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 Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 3 (von Angelfeather und Luna42)

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Luna42
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BeitragThema: Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 3 (von Angelfeather und Luna42)    23.09.17 14:10

Die Prophezeiung des Lichts


Kapitel 1 - Als Diener geboren

Nur kurz verweilte der Blick des schwarzen Fuchses auf seinem alten Freund und Kampfgefährten, der dort in seiner eigenen Blutlache am Boden lag. Wie so oft hatte er vor dem Eingang des Thronsaales gelauscht und versucht unbemerkt einen Blick hinein zu werfen. Allerdings wäre ihm dieser Anblick lieber erspart geblieben. Keine Minute nachdem der Fürst der Finsternis seinen Freund Aposter die Kehle aufgeschlitzt hatte, verlangte er auch schon nach ihm. Ergeben kniete sich Fusco mit gesenktem Blick nieder: „Mein Fürst, ihr habt nach mir gerufen.“ Ein Satz, den er schon so oft gesagt hatte und von Tag zu Tag hatte er einen noch bitteren Geschmack. Vor ihm lag die absolute Finsternis, welche nur die zweite Hälfte des Thronsaales so stark einhüllte, dass niemand vermocht hätte hindurch zu sehen. In der Hölle war es überall dunkel, dennoch konnte man ausreichend sehen, um hier zu leben. Ausschließlich die eine Hälfte des Thronsaales bildete die Ausnahme, denn hier verbarg sich der Fürst der Finsternis oder besser bekannt als der Teufel. Eine schwarze Fledermaus mit gänzlich roten Augen trat aus der tiefen Finsternis hervor, in seinen Klauen ein kleines graues Wolfsbaby: „Kümmere dich darum und bilde ihn aus. Sein Name ist ab dem heutigen Tage Corvus.“ Fusco erhob sich und nahm dem Teufel das kleine Wolfsbaby ab: „Wie ihr wünscht, mein Fürst.“ Das kleine Baby rieb sich die Augen und gähnte verschlafen. „Geh!“ befahl Satan und zog sich zurück in den dunkleren Teil des Thronsaales. Währenddessen verließ Fusco diesen, durchquerte die Halle, welche direkt vor dem Thronsaal lag und ging in einen der Gänge, die davon wegführten. „Alles ist gut, mein Kleiner“, beruhigte Fusco das Baby und grinste dann breit, „ich bin der beste Papa, den man sich wünschen kann.“ Besonders auffallend waren bei Corvus die verschieden farbigen Augen in blau und gelb, sowie sein weißes Krähensymbol über dem linken Auge. An irgendwas erinnerte Fusco dieses Symbol, aber er konnte sich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Sicherlich würde es ihm wieder einfallen, wenn es an der Zeit war. Jetzt war erst einmal nur wichtig den Kleinen groß zu ziehen und auf ihn aufzupassen. Das war das Mindeste, was er seinem Freund Aposter schuldig war. Satan würde nicht auch noch dieses Leben bekommen.

„Guten Morgen!“, rief Fusco gut gelaunt wie immer, als er in das Zimmer von Corvus kam. Es waren nun mehr als 4 Jahre vergangen und Corvus war alles andere als kooperativ. Nachts musste Fusco ihn sogar einschließen, um sicher zu gehen, dass er am nächsten Morgen auch noch in seinem Zimmer war. Dennoch erschien der Raum leer, als Fusco hereinkam. Seinen Blick schweifend nahm Fusco zuerst den morschen, alten Schreibtisch ins Visier, doch darunter befand sich Corvus nicht. Dann bewegte er sich auf das ebenfalls alte, morsche Holzbett mit der harten Matratze, der dünnen Decke und dem federarmen Kissen zu: „Ich weiß das du hier bist, Corvus. Genug versteck gespielt.“ Dabei klang Fusco weder streng, noch verärgert, sondern eher amüsiert. „Geh weg“, antwortete die kindliche Stimme unter dem Bett, „Ich werde nicht hervorkommen.“ „Oh“, gab sich Fusco künstlich geschlagen, „Dann kann ich dir wohl doch nicht zeigen, wo die Dämonen Wasser und Brot verteilen und du wirst auf dein Frühstück verzichten müssen. Außerdem ist ein ganzer Tag ohne Wasser wohl recht schwierig bei dieser Wärme, dem Staub und der Asche.“ „Du bist gemein“, protestierte Corvus unter dem Bett, „Wirklich sehr gemein.“ Noch etwas zögerlich robbte Corvus unter dem Bett hervor. Sein Fell war nur so mit Staub und Asche bedeckt. Noch immer trotzig blieb er auf dem Boden sitzen und schmollte. Grinsend reichte Fusco ihm die Hand: „Na komm. Das ist doch spannend. Vielleicht erleben wir einen Kampf zwischen Dämon und Diener. Wäre das nicht was?“ Corvus blickte weg und verschränkte die Arme.

Nach dem Frühstück muss ich wieder kämpfen üben. Ich will nicht. Warum lässt er mich nicht einfach in Ruhe?

Da Corvus keine Anstalten machte sich in Bewegung zu setzen, packte Fusco ihn grinsend und hob ihn hoch. „Nein!“, kreischte Corvus, „Ich will nicht.“ Lachend trug Fusco ihn aus dem Zimmer: „Es geht aber nicht danach, was du willst.“ Durch die Gänge lief er Richtung Eingangshalle, durchquerte diese und ging hinaus aus dem Schloss. Dort ging er mit Corvus über die steinerde Rundbrücke, welche als Einzige über den Lawafluss führte. Zwischen den Dämonen vor dem Schloss entlang. Die meisten Dämonen beachteten die beiden gar nicht. Dennoch gab es Vereinzelte, die ihnen einen Blick zu warfen, welcher Missbilligung und Geringschätzung ausdrückte. Fusco gehörte zur untersten Schicht im Rangsystem der Dämonengesellschaft und war von seinem Vater verstoßen worden. Aber das alleine reichte für die Reaktion der Dämonen nicht aus. Hauptgrund hierfür war Fuscos absolut untypisches dämonisches Verhalten, welches ihn zu einem Außenseiter ganz besonderer Art machte. Grinsend nickte Fusco einigen Dämonen zu und setzte seinen Weg fort. Corvus klammerte sich etwas angespannt an Fusco, denn die Dämonen waren ihm unheimlich. Sie waren so ganz anders als Fusco und er wusste nicht, wie er mit ihnen umgehen sollte. Ihr Weg führte sie noch ein Stück weiter zu einem unterirdischen Lagerraum, welchen sie jedoch nicht betreten würden. Vor dem Eingang standen bereits einige vorbereitete Körbe mit Wasser und Brot. Fusco wusste, dass es dabei Unterschiede gab und diese galt es nun Corvus beizubringen. Bevor man überhaupt zu den Körben kam, musste man an einigen Dämonen vorbei. „Sieh hin“, forderte Fusco ihn nun auf und setzte ihn auf dem Boden zu seinen Füßen ab, „Die ersten Dämonen hier vorne warten auf Herausforderungen. Wie du weißt bekommt man nur das frischere Brot, wenn man einen von ihnen besiegt. Ansonsten muss man sich mit dem alten Brot zufriedengeben. Der dort hinten passt auf, dass sich auch kein Diener einfach an dem anderen Brot bedient oder gar hinunter zum Lager geht.“ Unsicher blickte Corvus zu den Dämonen. Mit ihren ganzen Narben oder sogar recht frischen Verletzungen wirkten sie nur noch bedrohlicher. „Ich kann aber nicht kämpfen“, bemerkte Corvus kleinlaut, „Und die sehen stark aus.“ Mit einem Lächeln strich Fusco ihm über den Kopf: „Noch bist du zu klein.“ Dann ergriff er die kleine Hand von Corvus und lief mit ihm zwischen den Dämonen entlang zu den Körben. Einen davon nahm Fusco sich, um dann gleich wieder mit Corvus zurück zu gehen. Den Blick am Boden haftend, ließ sich Corvus von Fusco hindurch und auch wieder zurückführen. Nur am Rande bekam er mit, wie ein anderer Diener des Teufels hinzukam sowie einen der Dämonen herausforderte: „Hey, du! Mit dir nehme ich es locker auf!“

Und so ein Diener soll ich auch einmal werden? Kämpfen und töten?

Corvus Blick ging hoch zu Fusco: „Gehen wir jetzt zurück ins Schloss?“ „Ja und dann frühstückst du erst einmal richtig. Schließlich brauchst du Kraft für das Training“, bestätigte Fusco gut gelaunt, „Das Brot sieht richtig gut aus heute. Damit bekommst du besonders viel Energie.“ „Hm“, machte Corvus und wünschte er wäre nicht als Diener geboren worden.

Die beiden trainierten immer weit entfernt vom Schloss. Zwar konnte man dieses noch in der Ferne erkennen, aber sonst war niemand hier. Der steinige Felsboden und die leicht hügelige Umgebung boten ihnen ein ideales Trainingsfeld. „Zuerst wird gerannt“, beschloss Fusco munter, „Dreh ein paar Runden bis ich stopp sage.“ „Nein“, entgegnete Corvus, „Ich will nicht.“ Fusco lachte daraufhin: „In Ordnung. Dann lass uns fangen spielen. Ich bin auch zuerst Fänger.“ „Fangen? Ok, spielen wir fangen“, bestätigte er, „das macht Spaß.“ „Ich zähle bis 10. 1, 2, 3…“, begann Fusco und wusste, dass es genau den gleichen Effekt hatte, als würde Corvus einfach ein paar Runden rennen. Hastig rannte Corvus los, so schnell er konnte. Weit kam er nicht, obwohl Fusco sich beim Zählen schon Zeit gelassen hatte. Mit einem schnellen Sprint hatte Fusco ihn eingeholt und musste dabei nicht einmal seine angeborene dämonische Geschwindigkeit einsetzen. Corvus war schließlich auch noch ein Kind und im Gegensatz zu Dämonenkindern in der körperlichen Entwicklung noch nicht so weit.  Außer Atem begann nun Corvus zu zählen, während Fusco sich langsamen Schrittes von ihm entfernte. „…10“, betonte er besonders laut und rannte dann los. Jedoch machte Fusco es ihm nicht so einfach und sprintete ein Stück nach vorne, um dann wieder langsamer zu werden. Kaum das Corvus ihm wieder näher kam, wieder holte er das. Entschlossen Fusco zu kriegen, rannte Corvus dennoch weiter.

Irgendwann passt er nicht auf und dann habe ich ihn.

Nach einiger Zeit ließ Corvus sich erschöpft und hastig atmend auf die Knie fallen: „Ich gebe auf. Du hast gewonnen.“ Lachend lief Fusco zu ihm hin: „Du hast dich gut geschlagen. Kurze Pause.“ Fusco setzte sich auf einen der Felsen in der Nähe. Erst beobachtete er Corvus eine ganze Weile, wie der dort auf dem Boden hockte und langsam sich der rasende Herzschlag beruhigte. Dann aber vertiefte er sich in seine eigenen Gedanken. Corvus entging nicht, dass Fusco scheinbar in Gedanken vertieft war und nutzte die Gelegenheit. Möglichst leise stand er auf und schlich sich davon. Erst ganz langsam, wobei er immer wieder zu Fusco blickte, ehe er schneller wurde und sich immer weiter vom Schloss sowie von Fusco entfernte.

Es sieht alles ziemlich gleich aus. Nichts als Gestein, Felsen und Staub. Ich hatte irgendwas Spannendes erwartet.

Sein Blick ging zu einer Gesteinsgruppe aus verschiedenen großen Felsen und Steinplatten, die wie aufeinander geschoben wirkten. Wenn er sich nicht täuschte, gab es dort einen Spalt durch den man ins Innere kam. Kurz zögerte er, blickte zurück in die Richtung aus der er gekommen war und ging dann auf die vermutliche Öffnung zu. Es war zu dunkel, um erkennen zu können, ob es sich um eine Höhle handelte. Also tastete er am Rand der Öffnung mit den Händen herum, ehe er einen Schritt hineinwagte. Sein Fuß trat im ersten Augenblick ins Leere, ließ ihn stolpern und eine Schräge hinab purzeln: „Hilfe!“ Die einzelnen Steine verschiedener Größen bohrten sich bei jedem Aufprall in sein Fell. Unten angekommen richtete er sich schmerzend auf: „Au! Das tat weh.“ Zurückblickend überlegte er, ob er alleine wieder hinauf klettern könnte. „Apollon?“, ließ ihn eine Stimme aufschrecken und wieder auf das vor ihn blicken.

Sind das… Geister!?

Vor ihm schien sich endlos in die Weite eine große Anzahl von verstorbenen Seelen aufzuhalten. Ein wenig erinnerte es ihn an eine von Fuscos Erzählungen – die Seelenebenen der Hölle -. Wenn Fuscos Geschichte wahr wäre, so sollte es eine Seelenebene für die dunklen Seelen der Verstorbenen geben und eine Ebene der verlorenen Seelen. Dort landeten alle untreuen Diener des Teufels, die von Satan selbst getötet worden waren. Nur welche der beiden Seelenebenen wäre das dann? „Apollon, du bist es wirklich“, vernahm Corvus erneut die Stimme und ging nun einige Schritte näher an die Seelen heran. Ein schwarzer Wolf, leicht durchsichtig und mit gelben Augen blickte ihn an. „Meinst du mich?“, hinterfragte Corvus nun. „Mein Sohn Apollon, ich bin dein Vater“, erklärte der geisterhafte Wolf, „Du solltest nicht hier sein. Du musst fliehen. Hör mir jetzt genau zu.“ Aus irgendeinem Grund fühlte Corvus in sich eine aufkommende Wut gegen den Wolf: „Du bist mein Vater?“ „Vertrau mir. Du musst fort von der Hölle. Es gibt einen Weg hinaus, wenn du noch weiter in die Hölle hineinläufst. Er ist unterirdisch und durch einen langen Gang gelangst du zu einem Portal. Sobald du draußen bist, suche einen weißen Magier und sag ihm wer du bist. Er wird dich zu deiner Mutter bringen, sie ist eine sehr starke weiße Magierin. Sie beschützen dich vor Satan“, erklärte der Wolf ihm weiter. Corvus knurrte wütend: „Warum bist du dann nicht selbst geflohen? Warum bin ich dann hier?“ Aufgebracht drehte er sich weg und machte sich so schnell es ihm möglich war wieder nach oben. „Du musst fliehen“, rief ihm der Wolf hinterher, aber Corvus drehte sich nicht noch einmal um. Diese Wut trieb ihn an zurück nach oben zu kommen und zurück zum Schloss zu laufen.

Gerade als Corvus die Brücke über den Lawafluss überquerte, vernahm er Fuscos Stimme: „Corvus! Da bist du.“ Er lachte: „Da kriegt jetzt jemand aber Ärger.“ „Lass mich in Ruhe“, knurrte Corvus ihn genervt an, „Idiotischer Dämon.“ Fusco war etwas verwundert über seine so harsche Reaktion und noch viel mehr über das dunkelgraue Krähensymbol. Sicherlich war er schon oft nicht erfreut über die Situation gewesen, aber so hatte er noch nie reagiert. Außerdem war das Krähensymbol schon einige Male grau vor Schmutz, dennoch nie in solchem Maße. Es wirkte auch nicht wie Dreck. „Was ist los, mein Kleiner?“, hinterfragte Fusco dennoch gut gelaunt, „Hat dich auf deinem Abenteuerausflug jemand geärgert?“ „Verzieh dich!“, knurrte Corvus ihn erneut an und ging dann einfach weiter Richtung Schloss und hinein in die Halle. Auch Fusco setzte sich in Bewegung, um ihn ohne große Anstrengung einzuholen: „Na-na, das ist aber sehr unfreundlich. Das Training hast du auch wieder geschwänzt. Da werden wir morgen das doppelte leisten müssen.“ Zielgerichtet lief Corvus zu seinem Zimmer und ignorierte Fusco nun einfach.

Idiot! Ich will meine Ruhe haben und ob ich morgen nun trainiere oder nicht, werden wir noch sehen. Was ist mit dem Wolf? Sollte ich Fusco davon erzählen? Nein, das ist mein Geheimnis.

Am Abend saß Fusco wie jeden Tag an Corvus Bett und wartete darauf, dass dieser einschlafen würde. Corvus lag mit offenen Augen auf der Seite und starrte die Wand an. Ein leises Seufzen war von ihm zu hören: „Fusco?“ „Ja?“, hinterfragte Fusco grinsend, „Willst du noch eine Geschichte hören?“ Das kurze Schweigen nahm Fusco schon als ein ‚Nein‘, jedoch antwortete Corvus dann doch noch: „Hm, erzähl mir etwas über meine Eltern. Du kanntest sie doch?“ Irgendwann musste diese Frage von ihm kommen, dass hatte Fusco erwartet. Nur nicht, dass sie schon so bald kommen würde: „Ich kannte deinen Vater. Er war ein sehr guter Freund von mir. Über deine Mutter weiß ich nicht viel, nur dass sie eine starke weiße Magierin gewesen sein soll. Also lass mich dir eine Geschichte über deinen Vater erzählen. Aposter war ein recht angesehener Diener beim Teufel. Seine Aufgabe bestand vor allem darin weiße Magier aufzuspüren und zu töten, aber er hatte auch noch eine Nebenaufgabe. Immer wenn ein Diener den Pakt nicht einhielt und für den Teufel aber unentbehrlich schien, schickte er Aposter los. Den Diener brachte er entweder zurück zu Satan oder aber brachte ihn unter dessen Kontrolle. Daher war Aposter unter den Dienern auch verrufen. Sein Freundeskreis beschränkte sich auf mich. Seine Aufträge erfüllte er immer ausgezeichnet bis zu dem Tag an dem er deine Mutter kennen lernte. Es ist verboten eine Verbindung mit dem Feind zu haben, vor allem eine solche. Satan fand seinen Verrat raus, ließ dich holen und tötete Aposter indem er ihm erst in den Thronsaal rief, dich ihm präsentierte und ihm dann die Kehle aufschlitzte. Das solltest du niemals vergessen, Corvus. Niemand entkommt dem Teufel.“ „Niemand“, wiederholte Corvus, „Ja… aber woher wusste der Teufel, wie ich heiße?“ „Wusste er nicht“, bestätigte Fusco grinsend, „Er nannte dich einfach Corvus. Von deinem Vater weiß ich, dass er dich Apollon genannt hat. Es war unser Geheimnis. Leider hat er mir nicht viel erzählt. Er wollte wohl seine Familie nicht in Gefahr bringen. Jetzt schlaf aber, Corvus. Deinen richtigen Namen musst du für dich behalten. Das ist jetzt unser Geheimnis.“ „Ok. Gute Nacht, Fusco“, sprach Corvus leise, ehe er die Augen schloss, um sich der Müdigkeit zu ergeben.

„Versuchen wir es heute noch einmal mit der schwarzen Magie, Corvus“, meinte Fusco grinsend. Sie waren mal wieder an ihrem alten Stammplatz und somit weit genug entfernt, damit niemand sie bemerkten könnte. Wenn Satan davon erfahren würde, wäre Corvus‘ Leben zu Ende. Relativ wenig Sorgen machte sich Fusco um sich selbst. Immer wieder ließ Fusco ihn diese Übung wiederholen und jedes Mal erhielten sie weiße Magie. Strengstens verboten und ein Todesurteil. Da Corvus‘ Vater ebenfalls schwarzer Magier gewesen war, musste einfach irgendwo in Corvus diese Kraft schlummern. Bedauerlicher Weise hatte diese sich bisher nicht gezeigt. „Ich weiß wie das geht“, murrte Corvus ihn an, „Also fang nicht an mir das zu erklären.“ Auch diesen Morgen war Corvus sehr schlecht gelaunt. Wenn Fusco nur wüsste, was vorgefallen war, dass er solche Laune hatte. Geschehnisse prägten kleine Kinder noch auf besondere Weise, das wusste Fusco, aber was konnte ihn so verändert haben!? Fusco setzte sich auf einen Felsen und wartete grinsend ab: „Wenn du das weißt, dann zeig was du kannst.“

Hass, Wut, der Wille zu töten, dass macht einen schwarzen Magier aus.

Corvus streckte die Hand auf, sodass die Handfläche nach oben zeigte. Er kümmerte sich nicht weiter darum, was Fusco tat oder ob sonst irgendwelche Bewegungen in der Umgebung zu vernehmen waren. Einzig und allein interessierte ihn das Kribbeln in seinen Fingern, welches von der schwarzen Magie herkam, die er durch seinen Körper in die Fingerspitzen geleitet hatte. Ohne größere Mühe ließ er aus dieser Macht eine schwarze Magiekugel erscheinen. Überrascht und unglaublich erfreut lachte Fusco los: „Du hast es geschafft. Du hast es wirklich geschafft. Corvus, du bist ein schwarzer Magier.“ „Natürlich“, murrte Corvus, „Schließlich bin ich ein Diener des Teufels.“ Diese Aussage machte Fusco doch etwas stutzig, dennoch stand er grinsend auf und ging zu Corvus: „Das hast du sehr gut gemacht.“ Dabei tätschelte er Corvus den Kopf: „Und jetzt werfe sie auf einen der Felsen. Such dir einen aus.“ Mit einer einfachen Schwungbewegung warf er die schwarze Magiekugel auf einen der Felsen: „Du unterforderst mich. Die anderen Diener werden mich töten. Gib mir andere Übungen.“ Lachend nickte Fusco: „Jetzt fangen wir erst richtig an zu trainieren.“ Dann begann Fusco kleine Steine zu sammeln: „Hilf mir, Corvus. So können wir schneller anfangen.“ „Als ob…“, er murrte und blickte zu Fusco, wie dieser einen Stein nach dem anderen aufhob, „…wenn das irgendwas Dummes wird, such ich mir einen anderen Dämon als Lehrer.“ Stein für Stein sammelten Corvus und Fusco auf und legten diese auf einen Haufen. Grinsend blickte Fusco ihn dann an: „Jetzt geh… sagen wir 30 Schritte in diese Richtung und drehe dich zu mir um. Ich werfe dann die Steine auf dich. Entweder du weichst ihnen aus oder machst sie mit einer schwarzen Magiekugel unschädlich. Die Entscheidung liegt bei dir.“ Murrend folgte Corvus seiner Anweisung und machte die 30 Schritte, drehte sich wieder zu Fusco und blickte diesen auffordernd an: „Dann leg los.“ Irgendwie wirkte Corvus‘ Verhalten schon reifer, als die Tage zuvor. Zwar musste man in der Hölle schnell erwachsen werden, um zu überleben. Dennoch war diese drastische Veränderung verwunderlich. Fusco warf den ersten Stein. Zu spät reagierte Corvus und bekam ihn ab. Knurrend blickte er zu Fusco: „Weiter.“ Ein Stein nach dem anderen suchte sich seinen Weg zu Corvus. Die meisten bekam er zu spüren, dennoch gelang es ihm auch einigen auszuweichen. Für den ersten Tag Ausweichtraining befand Fusco das als ausgesprochen gut: „Du machst schnelle Fortschritte. Wenn du so weitermachst, schaffen wir es bis zu deinem 10. Geburtstag aus dir einen richtigen Diener zu machen. Satan wird zufrieden sein. Ein zufriedener Fürst ist ein lebendiger Diener.“

Auch in den folgenden Tagen zeigte sich Corvus im Training von seiner besten Seite. Seit Corvus begonnen hatte zu laufen, trainierte Fusco mit ihm. Es war immer schwierig ihn überhaupt anzutreiben, nun kam er ganz von selbst. Er wurde besser im Ausweichen, etwas schneller im Rennen und zielte ausgesprochen gut mit der schwarzen Magie. Nur seine unfreundliche Art und das eigentlich zu reife Verhalten von ihm, bereiteten Fusco einige Kopfschmerzen. Hatte er irgendwas falsch gemacht!? Er hatte immer versucht ihm trotz des Lebens in der Hölle etwas Freude und Spaß zu vermitteln. Davon war jetzt nicht mehr viel zu sehen. „Lass uns eine Pause machen“, unterbrach Fusco die Übung, in der Corvus möglichst schnell nacheinander schwarze Magiekugeln auf einen Felsen werfen sollte. Corvus murrte und machte einfach weiter: „Warum? Ich bin noch nicht fertig.“

Ich sollte vielleicht wirklich eine Pause machen. Fusco meint es gut.

Knurrend hörte Corvus mit der Übung auf und setzte sich mit verschränkten Armen auf den Boden: „Gut, eine Pause.“ Grinsend kam Fusco zu ihm und setzte sich ihm gegenüber: „Gibt es vielleicht irgendwas worüber du mit mir reden willst? Du weißt, ich bin immer für dich da. Egal, was passiert.“ Corvus‘ Blick wurde weich und er ließ die Ohren sinken: „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.“ „Du machst das sehr gut“, pflichtete Fusco ihm lächelnd bei, „Mach dich nicht verrückt. Es sind fast noch 6 Jahre. Und bei deinem ersten Auftrag bin ich dabei. Kein Grund zur Sorge.“ „Hm“, machte Corvus, „Ich weiß nicht, ob ich das kann… töten…“ „Beim ersten Mal ist es immer schwierig“, erklärte Fusco ihm locker, „Aber dann stört es einen immer weniger. Die Leben ziehen an einem vorbei und werden bedeutungslos. Konzentriere dich lieber auf die schönen Dinge im Leben. Fangen spielen, lachen, mich ärgern.“ Er lachte und strich über Corvus‘ Kopf: „Du bist schon seltsam. Mal ganz lieb und unsicher, aber dann wieder ernst und grob.“ Fragend blickte Corvus ihn an: „Ist das so?“ Grinsend sah Fusco ihn an: „Wir haben alle unsere Eigenarten und das macht uns zu etwas Besonderem.“ Lächelnd stand Corvus auf und umarmte Fusco: „Danke. Ich hab‘ dich lieb.“

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Zuletzt von Luna42 am 18.01.18 11:43 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 3 (von Angelfeather und Luna42)    18.01.18 9:36

Weihnachtsspecial - Ein Wolf in Feuer und Asche

Corvus drehte sich erneut im Bett herum. Das Kissen hatte im Laufe der Jahre noch mehr Federn verloren und die Bettdecke verzeichnete inzwischen einige Löcher. Seine inneren Instinkte sagten ihm, dass es vermutlich bereits Morgen war, aber genau sagen konnte er das nicht. Unten in der Hölle spielte das eh keine Rolle. Er hatte die Sonne noch nie aufgehen sehen und den Mond noch nie scheinen. Alles was er kannte, war die Dunkelheit der Hölle bis zum heutigen Tage. Nächstes Jahr wäre es dann aber endlich soweit und er würde seinen ersten Auftrag erfüllen. Wie die Welt dort oben aussah, wusste er nur von Fusco, der mit aller Kraft versuchte ihn auf seinen ersten Tag vorzubereiten. An seinem 10. Geburtstag musste jeder Dämon das erste Mal töten. Zwar war Corvus kein Dämon, aber auch ihm blieb dieses Ritual in der Hölle nicht erspart. Im Halbschlaf zog er sich die Decke etwas über den Kopf. Es war eigentlich verwunderlich, dass Fusco noch nicht gekommen war, um ihn zu wecken. Er hörte wie die Tür aufging, welche Fusco schon seit Corvus fünf Jahre alt geworden war, nicht mehr verschlossen hatte. Es gab auch keinen Grund mehr dafür. „Guten Morgen“, rief Fusco gut gelaunt, „Aufgestanden Corvus, die Sonne lacht.“ Corvus murrte genervt und kam nicht unter der Bettdecke hervor. Er hörte, wie Fusco näher ans Bett kam. Mit einem Ruck riss er die Bettdecke von ihm, sodass Corvus fast vom Bett fiel. „Raus mit dir!“, befahl Fusco ein weiteres Mal grinsend. Wütend richtete sich Corvus auf und knurrte: „Bei Satan! Kannst du mich nicht einmal schlafen lassen?“ Laut lachend kehrte Fusco zurück zur Tür und hob dort einen Korb vom Boden auf, welchen er stehen hatte lassen: „Heute ist ein besonderer Tag.“ Murrend ließ sich Corvus wieder ins Bett fallen und fragte sich welcher dieser besonderen Tage es dieses Mal war: „Nicht schon wieder. Idiotischer Dämon!“ Mit einem leicht dumpfen Geräusch wurde der Korb auf den Schreibtisch gestellt. Fusco nahm das erste Stück aus seinem Korb. Es war ein Tannenzweig mit goldenem Glitzer und kleinen roten Kugeln daran: „Fröhliche Weihnachten, Corvus.“ Nicht einmal aufrichten wollte sich Corvus dafür. Es war ihm egal und dieser besondere Tag war bedeutungslos. „Nimm das Zeug doch mit in dein Zimmer“, schlug Corvus ihm murrend vor. So leicht wollte Fusco sich nicht geschlagen geben, ging zu seinem Bett und hielt ihm den Zweig vor die Nase: „Riech doch mal. Es riecht nach Tanne, typisch weihnachtlich.“ „Ich rieche nur Asche“, entgegnete er trocken und betrachtete den Zweig auch nicht weiter. „Komm schon, hoch mit dir“, forderte Fusco ihn grinsend auf, „Ich habe noch einiges mehr mitgebracht. Zimtstangen, Walnüsse, Lebkuchen, einen Mistelzweig und eine rote Weihnachtsmütze. Die steht dir sicher ausgezeichnet.“ „Egal wie das Ding aussieht, ich werde es nicht aufsetzen“, stellte Corvus sofort klar, „Niemals.“ Erneut ging Fusco zu dem Korb und legte den Zweig dort wieder hinein. Dann nahm er einen Lebkuchentaler heraus, um ihn sich selbst in den Mund zu stecken: „Fantastisch. Die musst du probieren.“ Langsam richtete sich Corvus wieder auf und blickte zu dem Korb: „Hast du zumindest auch Wasser und Brot mitgebracht oder nur den Schwachsinn?“ „Wenn du einen probierst, hole ich dir Wasser und Brot“, verhandelte Fusco grinsend, „Komm schon, die sind nicht giftig und sehr lecker.“ Desinteressiert stand Corvus auf: „Ich kann mir mein Frühstück auch selbst holen.“ Dann ging er auch schon durch die Tür hinaus in den Gang, um sich den Korb mit dem alten Brot und der Flasche Wasser zu holen. Fusco blickte ihm noch nach, ehe er aufstand und überlegte, wie er den Tannenzweig im Zimmer anbringen könnte. Viele Möglichkeiten zur Befestigung gab es nicht. Er könnte ihn über den Stuhl hängen, auf dem Schreibtisch platzieren und auf das Kopfkissen legen. Alles erschien nicht gerade perfekt, aber es war auch nur der Wille, der hier zählte. Also legte Fusco den Tannenzweig auf den Schreibtisch, wodurch ein wenig von dem Glitzer auf der dunklen Holzplatte landete. Danach nahm er sich den Mistelzweig und legte ihn auf Corvus‘ Kopfkissen. Da er eh schon dabei war, legte er die Bettdecke ordentlich zusammen und wieder auf das Bett. Die Zimtstangen und Walnüsse packte er dekorativ neben den Tannenzweig. Im Korb war jetzt nur noch die angefangene Packung mit den Lebkuchentalern und die Weihnachtsmütze. Irgendwie wäre es schade drum, wenn Corvus nicht einmal einen probieren würde. Vielleicht sollte er den Korb einfach stehen lassen und hoffen, dass Corvus sich doch unbemerkt einen stibitzen würde. Zugeben würde er das Fusco gegenüber dann sicher nicht. Jedenfalls hoffe Fusco, dass Corvus so denken würde. Den Rest würde Fusco dann essen, um Corvus das Gefühl des Sieges zu vermitteln. Für ihn klang das nach einem perfekten Plan. Er zählte die Taler nach, um eine Veränderung im Nachhinein feststellen zu können. Als Corvus zurück kehrte mit seinem eigenen Korb, welcher mit Brot und einer Flasche Wasser gefüllt war, hatte Fusco bereits die Weihnachtsmütze selbst aufgesetzt. Murrend blickte Corvus ihn ab und setzte sich auf sein Bett. Dort begann er dann die Wasserflasche zu öffnen und einige Schluck zu trinken. Grinsend beobachtete Fusco ihn dabei: „Die Mütze würde dir natürlich viel besser stehen.“ Kommentarlos verschloss Corvus die Flasche wieder und riss sich etwas von dem Brot ab, um es dann zu essen. „Nicht so gesprächig heute?“, hinterfragte Fusco, immer noch gut gelaunt, „Es ist Weihnachten, die Zeit des Schenkens. Obwohl mir persönlich eigentlich die Dekoration am besten gefällt. So viele bunte Farben und überall leuchtet es. Nächstes Jahr können wir dann gemeinsam durch die Städte und Dörfer ziehen, um all den Schmuck zu betrachten. Das wird großartig.“ „Hoffentlich bin ich dann auf einem aufwendigen, langen Auftrag und sehe dich erst wieder, wenn das alles vorbei ist“, bemerkte Corvus, während er weiter sein Brot aß. Lachend wiedersprach Fusco ihm: „So lang kann dein Auftrag gar nicht sein. Zu Weihnachten beginnen die Leute schon vier Wochen vorher zu dekorieren und die Vorweihnachtszeit zu feiern. Es ist unmöglich, dass du das verpasst.“ „Toll…“, murrte Corvus und wusste, dass er aus der Sache nicht herauskommen würde. „Dann lasse ich dich erst mal in Ruhe essen“, beschloss Fusco grinsend, „Vergiss nicht, dass noch Lebkuchentaler im Korb sind.“ Dann ging er zur Tür, um Corvus alleine zu lassen. „Nimm die mit“, meinte Corvus noch, ehe Fusco das Zimmer verlassen hatte. Den anderen Korb ignorierend aß Corvus noch weiter an seinem Brot. Einen Teil würde er für später aufheben, auch wenn es dann schon recht hart geworden war. Schließlich war es das Einzige, was er in der Hölle zu essen bekam. Mal abgesehen von solchen besonderen Tagen, an denen Fusco irgendwas mitbrachte. Nach einigen weiteren Schluck Wasser stand er dann doch auf und warf einen Blick in den vermeidlichen Korb auf dem Schreibtisch. Im letzten Jahr hatte Fusco Weihnachtsplätzchen mit Zuckerguss mitgebracht. Davon hatte Corvus einen nach ewiger Diskussion probiert. Viel zu süß, seiner Meinung nach. Ob die Dinger genauso schmeckten!? Unsicher nahm er einen der Lebkuchentaler in die Hand und betrachtete ihn von allen Seiten. Skeptisch roch er dann daran, ehe er vorsichtig hineinbiss. Das Brot war ihm da doch lieber, aber nicht so schlimm, wie die Plätzchen letztes Jahr. Um keine Spuren zu hinterlassen, schob er den Rest von dem Taler in den Mund. Einen mehr oder weniger, würde Fusco eh nicht bemerken. Weihnachten… ob die Leute den ganzen Tag nur solches Zeug aßen!?

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BeitragThema: Re: Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 3 (von Angelfeather und Luna42)    18.01.18 11:24

Kapitel 2 - Aus der Dunkelheit ins Licht

Fusco stand vor der Tür von Corvus Zimmer und wollte diesen nicht hinauslassen: „Noch einmal. Du folgst mir, kniest dich neben mir nieder, senkst den Kopf und lässt mich sprechen. Erst wenn er dich anspricht, meldest du dich zu Wort. Weißt du was für eine Fähigkeit, du dir wünscht?“ „Ja, verdammt“, knurrte Corvus, „Wenn du dich noch einmal wiederholst, bist du mein erstes Opfer.“ Breit grinste Fusco ihn an: „Wenn wir mit dem Auftrag durch sind, gehen wir deinen Geburtstag feiern. Das erste Mal nicht in der Hölle und da es ein runder Geburtstag ist, muss man auch richtig feiern. Man wird nur einmal 10.“ Seufzend blickte Corvus ihn an: „Können wir dann endlich? Wegen dir Idiot kriegen wir noch Ärger.“ „Mein Kleiner ist so erwachsen geworden“, grinste Fusco ihn stolz an, „Nun ziehst du schon los in die weite Welt.“ Er ging dann von der Tür weg und öffnete diese, um dann voraus zu gehen. Ruhigen Schrittes folgte Corvus ihm durch den Gang zum Thronsaal.

Endlich ist es soweit. Die Welt jenseits der Hölle wird mich kennen lernen.

Wie es üblich war, ging Fusco bis etwa zur Mitte des Thronsaales, kniete sich nieder und senkte den Blick. Eigentlich ein unnötiges Unterfangen, da man sowieso nichts sehen konnte. Nur einige Schritte hinter ihm, kam auch Corvus in den Thronsaal, um sich neben Fusco auf die gleiche Weise niederzuknien. „Mein Fürst, Corvus ist soweit“, verkündete Fusco, wobei er ernst klang und seine sonst so heitere Stimmung nicht zu vernehmen war. Ein Schnauben war aus der Finsternis zu vernehmen: „Nenne mir die Fähigkeit, Corvus.“ Jeder Diener musste sich eine Fähigkeit aussuchen, die ihm im Kampf nützlich wäre. Corvus‘ Familie war seit Generationen dem Teufel verpflichtet und jeder äußerte seinen Fähigkeitswunsch an seinem 10. Geburtstag. Andere Diener waren nicht seit Geburt an in diesem Pakt gefangen, sondern kamen aus mehr oder weniger freien Stücken, um sich einen Wunsch erfüllen zu lassen. Oftmals ging es um Unsterblichkeit, das Leben seiner oder ihrer großen Liebe oder aber um Reichtum. Dafür mussten sie dem Teufel dienen bis zu ihrem Tod. Alles was Corvus hatte, war die Wahl der Fähigkeit, die ebenfalls alle anderen Diener trafen. „Lasst mich durch bloße Berührung töten, mein Fürst“, wand sich Corvus an den Teufel. Einen Moment herrschte Schweigen: „Du wirst unnütze und flüchtige Diener jagen, somit brauchst du die Fähigkeit lediglich dafür.“ Eine schwarze Aura umhüllte Corvus, wurde blutrot und dann grau, ehe sie wie Rauch in ihm verschwand. „‘Concremo‘ und ‚Caedes‘ sind die beiden Befehle, um deine Fähigkeit auszulösen“, erklärte Satan ihm beiläufig, ehe er ihm auf telepathischem Wege seinen ersten Auftrag übermittelte. Wie bereits vom Fürsten angekündigt, war Corvus‘ Ziel ein Diener und er sollte ihn töten. Das Aussehen wurde Corvus bildhalft übermittelt, sowie die Information zum Standort. „Geht“, befahl Satan. Die beiden erhoben sich. „Wie ihr wünscht, mein Fürst“, bestätigte Corvus seinen Auftrag und verließ mit Fusco den Thronsaal. In der Halle war Fusco ganz aufgeregt: „Wohin geht es? Wer ist dein Ziel? Du hast das wirklich gut gemacht.“ Murrend blickte Corvus ihn an: „Nach Secreto, ich soll eine Ozelot-Dame ausschalten.“ Da Corvus noch keinerlei Erfahrung mit der Teleportation aus der Hölle heraushatte sowie sich nicht sonderlich auskannte, übernahm Fusco das. Sie verschwanden in schwarzen Flammen, wie es für Dämonen typisch war und tauchten in der Stadt Secreto wieder auf. Schützend hielt Corvus sich seine Hand vor die Augen. Das grelle Licht der Sonne blendete ihn und die kühle Luft, ließ ihn im ersten Augenblick frösteln: „Das ist also die Welt der Lebenden?“ Lachend drehte sich Fusco im Kreis und breitete dabei die Arme aus: „Ist sie nicht wunderschön? Nimm einen tiefen Zug von der guten Luft. Das ist wie Balsam für deine Lungen.“ Langsam gewöhnten sich Corvus‘ Augen an das Licht und er senkte die Hand: „Konzentrieren wir uns auf den Auftrag.“ Abrupt blieb Fusco in seiner Drehung stehen und blickte in den Himmel: „Viel helfen darf ich dir beim ersten Mal nicht, aber…“ Er grinste breit: „Das weiß der Teufel ja eh nicht, wenn wir beide die Klappe halten.“ Einige Leute auf der Straße blieben stehen und blickten zu ihnen herüber. Es wurde getuschelt. Als Corvus ihnen einen zornigen Blick herüberwarf, gingen sie weiter. Das würde schwieriger werden als angenommen. Die vielen Gebäude, Objekte und Passanten versprachen viele Versteckmöglichkeiten. 

Ich hatte mir die Stadt anders vorgestellt. Aus Fuscos Beschreibungen konnte auch keiner schlau werden. Wo fange ich am besten mit der Suche an?

Langsam schlenderte Fusco zum nächsten Schaufenster und betrachtete die dort ausgestellten Küchenmöbel. Fragend folgte Corvus ihm und blickte in den Laden: „Hast du was bemerkt?“ Grinsend sah Fusco ihn an: „Nein, ich schau mir nur den neuen Einrichtungstrend an.“ Murrend wand sich Corvus von ihm ab und beschloss einfach in eine Richtung los zu laufen. Irgendwas würde sich schon ergeben. Dabei musterte er seine Umgebung. Ob Fusco ihm folgte oder nicht, war ihm egal. Es war sein Auftrag und er würde es ganz alleine schaffen. „Corvus! Warte!“, rief Fusco ihm nach und holte schnell wieder auf, „Du weißt gar nicht, was du verpasst.“ „Ich verpasse gleich dir eine!“, knurrte er nun, um unmissverständlich klar zu machen, dass ihm Fuscos Vorgehensweise sehr missfiel. „Komm schon, Corvus“, meinte Fusco grinsend, „Habe doch mal etwas Spaß.“ „Das…“, er blickte an Fusco vorbei, „Da ist sie.“ Sofort rannte Corvus los, auf die flüchtige Dienerin zu, dabei rempelte er einige der Passanten an, was ihn jedoch nicht sonderlich interessierte. Er wollte möglichst schnell an sie heran. Verwundert drehte sie sich in seine Richtung und erblickte Fusco, welcher ihm folgte. Kurz darauf nahm sie auch Corvus war und grinste hinterhältig: „Da werde ich Satan mal um seinen neuen Diener erleichtern.“ Die Ozelott-Dame trug Halbhandschuhe, welche mit Metall verstärkt worden waren, sowie den Unterarm fast komplett bedeckten. Ihr bräunlicher Ledermantel und die dunkle, zerfranste Kleidung ließen sie doch sehr auffallend in er Menge wirken. Da sie Corvus eh bereits bemerkt hatte, schoss dieser nun mit schwarzen Magiekugeln nach ihr. Geschickt wich sie diesen aus und lachte: „Wie niedlich. Komm schon her, Kleiner.“ Das ließ sich Corvus nicht zweimal sagen und rannte direkt auf sie zu. Eine Berührung und ein Wort würden ausreichen, wenn die Fähigkeit so war, wie Corvus erwartete. Die Dienerin packte ihn, ehe er weiterdenken konnte, drehte sich schwungvoll mit ihm, sodass er gegen die Häuserwand krachte. Geistesgegenwertig wollte Corvus nach ihr greifen, bemerkte aber noch die Faust, die sie ihm ins Gesicht donnern wollte. Gerade so, versuchte er sich weg zu ducken und schrie auf. Die Faust hatte sein rechtes Ohr getroffen und irgendwas bohrte sich dort hinein. Aus dem Handschuhrücken waren zwei winzig kleine Dolchspitzen geschossen. Reflexartig riss er sich von ihr los und erneuter Schmerz durchfuhr die Stelle. Lachend wollte sie gleich noch einmal zuschlagen, bekam dann jedoch einen gezielten Schlag von Fusco im Nacken zu spüren. In Sekundenbruchteilen wurde ihr schwarz vor Augen und sie brach am Boden zusammen. Die meisten Leute hatten das Weite gesucht oder beobachteten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Fusco blickte zu Corvus, dem Blut von seinem Ohr tropfte auf seine Schulter hinab: „Bring es zu Ende.“ Schmerzend fasste er sich an die Stelle am Ohr. Mit blutigen Fingern ging er auf die am Boden liegende Dienerin zu, kniete sich zu ihr herunter und berührte sie: „Concremo!“ Kaum hatte er es ausgesprochen, ging ihr Körper in Rauch auf und nichts als Asche blieb.

Das ist sie also, meine Fähigkeit. Ob mit Caedes etwas anders passiert!? Das werde ich noch herausfinden. 

Fusco verschwand mit Corvus in schwarzen Flammen, zurück in die Hölle. Allerdings tauchten sie direkt vor Corvus‘ Zimmer auf. „Versorgen wir deine erste Kampfwunde“, meinte Fusco grinsend und drängte Corvus in den Raum. Vorsorglich hatte Fusco bereits einige Verbände in er Schublade des Schreibtisches verstaut. Eine davon holte er hinaus und sah sich dann Corvus‘ Wunde am Ohr an. „Schau nicht so viel und verbinde sie endlich“, murrte Corvus, dem das gar nicht passte. Er hatte nicht gut genug aufgepasst und schon bei seinem ersten Auftrag versagt. Hätte Fusco sich nicht eingemischt, wer wusste schon, wie das ausgegangen wäre. Grinsend zupfte Fusco leicht an dem Ohr herum. „Au! Verdammt, das tut weh! Idiot!“, beschwerte sich Corvus sogleich. „Irgendwie“, grinste Fusco breit, „Sieht es aus, als hätte dich ein Blutdämon unsauber ins Ohr gebissen.“ „Das ist nicht komisch!“, knurrte Corvus nun und wollte Fusco schon das Verbandszeug abnehmen. Fusco ließ dieses nicht zu und begann die Wunde so gut es möglich war zu verbinden: „Immer mit der Ruhe. Das wird ein modisches Kunstwerk.“ Da der Verband zu lang war, ließ Fusco ein Messer aus schwarzer Magie erscheinen. Dieses bildete sich aus einer Art dunklem Rauch, was man nur einige wenige Sekundenbruchteile sehen konnte. Dann hatte sich das Messer bereits in seiner Hand materialisiert. Er schnitt das Ende von dem Verband ab und machte dann einen Knoten, damit dieser an Ort und Stelle blieb. Er grinste: „Fertig und du siehst toll damit aus.“ Mit einer Hand betastete Corvus den Verband an seinem Ohr, einen Spiegel gab es hier nicht: „Scheint zu halten. Dann sollten wir jetzt zum Fürsten.“ Grinsend ging Fusco zur Tür: „Überlasse mir das Reden. Das ist besser. Du wirst dafür noch ein Gefühl bekommen.“ Es war allgemein bekannt, dass Satan ein Versagen hart bestrafte und nur selten darüber hinwegsah. Der Auftrag war erledigt, allerdings war das Fuscos Verdienst gewesen und nicht sein eigener. Es war ihm nur recht, dass Fusco das Reden übernehmen wollte. Vielleicht blieb ihm so eine größere Strafe erspart. Im Thronsaal knieten sich die beiden mit gesenktem Blick nieder. „Mein Fürst“, begann Fusco, „Corvus hat seinen Auftrag ausgezeichnet erfüllt. Er wird ein wahrlich starker Diener werden.“ „Gut“, antwortete Satan. Es war das einzige Lob, dass man von ihm je erwarten konnte: „Als sein Lehrmeister wirst du nun auch sein Kampfpartner, Fusco. Enttäusche mich nicht.“ „Das werde ich nicht, mein Fürst“, bestätigte Fusco untertänig. Ein Schnauben war zu hören: „Geht.“ Die beiden erhoben sich fast zeitgleich und verließen den Thronsaal. Corvus äußerte sich nicht zu Fuscos Lüge und folgte dem gut gelaunten Dämon durch die Gänge des Schlosses.

Er scheint noch bessere Laune zu haben wie sonst. Freut er sich etwa so sehr darüber Satan belogen zu haben!? Das war ja nun wirklich nicht schwierig.

„Morgen hast du sicher mehr Glück“, munterte Fusco ihn auf, „Wenn du erst mal mit deiner Fähigkeit umgehen kannst, geht es sicher schneller. Und dann bist du bald der Schrecken aller Verräter.“ „Ich werde besser werden und man wird mich fürchten. So eine Lachnummer wie du, werde ich sicher nicht“, entgegnete Corvus murrend. Lachend legte Fusco einen Arm um ihn, sodass seine Hand auf seiner Schulter ruhte: „Das würde mich auch schwer wundern. Du hast so gar keinen Humor.“ „Den brauche ich auch nicht“, meinte Corvus und blieb dann vor seinem Zimmer stehen, „Ich hau mich aufs Ohr.“ Mit diesen Worten öffnete er die Tür und schritt hinein. Fusco warf ihm nur einen kurzen Blick zu, ehe er seiner Wege ging: „Lass dich nicht von Albträumen ärgern. In zwei Stunden hole ich dich ab. Dann gehen wir deinen Geburtstag feiern.“ Murrend ging Corvus zu seinem Bett und ließ sich darauf fallen, um noch ein klein wenig schlafen zu können. Das frühe Aufstehen hatte ihm noch nie gefallen.

Geburtstag feiern? Ich weiß, wie das die letzten paar Male ausgesehen hat und kann darauf verzichten.

Erschrocken fuhr Corvus aus dem Bett hoch, als das trötende Geräusch neben seinem Ohr erklang. Neben ihm hockte Fusco, der breit grinste: „Lass uns Geburtstag feiern!“ Wütend schlug Corvus ihm mit der Faust ins Gesicht: „Hast du sie noch alle?“ Lachend fiel Fusco durch seinen Schlag zurück und hielt die bunte Geburtstagströte hoch: „Ich habe auch eine für dich.“ Dann fasste er sich ins Gesicht: „Du schlägst inzwischen schon härter zu.“ Murrend stand Corvus auf und riss Fusco die Tröte aus der Hand, nur um sie gleich auf den Boden zu schmeißen und zu zertreten: „Woher hast du dieses verdammte Ding.“ „Besorgt", entgegnete Fusco während er sich wieder aufrappelte, „Und es hat funktioniert. Du bist nun hellwach und wir können feiern gehen.“ Mit einem genervten Seufzen blickte er zu Fusco: „Wohin soll es gehen?“ Eine große Wahl hatte er eh nicht, dass wusste er aus vergangenen Geburtstagsfeiern. Allerdings hatten sie diese immer in der Hölle abgehalten. Nun wo Corvus die Hölle auch verlassen konnte, würde Fusco sicherlich einen anderen Ort bevorzugen. Mit den Händen klopfte sich kurz Fusco über seine Kleidung. Eine absolut unsinnige Geste, da er schon zuvor voller Staub und Asche gewesen war. Dabei ging ein breites Grinsen über Fuscos Gesicht, ehe er einfach mit Corvus in schwarzen Flammen verschwand und in einer für Corvus unbekannten Stadt wiederauftauchte: „Ich habe den perfekten Ort für deine Geburtstagsfeier. Es wird dir gefallen.“ „Das glaube ich erst, wenn ich es gesehen habe“, murrte Corvus, während er Fusco folgte. Die Häuser waren ziemlich herunter gekommen in diesem Stadtteil, aber daran störte sich keiner von beiden. Zwei Straßen weiter bog Fusco um die Ecke und blieb vor einem alten, baufälligen Lagerhaus stehen: „Da wären wir.“ Mit einem Ruck öffnete er die Tür, welche scheinbar etwas klemmte und schob Corvus mit Nachdruck in die Lagerhalle: „Hey… ich kann selbst laufen…“ Verblüfft verstummte er und blickte in die weiträumige Halle, welche mit Papiergirlanden, Luftballons Konfetti und Luftschlangen dekoriert war. In der Mitte stand ein Gartentisch aus Plastik, rechts und links davon ein Gartenstuhl im selben Design. Auf dem Tisch stand eine Schokoladentorte mit bunten Zuckerkugeln dekoriert, sowie zwei Papierteller und Plastikbesteck. Darunter standen zwei Wasserflaschen, nahe des einem Tischbeines. Noch nie zuvor hatte Corvus so etwas gesehen. Zum Geburtstag gab es immer ein Teelicht, wo der Wachs bereits durch die Temperaturen der Hölle weich war und ein Stück trockenen Schokoladenkuchen. Das hier übertraf alles, was er jemals erwartet hätte. Ehe Corvus etwas sagen konnte, hackte Fusco freudig nach: „Es gefällt dir oder? Natürlich gefällt es dir. Du musst die Schokoladentorte probieren. Das Beste, was du je gegessen hast. Darauf hast du mein Wort.“ „Wann hast du…? Was in aller Welt ist das alles?“, wollte Corvus nun wissen und ging dabei auf den Tisch zu, „Schokoladentorte?“ Grinsend setzte sich Fusco auf einen der beiden Stühle und schnitt mit dem Plastikmesser die Torte an: „Die beste Erfindung der Gewöhnlichen.“ Irgendwie schaffte Fusco es mit dem Plastikmesser und einer entsprechenden Gabel jeweils ein Tortenstück auf die Teller zu verteilen. Corvus setzte sich ihm gegenüber und stocherte skeptisch in dem Stück Torte herum: „Beste Erfindung? Ich weiß ja nicht.“ „Du musst sie probieren“, drängte Fusco ihn weiter, „Dann wirst du es verstehen.“ Immer noch nicht wirklich überzeugt, probierte Corvus ein Stückchen. Es war ganz anders, als der Schokoladenkuchen. Viel cremiger – eigentlich musste man fast gar nicht kauen. „Essbar“, meinte Corvus schließlich und aß noch etwas davon. Breit grinsend aß auch Fusco sein Stück: „Also habe ich recht. Ich wusste es. Kein Kind verschmäht Schokoladentorte.“ 

„Raus aus dem Bett“, weckte Corvus eine wohl bekannte Stimme. Nachdem, wie er sich fühlte, konnte unmöglich schon wieder Morgen sein. Er hasste es früh aufzustehen, außerdem waren sie gestern noch eine ganze Weile in dem Lagerhaus geblieben. Entschlossen er zog sich die Bettdecke über den Kopf: „Lass mich in Ruhe.“ Lachend zog Fusco die Bettdecke weg: „Aufgestanden! Begrüße den neuen Tag!“ Murrend grub Corvus seinen Kopf in das Kissen, was recht schwierig war, da dieses kaum noch Federn hatte: „Solange Satan nicht nach mir verlangt, stehe ich nicht auf. Verschwinde!“ Zwei Hände packten Corvus, welche ihn mit einem Ruck nach oben zogen. „Lass das! Runter!“, schrie Corvus wütend und versuchte Zeitgleich nach Fusco zu schlagen und zu treten. Amüsiert ließ Fusco ihn wieder aufs Bett fallen: „Steh auf oder ich trage dich durch das ganze Schloss.“ Corvus warf Fusco einen zornigen Blick zu und richtete sich auf: „Ich hasse dich, Dämon.“ „Oh, ich hab dich auch lieb. Holen wir dir ein Frühstück“, erwiderte Fusco so gut gelaunt wie immer, „Sicherlich wird bald Satan nach uns verlangen. Da solltest du schon fit sein. Wir wollen doch nicht, dass uns so ein Missgeschick wie gestern passiert.“ 

Warum muss er mich gerade jetzt daran erinnern!? Ich weiß selbst, dass ich gestern gestorben wäre, wenn er mir nicht geholfen hätte. Dennoch ist das kein Grund mich so früh zu wecken. Außerdem wird mir das heute nicht noch mal passieren. Ich werde meinen Auftrag ohne seine Hilfe erfüllen.

„Das wird nicht noch einmal passieren!“, betonte Corvus selbstsicher und ging zur Tür, „Sie werden mich fürchten lernen.“ Fusco folgte ihm zur Essensausgabe und blickte hier und dort zu einem Diener im Gang des Schlosses herüber. Sie alle waren hier, weil sie die Wahl selbst getroffen hatten. Dämonen hingegen waren von Geburt an dem Teufel verpflichtet. Es gab unzählige Legenden dazu, aber wie es tatsächlich dazu kam, weiß wohl niemand mehr. Als sie außerhalb des Schlosses durch die Dämonen gingen, bekamen sie die typischen abwertenden Blicke, die Fusco galten. Er grinste ihnen freundlich entgegen. Corvus interessierte das schon längst nicht mehr. Er wusste, dass Fusco kein Dämon wie die anderen war. Sein ganzes Verhalten wiedersprach dem eines Dämons. Noch nie hatte er Fusco gegen einen anderen Dämon kämpfen sehen, obwohl das normal war. Das hatte irgendwas mit ihrem Status zu tun. Die Stärksten bestimmten. Fusco gehört dazu ganz und gar nicht. „Fusco!“, erklang eine Stimme hinter ihnen. Ein anderer Dämon, ebenfalls ein Fuchs mit schwarz-weißer Fellzeichnung kam angelaufen: „Kann ich dich mal einen Moment sprechen?“ Corvus drehte sich nur halb um und ging dann einfach weiter seines Weges. Das interessierte ihn nicht. „Wir treffen uns in deinem Raum, Corvus“, rief Fusco ihm nach und ging dann mit dem anderen Dämon davon. Wie immer ging Corvus zur Essensausgabe. Er war schon öfter alleine hier gewesen. Wie viele andere Diener zog Corvus es vor sich nicht mit den Dämonen anzulegen und sich seinen Korb mit Brot einfach abzuholen. Es war zwar alt, aber es reichte zum Überleben. Ein schwarzer Wolf kam hinter ihm zur Essensausgabe und griff seinen Korb neben ihm: „Wenn das nicht der Sprössling des Verräters ist? Mal sehen, wie lange du es machst. Ich tippe darauf, dass du nicht mal 20 Jahre alt wirst.“ Knurrend blickte Corvus ihn an: „Und wer bist du?“ „Lessus, ich diene Satan schon seit Jahrhunderten. Etwas das du niemals übertreffen wirst“, selbstgefällig grinsend ging er mit seinem Korb davon. Auch Corvus nahm seinen Korb und folgte ihm mit etwas Abstand durch die Dämonen vor dem Schloss.

Ich hoffe, dass du irgendwann auf die Liste der unnützen Diener kommst und ich dich vernichten darf. Es wird mir eine Freude sein.

Im Schloss trennten sich ihre Wege und Corvus kehrte zu seinem Zimmer zurück. Den Korb stellte er auf dem Schreibtisch ab und setzte sich auf den Stuhl davor. Zuerst nahm er einen Schluck aus der Wasserflasche, ehe er sich etwas von dem Brot abriss und es aß. Fusco war noch nicht zurück. 

Wo Fusco wohl hin ist!? Ich habe noch nie mitbekommen, dass ihn irgendein anderer Dämon anspricht. Nicht mal, um ihn nur zu beleidigen. Soll mir aber auch egal sein.

Die Tür ging auf und Fusco kam herein. Im ersten Augenblick sah er ernst aus, dann grinste er wie immer gut gelaunt: „Schmeckt?“ Murrend blickte Corvus ihn an: „Es ist das Gleiche wie jeden Tag. Wie soll das schon schmecken? Trocken, alt, aber sättigend.“ Lachend setzte sich Fusco auf das Bett und sah Corvus zum Frühstücken zu: „Heute schaffst du es bestimmt ohne meine Hilfe.“ „Ich brauche deinen Zuspruch nicht“, gab Corvus murrend zurück und aß noch einen Teil des Brotes, nahm einen Schluck Wasser und ließ den Rest auf dem Schreibtisch stehen, „Wenn ich meinen Gegner zu fassen kriege, ist er tot. So einfach ist das.“ Corvus sowie Fusco vernahmen telepathisch die Stimme des Fürsten. Er rief nach ihnen, was zwangsläufig bedeutete, dass es einen neuen Auftrag gab. „Das werden wir dann gleich sehen“, bestätige Fusco grinsend und stand auf. Auch Corvus erhob sich von seinem Stuhl, um gemeinsam mit Fusco zum Thronsaal zu gehen. Wie bei dem Tag zuvor knieten sie sich mit gesenktem Blick dort nieder. „Ihr habt gerufen, mein Fürst“, begann Corvus dieses Mal. Ein Schnauben war aus der Finsternis zu hören: „Sieh‘ mich an!“ Wie befohlen hob er den Kopf und blickte in die Dunkelheit, wo er den Fürsten vermutete. Irgendwas in ihm schien sich zu regen. Es war ein starkes Gefühl. Instinktiv versuchte es Corvus zurück zu drängen. Als Satan ihm die Informationen seines Auftrages übermittelte wurde es besonders schlimm, schließlich leuchtete sein gelbes Auge auf. Die Verbindung brach ab, ein wütendes Schnauben war zu hören und im nächsten Moment wurde Corvus von einer schwarzen Magiewelle getroffen und zurückgeschleudert. Es schmerzte, als er gegen die Wand prallte und zu Boden sackte. „Wie kannst du es wagen mich so anzusehen?“, erhob sich die Stimme des Fürsten zornig. „Vergebt ihn, mein Fürst“, mischte sich Fusco unterwürfig ein, „Es ist sein zweiter Tag. Das sollte ihm eine Lehre sein.“ Mühsam erhob sich Corvus und kniete sich wieder mit gesenktem Blick nieder: „Ich hatte nicht die Absicht euch zu verärgern, mein Fürst. Es wird nicht wieder vorkommen.“ „Sieh‘ mich an!“, forderte Satan ihn zornig auf. Man konnte hören, wie er sich vom Thron erhob. Dann kam er aus der tiefsten Finsternis hervor und ging auf Corvus zu. Ohne zu zögern blickte Corvus ihn an, dieses Mal direkt. Er spürte erneut dieses starke Gefühl und unterdrückte es mit aller Macht. Satan übermittelte ihm den Rest der Informationen für seinen Auftrag, wobei er direkt vor Corvus stand. Seinen Zorn über das Geschehene konnte man gerade zu spüren. Dann wand er sich von ihm ab und ging zurück in die Finsternis: „Geht!“ Corvus erhob sich: „Wie ihr wünscht, mein Fürst.“ Ebenso wie Fusco, der Corvus aus dem Thronsaal folgte. „Was war das?“, wollte Fusco gleich von ihm wissen, „Doch wohl keine weiße Magie.“ Knurrend blickte Corvus ihn an: „Was weiß ich? Lass mich einfach damit in Ruhe. Es ist nicht dein Problem!“ „Dann lass uns los deinen Auftrag erfüllen“, wechselte Fusco grinsend das Thema, „wohin soll es gehen?“ „Nach Collis, es ist wieder ein flüchtiger Diener“, antwortete Corvus noch verärgert. Mehr über sich selbst, als über Fusco. Das durfte ihm bei Satan einfach nicht wieder passieren. In schwarzem Feuer verschwand Fusco mit ihm auf die Insel Metallicus in die Stadt Collis. Nicht viele Städte existierten auf dieser Insel. Sie war sehr gebirgig und vom Festland abgeschnitten. Ein seltsamer Ort für eine Flucht, da die Suche hier nicht allzu schwierig war. Die Stadt war zwar relativ groß und viele Leute lebten dort, aber im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten, lebte man hier recht altmodisch. Da Corvus noch nicht sonderlich viel von der Welt gesehen hatte, fiel ihm das gar nicht groß auf. Zwar merkte er, dass die Stadt anders wirkte, aber das war auch schon alles. Er blickte sich um und wählte eine Richtung: „Hier entlang.“ Fusco folgte ihm, wobei er sich selbst auch umblickte: „Ich habe gehört, hier soll es tolle Backwaren geben. Wir sollten welche mitnehmen.“ „Konzentriere dich!“, wies Corvus ihn zurecht und hielt nach dem Diener Ausschau. Es sollte ein grauer Waschbär sein mit der typischen schwarzen Fellzeichnung. Außerdem hatte er eine Narbe über dem rechten Auge. Alles was Corvus auffiel waren die seltsamen Blicke der Leute, was nicht verwunderlich war. Der ganze Staub und die Asche, welche an ihnen klebte, wirkten nicht gerade einladend. Fusco blieb an einem Schaufenster stehen, wo allerlei Süßigkeiten angeboten wurden: „Wir sollten welche mitnehmen. Das ist sicher besser als das alte Brot.“ Für solche Dinge hatte Corvus nichts übrig und ging einfach weiter durch die Menge. Er erblickte den Waschbären bei zwei jungen Damen. Hinterrücks schlich er um diese herum und griff in die Handtasche um den Geldbeutel zu stehlen. Corvus versuchte sich langsam auf ihn zu zubewegen. Sofern er nicht bemerkt werden würde, hätte er leichtes Spiel. Als der Diener den Geldbeutel erfolgreich eingesteckt hatte, ging er eiligen Schrittes davon. Auch Corvus beschleunigte seine Schritte, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.

Hat er mich bemerkt oder versucht er nur wegen seinem Diebstahl unentdeckt zu bleiben? Wie es aussieht, werde ich das ohne Fusco schaffen müssen. Dieser unnütze Dämon ist einfach zurückgeblieben.

Der Waschbär blickte hinter sich und entdeckte Corvus. Sofort ging er ins Rennen über und versuchte ihn abzuhängen. „Mist!“, fluchte Corvus und rannte ebenfalls los. Dabei hatte er so versucht unbemerkt zu bleiben. Die Passanten auf der Straße wichen erschrocken beiseite und riefen ihnen sogar verärgert hinterher. Corvus kümmerte das nicht. Sollten sie doch machen, was sie wollten. Der flüchtige Diener rannte knapp an einem schwarzen Wolf vorbei und dann um die Ecke in die nächste Straße. Der Wolf drehte sich genervt um, als Corvus in ihn hineinrannte. Er hatte nicht mehr rechtzeitig stoppen können und fiel unsanft zu Boden, dabei knurrte er: „Verdammt.“ Der Wolf knurrte ihn verärgert an: „Pass doch auf, wo du hinrennst.“ Hastig richtete sich Corvus auf: „Dann steh doch einfach nicht im Weg.“ „Sei nicht so vorlaut“, erwiderte der Wolf verärgert, jedoch rannte Corvus gleich weiter in der Hoffnung den Waschbären noch einholen zu können: „Geh mir nicht auf die Nerven.“ Ein weiterer schwarzer Wolf kam aus dem Gebäckladen dahinter. Corvus nahm ihn nur noch aus dem Augenwinkel war und konzentrierte sich wieder auf sein eigentliches Ziel. Wenn er Glück hatte, wäre der Diener irgendwo in der Nähe stehen geblieben im Glauben in Sicherheit zu sein. Hektisch blickte sich Corvus überall um und folgte weiter der Straße: „Verdammt, wo ist er hin?“ Jemand tippte ihn von hinten an. Angespannt wirbelte Corvus herum und erblickte Fusco: „Wo warst du? Er ist mir entwischt.“ Fusco hielt ihm eine Papiertüte hin: „Probiere mal. Die sind echt gut.“ Die Tüte war mit allerlei Süßigkeiten gefüllt in den verschiedensten Farben und Formen. Knurrend blickte Corvus ihn an: „Hilf mir lieber suchen! Als dich mit diesem Unsinn zu beschäftigen.“ Stattdessen griff Fusco noch mal in die Tüte und steckte sich ein rotes Dreieck mit viel Zucker drum herum in den Mund: „Wo hast du ihn das letzte Mal gesehen? Hat er sich teleportiert?“ Genervt zeigte Corvus in die Richtung aus der er gekommen war: „Da hinten. Ich sah nur, wie er um die Ecke bog. Danach habe ich ihn aus den Augen verloren.“ „Also dort…“, meinte Fusco gedankenversunken und steckte sich ein buntes Bonbon in den Mund, welches er aus der Tüte geholt hatte. Man konnte hören, wie er es zerkaute, statt es zu lutschen: „Dann ist er wohl weg.“ Er grinste: „Genießen wir stattdessen die Süßigkeiten. Es bringt nichts ihn weiter zu suchen. Der ist über alle Berge.“ „Satan war schon wütend!“, erinnerte ihn Corvus erbost, „Das wird ihm gar nicht gefallen.“ „Ich nehme die Schuld auf mich“, versuchte Fusco ihn zu beruhigen, „entspanne dich. Wir essen die Süßigkeiten noch auf und gehen dann runter. Alles halb so wild.“ Er klopfte ihm grinsend auf die Schulter: „Du musst entspannter werden. So verkrampft gewinnst du keinen Kampf.“ Corvus verschränkte unzufrieden die Arme: „Beeile dich. Es ist so schon schlimm genug.“ Fusco dachte nicht daran sich deswegen zu beeilen, dafür waren die Süßigkeiten in seinen Augen viel zu kostbar. Das musste man genießen. Ungeduldig blickte Corvus ihn an bis Fusco schließlich das letzte Stück in seinen Mund gesteckt hatte. Grinsend knüllte er die Papiertüte zusammen und warf sie mit Schwung in den nächsten Mülleimer: „Jetzt können wir.“ In schwarzem Feuer verschwanden die beiden und tauchten in der Eingangshalle des Schlosses wieder auf. Als Erstes betrat Fusco den Thronsaal, gefolgt von Corvus, welche sich beide niederknieten und den Blick senkten. Irgendwie war Corvus auch froh, dass man in der Regel nicht aufblicken musste. Das hätte ihm nur noch mehr Probleme bereitet. „Mein Fürst“, begann Fusco, „ich habe unglücklicher Weise den flüchtigen Diener auf uns aufmerksam gemacht und er ist verschwunden. Verzeiht mir diesen unnötigen Fehler.“ Man hörte, wie die Krallen über etwas herüber kratzten sowie ein verärgertes Schnauben: „Tötet diesen Diener!“ Auf telepathischem Wege erhielt Corvus die neuen Informationen zum Standort: „Wie ihr wünscht, mein Fürst.“ „Geht“, befahl der Fürst, ehe die beiden sich erhoben, „Und ich dulde keinen weiteren Fehler!“ Sie verließen den Thronsaal und Corvus atmete leise auf.

Dieses Mal darf er mir nicht entwischen, sonst wird Satan mich noch töten. Fuscos verdammtes Glück wird mich nicht ewig schützen können.

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Karasu no shugo Tenshi - DPdL - Teil 3 (von Angelfeather und Luna42)
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