wäre es wirklich besser es zu schliessen." "Nein!", fauchte Kainer ihn an, "das Tor bleibt offen." Vielleicht würde er seine Meinung in den nächsten Tagen noch ändern!? Es war ja auch kein leichter Schritt, sich in seinem eigenen Reich einsperren zu lassen. "O.K.", sagte Vater, "gibt es sonst noch etwas?" Ignazio sah man die Wut regelrecht an. Er war ganz und gar nicht damit einverstanden.

Roxane kam plötzlich herein. Sie war völlig außer Atem. "Schatz?", fragte Ignazio. Sie antwortete atemlos: "Timorius ist hier. Er geht durch die Stadt und räumt jeden aus dem Weg, den er finden kann." Vater stand auf. "Ignazio achte auf die drei", sagte er noch bevor er dem Raum verließ. Kainer und Gabriel folgten ihm. Roxane und Ignazio blieben bei uns. "Fürst Azazel wird ihn sicher raus schmeißen", meinte Camilla. Ignazio war sich da nicht so sicher: "Wollen wir es mal hoffen. Er könnte auch versuchen sich hier irgendwo zu verstecken bis der Fürst weg ist." Mir gefiel das alles überhaupt nicht. Hoffentlich würde Vater nichts geschehen. Wieso kam Timorius gerade hier her!? Er hätte doch genauso gut wieder zu den Hexern gehen können!? War das Absicht oder Zufall!? Man hörte jetzt es immer wieder draußen knallen. Ignazio ging im Zimmer auf und ab. Roxane versuchte ihn zu beruhigen. Ich schaute Samir an, er schien sehr nervös zu sein. Camilla war sich scheinbar sicher, es würde nichts weiter passieren. Sie saß ruhig da und wartete ab. Ich ging jetzt ans Fenster. Man hatte einen kleinen Ausblick auf die Stadt. Timorius und meinen Vater konnte ich allerdings nicht sehen. Aber was war das!? Es schienen Schritte näher zu kommen. Wer das wohl war!? Ich drehte mich um, die Tür ging auf und Timorius betrat das Zimmer. Er schloss hinter sich die Tür, ein fieses Grinsen zog über sein Gesicht. Seine Augen wanderten von einem zum anderen. "So sieht man sich wieder", lachte er. Ich war vor Angst wie erstarrt und musste mich erstmal wieder fassen. Timorius ging von der Tür weg auf Ignazio zu. Samir sprang auf und versuchte die Tür zu öffnen, erfolglos. "Oh", sagte Timorius höhnisch, "du wirst doch nicht gehen wollen?" Samir schaute ihn entsetzt an. "Schrei doch um Hilfe", sagte Timorius und Samir tat es. Das Lachen von Timorius dröhnte in meinen Ohren. Man müsste es überall hören können, so laut war es. Ich hielt mir die Ohren zu. Samir hörte auf zu schreien und sackte auf die Knie. Timorius drehte sich zu Camilla um: "Will vielleicht noch wer schreien? Nein? Hätte eh keine Zweck, hier dringt nicht ein Laut ins Freie." Wir saßen in der Falle. Vater, wo bist du!?

Timorius' Bann

Camilla stand auf und sprach zu Timorius: "Ich, Camilla, die Tochter von Kainer, lasse mich nicht von einem gewöhnlichen Hexer ihn Panik versetzen. Ihr werdet hier ganz schön auf die Nase fallen." Wie konnte sie das nur in dieser Situation sagen!? Wusste sie denn nichts über ihn!? Timorius brach im lautem Gelächter aus: "Was denkt denn die süße, kleine Tochter von Kainer zu tun?!" "Das kann ich dir zeigen", rief sie und feuerte weiße Flammen auf Timorius. Er schrie, doch befreite er sich schnell von dem Feuer mit seiner Magie. Dann folgte eine Handbewegung, Camilla prallte gegen die Wand und glitt zu Boden. "Wir haben hier also die Hüterin des weißen Phönix", grinste er und drehte sich zu mir, "und du, du hattest mal blaue Augen. Sehr erfreut Hüter des Feuerphönix", er wendete sich an Samir, "ein junger Hexer im Reich der Magier. Wie eigenartig nicht wahr? Ich nehme an der Hüter des schwarzen Phönix." Er schaute wieder zu Ignazio und Roxane: "Wie praktisch." Roxane und Ignazio schauten sich an, dann attackierten sie zusammen mit unzähligen Energiebällen hintereinander. Timorius schloss um sich ein kleines Schutzschild, die Angriffe schienen sich in Luft aufzulösen. Die beiden machten immer weiter. Es war völlig sinnlos. Wo war nur Vater!? Timorius holte mit der linken Hand aus und beide flogen gegen die Wand. Sie fassten sich an den Händen und gingen zu Boden. Wieder lachte er. Ich schaute Samir an. Er hatte solche Angst, dass hätte ich nie gedacht. Sein Handeln war sonst immer so sicher.

Ich hörte Schritte näher kommen. Timorius schien sie auch zu hören, er lauschte. "Saphir", erklang eine Stimme vor der Tür, es war mein Vater. Wieder brauch Timorius in Gelächter aus: "Antworte doch, er kann dich eh nicht hören. Niemand hört, was hier drinnen geschiet." "Saphir", sagte Vater wieder, diesmal etwas lauter. Er versuchte die Tür zu öffnen, sie ging nicht auf. Es knallte jetzt. "Oh, kommt Daddy hier nicht rein?", er lachte, "das ist ein Bann, nur mit dem Gegenbann kommt man rein, nicht durch die Tür, nicht durch die Fenster und auch nicht durch die Wände." Timorius kam auf mich zu. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Er grinste breit. Samir sprang auf und schlug Timorius immer wieder in den Rücken, er schrie dabei: "Lass Saphir in Ruhe. Ich lass nicht zu, dass du ihn tötest. Er wird nicht sterben, nicht wie meine Mutter." Timorius drehte sich hastig um, schlug Samir in den Magen und er flog gegen die Wand. Bevor er zu Boden sackte sagte er noch flüsternd: "Saphir, lass nicht zu, dass er dich tötet." Wieder dieses Lachen. Ich hörte immer wieder meinen Vater rufen. Er wand sich direkt an Timorius: "Ich warne dich, Timorius. Lass meinen Sohn frei." "Vater", sagte ich leise. "Wollen wir ihm seinen Wusch nicht erfüllen", wandte sich Timorius an mich. Ein breites Grinsen ging über sein Gesicht, er kam auf mich zu, holte aus und verpasste mir eine. Ich flog zur Seite und landete bei Samir. "Steh auf und kämpfe", forderte mich Timorius auf. Ich erhob mich und fragte ihn: "Warum tust du das alles?" Er lachte laut: "Du willst wissen, warum ich das tue? Ich mag euch einfach nicht." Was war denn das für ein Grund!? Er feuerte Energiebälle auf mich, ich versuchte sie mit den Händen abzufangen. Die meisten traffen mich jedoch. Er machte immer weiter und lachte: "Los wehr dich kleiner Prinz, wehr dich." Ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Am ganzen Körper schmerzte es, ich versuchte mein Gesicht zu schützen. Stimmen hörte ich von draußen, Kainers war auch dabei. Timorius hörte auf, es folgte seine Handbewegung und ich knallte gegen die Wand. Statt mich jedoch fallen zu lassen, hielt er seine Hand ausgestreckt und drückte mich weiter gegen die Wand. Keinen Finger konnte ich rühren, die Schmerzen zogen sich durch meinen ganzen Körper. Es fühlte sich an, als würde er mich langsam zerdrücken. Ich schrie laut vor Schmerzen, einige Tränen liefen mir an den Wangen herunter. Timorius lachte und lachte.

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich spürte langsam Hitze in mir aufsteigen. Mein Körper schien anzufangen zu kochen. Der Druck nahm ab und ich konnte mich von der Wand lösen. "Was?", schrack Timorius auf. Mir wurde immer heißer, ich sah wie meine Wunden Stück für Stück verschwanden. Timorius ging einige Schritte zurück. Ich fühlte mich so entschlossen, wie noch nie. Mein Körper schien vor Energie nur so zu strotzen. Die rechte Hand bewegte ich, wie er zuvor. Er flog zurück, der Tisch splitterte sich in tausende Teile auf. Timorius knallte gegen die Wand. Ich schoss einen Energieball nach dem anderen auf ihn. Er konnte sie nicht alle abwehren. Wieder errichtete er sein Schutzschild. Timorius schaute mich an, ich hörte auf zu schiessen. Er sagte leise: "Ist die Legende wirklich war?" Und sprang durch das geschlossene Fenster, die Scherben flogen nur so durch den Raum. Ich atmete tief durch. Die Tür ging auf und ich drehte mich zu ihr. Mein Vater, Kainer, Gabriel und noch ein paar andere Magier traten ein. "Saphir", sagte Vater. Mir wurde schwarz vor Augen, ich verlor das Bewusstsein.

Geschlossene Illusionstore

Als ich die Augen öffnete, befand ich mich in meinem Zimmer. Ich richtete mich auf, niemand war hier. Mir war noch immer etwas warm. Meine Gedanken schweifen zurück. Timorius war gegen die Wand geknallt, aber woher wusste ich, wie der Zauber ging!? Wenn ich jetzt darüber nach dachte, ich wusste es nicht. Meine Wunde verschwanden, aber wieso!? Was war eigentlich passiert!? Immer wieder ging ich den Ablauf durch, doch fand ich keine Erklärung. Ich stand auf und zog mir meine Schuhe an. Dann ging ich nach unten. Zuerst schaute ich im Esszimmer, dort war niemand. Danach in die Bibliothek, wo ich sie auch fand.

"Saphir", sagte mein Vater, "ist alles in Ordnung? Geht es dir gut?" Ich nickte. Marduk kam zu mir. "Sag mal, Saphir, was ist eigentlich passiert?", fragte er mich. Wenn ich das mal so genau wüsste!? Ich schilderte ihnen den Ablauf. Man sah ihnen an, dass sie auch keine Erklärung dafür hatten. Ich fragte schließlich: "Was meinte Timorius mit Legende?" "Ich kenne viele Legenden", antwortete Vater, "aber mir fällt keine ein, die darauf passen würde." Nach kurzem Schweigen fuhr er fort: "Deine Phönixkräfte musst du aus Reflex angewendet haben. Trotzdem ist es eigenartig, dass du dich selbst geheilt hast. Es gibt keine Unsterblichen, die sich selbst heilen können." "Allen geht es gut, das wolltest du sicher wissen oder?", fragte Armand. "Ja", antwortete ich, "was ist mit den Illusionstoren?" "Die Hexer und Magier haben sie schließen lassen", meinte Marduk, "Sophie und ihre Tochter kommen nachher vorbei." Wie schön, dann würde ich Sally wieder sehen. Zum Glück hatten die Engel kein Illusionstor, sie telepotierten sich einfach. Wir ließen das Thema, ich lernte weiter die Phönixmagie, die normale Magie und alles was ich sonst so wissen musste.

Sally und ihre Mutter kamen am Nachmittag. Sophie schien sehr beunruhigt zu sein, obwohl sie gar kein Illusionstor hatte. "Es gerät alles völlig außer Kontrolle", sagte sie, "was ist denn, wenn er hier rein kommt? Wenn der Eisphönix erstmal frei ist, kann ihn niemand mehr aufhalten." "Das wissen wir auch", antwortete Vater, "das Medallion muss man ihm vorher abnehmen." Ja, das Medallion. Ich hatte er gar nicht gesehen. Vielleicht trug er es unter seiner Kleidung!? "Und wenn nicht?", fragte Sophie weiter besorgt. "Ich weiß es nicht", meinte Vater, "wir werden versuchen uns so gut, wie möglich auf diesen Besuch vorzubereiten. Aber wünschen tue ich mir das nicht. Es ist nicht nur der Eisphönix, der mir Sorgen macht, er könnte genauso gut, die anderen Siegel auch aufbrechen." Was befand sich eigentlich hinter den Siegeln!? Was hatten die Symbole zu bedeuten!? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich hinter dem Baumsymbol wirklich ein Baum befand. Armand zog an meinem Ärmel. Wir gingen zusammen mit Sally raus. "Ist es wirklich so schlimm?", fragte Sally. Ich zuckte mit den Schultern. "Wenn wir bis zur nächsten Sonnenfinsternis ihm nicht das Medallion abnehmen können? Ja!", antwortete Armand. "Wann ist die nächste?", wollte ich wissen. "Mein Vater hat ausgerechnet, dass die nächste am 30. Juni 2002 um etwa 14 Uhr sein wird", sagte Armand. Dann hatten wir weniger als zwei Jahre, um Timorius das Medallion abzunehmen.

Die Zeit vergeht

Oft trafen wir uns mit Samir oder holten ihn ab, um uns mit Camilla zusammen zu setzen. Ich hatte so oft die Gelegenheit mit Amy zu sprechen, aber mehr als ein freudschaftliches Gespräch wurde daraus nicht. Mike hatte eine sehr freundliche Familie gefunden. Seine Pflegeeltern hatten bereits einen Sohn, der nur ein Jahr älter war als er. So oft es ging, besuchte ich ihn mit meinem Vater. Sophie und Sally kamen oft zu uns. Immer wieder fragte sie, ob es was neues gibt. Im Dezember feierten wir Vaters Geburtstag. Wir feierten unter uns und versuchten uns zumindest einen Tag von Timorius abzulenken. Den Monat darauf hatte Armand Geburtstag. Auch hier gab es eine kleine Feier. Im April gratulierte ich Samir zum Geburtstag und schenkte ihm eine Kette mit dem schwarzen Phönix als Anhänger. Amys Geburtstag war im Mai. Auch ihr schenkte ich eine Kette, als Anhänger das Wappentier ihres Volkes. Sie freute sich sehr darüber und bedankte sich mit einem Kuss auf die Wange. Ein freundschaftlicher Kuss, mehr würde es wohl nie sein.

Wir hatten bereits den 05. Juni 2001. Ein Tag vor meinem und Marduks Geburtstag. Von Timorius gab es bis jetzt keine Spur. Vater hatte sogar seine Burg durchsucht, nichts. Ich hatte inzwischen viel gelernt und machte gute Fortschritte in der Magie. Selbst die Phönixmagie viel mir immer leichter. Samir kam inzwischen auch schon besser damit zurecht, wogegen Camilla sich nur noch am Beschwören des weißen Phönix fest biß. Vater meinte, dass ihr Vater glaubte, sie könnte so Timorius besiegen. Was natürlich nicht stimmte, denn da gehörte noch mehr dazu, aber Kainer wollte das nicht hören. "Saphir", rief Armand, "komm mit." Ich folgte ihm. Wir gingen in sein Zimmer. "Was schenkst du meinem Vater?", wollte er wissen. "Ganz schön neugierig", entgegnete ich, "einen Ring, sein Name ist eingrafiert. Vater hat ihn noch mit einem Zauber belegt." "Was für ein Zauber?", fragte er weiter. "Ein Schutzzauber, er soll wohl ein Schutzschild bilden, wenn man angegriffen wird", erzählte ich ihm, "und was schenkst du ihm?" Er holte ein Foto hervor. "Ich hole ihn heute Nacht", begann er, "Gabriel passt solange auf." Auf dem Foto war ein kleiner Wolf zu sehen, er war ganz schwarz. Ich schaute Armand erstaunt an. Er setzte fort: "Das ist ein magischer Wolf, aus der Züchtung von Kainer. Allerdings wollte er ihn nicht haben, da er nicht weiß ist. Kainers Wölfe sind nämlich alle weiß. "Und da hat er ihn dir gegeben?", fragte ich. "Ja", sagte er, "Wölfe sind heilige Tiere für die meisten Unsterblichen. Er hätte ihn behalten müssen, wenn ich ihn nicht nehmen würde." Dann war Kainer sicher froh, ihn los zu sein. "Was kann denn ein magischer Wolf?", wollte ich wissen. "Sie sind sehr schnell", begann er, "und bei Mondlicht können sie riesige Schutzschilde errichten, aber erst wenn sie ausgewachsen sind." Marduk würde sich sicher freuen über den kleinen Wolf. Er sah auch echt niedlich aus. Jetzt verstand ich auch, warum Armand meinen Vater immer gebeten hatte ihn mitzunehmen zu Gabriel. "Mein Vater ist dann heute Nacht auch weg", sprach ich aus. "Nur kurz, wir sind schnell wieder zurück", bestätigte Armand.

Mein 11. Geburtstag

Ich hatte gut geschlafen, es war schon fast 10:00 Uhr. Nun war ich bereits 11 Jahre alt und lebte schon fast 1 Jahr bei meinem Vater. Die anderen waren sicher schon wach. Ich war heute spät dran, aber an seinem Geburtstag konnte man sich das sicher leisten. Langsam machte ich mich fertig und ging nach unten ins Esszimmer, um zu frühstücken. "Auch endlich wach?", fragte mich Armand, als ich ins Zimmer kam, "alles gute zum Geburtstag, Saphir." Ich bedankte mich und gratulierte Marduk, er auch mir. Vater nahm mich in die Arme, um mir zu gratulieren. Wir frühstückten ganz in Ruhe. Armand stand schließlich auf und ging aus dem Zimmer. Als er wieder kam hatte er den kleinen, schwarzen Wolf auf dem Arm, den er seinem Vater schenkte. Marduk taufte ihn Lunar. Ich überreichte Marduk dem Ring. "Danke, Saphir", sagte er, "einen magischen Ring hatte ich noch nicht." Vater schenkte ihm eine schwarze Schreibfeder. "Keine Sorge, dass ist nicht meine", erklärte Vater, "ich hab sie zufällig gefunden." "Und ich hatte schon gedacht, es gäbe keine mehr", entgegnete er. Armand erkundigte sich nach der Feder: "Das ist eine selbstschreibende Feder oder?" Vater nickte.

Marduk war der erste, der mich beschenkte. Es war eine Querflöte, sie war schwarz mit goldenen Verziehungen die verschungene Äste und kleine Blätter zeigten. "Der letzte Hüter des Feuerphönix hatte auch eine, vielleicht hilft sie dir ihn besser zu verstehen", erklärte er. Ich bedankte mich. Natürlich müsste ich erstmal lernen auf ihr zu spielen, aber es würde sicher Spaß machen. Armand holte eine Holzschachtel hervor, die er mir schenkte. Ich öffnete sie. Ihn ihr lag gut gepolstert ein Dolch. Er hatte einen schwarzen Griff und eine goldene Klinge. "Das ist kein gewöhnlicher Dolch", begann er, "die Klinge ist länger, als man denkt. Wenn du sie schwingst, triffst du noch in zwei Meter Entfernung. Außerdem kann die Klinge dich schützen. Wenn du den Dolch waagerecht vor dein Gesicht hälst, schütz er dich vor angriffen." Der Dolch war ganz leicht, fast wie eine Feder. Auch bei Armand bedankte ich mich. Vater führte mich aus dem Zimmer, ich sollte die Augen schließen. Wir gingen einige Schritte weiter und dann durch eine Tür. "Lass die Augen noch geschlossen", sagte er, als er mich stehen ließ, "jetzt darfst du die Augen öffnen." Wir befanden uns in dem Zimmer mit den Falken. Vater hatte einen Falken auf der Hand mit einem dicken, schwarzem Lederhandschuh. Marduk gab mir auch so einen Handschuh und Vater setzte den Falken auf meine Hand. "Er gehört dir", sagte er, "dein erster magischer Falke." Obwohl der Falke ganz schwarz war, schien sein Gefieder zu leuchten. Er war wunderschön. "Danke Vater", sagte ich.

Wir feierten noch den Rest des Tages. Vater und Marduk erzählten einige Geschichten aus ihrer Kindheit. Es war schön ihnen so zu zu hören. Armand meinte dauernd, sie hätten die Geschichte ihm schon hundert mal erzählt. Ob es wirklich so oft war!? Später spielte ich mit Armand eine Runde Schach, er ließ mich gewinnen. Ich war noch nicht sonderlich gut ihn Schach, aber es wurde besser. Am Abend, als ich alleine in meinem Zimmer war und mich eigentlich gleich schlafen legen wollte, schweiften meine Gedanken ab. Ich erinnerte mich an die Geburtstage mit Onkel Chuck und Tante Lilly. Sie fehlten mir sehr. Als Unsterblicher würde ich vielleicht ewig leben, wenn mich nicht irgendwer oder igendwas tötet. Und Mike, er würde alt werden, wenn ich noch aussehe, wie ein Jugendlicher und dann stirbt er irgendwann. Es tat weh, daran zu denken, aber damit würde ich mich abfinden müssen.

Hilfe von Sophie

Vater und Marduk diskutierten schon eine Weile, welche Möglichkeiten es noch gab, Timorius zu finden. "Wenn er sich wirklich unter die Sterblichen gemischt hat, finden wir ihn nie. Er wird seine Magie vor uns abschirmen und die Zeit alle Dörfer und Städte zu durchsuchen haben wir nicht", warf Marduk ein. "Die Tempel haben wir alle abgesucht, in seiner Burg war er auch nicht. Es ist fast sicher, dass er sich unter die Sterblichen gemischt haben muss. Wir müssen einfach anfangen zu suchen und hoffen, dass wir auf ihn stoßen", entgegnete Vater. Armand und ich hörten schon eine ganze Weile zu und sie wurden sich nicht einig. Abgesehen davon, dass Timorius sich genauso gut in einer der Wälder verstecken könnte oder sich in einer Höhle verkroch, war die Theorie, dass er sich unter den Sterblichen befand, gar nicht so abwegig. Wenn sie sich doch nur einigen würden!? Ich schaute Armand an, er war scheinbar in Gedanken. Ob er noch bei der Sache war!? "Wir sind zu viert", sagte Marduk, "wie sollen wir denn die ganzen Städte und Dörfer abklappern?" "Fangen wir einfach irgendwo an", antwortete Vater, "mit Glück finden wir ihn." "Mit Glück? Mit dem Glück, was wir im Moment haben, finden wir ihn nicht", meinte Marduk. "Ich weiß doch auch nicht, was wir tun sollen. Mir fällt nichts mehr ein", entgegnete er. Gorn trat herein. "Sophie und ihre Tochter Sally sind so eben eingetroffen", verkündete er, verbeugte sich und ging wieder. "Dass ist es!", rief ich. "Was?", sagten Marduk und Vater fast gleichzeitig und sogar Armand schrack auf. "Wir können doch die Engel zu Hilfe holen. Sophie hat doch ein recht großes Volk. Auf jeden Fall hätten wir eine viel größere Chance Timorius zu finden", erklärte ich. "Das ist wahr", sagte Vater nachdenklich, "wenn Sophie sich dazu bereit erklärt." Die Tür ging auf und Sophie und Sally traten herein. "Zu was soll ich mich bereit erklären?", fragte sie. Vater erklärte ihr die Situation und dass wir ihre Hilfe, also die ihres Volkes benötigten. Sophie erklärte sich einverstanden. "Da gäbe es jetzt nur noch ein Problem", meinte Armand, "Königin Amelia wird es sicher nicht toll finden, wenn ihr Volk von uns so belagert wird." Da war wohl was wahres dran. "Das müssen wir vorher abklären", sagte Vater, "wir regeln das mit Königin Amelia und lassen dir dann eine Nachricht zu kommen, wann es los geht. Am besten du teilst deine Leute selbst auf." Der Anfang war gemacht. Jetzt musste man nur noch Königin Amelia erklären, um was es ging.

Vater und ich gingen zu Königin Amelia. Ihre Wachen ließen uns freundlich ein und auch Königin Amelia begrüßte uns herzlichst. "Ihr seit sicherlich nicht ohne Anliegen hier her gekommen oder?", fragte Amelia. "Es ist sogar ein sehr dringedes Anliegen", entgegnete Vater, "wir haben ein ziemlich großes Problem mit Timorius. Ihr erinnert euch an ihn?" "Ja", sagte sie, "unglücklicher Weise." "Er hat sich wahrscheinlich unter die Menschen gemischt, um sich vor uns zu verstecken. Wir müssen ihn jedoch schnellst möglich finden", erklärte Vater. "Und jetzt wollt ihr, dass ich einen Suchtrupp losschicke?", fragte sie. "Nein", antwortete er, "sie würden ihn eh nicht erkennen. Ich will mit den Engeln die Dörfer und Städte durchsuchen nach ihm und hoffe auf ihre Genehmigung." Sie überlegte kurz. "Na gut", willigte sie ein, "aber niemanden aus meinem Volk darf etwas geschehen. Ich werde eine Pressemitteilung machen, sodass ihr dann gleich mit eurer Suche beginnen könnt." Vater bedankte sich.

Ein Wiedersehen

Vater und ich suchten mit einigen Engeln in Lucinia. Es handelte sich um eine recht große Stadt. Den meisten Menschen ging es hier gut, jedoch gab es auch einige Armenviertel. Wir gingen langsam durch die Stadt und schauten uns um, ob wir etwas auffälliges sahen. Die Engel flogen durch die Gassen und über die Häuser. Einige gingen zu Fuß und klopften an so manchem Haus. Marduk und Armand waren mit einem weiteren Trupp in Levia. Und in vielen weiteren Städten und Dörfern waren weitere Engel. In einigen Tagen würden wir wohl alle durch haben. "Habt ihr schon was gefunden?", rief Vater einigen Engeln zu. Sie verneinten. Ich ging etwas voraus und schaute in ein paar Gassen. Abgesehen von einigen Mülltonnen und einer Katze, deren Fell schon zerzaust war, konnte ich nichts entdecken.

"Azazel", klang es von hinten, "Azazel, wie schön dich wieder zu sehen. Ich müsste unbedingt mit dir reden." "Es gibt nichts zu bereden", sagte Vater streng, "außerdem habe ich besseres zu tun." "Warum bist du so eiskalt?", fragte sie, "so warst du früher doch nicht." Ihre schwarzen Haare hingen ihr bis zur Hüfte, sie hatte grüne Augen, ihre Bluse war weiß und dazu hatte sie einen langen schwarzen Rock an. "Bitte nicht jetzt, lass uns ein anderes mal reden", weißte er sie weiter zurück. "Ein anderes Mal?", fragte sie mit einem etwas höhnischen Unterton, "wann wird das sein? Bei euch Unsterblichen nehmt ihr es ja nicht so mit der Zeit." Vater fand das scheinbar nicht sonderlich komisch. Sein Blick war sehr ernst. "Im Moment habe ich sehr wenig Zeit", entgegnete er, "auch Unsterbliche leiden mal unter Zeitmangel. Außerdem habe ich mich nicht zu rechtfertigen vor dir." "Azazel, du wirst immer unverschämter", warf sie ihm an den Kopf, "du wirst doch fünf Minuten für mich haben." Ich musste darüber lächeln. Es kam doch zu komisch, wie sie sich versuchte bei meinem Vater durch zu setzen. Sie holte tief Luft und setzte fort: "Du hast mich in Lunaria sitzen lassen und jetzt verlange ich nichts weiter, als dass du dir fünf Minuten Zeit nimmst, um mit dir ein vernünftiges Gespräch zu führen. Ist das zu viel verlangt?" "Ich hab dich nicht sitzen lassen", sagte Vater. "Ach nein?", entgegnete sie. "Es war eine schwierige Zeit", erklärte er, "eine bessere Lösung gab es nicht." "Ja, den Problemen einfach aus dem Weg zu gehen, ist die beste Lösung", sagte sie, "warum haust du jetzt nicht auch einfach ab? Wäre doch auch die bessere Lösung." "Jetzt reicht es aber mal", schrie Vater fast, "vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Das kann gut sein, aber den hast du auch gemacht." "Wirklich?", fragte sie ironisch, "den wirst du mir auch sicher veraten." "Wer hat mir denn verschwiegen, dass sie schwanger ist? Wer hat das Kind an irgend so eine Pflegefamilie gegeben? Wer ist denn da vor seinen Problemen davon gerannt?", warf Vater ihr vor. War das etwa meine Mutter!? War das Marie!? Sie schwieg einen Moment. "Woher...", flüsterte sie, "woher weißt du das alles?" Er wurde ruhiger: "Ich weiß es halt." Sie hatte Tränen in den Augen. "Ich wollte es dir sagen", sagte sie leise, "doch als du dann kamst und dich von mir trennen wolltest. Ich konnte es einfach nicht. Und dann, als das Kind da war. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Also gab ich ihn weg." Ich ging jetzt zu Vater und blieb einen Schritt hinter ihm stehen. Er drehte sich zu mir um. "Komm, wir müssen weiter", sagte er und wand sich nochmal an sie, "wir reden, demnächst." Wir liefen weiter durch die Stadt und hielten ausschau nach Timorius. Ewigkeiten schwiegen wir uns an. "Vater", begann ich, "war das meine Mutter?"

Zwei erfolglose Tage

Er blieb stehen und schwieg einen Moment, dann antwortete er: "Ja, Saphir, es war Marie, deine Mutter." "Wirst du wirklich nochmal mit ihr sprechen?", fragte ich. Er nickte. Wir gingen weiter. Die Engel schienen auch nichts zu finden und es gab noch keine Meldung aus den anderen Städten und Dörfern. An diesem Tag durchsuchten wir noch eine weitere Stadt, aber auch dort fanden wir ihn nicht. Es kamen keine Nachricht von den anderen. Sie hatten ihn also nicht gefunden. Vater meinte am Abend, dass es wohl noch zwei weitere Tage dauern wird, ehe wir alle Städte und Dörfer durchsucht haben. Hoffentlich war er dort irgendwo.

Am zweiten Tag suchten Vater und ich in Ventex. Die Stadt war fast völlig wieder aufgebaut. Wenn ich daran dachte, wie es hier aussah, war das fast schon ein Wunder. Einige Leute waren sehr unfreundlich zu uns. Vermutlich hatten sie Angst. Vater schien sie ganz und gar zu ignorieren. Der Tag verging und wieder ohne Erfolg. "Wenn wir morgen nichts finden, wird er wohl in den Wäldern oder Bergen sein, aber andererseits könnte er genauso gut unser Vorgehen mitbekommen haben und sich in den Tempeln oder dann in den Städten und Dörfern verstecken", meinte Marduk. Vater wirkte sehr nachdenklich. "Azazel", sagte Marduk, "wir werden ihn nicht finden." "Sag das nicht", entgegnete Vater, "wir müssen ihn finden."

Ich zog mich zurück in mein Zimmer. Einige Bücher hatte ich dort liegen in denen ich oft laß. Eines von ihnen war das Buch des letzten Hüters des Feuerphönix. Ich nahm es in die Hand und wollte weiter darin lesen. Jedoch starrte ich es stattdessen nur an. Hatte Marduk recht!? Würden wir ihn nicht finden!? Und was dann!? Können wir ihn aufhalten, wenn er hier her kommt!? Gedanklich ging ich unsere Suche durch, aber anstatt bei dem Gedanken an Timorius hängen zu bleiben, sah ich nur noch das Bild meiner Mutter vor mir, ihre langen schwarzen Haare, ihre grünen Augen. Ich hörte ihre Stimme, wie sie mit Vater redete. Warum ging mir das gerade jetzt durch den Kopf!? Vermisste ich sie etwa, obwohl ich sie nicht kannte!? Ich versuchte meine Gedanken wieder auf das Buch zu konzentrieren und schlug es auf. Es ergaben sich jedoch für mich keine Wörter, nur Buchstaben. Mir ging einfach zu viel durch den Kopf. Wie gern hätte ich alle Gedanken mit einmal fort geworfen. Einfach die ganze Aufregung vergessen und sich entspannen. Ich stand auf, ging zum Fenster und schaute hinaus. Die Wachen waren alle auf ihren Posten, der Wind wehte durch die Blätter der Bäume, der Mond schien schwach und ich!? Ich wünschte mir so sehr, mich einfach ins Gras legen zu können und an nichts zu denken. Nur den Wind spüren, das rascheln der Blätter hören und das Mondlicht in der dunklen Nacht beobachten.

Der dritte Tag

Der dritte Tag hatte begonnen, Vater und ich waren in Thora, einer etwas kleineren Stadt. Wir suchten bereits eine Weile, aber hatten noch immer keinen Anhaltspunkt. Würde Marduk recht behalten!? Ich wünschte mir so sehr, wir würden ihn finden. Was sollten wir denn nur tun, wenn er durch unser Illusionstor kommt!? Marduk und Armand kamen zu uns. "Wir haben jetzt zwei Dörfer durch und keine Spur. Die Engel sind in den restlichen Dörfern und Städten. Gibt es was neues?", fragte Marduk. Vater schüttelte den Kopf. "Ich schau mich mal um", sagte Armand. Schwarze Federn flogen hoch und bildeten seine Flügel. Er flog hoch über die Dächer und war schließlich aus meinem Sichtfeld verschwunden. "Ich werde morgen mit Marie reden", fing Vater nach langem Schweigen an. "Geht Saphir mit?", wollte Marduk wissen. "Wenn er möchte", antwortete Vater. Wollte ich mit gehen!? Meine Mutter sehen, mit ihr sprechen oder sollte ich warten, was sich aus dem Gespräch ergab!? Eigentlich würde ich schon gerne mit, aber was erwartete ich mir davon!?

Armand kam zurück, landete und ließ seine Flügel wieder verschwinden. "Ich habe nichts auffälliges gesehen und die Engel scheinen auch keinen Erfolg zu haben", berichtete er. "Er ist nicht hier", sagte Marduk. Vater wiedersprach ihm: "Das wissen wir nicht." Ich hatte auch keine große Hoffnung ihn hier zu finden, aber vielleicht würde eine Nachricht von den anderen kommen!? Die Situation war sehr angespannt. Vater und Marduk waren sich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr einig. Marduk würde lieber jetzt schon alles vorbereiten, um Timorius vom Illusionstor fernhalten zu können. Vater hingegegen suchte lieber nach ihm, aber wenn die Chance ihn zu finden sehr gering war. Armand und ich versuchten die beiden Steithähne auf einen Punkt zu bringen, damit überhaupt was in Gang kommt. Vielleicht sollten wir jedoch langsam anfangen uns auf Timorius vorzubereiten. Viel Aussicht auf Erfolg hatten wir nicht mehr.

Am Abend bestätigte sich die Vermutung von Marduk, wir hatten ihn nicht gefunden. "Morgen werde ich zu Marie gehen und Saphir kann mit kommen, wenn er will. Die Engel sollen die Wälder und Gebirge überprüfen. Marduk, vielleicht kannst du dir mit Armand schon was überlegen, wie wir ihn hier verhalten können", meinte Vater. Marduk nickte. Die Stimmung war im Keller. Es wurde kaum noch ein Wort gesprochen, alle waren in Gedanken. "Ich komme dann mit", sagte ich zu Vater. Er nickte und lächelte leicht einen kurzen Augenblick. Ich konnte diese Anspannung nicht ertragen und ging nach oben auf mein Zimmer. Es war schon viel angenehmer. Ich nahm mir das Phönixbuch zur Hand und begann zu lesen. Diesmal schaffte ich es sogar mich zu konzentrieren. Ob Camilla inzwischen den weißen Phönix rufen konnte!?

Marie

Am Nachmittag waren wir aufgebrochen. Vater wusste nicht, wo Marie wohnte, aber er kannte ihren Häusergeschmack. Sie liebte Landhäuser. Zum Glück gab es in Lucinia nicht viele Landhäuser, um genau zu sein nur eine kleine Straße mit acht Häusern. Das würde es um einiges erleichtern. Wir gingen über den Platz an dem wir auf meine Mutter gestoßen waren. Sie war nicht zu sehen. Wäre auch ein ziemlich großer Zufall gewesen. "Saphir", sagte mein Vater plötzlich nach langem Schweigen, "du solltest vorher noch etwas wissen." "Hmm", ich nickte. "Als ich deine Mutter kennen lernte", begann er und atmete tief durch, "hatte sie bereits zwei Kinder. Einen Sohn namens Sandro, denn sie bereits mit 17 Jahren bekam und eine Tochter mit Namen Sonja." Ich hatte also bereits zwei ältere Geschwister, Sandro und Sonja. Jetzt war ich doch etwas aufgeregt. Wir bogen in die Straße mit den Landhäusern ein und schauten an die Türschilder. Meine Mutter hieß mit Nachnamen "Virgo", ein sehr seltener Nachname. Am vierten Haus stand der Name. Vater blieb kurz davor stehen, ehe er das Gartentor öffnete und zur Tür ging. Er klingelte ein mal kurz. Es klang eine Stimme von drinnen: "Moment." Kurze Zeit später öffnete uns ein Mann mit hellbraunen, kurzen Haaren, brauen Augen, in einem grauen Pulli und einer schwarzen Jeans die Tür. "Azazel", sagte er verwundert. "Können wir rein kommen, David?", fragte mein Vater. "Sicher, sicher", antwortete er etwas durcheinander, "Marie hatte erzählt, dass sie dich getroffen hätte, aber ich hatte nicht so früh mit dir gerechnet." "Schon gut", sagte Vater, "du musst mir nichts erklären." "Kommt", winkte er uns in das Wohnzimmer, "setzt euch. Marie wird mit den Kindern gleich runter kommen."

Der Raum war kaminrot gestrichen, weiße Fensterrahmen, weiße Tür. Die Stühle und der Tisch waren aus Buche, der Teppich war dunkelblau. Auch die Schränke und Regale waren aus Buche. Einige Bücher standen auf den Regalen und kleine Tierfiguren aus Porzellan. Marie trat herein und hinter ihr ein junger Mann. Er hatte grüne Augen, wie Marie, doch seine Haare waren dunkelbraun und kurz. "Hallo", sagte Marie, "Sandro, du erinnerst dich vielleicht noch an Fürst Azazel!?" "Ja", antwortete er kurz und setzte sich neben David. "Wollt Ihr vielleicht etwas trinken?", fragte Marie. "Nicht nötig", antwortete Vater, "Marie, wir wollten reden." "Ja, das wollten wir", entgegnete sie, "und das ist Saphir, nicht wahr?" Er nickte. "Es tut mir so leid", begann sie, "ich habe jeden Tag bereut, seitdem ich dich weg gab." David unterbrach: "Eigentlich war es meine Idee gewesen, dich weg zu geben. Ich hatte befürchtet, dass es Probleme geben würde, wenn wir mit einem Unsterblichen unterwegs sind." Sandro schaute Vater mit finsteren Blick an. Er schien ihn nicht sonderlich zu mögen. "Mum", kam eine Stimme näher, "wir gehen nachher noch ins Konzert, wie geplant oder?" "Ja, Sonja, wir gehen wie geplant", antwortete Mutter, "komm setz dich zu uns." "Ok, die Geschichte kennen wir ja nun. Wie stellst du dir das jetzt weiterhin vor?", fragte Vater. "Ich würde gerne Saphir öfter sehen. Natürlich nur wenn er möchte", antwortete sie. "Im Moment ist schlecht", entgegnete Vater, "vielleicht ein mal im Monat. Wenn sich die Lage beruhigt hat, öfter." "Das ist ein Anfang", sagte sie leise, "Sandro und Sonja möchten ihren Bruder ja auch kennen lernen." Sonja lächelte mir zu, doch Sandro schaute mich jetzt fast genauso finster an, wie Vater zuvor. "Wie alt sind die beiden?", fragte ich. "Sandro ist 16 und Sonja ist 14. So groß ist der Altersunterschied also nicht", sagte sie lächelnd. "Saphir", begann Sonja, "in zwei Wochen haben wir hier ein Rummelfest, vielleicht möchstest du ja mit kommen. Wenn du darfst." Ich schaute Vater fragend an. Er sah nicht sonderlich begeistert aus. "Nur wenn Armand dich begleitet", antwortete er. Wie Armand das wohl finden würde, dass er jetzt den Aufpasser für mich spielen musste!?

Die Einladung

Armand war tatsächlich nicht sonderlich begeistert davon. Er protestierte heftig: "Ich unter lauter Sterblichen? Das ist doch wirklich nicht dein erst?" Mein Vater versuchte ihn zu beruhigen: "Armand, es ist doch nur für einen Tag." Doch er wollte das nicht hören: "Nein! Nein! Das will ich einfach nicht." "Ich kann es ja verstehen, aber du würdest Saphir damit auch eine große Freude machen", setzte mein Vater fort. Doch ehe Armand wieder anfangen konnte, kam Gorn herein: "Mein Fürst, soeben ist ein Falke mit dieser Nachricht eingetroffen." Vater nahm Gorn die Nachricht ab. Er öffnete sie nicht sofort, sondern schaute erst nachdenklich auf das Siegel. "Vater", sagte ich, "von wem kommt die Nachricht?" Er schaute mich an: "Von den Vampiren." "Vampire?", fragte ich, "ich dachte..." Er setzte fort: "Es wäre nur ein Märchen? Nein! Leider nicht." Er öffnete die Nachricht und lass vor:

"Mein verehrter Fürst!

Es ist uns eine Ehre Sie und Ihre Familie zu unsererm jährlichen Blutfest am nächsten Vollmond einzuladen. Wir hoffen, Ihr werdet dieser Einladung folge leisten.

Euer untertänigster Graf"

Armands Gesicht formte sich zu einem freudigen Lächeln: "Lass uns hingehen. Dann passe ich auch auf Saphir als Gegenleistung auf." Doch Marduk sagte sogleich etwas dagegen: "Wir haben wichtigeres zu tun." "Aber Saphir darf seinen Spaß haben oder wie?", warf er seinem Vater vor. "Wir werden zum Blutfest gehen", entschied mein Vater. Marduk schaute verblüfft: "Warum das?" "Weil wir schon viel lange nicht mehr dort waren und ich überprüfen will, ob er nicht doch seinen Zirkel vergrößert hat", erklärte Vater. Was wohl ein Blutfest überhaupt war!? Bei Vampiren könnte ich mir da alles mögliche vorstellen. Und wer war dieser Graf!? Nun, dass würde ich alles sehr bald erfahren, denn der nächste Vollmond war schon diesen Sonntag.

Das Schloss des Grafen

Beim nächsten Vollmond war es soweit. Wir gingen zum Blutfest. Ich schaute noch mal, ob auch alles richtig saß: Der Umhang, das Hemd und die Hose. Es schien alles soweit ok zu sein. Ich war ziemlich aufgeregt. Immerhin wusste ich auch nicht, was mich dort nun erwarten würde. Vater brachte uns dort hin. Wir standen vor einem riesigen alten Schloss. Die meisten Fensterläden waren kaputt und hangen nur noch so halb fest.An einigen Fenstern waren sogar gar keine mehr dran, geschweige denn Glas. Die Außenwände hatten sogar einige Löcher durch die man den Wind pfeifen hörte. Ein klassisches Gruselschloss, wie aus einem Horrorroman. Vater öffnete die Tür. Sie knarrte und schien ganz schön morsch zu sein. Ich lief nah hinter meinem Vater hinterher. Niemand war irgendwo zu sehen. Es war alles ganz ruhig. Marduk und Armand hielten nah hinter uns Schritt. Dann hörte man Gelächter aus allen möglichen Ecken und Richtungen. Ich schaute mich um, konnte jedoch niemanden sehen.

Wir kamen in einen großen Saal und mitten drin, blieben wir stehen. Dann kam eine dunkle Gestalt uns entgegen und eine Stimme ertönte: "Willkommen, werter Fürst, in meinem Schloss und auch eure Begleiter sind herzlichst Willkommen." Mein Vater antwortete: "Werter Graf, wie wäre es mit Licht?" "Aber sicher doch", antwortete er. Überall an den Wänden wurden Kerzen angezündet und nun sah ich sie auch. Die Vampire hingen an den Wänden wie Eidechsen, die sich an der Mauer festhielten. Es waren unzählige, man konnte die Wand kaum noch sehen. Vater schien sich einen Überblick zu verschaffen. Hinter dem Grafen kam ein weiterer Vampir auf uns zu. Vater erhob das Wort: "Ein Neuer?" Der Graf senkte sein Gesicht: "Vergebt mir. Ich liebe ihn wie meinen Sohn." "Ausnahmsweise!", antworte Vater. Der Graf war sichtlich erleichtert und führte uns in den Tanzsaal. Ich wäre am liebsten gleich wieder rückwärts raus gelaufen. Die Wände, der Boden und die Spiegel, alles mit Blut verschmiert. An einer Seite standen viele Tische auf denen Termoskannen standen und dazu einige Weingläser. Ich wollte gar nicht versuchen zu erraten, was sich in de Termoskannen befand. Einige Vampire liefen an uns vorbei. Drei Vampire fingen an Musik zu spielen. Es schien eine Art Walzer zu sein. Die meisten Vampire forderten sich gegenseitig zum Tanz auf. Schnell war der Saal gefüllt. Der Graf schenkte zwei Weingläser voll mit roter Flüssigkeit aus der Termoskanne. "Es ist absolut frisch", versichterte er meinem Vater und reichte ihm ein Glas. Würde Vater das wirklich trinken!? Er roch zuerst dran und schaute dem Grafen in die Augen, dann nahm er einen kräftigen Schluck. "Und wie schmeckt es?", fragte Armand, der über das ganze Gesicht strahlte. "Ganz gut", antwortete mein Vater. Armand darauf: "Klasse." Und ging zu den Tischen hin. Sein Vater folgte ihm. Der Graf fragte nun: "Darf ich ihm auch ein Glas anbieten?" Er meinte mich damit. Am liebsten hätte ich kräftig den Kopf geschüttelt. Mein Vater winkte ihm ab und sprach ein neues Thema an: "Graf Drako, wie kommt es, dass es hier aussieht, wie auf einem Schlachtfeld?" Der Graf grinste breit: "Ihr kennt uns doch, Fürst. Wenn etwas zu Essen zu Gast ist, können wir uns einfach nicht zurück halten." Jetzt wurde mir wirklich schlecht. Nein! Das wollte ich mich gar nicht erst vorstellen.

Vampire, Blut und Särge

Der Graf zog sich erst mal zurück und ließ uns alleine. Armand trank ein Glas nach dem anderen und schien jeden Schluck zu geniesen. Ich schaute Vater fragend an. Er lächelte mich an und begann zu erklären: "Saphir, das Blutfest findet immer ein mal im Jahr statt. Die Vampire trinken dabei sehr viel Blut. Es ist das einzige Mal im Jahr, indem sie soviel Blut zu sich nehmen. Den Rest des Jahres trinken sie sehr wenig Blut. Manche Tage gar nichts." Also war es doch Blut in den Termoskannen!? Wieder meine Gedanken lesend, antwortete er: "Ja, es ist Blut. Auch für uns Teufel hat das Blut einen besonderen Geschmack und einen gewissen Reiz. Mit unseren spitzen Eckzähnen könnten wir genauso Blut trinken, wie sie. Das Blut gibt uns ein berauschendes Gefühl, mehr als Alkohol oder jede Droge." Er schaute zu Armand und setzte dann fort: "Er wird nachher gar nicht mehr mitbekommen, was geschiet." "Aber deswegen sind wir doch nicht hier oder?", fragte ich. "Nein! Ich wollte mich davon überzeugen, dass die Regeln eingehalten werden: Keine neuen Vampire, keine sterblichen Sklaven und kein Blut von anderen Unsterblichen." Kein Blut von anderen Unsterblichen!? Sie sind so viele. Da könnten sie doch einfach über uns herfallen. Vater lachte: "Ein Vampir wäre sehr dumm zu versuchen von einem Teufel zu trinken." "Wieso?", fragte ich. "Er würde langsam innerlich verbrennen. Das Blut ist für sie viel zu stark", erleuterte er. Innerlich verbrennen!? Was haben wir denn für Blut!?

Mein Vater deutete mir ihm zu folgen. Wir verließen den Saal und schauten uns den Rest der Schlosses an. Sauber gemacht wurde hier wohl nur selten. Überall sah man Staubfäden und Zentimeter dicken Staub. Vater lief runter in die Gruft. Er schien die Särge zu zählen. Es waren unheimlich viele, wodurch die Gruft den Anschein eines Massenbegräbnisses machte. Nur, dass die Leichen gerade tanzten und sich mit Blut betranken. Mir lief ein Schauer den Rücken runter. Vater lief durch die Reihen der Särge und blieb vor einem stehen. "Was ist?", fragte ich. Er öffnete den Sarg und hielt sich geekelt die Hand vor Mund und Nase. Ich ging nicht näher heran und wartete einfach ab, was er sagen würde. "Komm Saphir!", sein Tonfall war ernst und er schien sehr verärgert zu sein. Er lief schnell zurück Richtung Tanzsaal. Ich hatte mühe mit ihm Schritt zu halten. Zurück im Tanzsaal ging Vater auf den Grafen zu und sagte so laut, dass es jeder hören konnte: "Wie kommt es, dass ich einen toten Dämon in einem Sarg in eurer Gruf finde?" Die Musik verstummte, niemand tanzte, alles war völlig ruhig. Der Graf antworte im Flüsterton: "Wir haben versucht ihn zu verwandeln." "Ihr kennt die Regeln", ermahte ihn mein Vater, "ihr hättet nicht mal sein Blut trinken dürfen." Der Graf schluckte und antworte wieder in der gleichen Lautstärke: "Er war so verzweifelt. Wir wollten nur helfen." "Ich habe euch eine Menge Freiheiten gelassen und trotzdem schafft ihr es nicht euch an die paar Regeln zu halten", fuhr Vater fort, "Ab sofort ist euch das Töten untersagt." Der Graf sagte nun verblüfft und lauter: "Das ist nicht euer ernst." "Oh doch, dass ist er. Ihr könnt auch Blut trinken ohne zu töten", antwortete er, "Kommt wir gehen." Wir verließen das Schloss und kehrten zurück nach Hause.
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