StartseitePortalSuchenMitgliederAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 5 (von Angelfeather und Luna42)

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Luna42
Babylonier
Babylonier
avatar

Punkte : 1564
Anmeldedatum : 04.01.17
Alter : 32

BeitragThema: Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 5 (von Angelfeather und Luna42)   04.02.18 7:32

Kapitel 1 - Das Band der Brüder

Es war ungewöhnlich ruhig im Haus, wenn Aposter und Fusco unterwegs waren. Eine Atmosphäre, welche Apollon gleichermaßen genoss und Sorgen bereitete, dennoch war sie zu einem alltäglichen Ereignis geworden. Irgendwo waren die beiden gerade unterwegs, vermutlich auf einer Insel im Nirgendwo. Seufzend packte Apollon ein weiteres Buch auf den Stapel in der Bibliothek. Sovos suchte Bücher über Hexerei heraus, um den südlichen Hexern damit einen Gefallen zu tun. Das Problem dabei war, dass sie eigentlich keine Hexer waren und man meinen sollte, dass das Volk der südlichen Hexer mehr davon verstand, als ein paar Magier. „Wozu genau brauchen wir eigentlich diese ganzen Bücher?“, fragte Apollon seinen Onkel, der gerade noch einmal das Regal durchging. „Die südlichen Hexer haben ein recht ungewöhnliches Problem“, begann Sovos zu erklären, „Leider konnten sie bisher nichts Genaueres darüber herausfinden. Daher bitten sie uns um Hilfe. Es kann gut sein, dass in einem dieser vielen Bücher eine Lösung beschrieben ist.“ „Warum haben wir überhaupt so viele Bücher über die Hexerei? Damit können wir doch überhaupt nichts anfangen“, meinte Apollon und blickte seufzend auf den Stapel Bücher. „Das stimmt nur zum Teil. Es ist gut zu wissen mit was man es zu tun hat, wenn ein Fluch auftritt. Manches kann man sogar selbst wieder in Ordnung bringen ohne gleich einen Hexer aufsuchen zu müssen. Aber mit den südlichen Hexern haben wir ein Abkommen, wie du weißt. Daher wäre das nicht einmal das Problem“, erklärte ihm Sovos während er seinen Blick von den Regalen abwand und sich einige Bücher von dem Stapel schnappte, „Bringen wir sie in mein Arbeitszimmer.“ „In Ordnung“, entgegnete Apollon und schnappte sich die restlichen Bücher des Stapels, „Bei der Menge an Büchern wird uns das sicherlich einiges an Zeit kosten.“ Die Bibliothek der weißen Magier war wirklich riesig, beherbergte aber nur einen kleinen Teil der gesamten Bücher des Volkes. In jedem der Anwesen befand sich eine umfangreiche Bibliothek mit einigen Standardexemplaren, aber auch vielen Variationen sowie einigen Einzelstücken. So war jede Sammlung ein ganz besonders Stück des Hauses. Die Auswahl der Bücher erstreckte sich von Geschichte, über Weltkarten, Magie und Legenden, bis hin zu Märchen, Romanen und Gedichten. Die beiden verließen die Bibliothek und gingen mit den Büchern zu Sovos Arbeitszimmer. Dort stellten sie die Bücher auf dem Schreibtisch ab. Vorsorglich hatte Sovos diesen bereits leergeräumt, denn hier häuften sich oft die Papiere von Berichten, Briefen und allerlei anderer Anfragen. Der Schreibtisch selbst war aus hellem Holz gefertigt und so ausgerichtet, dass man sofort sehen konnte, wer den Raum betrat. Während Sovos sich hinter den Schreibtisch setzte und das erste Buch zur Hand nahm, schweiften Apollons Gedanken zu seinem Vater. Sie waren dieses Mal wirklich lange unterwegs. Die Stille machte ihm mehr und mehr Sorgen. Den Gedanken abschüttelnd, griff Apollon ebenfalls zu einem Buch und setzte sich an den runden Tisch, der im Zimmer stand: „Nach was suchen wir genau?“ „Nach einem Fluch, der nachts jemanden in einen Baum verwandelt“, antwortete Sovos ohne von dem Buch aufzusehen. Wenn Apollon es schon seltsam fand nach einem Fluch zu suchen, obwohl er kein Hexer war, dann das man durch diesen in einen Baum verwandelt wurde noch mehr: „Nicht im ernst?“ „Habe ich hier so stehen“, bestätigte Sovos ohne auch nur einmal den Blick zu heben. Von so etwas hatte Apollon noch nie gehört, aber er hatte auch noch nicht sonderlich viel mit den Hexern zu tun gehabt. Das einzige Zusammentreffen mit den südlichen Hexern war im letzten Jahr gewesen. Ein oranger Luchs mit grünen Augen in einer Weste gekleidet oder viel mehr in einem schwarzen Mantel ohne Ärmel, hatte ihnen einen Besuch abgestattet. Es handelte sich dabei um den Herrscher der südlichen Hexer. Trotz seines relativ kurzem Aufenthalts von etwa drei Stunden, hatte Fusco es geschafft einen bleibenden Eindruck zu erwecken und das nicht etwa im positiven Sinne. Der Herrscher hatte sicherlich ganze viel Mal gefragt, ob sie Fusco als Haustier hielten oder er der persönliche Narr wäre. Apollon war von Anfang an dagegen gewesen, dass Fusco bei diesem Zusammentreffen dabei wäre, jedoch hatte die Bedenken anscheinend niemand außer ihm. Hexer faszinierten Fusco einfach. Wenn er einen traf, dann musste er ihn unbedingt fragen, was dieser alles konnte und das waren nicht die normalen Dinge, wie Umweltbeeinflussung, Erschaffung von Lebewesen und die Fluchbeschwörung. Fusco fragte danach, ob er Tauben zum Stepptanzen bringen könnte und Schmetterlinge zum Singen. Kein Wunder, dass der Herrscher bei solchen Fragen so dachte. Allerdings war Apollons Mutter der festen Überzeugung gewesen, dass es zur Auflockerung des Gespräches beigetragen hätte. Indessen blätterte Sovos fleißig in dem ersten Buch herum, um einen passenden Fluch und dessen Auflösung zu finden. Apollon seufzte, kaum dass er die erste Seite aufgeschlagen hatte. Gedanklich war er bei seinem Vater, der ihm von Jahr zu Jahr mehr Sorgen machte: „Ob mein Vater inzwischen zurückgekommen ist?“ „Nein, das denke ich nicht. Dann hätte man uns Bescheid gegeben“, erklärte Sovos, „Die Insel, zu der er wollte, ist reichlich groß. Das dauert seine Zeit. Es ist im sicher nichts passiert. Fusco ist doch bei ihm.“ „Mh“, kam nur von Apollon. Er wusste nicht, ob ihn das beruhigte. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass Fusco einen oft nur noch mehr Schwierigkeiten bereitete, als man ohnehin schon hatte. Dennoch konnte man sich auf ihn verlassen, wenn es darauf ankam. Ein Klopfen war an der Tür zu hören. „Herein“, entgegnete Sovos und blickte nun doch auf, um den hereinkommenden zu empfangen. Die Türklinke wurde nach unten gedrückt und die Tür öffnete sich. Aposter war zurückgekehrt und trat ins Zimmer: „Hey ihr beiden. Ich habe schon gehört, dass ihr beschäftigt seid. Wie läuft’s?“ Apollon murrte, war aber dennoch erleichtert, dass seinem Vater nichts passiert war: „Wir sind noch nicht lange dabei, aber da du so fragst, hast du wohl deinen Bruder nicht gefunden.“ „Leider nein“, gab Aposter zu und setzte sich zu Apollon an den Tisch, „einen Diener haben wir zwar mal wiedergefunden, aber das war nicht einmal ein Wolf. Auch sonst gab es keine schwarzen Magier dort.“ „Nur nicht aufgeben“, ermutigte Sovos ihn und klappte das Buch zu. Sogleich nahm er sich das nächste vor, um darin nach dem passenden Fluch zu suchen. Apollon sah seinen Vater ernst an: „Mal ganz ehrlich, Vater. Wie alt müsste Amelus jetzt sein? 40? Richtig?“ Aposter nickte und Apollon setzte sogleich fort: „Stellen wir uns einmal vor, dass du ihn findest. Einen Diener, einen schwarzen Wolf, der nichts über seine Familie weiß, auf einer Insel lebt, welche von schwarzen Magiern bewohnt wird. Dann kommst du und erzählst ihm, du seist sein älterer Bruder und hättest ihn über all die Zeit gesucht. Er fragt dich natürlich, wie du dir da so sicher sein kannst und du erzählst ihm vom Teufel und dem Pakt. Mal ihm ernst… wer glaubt heute noch an den Teufel?“ „Ich weiß, die Chance ist gering. Doch selbst wenn er es mir dann nicht glauben sollte, habe ich ihn gefunden und kann mich davon überzeugen, dass es ihm gut geht. Solange ich das nicht weiß, werde ich weitersuchen“, erklärte Aposter ihm entschlossen. Ein Seufzen kam von Apollon: „Ich glaube, du hast noch immer nicht erkannt, dass du inzwischen 52 Jahre alt bist und nicht knapp über 30. Viele dieser Diener auf die du stößt, sind unsterblich und altern nicht… Ich möchte meinen Vater nicht wieder verlieren.“ Sovos mischte sich ein: „Willst du damit sagen, dass Aposter zu alt wird zum Kämpfen?“ Aposter lachte leicht darüber: „Komm doch einfach das nächste Mal mit, Apollon. Du wirst sehen, dass ich trotz meiner Suche vorsichtig bin. Außerdem ist mein Körper zwar älter, als meine Seele, was aber nicht bedeutet, dass ich die Gefahr nicht einschätzen kann. Seit über vier Jahren weile ich schon wieder unter den Lebenden. Ich weiß sehr wohl, dass ich nicht mehr der Jüngste bin.“ Gerade wollte Apollon etwas darauf erwidern, als Sovos sich Zettel und Stift zu Hand nahm. „Ich habe es gefunden“, verkündete er und schrieb dann die Informationen über den Fluch aus dem Buch heraus. „Dann können wir ja gehen“, stellte Apollon erleichtert fest und verließ mit seinem Vater das Arbeitszimmer. 

Aposter verabschiedete sich mit einem Kuss von Avisa: „Es wird dieses Mal sicher nicht so lange dauern. Die Insel ist ziemlich klein.“ „Pass gut auf unseren Sohn auf“, gab sie lächelnd zurück, während Aposter sich schon von ihr löste. Sie hatten gerade erst gefrühstückt, doch Aposter hatte es wie immer sehr eilig. Es war die letzte Insel auf der Weltkarte, die er noch nicht besucht hatte. Wenn sein Bruder dort nicht sein würde, wer wüsste, wo sonst. Fusco war schon voraus gestürmt, wobei er sich den letzten Keks von seinem überaus süßen Frühstück in den Mund schob. Draußen unterhielt er sich mit den beiden Wachen am Tor vor der Umzäunung des Grundstückes. Kopfschüttelnd blickte Apollon zu seinem Vater: „Ich denke, ich passe eher auf dich und Fusco auf. Es ist mir ein Rätsel, warum ihr immer so lange unterwegs seid.“ Leicht lachend ging Aposter mit ihm durch den Flur nach draußen: „Das wirst du schon noch sehen und ich denke, es wird dich nicht überraschen.“ Draußen begrüßten sie die beiden Wachen, wie es üblich war: „Guten Morgen Aposter, Prinz Apollon.“ Es folgte von beiden jeweils ein anerkennendes Nicken. Apollon und Aposter erwiderten diese Geste: „Guten Morgen.“ Tatsächlich hatte Aposter es erst im letzten Jahr geschafft, den Wachen das Wort Hoheit abzugewöhnen. Sehr bald wäre er den Titel nun sowieso los, wenn Apollon der neue Herrscher werden würde, vermutlich mit Venusta als Herrscherin an seiner Seite. Kaum hatten sie das unsichtbare Schutzschild hinter sich gelassen, welches das Grundstück umgab, verschwand Aposter zusammen mit Fusco und Apollon in schwarzem Rauch. Als sie aus selbigen wieder in einer Stadt auftauchten, musste Apollon einen Moment daran denken, wie er früher immer in den Gassen auftauchte, um auf Dienerjagd zu gehen im Namen des Teufels. Er war froh, dass sie nur in dieser Seitenstraße auftauchten, um die Passanten nicht zu verschrecken. Die Stadt war, wie die meisten Städte aufgebaut: Viele Wohnhäuser, Supermärkte und Modegeschäfte. Auch die Bewohner schienen ganz gewöhnliche Leute zu sein, die ihrem normalen Alltagsleben nachgingen. Die drei betraten die Hauptstraße und sahen sich etwas um. „Spürst du irgendetwas?“ wollte Apollon von seinem Vater wissen. „Nein“, entgegnete Aposter, „es ist kein Diener in der Nähe. Lasst uns etwas außerhalb der Stadt suchen.“ Fusco schaute sich begeistert die Schaufenster der Läden an und immer wieder musste man ihn von einem dieser wegzerren. „Könntest du das endlich mal lassen?“ ermahnte ihn Apollon. Fusco lachte: „Wieso denn? Wenn wir schon hier sind, kann man das auch ruhig mal ausnutzen.“ Langsam wurde Apollon klar, warum es immer so lange dauerte bis sein Vater zurückkam. Es lag einfach an Fusco und seiner Vorliebe für alles. Als sie endlich die Stadt verließen und dem Trampelpfad in Richtung Strand folgten, spürte Aposter die Anwesenheit eines Dieners: „Hier ist einer. Gar nicht weit. Folgt mir.“ Apollon murrte leicht: „Das ist er doch eh wieder nicht.“ „Wer weiß“, gab Fusco grinsend von sich, doch Apollon hatte Recht. Der Diener war kein Wolf, sondern ein schwarzer Hase. Fusco machte das gar nichts und er ging auf ihn zu: „Hey!“ Der Hase sah grimmig zu Fusco: „Was willst du, Dämon?“ „Nicht so unfreundlich“, antwortete Fusco, „arbeitest du noch für den Teufel?“ Seit dem der Körper des Teufels einmal vernichtet worden war, waren viele Diener nicht zurückgekehrt und nun auf der Flucht. Sicherlich würde der Teufel sie nie alle beseitigen können, was auch bedeutete, dass eine Menge Unsterbliche umher wanderten und mit der Zeit oft den Standort wechseln mussten, damit nicht auffiel, dass sie nicht alterten. Sicherlich hatten diese sich ihre Unsterblichkeit auch anders vorgestellt. „Ich arbeite noch für den Teufel und werde es auch weiterhin tun“, antwortete der Diener mit einem drohenden Unterton. „Wenn das so ist…“, begann Fusco und ließ die Schuhe des Dieners in schwarzen Flammen aufgehen. Dieser schrie auf: „Verdammt…“ Ehe er auch nur daran denken konnte seinen Satz zu beenden, rannte er so schnell ihn seine Füße tragen konnten hinunter zum Meer in das kühlende Wasser. Fusco lachte laut, während der Diener davonrannte. Zumindest einer hatte seinen Spaß. Aposter war jedoch enttäuscht. Sie hatten fast die ganze Insel abgesucht und bis hinunter zum Strand konnte er keinen Diener spüren. Er ging los, um noch das letzte Stück abzusuchen, aber viel Hoffnung hatte er nicht mehr: „Vielleicht ist die Insel einfach nicht verzeichnet oder die schwarzen Magier leben dort schon längst nicht mehr, sondern sind umgesiedelt und er dann natürlich auch. Aber wo sollte ich dann anfangen zu suchen?“ Apollon überlegte etwas zu sagen, irgendetwas zur Aufmunterung, jedoch viel ihm nichts ein. Fusco schlenderte wie immer bester Laune hinterher: „Fang einfach irgendwo an. Wenn das Glück auf deiner Seite ist, wirst du ihn finden.“ „Wenn!“, betonte Apollon. Aposter äußerte sich dazu nicht weiter. In Gedanken war er bei seinem Bruder. Irgendwo musste er einfach sein. Er wollte nicht wahrhaben, dass dieser vielleicht lenkst tot war und jede Suche zwecklos. Wie vermutet fanden sie keinen weiteren Diener auf der Insel und so verschwanden sie von dort auch wieder. In Civitas tauchten sie in einiger Entfernung zum Anwesen auf, so wie sie es immer taten. Auch hier handelte es sich um eine Nebenstraße, die in der Regel keine Aufmerksamkeit auf sich zog. Aposter ging voraus, immer noch in Gedanken darüber, was er nun als nächstes tun sollte, ehe er plötzlich stoppte: „Ein Diener ist hier ganz in der Nähe.“ Apollon sah sich sofort alarmiert um: „Wo genau?“ Auch Aposter drehte sich und sah nach oben. Seinem Blick folgend, entdeckte auch Apollon den Diener, dort auf dem Dach saß ein schwarzer Wolf, der breit grinste. Allerdings viel zu jung, als das er in Frage käme. Apollon erkannte ihn sogar, allerdings hielt sich seine Freude in Grenzen: „Das ist Lessus. Mit dem hatte ich schon einmal das Vergnügen.“ „Ganz recht, Corvus. Du lässt es dir ja inzwischen gut gehen, aber wir haben noch eine alte Rechnung offen. Ich und noch ein paar andere“, erklärte er weiterhin grinsend und lachte dann auf. „Was willst du?“ wollte Apollon nun wissen. Lessus grinste wieder breit, was Apollon gar nicht gefiel. Er kannte Lessus zu gut und wusste, dass dieser sicherlich irgendwas vorhatte. „Stell dir vor, Corvus. Ich und meine Mitstreiter fliehen vor dem Teufel und wollen uns an dir rächen. Wie viele wir sind, verrate ich dir mal nicht. Das würde nur die Überraschung verderben. Nun kam doch tatsächlich ein kleines Wolfsmädchen zu mir und fragte mich, ob ich für den Teufel arbeitete und schwarze Magie beherrsche. Wahrheitsgemäß antwortete ich mit einem ‚Ja’. Und dann kommt sie mit dem Namen Aposter daher. Sie hat mir die Worte praktisch in den Mund gelegt, dass ich Aposters Sohn, ihr Cousin wäre. Kleine Kinder sind so einfach zu täuschen, jedenfalls freute sie sich riesig. Dummer Weise bin ich schon über 300 Jahre alt, was man mir zum Glück nicht ansieht“, begann Lessus munter zu erzählen, als hätten sie einen netten kleinen Smalltalk zusammen. Apollon wurde langsam ungeduldig und knurrte: „Was willst du mir damit sagen? Das du meine Cousine hast? Das kannst du dir auch ausgedacht haben.“ Aposter sah nun besorgt zu Lessus: „Was habt ihr mit dem Mädchen gemacht?“ „Sie lebt“, antwortete Lessus überlegen, „Wer weiß wie lange. Oh nicht das ich scharf drauf wäre ein kleines Mädchen zu töten, aber das kommt jetzt ein bisschen auf Corvus an.“ Apollon ballte die Fäuste, wütend sah er zu Lessus: „Was willst du?“ Nicht einmal Fusco konnte über die Situation lachen und sah zur Abwechslung mal ernst drein. Lessus war jedoch immer noch sehr amüsiert und grinste verschlagen: „Am liebsten würden wir dich töten, jedoch haben wir es uns anders überlegt. Du kannst uns von großem Nutzen sein. Daher wollen wir dich als unseren Gefangenen. Dafür lassen wir das Mädchen frei.“ „Woher sollen wir wissen, dass du dir das nicht einfach nur ausgedacht hast?“ hackte Apollon erneut nach. Auch Aposter fand das diese Frage geklärt werden musste, inzwischen hatte sich seine Suche sicherlich rumgesprochen. Genauso sehr wusste er aber, dass sie nicht das Risiko eingehen konnten, dass ihr etwas passierte. Dennoch konnten sie auch nicht riskieren, dass Apollon sich opferte. Sie würden es heraus zögern müssen, um mehr herausfinden zu können. Wenn sie tatsächlich Amelus’ Tochter war und Lessus sich das nicht alles ausdachte, dann würde ihr Vater sie doch sicherlich auch vermissen. Würden sie so auf ihn treffen? Und wenn nicht, würde das Mädchen ihnen sicherlich sagen können, wo ihr Vater sich aufhielt. Lessus stand nun auf: „Ihr wisst es nicht, aber ich mache euch einen Vorschlag. Ihr könnt euch das bis morgen überlegen bzw. Corvus kann sich das bis morgen überlegen. Dann komme ich wieder und bringe ein Foto mit. Dann könnt ihr sie mal anschauen.“ Er lachte und verschwand dann in schwarzem Rauch. Fusco sah nachdenklich drein: „Möglich wäre es, jedoch woher soll sie von ihrem Cousin wissen? Amelus verschwand als Baby. Selbst wenn er etwas über seine Familie weiß, dann nur, dass er einen Bruder hatte.“ „Du denkst ja wirklich mal nach, Fusco“, staunte Apollon. Aposter war sich jedoch unsicher. Was wäre, wenn das Mädchen tatsächlich Amelus’ Tochter wäre. Konnten sie das Risiko eingehen und selbst wenn nicht. Wäre das Mädchen wirklich in Gefahr konnten sie doch nicht einfach nichts tun. „Vater?“ fragte Apollon. Aposter sah noch immer nachdenklich zu Apollon: „Vielleicht braucht das Mädchen wirklich Hilfe. Ich finde, wir sollten mehr darüber herausfinden. Wenn wir Lessus an der langen Leine halten, wird er nicht gleich abspringen.“ Apollon seufzte und gab sich geschlagen: „Na schön. Du hast ja Recht. Wir können ja nicht einfach nichts tun. Mum und Sovos werden uns sicher auch helfen.“ Fusco grinste: „Dann wird das ja vielleicht richtig spannend. Ein wenig Aktion hatten wir schon länger nicht mehr.“ Apollon schüttelte ungläubig den Kopf: „Deine Denkweise möchte ich mal verstehen.“ Fusco lachte laut. 

„Dieser Lessus behauptete also, dass er Apollons Cousine gefangen genommen hätte und im Austausch für sie, will er Apollon?“ fasste Sovos noch einmal zusammen, nachdem Aposter ihm von dem Zusammentreffen mit Lessus berichtet hatte. „Ja, genau so ist es“, bestätigte Aposter, „aber es ist gar nicht wichtig, ob das nun stimmt. Ein Mädchen könnte tatsächlich in Gefahr sein.“ Sovos wirkte nachdenklich. Fusco grinste: „Sie kann es gar nicht sein. Woher hätte Amelus wissen sollen, dass er noch einen Neffen hat und warum sucht sie ausgerechnet nach Apollon und nicht nach Aposter?“ Avisa hatte jedoch ihre Bedenken: „Ich an Amelus‘ Stelle hätte Nachforschungen angestellt. Jeder will doch wissen, woher er kommt. Wenn er dabei tatsächlich auf die Diener des Teufels gestoßen ist und erfahren hat, dass Aposter tot ist, er aber noch einen Sohn hat, dann sucht er natürlich auch nach diesem.“ „Möglich“, fügte Sovos hinzu, „aber er sagte nichts von Amelus bzw. über die Eltern des Mädchens. Das könnte bedeuten, dass sie einfach nur alleine unterwegs war, aber auch, dass ihre Eltern vielleicht schon längst…“ Aposter wollte das nicht hören und ging aus dem Zimmer. All die Jahre hatte er nach seinem Bruder gesucht und nun sollte er in Betracht ziehen, dass er vielleicht längst tot war. Daran hatte er nie denken wollen, obwohl er natürlich wusste, dass es möglich wäre. Er ging in das Zimmer, das Sovos und Avisa einst für Amelus eingerichtet hatten, falls er je hierher finden würde oder Aposter ihn gefunden hätte. Es war nicht viel anders eingerichtet, als die anderen Zimmer. Ein weicher Teppich, ein breites Bett, ein Schreibtisch und ein Stuhl davor sowie ein kleiner Nachttisch. Auf dem Schreibtisch stand ein Foto. Aposter selbst hatte es dort hingestellt. Seufzend setzte er sich vor den Schreibtisch und griff nach dem Foto. Es war das einzige Bild, das ihm geblieben war. Dort waren sein Vater Caligare, seine Mutter Creatrix, Amelus in ihren Armen und er selbst darauf zu sehen. Damals war er gerade einmal 12 Jahre alt gewesen und sein Bruder erst wenige Tage alt. Mit zwei Fingern strich er über den kleinen Amelus: „Sollte mir wirklich nur ein halbes Jahr mit dir vergönnt gewesen sein!? Das darf nicht sein. Ich habe eine zweite Chance bekommen, warum bekomme ich nicht auch meinen kleinen Bruder zurück!?“ Es schmerzte daran zu denken und er schloss einen Moment die Augen, ehe er sie wieder öffnete: „Vater, du riesengroßer Idiot! Was hast du nur getan?“ Aposter erinnerte sich ungern an diesen Tag und doch war es wie eine tiefe Wunde, die nie zu heilen schien. Hinter dem Foto zog Aposter etwas hervor. Es war ein Brief, den er für seinen Bruder verfasst hatte, falls er selbst nicht mehr da sein könnte, um mit ihm zu sprechen.

Mein lieber Bruder,

sicherlich kannst du dich nicht mehr an mich erinnern, aber ich mich sehr gut an dich. Ich habe dich immer geliebt und dich all die Jahre gesucht, jedoch konnte ich dich nicht finden. Wenn du das hier liest, bin ich bereits tot. Ich wünschte, es wäre anders gekommen. Auf dem Foto ist übrigens unsere Familie zu sehen. Das kleine Baby dort, das bist du. Unsere Mutter hält dich im Arm, sie hieß Creatrix. Sie war eine sehr starke Frau und schien niemals unglücklich zu sein, obwohl sie uns nur sehr selten sah. Links daneben steht unser Vater Caligare. Er war ein wenig verrückt und liebte Geister über alles, jedoch nicht mehr als seine Familie. Der junge Wolf vor ihm, das bin ich mit 12 Jahren. Wir haben einen ganz schön großen Altersunterschied, wie du merkst. Das machte mir aber rein gar nichts. Du warst der größte Schatz, den ich hatte.

Ich will dir erzählen, was damals geschah. Unser Vater Caligare war nach deiner Geburt nicht mehr der Gleiche. Er war schon vorher seltsam und ging ständig in Tränen auf, wenn ich Verletzungen hatte, aber ab da an war er kaum noch anzutreffen. Die meiste Zeit war ich mit dir allein in der Hölle. Eigentlich kein Ort für ein Baby, aber so sind wir alle aufgewachsen. Auch Vater und wohl jeder unserer Vorfahren. Ein halbes Jahr ging das so. Ich kümmerte mich um dich, sorgte dafür, dass es dir gut ging und sang dir abends vor. Kein Dämon oder Diener durfte dir zu nahekommen. Ich ließ sie nicht ins Zimmer, auch wenn ich dafür einiges einstecken musste. Fusco, ein guter Freund von mir, bekam dich auch nur sehr selten zu Gesicht. Ich war einfach vorsichtig. Dann kam unser Vater zu mir und erzählte mir von seinem Plan dich fortzubringen und das ich stark sein müsste. Er wollte dich auf eine Insel bringen, wo auch schwarze Magier lebten. Es wäre schließlich möglich, dass du auch über schwarze Magie verfügen würdest. Unsere Mutter war eine Nichtmagierin und unser Vater ein schwarzer Magier. Auch ich verfüge über schwarze Magie. Wie das bei dir ist, weiß ich nicht. Die Nacht nachdem unser Vater mich eingeweiht hatte, verschwand er mit dir. Am Tag danach wurde er von einigem Dienern geschnappt und getötet, doch von dir keine Spur. Sie suchten bei unserer Mutter, aber auch dort warst du nicht. Sie wurde getötet. Ich war von da an allein. Naja, ich hatte noch Fusco. Seit diesem Tag habe ich dich gesucht und doch konnte ich dich nicht finden. Tut mir leid. 

Vielleicht sehen wir uns irgendwann in einer besseren Welt wieder.

Dein dich liebender Bruder,

Aposter

Aposter faltete den Brief wieder zusammen, nachdem er ihn erneut gelesen hatte. Es gab zwar noch eine zweite Seite auf welcher das Schlaflied stand, jedoch wollte er das nicht auch noch lesen. Sein Herz schmerzte schon genug. Für ihn stand eines fest, wenn das Mädchen tatsächlich Amelus’ Tochter wäre, würde er sich um sie kümmern, wenn ihr Vater verschieden sein sollte. Er wollte die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Vielleicht war sie nur zufällig allein unterwegs gewesen und es konnte auch immer noch sein, dass sie gar nicht Amelus’ Tochter war. Aposter atmete tief durch und steckte den Brief wieder hinter das Foto. Ob er all das, was auf diesem Stück Papier stand, jemals seinem Bruder sagen würde!?

_________________


Zuletzt von Luna42 am 25.02.18 13:48 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
http://www.karasu-no-shugo-tenshi.de
Luna42
Babylonier
Babylonier
avatar

Punkte : 1564
Anmeldedatum : 04.01.17
Alter : 32

BeitragThema: Re: Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 5 (von Angelfeather und Luna42)   04.02.18 8:30

Kapitel 2 - Ein Mädchen in Not


Sovos hatte sich inzwischen von Apollon eine genaue Beschreibung von Lessus geben lassen und alles sorgfältig notiert. Er saß in seinem Arbeitszimmer, die Akte von Lessus vor sich und telefonierte. Eine Akte selbst war nur dürftig gefüllt. Scheinbar wusste er sich gut zu verbergen vor den Blicken der weißen Magier. Die schnellste Methode eine Gruppe von Dienern ausfindig zu machen, war die alle Häuser zu informieren. Umso mehr weiße Magier Ausschau hielten, umso schneller würden sie die Gruppe ausfindig machen und dem Mädchen helfen können. „Denkt daran, dass ihr nicht selbstständig etwas unternehmt, wenn ihr sie entdeckt. Das Risiko ist zu groß, dass dem Mädchen etwas passieren könnte“, erinnerte Sovos den weißen Magier auf der anderen Seite der Leitung, „Wir haben leider keine Ahnung wie groß die Gruppe ist. Seit also vorsichtig… Ja… über Neuigkeiten werdet ihr informiert. Bis dann.“ Kaum das er den Hörer aufgehängt hatte, wählte er schon die nächste Nummer. Apollon selbst wollte sich auch auf den Weg machen und die Gegend absuchen. Vielleicht wären sie sogar ganz in der Nähe, aber das musste nicht sein. Fusco wollte ihn begleiten, um ihn zu beschützen. Jedenfalls behauptete er das. Apollon glaubte eher, dass Fusco mitkommen wollte, um seinen Spaß zu haben. Die beiden begannen ihre Suche dort, wo sie Lessus begegnet waren. „Mach keinen Unsinn, Fusco. Das kann ich jetzt echt nicht gebrauchen“, ermahnte Apollon ihn, ehe er sich in eine Krähe verwandelte und flog hoch zu dem Dach, auf welchem Lessus gesessen hatte. Zum Glück war es, wie oft in diesem Teil der Stadt, sehr ruhig und nur wenige Leute waren unterwegs. Sie konnten es gar nicht gebrauchen, dass vielleicht noch jemand hysterisch wird, weil sich jemand vor ihnen in eine Krähe verwandelte. Oben angekommen verwandelte er sich wieder zurück in seine normale Gestalt. Auf dem Dach wuchs eine Menge Moos in welchem sich die Feuchtigkeit sammelte. Apollon betrachtete es genauer, vielleicht könnte er so erfahren, ob Lessus einfach nur dort aufgetaucht war oder ob er auf das Dach gestiegen war. Dieses könnte ihm bereits weiterhelfen. Fusco sprang mit einem Satz auf das Dach und grinste: „Schon was Interessantes gefunden?“ „Nein, noch nicht“, antwortete Apollon. Er kniete sich zu dem Moos hinunter und fasste herüber. Er rieb dann die Finger aneinander und sah nachdenklich drein: „Er ist über das Dach gelaufen.“ Sogleich er stand auf und lief zu der Feuerleiter am anderen Ende: „Vermutlich von hier gekommen. Die Leiter ist jedoch nur bis zur Hälfte mit leicht feuchter Erde beschmutzt. Also muss er hier aufgetaucht sein. Warum gerade hier? Woher wusste er, dass wir hier auftauchen würden?“ Fusco kam langsam hinterher geschlendert: „Aposter und ich tauchen immer hier in der Nähe auf, wenn wir zurückkommen.“ „Hm“, machte Apollon, „also hatte er auf euch gewartet und das ich dabei war, passte ihm natürlich. Wahrscheinlich hat er schon seit Tagen überlegt, wie er an mich rankommt oder die Gruppe. Vielleicht war Lessus gar nicht immer hier.“ Fusco grinste: „Was sagt dir dein Instinkt?“ „Das er nicht hier ist“, entgegnete Apollon. Trotzdem sah er nachdenklich auf die Stufen der Feuerleiter: „So viel feuchte Erde… wo auch immer er her kam, dort ist der Boden locker und feucht gewesen. Vielleicht ein kleines Dorf oder sogar außerhalb von Dörfern und Städten.“ „Ein Bauernhof“, warf Fusco grinsend ein, „da hat man immer eine Menge Dreck an den Schuhen.“ Die Idee war nicht schlecht, dass fand sogar Apollon und überlegte weiter: „Gibt es hier in der Nähe einen Bauernhof?“ Schulterzuckend setzte sich Fusco an den Rand des Daches: „Hier gibt es weite Wiesen, einen Wald und etwas weiter ein Dorf, aber ein Bauernhof wäre mir sicher aufgefallen. Es gibt hier nicht mal Felder, wenn man von den weiten Rasenflächen absieht.“ Er lachte darüber. Apollon verstand Fuscos Witze noch immer nicht wirklich. Sein Humor war einfach nicht ansprechend für Apollon. Eine Krähe kam angeflogen, landete auf dem Dach und verwandelte sich. Sovos war dazu gekommen. Apollon sah verblüfft zu ihm: „Sovos, ist was passiert?“ „Nicht direkt, aber wir haben einen Hinweis, wo sich Lessus aufhalten könnte. Ein paar weiße Magier wollen einen Wolf des Öfteren in Cultor gesehen haben, auf den die Beschreibung passt. Aposter ist bereits mit Avisa, Devoto und Cantio dorthin, um sich das genauer anzuschauen“, erklärte Sovos. Apollon nickte: „Dann nichts wie los.“ Es wunderte ihn zwar, dass seine Mutter selbst auch mitgegangen war, jedoch tat sie das sicherlich, weil sie wusste wie wichtig Aposter es war seinen Bruder wieder zu finden. Das Mädchen konnte ein entscheidender Hinweis sein.

Aposter lief bereits mit Avisa, Devoto und Cantio durch Cultor. „Irgendwo hier sind sie sicherlich“, meinte Aposter. Er war etwas angespannt und wollte nicht eher aufhören zu suchen, bis sie Lessus oder sogar das Mädchen gefunden hätten. Avisa verstand das gut und folgte ihm, wobei sie die Augen und Ohren offenhielt. Auch Devoto und Cantio taten dieses, jedoch achteten sie mehr auf die Umgebung und ob sich nicht ein Diener heranschlich. Ihre Aufgabe war es immerhin vor allem Avisa zu beschützen. Das Dorf Cultor war kein besonders großes Dorf und die Häuser waren teilweise sehr runter gekommen. Nur noch wenige Leute wohnten hier, was auch verständlich war. Es ähnelte schon fast einer Geisterstadt und doch traf man ab und zu auf eine Person. Allerdings sprach das Erscheinungsbild für sich. Die Leute hatten lumpige Kleidung und sahen auch nicht besonders glücklich aus. Das perfekte Versteck für ein paar ehemalige Diener des Teufels. Dürr, oft genauso in Lumpen gekleidet und mit alten Narben versehen erregte man schnell aufsehen. Nur hier nicht. Aposter blieb stehen: „Fusco ist wahrscheinlich hier. Ich spüre einen Dämon. Sicherlich sind dann auch Apollon und Sovos dabei.“ Avisa lächelte: „Gehen wir nachschauen.“ „Aber mit Bedacht“, ermahnte Devoto seine Herrscherin, „es könnte auch ein fremder Dämon sein.“ Lächelnd nickte Avisa: „Ich weiß. Wir wissen nicht, was uns hier erwartet.“ Es war nicht weit. Einen Häuserblock weiter bogen sie in eine Straße ein. Fusco grinste breit, als er Aposter, Avisa, Devoto und Cantio sah: „Hey, da wären wir. Habt ihr schon was gefunden?“ „Nein, leider nicht“, antworte Aposter leicht seufzend. Apollon nickte: „Dann nichts wie los.“ Sie suchten fast das ganze Dorf ab, bis sie in einen Teil des Dorfes kamen, der völlig ausgestorben schien. Einige Häuser waren schon halb eingestürzt, andere hatten keine Fenster mehr. Aposter spürte Diener und ging voraus: „Fünf Diener sind hier.“ „Sind wir lieber vorsichtig“, warf Devoto ein, „Ihr solltest etwas zurückbleiben, Hoheit.“ Aposter ging voraus, während Avisa sich mit Cantio etwas zurückfallen ließ. Vor einem herunter gekommenen Haus blieben sie stehen. Sogleich kamen drei Diener heraus und stellten sich ihnen entgegen. Scheinbar hatte man sie schon von Weitem kommen sehen. Einer der drei war Lessus, welcher sich ihnen selbstsicher entgegenstellte: „Hallo Corvus. Kommst du doch schon so früh, um den Tausch zu vollziehen?“ Apollon knurrte: „Vergiss es Lessus. Wo ist das Mädchen?“ Lessus lachte: „Sie ist hier, aber ihr kriegt sie nicht.“ Apollon schoss mit weißen Magiekugeln auf Lessus. Dieser wich zur Seite aus und rief nach Mira. Sie kam herausgerannt und sah besorgt aus: „Lessus, sie ist weg!“ „Was!?“ schrie er fast. „Tut mir leid, sie ist weg. Das Zimmer ist leer, aber sie kann noch nicht lange…“ erklärte sie. Lessus unterbrach sie und knurrte: „Los! Sucht sie! Alle!“ Sie verschwanden in schwarzen Rauch. Aposter zögerte nicht und rannte erst mal in das Haus. Die anderen folgten ihm und sahen ihm verblüfft zu, wie er alle Zimmer durchsuchte. Es klirrte einige Male, Gegenstände vielen zu Boden, alle Schränke und Ecken wurden von ihm durchsucht. „Verdammt!“ rief er schließlich, „sie ist wirklich weg!“ „Suchen wir sie“, schlug Sovos vor, „wir teilen uns auf, dann haben wir eine größere Chance sie vor den Dienern zu finden.“ Fusco grinste: „Das wird lustig. Der reinste Wettlauf.“ Apollon seufzte: „Kannst du irgendwas mal ernst nehmen?“ Fusco lachte: „Nehme ich doch.“ „Wir treffen uns in einer Stunde auf dem Dorfplatz wieder“, beschloss Avisa. Devoto und Cantio blieben bei Avisa und suchten zu Fuß die nähere Umgebung ab. Sovos und Apollon hatten sich getrennt als Krähen auf die Suche begeben und überflogen die Straßen und Gassen, während Aposter und Fusco ebenfalls getrennt etwas weiträumiger suchten. Apollon erblickte von oben einen Luchs, der einem Wolfsmädchen hinterherrannte. Es handelte sich dabei um einen Diener, Segrego. Früher war er einer der wenigen Diener, die Neue anwerben sollten. Wegen seiner schlechten Arbeit und Apollons Berichten darüber, wurde ihm eine andere Aufgabe zugeteilt. Seitdem schaltete er Priester aus. Nicht gerade eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Normaler Weise tat das nur der Überschuss unter den Diener, denen sehr bald der Tod drohte. Gerade wollte Segrego das Mädchen packen, als Apollon zum Sturzflug überging und mit seinen Krallen über Segregos Kopf fuhr. Dieser blieb stehen und fasste sich reflexartig an seinen Kopf. Das Mädchen blieb stehen und sah verblüfft zu Segrego. „Verdammte Krähe“, fluchte er. Apollon drehte um und flog an dem Mädchen vorbei. Ein Stück weiter blieb er auf einem kaputten, größeren Tontopf sitzen und krächzte. Die kleine Wölfin blickte ihn erstaunt an, verstand dann aber schnell: „Nichts wie weg hier.“ Am Rücken der Wölfin erschienen weiße, im Sonnenlicht glitzernde Flügel. Apollon schüttelte sein Gefieder fassungslos. Eigentlich sollte er als ehemalgier Diener des Teufels einiges gewöhnt sein, aber das war ihm wirklich neu. Er krächzte erneut und flog nach oben. Es war keine Zeit sich über Engelsflügel Gedanken zu machen. Das Mädchen folgte ihm hinauf zu den Dächern. Segregos Blick folgte ihnen fassungslos: „Ich muss aufhören zu trinken.“ Er fluchte dann und versuchte sie nicht aus den Augen zu verlieren, während er die Straßen entlang rannte: „Verflucht noch mal!“ Apollon landete auf einem der Häuserdächer und blickte sich nach ihr um. Das Mädchen landete vor ihm und kniete sich zu ihm herunter: „Du bist gekommen um mir zu helfen. Dieses Gefühl…“ Nachdenklich blickte sie ihn an und strich über sein Gefieder. Apollon ließ sich das gefallen. Sicherlich wäre es einfacher, wenn Apollon sich zurück verwandelt hätte und mit ihr gesprochen, um dann mit ihr zu fliehen, aber er wusste selbst, dass er nicht wie der liebe und nette Typ von nebenan aussah mit seinen ganzen Narben. Er würde sie sicherlich erschrecken und sie würde davonlaufen. Das konnte er unmöglich riskieren. Also half er ihr als Krähe und hoffte möglichst bald auf einen der anderen zu treffen. „Eine Krähe“, meinte das Mädchen nachdenklich. Apollon krächzte und fühlte sich sogar richtig wohl, während sie ihn streichelte. Natürlich wusste er, dass sie sich auf dem Dorfplatz treffen wollten, doch es war viel zu früh. Wenn sie dort warten würden, hätten die Diener sie schnell im Blick. Aus schwarzem Rauch tauchte Segrego auf dem Dach auf und knurrte: „Denke nicht, dass du uns entkommen kannst, nur weil du Flügel hast.“ Instinktiv stellte sich das Wolfsmädchen vor Apollon: „Dann versuch’s doch. Ich habe keine Angst vor dir.“ Apollon krächzte. Was sollte er nur tun? Er konnte doch nicht einfach zusehen, wie sie auf eigene Faust versuchte es mit einem ehemaligen Diener des Teufels aufzunehmen. Sie hatte ja keine Vorstellung mit wem sie es da zu tun hatte. Es blieb ihm nichts anders übrig, als zu hoffen, dass sie sich vor ihm nicht erschrecken würde. Segrego schoss mit schwarzen Magiekugeln auf das Mädchen. Sie schloss ihre Flügel vor sich, um den Angriff abzuwehren. Zeitgleich verwandelte sich Apollon zurück. Seine Krähengestalt begann zu leuchten und sich auszudehnen bis er seine normale Gestalt angenommen hatte. Bevor die Kugeln das Mädchen erreichten, wehrte er sie mit einem Schutzschild aus weißer Magie ab: „Verschwinde Segrego!“ Das Mädchen drehte sich mit staunendem Blick um: „Jetzt ergibt das mehr Sinn.“ Segrego lachte darüber: „Von was träumst du nachts, Corvus? Euch beide zu fangen wäre sogar noch besser.“ „Stell dich hinter mich“, wies Apollon das Mädchen an. Die dachte nicht im Traum daran: „Ich kann auch kämpfen.“ Segrego zögerte nicht lange und schoss schwarze Magiekugeln auf Apollon. Erneut errichtete Apollon ein Schutzschild, an der diese abprallten. Das Wolfsmädchen schoss mit Federn nach Segrego. Die Gefahr nicht erkennend schrie dieser auf, denn die Federn waren messerscharf. „Gut, es kann ja sein, dass du wirklich kämpfen kannst, aber wenn wir uns darauf weiter einlassen, ziehen wir die Aufmerksamkeit auf uns und die andern Diener werden auch sehr bald hier sein. Viel zu riskant“, erklärte Apollon, dem nicht entgangen war wie viele Schnittwunden Segrego sich zugezogen hatte. Danach erzeugte Apollon aus weißer Magie unzählige Krähenfedern, die nur so umherflogen. „Hoch“, wies er sie erneut an und verwandelte sich zurück in die Krähe. Segrego war durch den Sturm von Krähenfedern vorrübergehend abgelenkt. Es war ihm kaum möglich überhaupt zu erkennen wohin die beiden verschwanden. Apollon flog nach oben, durch die vielen Federn hindurch. Das Mädchen folgte ihm: „Wir können doch auch nicht die ganze Zeit davonlaufen.“ Mit einem Krächzten antwortete Apollon, was dem Mädchen natürlich überhaupt nichts sagte. Fusco rannte ein Stück weiter über eines der Dächer. Als Apollon ihn entdeckte, senkte er sich im Sturzflug hinab und verwandelte sich kurz bevor er den Boden des Daches berührte vor ihm zurück: „Fusco.“ Auch das Mädchen landete. Begeistert schob Fusco seinen Freund beiseite und ging auf die junge Wölfin zu: „Das ist unglaublich. Schau dir doch mal diese Flügel an, Apollon.“ Seufzend verdrehte Apollon die Augen: „Falls es dir nicht aufgefallen ist, habe ich sie hierhergeführt.“ Das Mädchen musterte Fusco einen kurzen Moment: „Du hast seltsame Augen.“ Fusco lachte: „Ja, nicht wahr? Ich bin ein Dämon. Dämonenaugen.“ „Das hat sie sicher verstanden“, warf Apollon jetzt ein, „Wir haben wirklich keine Zeit dafür.“ Bevor sie jetzt wieder irgendwohin verschwinden würde, nutzte das Wolfsmädchen die Situation um zwei Fragen zu stellen und blickte dabei zu Apollon: „Dienst du dem Teufel? Beherrschst du schwarze Magie?“ Apollon lächelte leicht: „Nein, aber ich habe mal dem Teufel gedient und verfügte über schwarze Magie. Nun nicht mehr. Ich weiß warum du das fragst. Lessus meinte, du wärst meine Cousine, aber das ist noch nicht sicher, also warte erst mal ab. Übrigens heiße ich Apollon, wie du vielleicht schon mitgekommen hast und du bist?“ Das Mädchen strahlte, lief zu ihm hin und umarmte Apollon einfach: „Ich bin La Mare und ich bin mir sicher, dass du mein Cousin bist. Wie viele dienen schon dem Teufel?“ Apollon wollte dazu nichts sagen. Es waren auf jeden Fall viel mehr, als sie sich vorstellen konnte. Er löste sich vorsichtig aus ihrer Umarmung: „Reden wir später. Fusco, weißt du wo die anderen sich aufhalten?“ Fusco lachte: „Nur ungefähr.“ Er wand sich noch mal an La Mare: „Und du bist also die kleine Wölfin, die uns ein wenig Aktion verschafft hat.“ Mit einem breiten Grinsen strich er ihr einmal über den Kopf: „Ich bin übrigens Fusco, ein Freund der Familie, könnte man sagen. Aber suchen wir erst einmal die anderen, sonst bekommt Apollon noch einen Anfall.“  Apollon schüttelte seufzend den Kopf: „Zumindest verfügst du über etwas Vernunft.“ Fusco brachte sie von einem Ort zum anderen so fanden sie Sovos, Aposter und schließlich auch Avisa, Devoto und Cantio. Für kurze Vorstellungen war immer Zeit, dann kehrten sie zurück nach Hause zusammen mit La Mare.  

La Mare schien fasziniert von dem Haus und der Innengestaltung zu sein. So hell, edel, die vielen Bilder und Gemälde und das Wohnzimmer schien auch nicht für jeden im Haus vorgesehen zu sein. Die Wachen hatten die Familie auch förmlich begrüßt. La Mare hielt nun ihre Fragen nicht mehr zurück, als sie im Wohnzimmer Platz genommen hatten: „Ihr seid adelig oder? Apollon ist ein Prinz und Avisa und Aposter Hoheiten.“ Sovos übernahm es, dieses zu erklären: „Avisa und Aposter sind Herrscher der weißen Magier und Apollon der Thronfolger. Also ja, wir sind adelig. Allerdings sollten wir erst einmal zu dir kommen, La Mare. Du hast deinen Cousin gesucht und Lessus glaubte, Apollon wäre dieser. Wie genau kam er darauf?“ Sie blickte kurz in die Runde und begann dann zu erzählen: „Seit etwa fünf Jahren suche ich nun schon meinen Cousin. Das Einzige, was ich über ihn weiß ist, dass er ein schwarzer Magier ist und dem Teufel dient. Ich habe viele Wölfe bereits danach gefragt und fast immer sah man mich nur seltsam an oder sie gingen einfach davon. Auch Lessus habe ich gefragt und er beantwortete diese Fragen mit Ja. Ich dachte, ich hätte meinen Cousin gefunden und fiel ihm um den Hals.“ Ein Seufzten war von ihr zu hören: „Leider hatte ich mich getäuscht. Er war es nicht. Bevor ich überhaupt verstand, was vor sich ging nahmen sie mich bereits gefangen und fesselten mich.“ Apollon blickte sie fragend an: „Du bist dann aber entkommen. Wie hast du das angestellt? Das du nicht ganz wehrlos bist, habe ich ja bereits mitbekommen.“ La Mare grinste nun: „Das war ganz einfach. Ich habe meine Flügel erscheinen lassen und mit meinen Federn die Seile durchtrennt, mit dem sie mich gefesselt hatten. Dann habe ich mit Hilfe meiner Federn ein kleines Loch in der Wand vergrößert und bin dadurch geflohen.“ Die Verblüffung über das Erzählte stand allen außer Apollon ins Gesicht geschrieben, der sich bereits ein Bild über die Schärfe der Federn machen konnte. Fusco grinste breit und war begeistert: „Deine Flügel finde ich absolut klasse. Und mit den Federn kann sogar Wände durchschneiden?“ La Mare nickte: „Sicher.“ Da inzwischen alle ihre Flügel gesehen hatten, stellte Sovos die Frage, sie sicherlich alle beschäftigte: „Warum hast du Flügel?“ Ein Grinsen huschte über La Mares Gesicht und sie blickte erst in die Runde und dann zu Apollon: „Ich bin ein Engel, sowie meine Mutter ein Engel war, um genau zu sein bin ich ein Schutzengel und du bist mein Schützling. Das habe ich gleich gespürt.“ Sie umarmte ihn glücklich: „Ich habe dich endlich gefunden.“ Mit verwundertem Blick sah Apollon zu La Mare und versuchte sich aus der Umarmung zu lösen. Er wusste nicht so recht, ob er das glauben sollte oder nicht. Engel waren Gabriels Geschöpfe und eigentlich Lichtwesen und da saß ein kleines Mädchen, das nicht nur glaubte, dass er ihr Cousin war, sondern auch noch behauptete sein Schutzengel zu sein. Da er nicht genau wusste, was er davon halten sollte, ging er das ganze sarkastisch an: „Einen Schutzengel hätte ich früher gebrauchen können.“ Fusco lachte laut darüber: „Oh ja, denn hättest du gebrauchen können. Aber das ist wirklich klasse. Ich habe noch nie einen körperlichen Engel gesehen.“ Aposter lenkte das Gespräch nun in die eigentliche Richtung: „Woher weißt du, nach wem du suchen solltest und wo sind deine Eltern?“ Vor allem bei der zweiten Frage schien Aposters Herz schnell zu schlagen, so nervös war er. Die Angst spielte eine große Rolle. Er hoffte sehr, dass ihr Vater noch lebte und dass sie wirklich seine Nichte war. In La Mares Gesicht spiegelte sich die Trauer wieder: „Meine Eltern sind tot.“ Alles in Aposter schien sich zusammen zu ziehen. Das durfte einfach nicht sein. Es wäre einfach nicht fair, dass er wieder unter den Lebenden weilte und sein kleiner Bruder... er schluckte schwer. „Joie erzählte mir nach dem Tod meiner Eltern, dass mein Vater ausgesetzt worden war und dessen Vater damals nur sagte, dass er seinem Schicksal der Hölle entkommen sollte. Jahre später machte sich Joie auf die Suche und fand heraus, dass mein Vater einen Bruder hatte namens Aposter, dieser aber schon verstorben wäre. Jedoch hatte er noch einen Sohn. Er wusste nur, dass er schwarzer Magier war und dem Teufel diente. Also begab ich mich auf die Suche.“ Aposter hielt es nun nicht mehr aus. Es passte. Es passte einfach alles und der Schmerz zog sich ziehend durch seine Brust. Hastig stand er auf und ging aus dem Zimmer. Apollon wollte ihm erst hinterher, aber Sovos schüttelte den Kopf: „Lass ihn. Er braucht jetzt etwas Zeit um das zu verkraften. Schließlich hat er gerade erfahren, dass sein Bruder tot ist.“ Das war eine Frage, die La Mare sich bisher gar nicht gestellt hatte: „Nach Joies Angaben sollte Aposter bereits tot sein, aber er lebt.“ Bevor sie die Frage stellen konnte, antwortete Fusco schon mit breiten Grinsen: „Er war tot, ist es aber nun nicht mehr.“ Nun war es La Mare, die verwundert dreinblickte: „Wie das?“ Fusco liebte es lange Geschichten zu erzählen, also wollte er auch gleich weit ausschweifen: „Am besten erzähle ich dir gleich die ganze Geschichte, dann musst du nicht tausend Fragen stellen. Fangen wir also damit an, wie alles begann. Einst verpflichtete sich ein weißer Magier dem Teufel, um ihm Austausch das Leben seiner Geliebten zu schützen, die sehr schwer krank war und bald sterben würde. Er verpflichtete sich und all seine Nachfahren. Der Teufel sorgte dafür, dass seine Geliebte an der Krankheit nicht sterben würde, heilte sie aber nicht. Er hatte den weißen Magier reingelegt. Trotzdem musste er dem Teufel dienen und Generation um Generation diente weiterhin dem Teufel. Das ging über viele Jahrtausende so. Dann wurde Caligare geboren. Er war auch sein sehr treuer Diener und bekam mich als Kampfpartner. Wir verstanden uns immer besser und wurden die besten Freunde. Caligare gründete schließlich eine Familie. Erst bekam er Aposter. Doch bereits da plante er den Teufel zu hintergehen. Zwölf Jahre später kam Amelus zur Welt und ihn brachte Caligare nach einem halben Jahr fort. Aposter kümmerte sich währenddessen um seinen kleinen Bruder.“ Fragend und verwundert unterbrach sie Fusco: „Mein Vater hieß Confaince, nicht Amelus.“ Einen kurzen Moment herrschte Schweigen, dann äußerte Sovos sich: „Man muss bedenken, dass Amelus ein flüchtiger Diener war. Es wäre dumm gewesen diesen Namen zu behalten. Alles andere scheint überein zu stimmen, sonst hätte Aposter das Zimmer nicht gleich verlassen.“ Fusco stimmte dem Nickend zu und erzählte weiterhin grinsend weiter: „Caligare kam bei dem Versuch ums Leben, aber niemand wusste, wo Amelus abgeblieben war. In all der Zeit konnte weder ein Diener noch Aposter ihn finden. Die Zeit verging und Aposter verliebte sich eine weiße Magierin. Avisa, wie wir heute wissen, die Herrscherin. Sie bekamen dann Apollon. Jedoch hatte der Teufel das mitbekommen und entführte Apollon als Baby. Aposter tötete er in der Hölle. Ich zog dann Apollon groß und bildete ihn aus. Mit 24 Jahren verriet er dann den Teufel. Alles im Detail zu erzählen, würde jetzt zu lange dauern. Das machen wir dann mal unter uns, wenn du willst. Apollon vernichtete jedenfalls den Teufel und ein halbes Jahr später erstand er wieder auf, um Rache zu nehmen. Dabei besetzte er Apollons Körper und durch den Kampf, denn die beiden in der Hölle in ein und demselben Körper führten, wurde durch einen Unfall Aposter wieder zum Leben erweckt. Das wäre das Wichtigste.“ Kurz überdachte La Mare das alles: „Wie konnte Aposter durch einen Unfall ins Leben zurückkehren?“ Fusco lachte: „Ganz einfach. Der Teufel besitzt über sehr viel Macht, so gibt es auch oftmals Personen, die sich verpflichten um eine geliebte Person wieder zu beleben. Wobei er die meist reinlegt, da man aufpassen muss, dass man erwähnt, dass man die Person auch mit Seele wiederhaben will. Jedenfalls muss diese Kraft bei dem Kampf um den Körper freigesetzt worden sein. Anders kann ich es mir nicht erklären.“


Aposter hatte sich auf das Bett gesetzt, welches in Amelus Zimmer stand. Seine Gedanken schweiften fort an den Strand. Wenn er in das weite Blau des Meeres blickte und sein kleiner Bruder in seinen Armen strampelte und lächelte, war es das Schönste, was es für ihn auf der Welt gab. Nur für einen kurzen Moment konnte er dort vergessen, dass sie Diener des Teufels waren und einfach frei sein. Den Wind spüren, die Meeresluft schmecken und dem Rauschen des Wassers lauschen, während Amelus gerade einmal die Welt kennen lernte und ihm bei jeder Gelegenheit, die sich bot an den Ohren zog. „Apo“, sagte er immer. Damals konnte er das nie ausstehen und nun fehlte es ihm. Aposter liefen die Tränen an den Wangen hinab. Wie hätte er sie auch zurückhalten können. Fast sein ganzes Leben hatte er nach seinem Bruder gesucht, immer in der Hoffnung ihn eines Tages doch noch zu finden. Selbst wenn er ihm dann nicht geglaubt hätte, dass sie verwandt miteinander waren oder dass es den Teufel gäbe, er hätte gewusst, dass es ihm gut geht. Nun wusste er aber, dass die Realität anders aussah. Sein Bruder war tot, sein kleiner Bruder Amelus. Langsam wischte er sich mit einer Hand die Tränen aus dem Gesicht und holte tief Luft. Er konnte es nicht ändern, auch wenn sein Herz schmerzte, durfte er sich jetzt nicht einfach nur der Trauer hingeben. Sein Blick fiel auf das Familienfoto. Wie sehr er sich wünschte, dass damals alles anders gelaufen wäre. Niemand konnte die Vergangenheit verändern. Amelus hat eine Tochter, La Mare. Sie ist allein, ohne Eltern. Jetzt lag es an ihm, dass sie trotzdem glücklich aufwachsen würde. „Ich werde mich gut um sie kümmern, Amelus.“ Mit diesem Versprechen wand er sich an das Foto. Es würde ihr gut gehen. Ein wenig würde er sie verwöhnen, so wie er es bei Apollon getan hätte, wenn es so gekommen wäre oder bei Amelus... Für seinen kleinen Bruder war er bereit alles zu geben und sein Vater hatte ihn einfach mit sich genommen. Ein Plan, denn Aposter nicht nur seinen kleinen Bruder kostete, sondern auch noch sein Vater starb und seine Mutter ermordet wurde. Am liebsten würde er diesen Tag vergessen und das alles hinter sich lassen, was aber auch bedeuten würde seine Familie zu vergessen und das wollte er nie. La Mare brauchte ihn und Apollon würde ihn auch brauchen. Sehr bald würde er zum Herrscher der weißen Magier gekrönt werden und da brauchte er eine starke Familie, die hinter ihm stand. Seinen Sohn würde Aposter kein zweites Mal im Stich lassen. Mit einem weiteren tiefen Atemzug stand er auf. Nun hieß es loslassen und sich um den Teil der Familie zu kümmern, der übrig geblieben war. Seine Suche war zu Ende.

_________________
Nach oben Nach unten
http://www.karasu-no-shugo-tenshi.de
 
Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 5 (von Angelfeather und Luna42)
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Amtsarzt: Gutachten verlangen Kopie Teil A / B
» Haupt RPG- Die Schwingen der Nacht [Teil 2 /veraltet]
» Oksa Pollock
» WW - Tierisches Vergnügen Teil 2
» Warrior Cats 2.Teil (Feuer und Eis)

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Sonic, Anthro & Story Forum :: Storybereich :: Anthro-
Gehe zu: