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 Karasu no shugo Tenshi - EG - Teil 12 (von Angelfeather und Luna42)

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Luna42
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BeitragThema: Karasu no shugo Tenshi - EG - Teil 12 (von Angelfeather und Luna42)   29.03.17 19:56

Engelsgeflüster

Teil 12 - Dienerin des Teufels

Kapitel 1 - Es war einmal

Die Vorfreude kribbelte bereits in ihrem ganzen Körper, als sie sich nur noch schnell das Gesicht abtrocknete und einen letzten Blick in den Spiegel warf. „Apollon, jetzt wird aufgestanden.“ Wie jeden Morgen war La Mare schon einige Zeit wach, hatte sich frisch gemacht und richtete ihr weißes Kleid ein letztes Mal. Beim Klicken der Türklinke, hörte sie bereits die junge Stimme des kleinen Apolls: „Ich will mitkommen.“ La Mare schloss hinter sich die Tür des Badezimmers und grinste: „Dann lass uns mal deinen Vater wecken und nicht trödeln.“ Mit gerade einmal vier Jahren war Apoll noch nicht an vielen Weckaktionen von La Mare beteiligt gewesen, aber er stand immer früher auf, um diese auf keinen Fall zu verpassen. Schnellen Schrittes liefen die beiden zu Apollons Zimmer und öffneten die Tür. Mit einem Satz sprang La Mare auf das Doppelbett von Venusta und Apollon. Während Venusta bereits wach war und diese Aktionen gewohnt war, konnte und wollte Apollon sich nicht anpassen und früher aufstehen. Sehr zur Freude von La Mare, da sie so jeden Morgen das Glück hatte ihn wecken zu dürfen. „Aufgestanden!“ verkündete sie lautstark, „Es ist längst Zeit!“ Murrend zog Apollon an der Decke und versuchte sich diese über den Kopf zu ziehen, was ihm nicht gelang, da La Mare auf dieser saß. „Lass mich schlafen.“ Apoll war inzwischen zu seiner Mutter herumgelaufen und streckte die Arme aus: „Hoch, Mama.“ Lächelnd nahm Venusta ihren Sohn auf den Schoss und lächelte: „Guten Morgen ihr zwei. Ihr seid pünktlich, wie jeden Morgen.“ „Pünktlich?“, hinterfragte Apollon, „Soll das ein Witz sein?“ La Mare rückte noch etwas nach vorne, um besser an Apollon ran zu kommen: „Du weißt, ich gehe erst, wenn du aufstehst.“ Dabei war sie bereit ihn bei Wiederrede einfach aus zu kitzeln. Die Situation abschätzend, blickte Apollon sie an: „Wirst du nicht langsam zu alt für so etwas?“ La Mare lachte darüber und schüttelte den Kopf: „Ich bin gerade einmal 14 Jahre und selbst wenn ich kein Kind mehr wäre, würde ich mir das nicht nehmen lassen. Also raus jetzt oder soll ich nachhelfen?“ Andeutend hob sie die Hände und demonstrierte mit Fingerbewegungen, dass sie das sehr ernst meinte. Apoll fand diese Idee ausgezeichnet: „Au-ja. Auskitzeln!“ Mit einem Seufzen gab sich Apollon geschlagen: „Ist ja gut, ich bin wach und werde aufstehen. Lasst mir einen Moment Zeit.“ „Du hattest genug Zeit, Apollon. Jetzt raus mit dir!“ Dabei stürzte sich La Mare auf ihn und begann ihn aus zu kitzeln. „Nicht… La Mare…“, lachte Apollon und versuchte sie abzuwehren so gut es ging. Venusta stand währenddessen auf, immer noch den kleinen Apoll auf dem Arm und verließ lächelnd das Zimmer: „Wir sehen uns dann beim Frühstück.“ Allein gelassen, setzte sich Apollon nun noch mehr zur Wehr: „Na warte.“ Er setzte zum Gegenangriff an. „Kitzelkampf!“ verkündete La Mare lachend, „Die Kitzelkönigin… wird gewinnen!“ „Niemals!“, entgegnete Apollon. Eines hatte La Mare bereits definitiv erreicht. Er war wach und dabei war es völlig egal, dass sie mal wieder das gesamte Bett verwüsteten, die Bettdecke bereits herunterrutschte und Kissen zerwühlt waren. Nach Luft ringend griff Apollon nach ihren Händen: „Aufhören! Ich kann nicht… ich gebe auf.“ Siegreich grinste La Mare ihn an und holte selbst tief Luft: „Stehst du jetzt auf?“ „Ja. Das werde ich.“

La Mare rannte aus dem Haus direkt auf Fusco zu, der auf der Rasenfläche des Gartens sich einen Platz gesucht hatte. Dort saß er oft, genoss die frische Luft und bei gutem Wetter, so wie gerade, die Sonnenstrahlen auf dem Fell. „Ist das nicht ein herrlicher Tag, La Mare?“ Das Grinsen in seinem Gesicht sprach wie immer für seine ausgezeichnete Laune. „Ja, herrlich. Nur schade, dass Apollon nicht mit mir diesen Tag genießen kann. Immer muss er so viel arbeiten“, bestätigte La Mare und ließ sich neben ihm fallen, sodass sie an seiner Seite saß, „Hast du wieder eine Geschichte für mich?“ Während Apollon mit seinen Herrscherpflichten beschäftigt war, umgab das Haus meist eine unerträgliche Ruhe. Diese Zeit nutzte La Mare um sich Geschichten anzuhören. Oft von Fusco, aber auch Aposter wusste einige schöne Geschichten zu erzählen. Er tippte sich nachdenklich an die Wange, ehe er zu grinsen begann: „Oh, ich weiß da eine ganz tolle Geschichte nach einer wahren Begebenheit.“ „Los! Erzähl!“, forderte La Mare ihn neugierig auf. Zwar fügte Fusco fast jeder Geschichte hinzu, dass diese auf einer wahren Begebenheit basierte, jedoch war jede Geschichte einzigartig und ließ sie wieder etwas Neues erfahren.  „Es war einmal…“ begann Fusco grinsend und ließ seine Stimme dramatisch klingen, „…ein junger Kojote, älter als du, aber jünger als Apollon. Sein Name war Renovatio und er lebte in einem kleinen Dorf am Rande einer Sumpflandschaft. Er war arm und hatte wenig Hab und Gut, was zur Zeit des Mittelalters nicht ungewöhnlich war. Seine Familie bestand nur noch aus seinem einzigen Sohn, der gerade erst 6 Jahre alt geworden war. Die Mutter des Jungen war bereits ein Jahr zuvor verstorben und die Trauer um sie bohrte sich noch immer tief in die Seelen der beiden. Wie jeden Tag versuchte er mit dem wenigen Geld, dass er besaß für sich und seinen Sohn etwas zu Essen auf dem Marktplatz zu ergattern. Auch dieses Mal hatte es nicht für viel gereicht und die selbst angebauten Kräuter hatten kaum Geld in die Kasse gebracht. Auf dem Rückweg zu ihrem Haus, begegnete ihnen ein düsterer Geselle. In Lumpen gekleidet und mit einem Dolch an der Gürtelschnalle versperrte er ihnen den Weg. Renovatio flehte ihn an sie gehen zu lassen. So hatten sie doch selbst kaum genug Geld für Nahrung. Alles was er ihm anbieten konnte, waren ein paar Kräuter. Jedoch war der Fremde gar nicht an Geld interessiert und wollte ihm stattdessen lediglich einen Handel vorschlagen. Dieser versprach, dass er so seinem Sohn ein besseres Leben bescheren könnte. Dazu müsste er nur mit ihm kommen und sich seinem Fürsten vorstellen sowie diesem bis in alle Ewigkeit dienen. Dafür würde er ihm wirklich jeden Wunsch erfüllen, sogar die Wiederauferstehung seiner geliebten Frau. Was brauchte ein Kind schließlich mehr, als seine Mutter? Ängstlich klammerte sich sein Sohn an ihn, aber Renovatio überdachte den Handel. Sollte der Fürst tatsächlich dazu in der Lage sein, war es jeder Preis wert gezahlt zu werden. Er vermisste seine Frau so sehr und sein Sohn brauchte seine Mutter. Also schickte er seinen Sohn nach Hause und willigte ein mit dem Fremden zu gehen. Dieser war allerdings so ganz und gar nicht daran interessiert ihm zu helfen. Es war einfach nur seine Aufgabe neue Diener für den Teufel anzuwerben. Wenn er dieses nicht tat, würde er selbst den Tod finden. Der Fremde wartete noch einen Moment, ehe der Junge aus dem Blickfeld verschwunden war und packte dann Renovatio am Arm, um mit ihm in die Hölle zu verschwinden. Erschrocken blickte sich Renovatio um, so hatte er sich unter dem Fürsten doch lediglich einen mächtigen Adligen mit magischen Kenntnissen vorgestellt. Nicht aber die Unterwelt oder gar den Teufel selbst. Ehe er die gesamte Situation realisieren könnte, zog der Diener ihn unsanft in den Thronsaal des Teufels. Zitternd und unsicher verhandelte er mit dem Teufel den Pakt. Ein Zurück gab es eh nicht mehr für ihn. Bis zu seinem Lebensende musste er dem Teufel dienen, dafür erfüllte er ihm seinen Wunsch. Der Teufel holte seine verstorbene Frau zurück ins Leben. Jedoch erkannte sie Renovatio nicht, denn der Teufel hatte ihn reingelegt. Er hatte seinen Wunsch nicht genau genug formuliert und das winzige Detail, dass er seine Frau mit Seele zurückwünschte, vergessen. Seine Frau lebte, aber ohne eigenen Willen, ohne Seele. Sie war nichts, als eine leere Hülle und Renovatio war dem Teufel ausgeliefert, ihm zu dienen bis ans Ende seiner Tage.“  „Wie schrecklich“, betonte La Mare, „und gemein. Er dient ihm doch bis an sein Lebensende, wie kann der Teufel ihn da so behandeln?“ Fusco lachte laut: „Es ist der Teufel. Der nutzt jede deiner Schwächen aus.“ „Und was ist mit der Frau passiert oder seinem Sohn?“, hinterfragte La Mare weiter. „Soweit ich weiß“, begann Fusco, „musste Renovatio seine Frau aus der Hölle schaffen, denn sie war keine Dienerin und ohne Seele auch nicht in der Lage einen Pakt abzuschließen. Er brachte sie nach Hause, wie eine leere Puppe. Und wie das im Mittelalter nun mal so war, sahen sie die Bewohner des Sumpfes als eine Gefahr an. Denn alles was fremd ist, erscheint ihnen unheimlich. Sie wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Sohn soll wohl von einem Priester in ein kirchliches Waisenhaus gebracht worden sein, da er ihn vor den teuflischen Machenschaften seines Vaters retten wollte. Was aus ihm dann geworden ist, weiß ich nicht.“ Nachdenklich blickte La Mare in den Himmel: „Aber hätte er sich misstrauischer gezeigt und es hinterfragt, hätte er seine Frau zurückbekommen oder?“ Fusco nickte zustimmend: „Ja, viele machen diesen Fehler, jedoch gibt es auch genug, die tatsächlich jemanden zurück geholt haben. So wie Aposter, auch wenn das ein Unfall war. Du erinnerst dich, dass ich dir das erzählt hatte?“ Fragend blickte La Mare Fusco an. Daran konnte sie sich gar nicht erinnern.

Die Geschichte hatte La Mare dieses Mal nicht mehr losgelassen. Immer wieder musste sie daran denken, dass der Kojote in der Geschichte seine Frau zurück ins Leben geholt hatte und nicht zuletzt auch an Fuscos Bemerkung, dass es auch einigen erfolgreich gelungen war Tote wieder zurück ins Leben zu holen. Selbst als Aposter ihr abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas, war sie mit ihren Gedanken noch immer bei dem Pakt mit dem Teufel, sodass sie kaum etwas von Aposters Geschichte mitbekam. „Gute Nacht, La Mare“, verabschiedete sich Aposter von ihr. La Mare lächelte, auch wenn sie die Geschichte nur halb mitbekommen hatte: „Gute Nacht, Aposter.“ Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, starrte La Mare an die Decke. Sie war überhaupt nicht müde, die Unruhe in ihr schien sogar mehr und mehr zu wachsen. Entschlossen versuchte sie die Augen zu schließen und einzuschlafen, aber es wollte einfach nicht funktionieren. Unruhig drehte sie sich im Bett, mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Selbst das Kissen schien so unbequem, wie noch nie. Seufzend richtete sie sich auf. Die Möglichkeit war da, zum Greifen nahe und doch so fern. Was sollte sie nur tun!? Hin- und hergerissen stand sie auf und ging zur Tür. Ehe sie diese öffnete, lauschte sie. Alles war ruhig und vermutlich jeder bereits zu Bett gegangen. Leise schritt sie hinaus in den Flur. Niemand war zu sehen. Genauso leise schloss sie die Tür wieder hinter sich und blieb angelehnt an dieser stehen. Durch die Fenster fiel das seichte Mondlicht herein, welches eine beruhigende Wirkung ausstrahlte. La Mare nahm einen tiefen Atemzug und blickte aus dem Fenster. Die Sehnsucht war zu stark, wenn sie das jetzt nicht durchziehen würde, könnte sie niemals wieder ruhig schlafen. Dessen war sie sich sicher. Es musste sein und wenn sie sich beeilte, war sie noch vor dem Morgengrauen wieder da. Eilig ging sie wieder in ihr Zimmer, öffnete den Schrank und zog sich in Windeseile um. Im Nachthemd wollte sie nun nicht aus dem Haus gehen, auch wenn sie sich sehr beeilen musste. Möglichst leise schloss die die Tür hinter sich und ging durch den Flur nach draußen. Der schwierigste Teil war nun nicht von den Wachen entdeckt zu werden. Sie ließ ihre Flügel erscheinen, um sich mit diesen so lautlos wie möglich in die Luft zu erheben und flog über das Anwesen hinweg in die Stadt.

Die letzten Lichter waren in einigen Fenstern der Straßen zu sehen. Die Straßenlaternen erleuchten die Stadt auch nur spärlich, was La Mare die Suche nach einem Diener nicht einfacher machte. Immerhin hatte dieses den Vorteil, dass keiner der Gewöhnlichen sie so leicht erblicken würde, während sie durch die Dunkelheit flog. Die andere Frage war natürlich, ob überhaupt ein Diener mitten in der Nacht und ausgerechnet in dieser Stadt unterwegs sein würde. Selbst die weißen Magier zogen es vor nachts keine Außenposten zu besetzen. Das Lachen von zwei Betrunkenen war zu hören, die aus einer Nebenstraße einbogen und sich gegenseitig stützten. Die beiden waren sicherlich keine Diener des Teufels. Das konnte La Mare sich beim besten Willen nicht vorstellen. Aber wenn ein Diener jetzt in der Stadt unterwegs war, wo würde er sich aufhalten? Es war schwierig einzuschätzen, denn sie selbst hatte bisher nicht viel mit Dienern zu tun gehabt. Mal von der Erfahrung mit Lessus abgesehen. Sie versuchte sich an eine von Fuscos Geschichten zu erinnern, in dem Diener eine Rolle spielten, jedoch fiel ihr nicht eine Einzige ein, in dem Diener sich des nachts in der Stadt herumtrieben. Seufzend blickte sie sich weiter um und versuchte in der Dunkelheit weitere Personen auszumachen. Zwischen den Straßenlaternen konnte La Mare eine schattenhafte Gestalt erkennen. Da diese sich jenseits des Lichtes bewegte, war es schwer zu sagen, um was für eine Person es sich handelte. Mit etwas Abstand landete sie in der Straße und ließ ihre Flügel verschwinden. Zielstrebig, aber nicht zu eiligen Schrittes lief sie auf die unbekannte Person zu. Als sie dieser näherkam, konnte sie einen Fuchs erkennen, dessen staubige und ausgefranzte Kleidung gut zu einem Diener passen würden. So jedenfalls hatte sie Lessus und seine Begleiter in Erinnerung und in Fuscos Geschichten beschrieb dieser sie auch meistens so. Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert. „Hey“, begann La Mare, während sie der Gestalt näherkam, „bist du ein Diener des Teufels?“ Der Blick des Fuchses ruhte einen Moment auf ihr, ehe er antwortete: „Wer will das wissen?“ „Also bist du einer“, stellte La Mare erfreut fest, „Bring mich in die Hölle. Ich will einen Pakt aushandeln.“ Da der Teufel bekannter Weise wirklich jeden als Diener akzeptierte, wunderte sich der Fuchs auch überhaupt nicht, dass er ein junges Mädchen mit hinunter in die Hölle nehmen sollte. Er gähnte müde und kniff ein Auge zu, während er ihr antwortete: „Von mir aus.“ Dann verschwand er in schwarzem Rauch mit ihr und tauchten im selbigen wieder in der Hölle auf. Bei ihrem letzten Besuch in der Hölle war La Mare einfach in einem der Gänge verschwunden, nun ließ sie sich jedoch von dem Diener zum Thronsaal geleiten. Sie durchquerten die Halle vor dem Thronsaal, dessen riesigen Tore weit geöffnet waren. Ohne weitere Erklärung schritt der Diener durch diese und kniete im Thronsaal nieder, dabei senkte er den Kopf.  La Mare folgte ihm, blieb jedoch neben ihm stehen und kniete sich nicht nieder. Dabei nutzte sie die Gelegenheit, um ihren Blick schweifen zu lassen. Der Thronsaal an sich war bereits recht düster, aber der Teil vor ihnen war so finster, dass sie absolut gar nichts erkennen konnte. Ob darin wirklich irgendwo der besagte Lichtschalter versteckt war!? Vielleicht hätte sie Fusco danach noch einmal fragen sollen. Ein verärgertes Schnauben ließ sie aufschrecken, welches eindeutig aus dem düsteren Teil des Saales kam. „Mein Fürst“, begann der Fuchs demütig, wobei er nicht einmal den Kopf hob, „verzeiht die Störung. Ich bringe euch ein Mädchen, welches sich einen Pakt mit euch wünscht.“ Erneut ertönte ein Schnauben aus der Dunkelheit. Neugierig versuchte La Mare irgendetwas in dieser Finsternis zu erkennen, jedoch gelang es ihr nicht. Einen Moment überlegte sie sogar weiter hinein zu laufen, nur um vielleicht einen kurzen Blick erhaschen zu können, ehe sich dann eine dünstete Stimme erhob: „Wie kannst du es wagen mir ein nutzloses Mädchen zu bringen? Welche Aufgabe sollte ihr zu Teil werden?“ „Mein Fürst...“, begann der Fuchs erneut, jedoch fiel La Mare ihm einfach protestierend ins Wort: „Ich bin nicht nutzlos. Mein Körper ist sehr robust und kämpfen kann ich auch.“ „Seht ihr, mein Fürst, sie kann euch von großem Nutzen sein. Bedenkt wie viele Diener wir verloren haben“, bestätigte der Fuchs und das nicht um La Mare zu helfen, sondern lediglich um seiner eigenen Bestrafung aus dem Weg zu gehen. „Nenn deinen Namen“, befahl die Stimme. Auch wenn La Mare es äußerst unhöflich fand mit jemanden zu sprechen, denn sie nicht einmal sehen konnte, antwortete sie: „Ich heiße La Mare und werde euch sehr nützlich sein, wenn ihr mit mir den Pakt aushandelt.“ Irgendwie hatte sie sich das einfacher vorgestellt, aber ein Zurück gab es jetzt eh nicht mehr. „Du willst also für den Rest deines Lebens mein Diener sein und im Austausch dafür einen Wunsch erfüllt bekommen, sowie eine Fähigkeit für den Kampf erhalten“, hinterfragte die Stimme nun. La Mare war erleichtert, dass er nun doch darauf eingehen würde. Allerdings hatte Fusco nie etwas von einer Fähigkeit erzählt, aber das sollte sie nicht abhalten. Sie würde einfach das nehmen, was ihr als erstes einfiel: „Zuerst zu meinem Wunsch. Ich will, dass du meinen Vater wiederbelebt. Sein Name ist Confaince. Mit Seele!“ Man hörte ein Kratzen über Gestein sowie ein verärgertes Schnauben. Eine weitere Reaktion blieb aus. „Und als Fähigkeit“, setzte La Mare gleich fort, „möchte ich andere durch Berührung erstarren lassen können.“ „Für eine Stunde“, ergänzte die Stimme, „lediglich eine Stunde bleiben sie erstarrt.“ Daran sollte es jetzt nicht scheitern, also stimmte La Mare zu: „In Ordnung.“ Die Vereinbarung zwischen den beiden wurde von der Stimme erneut wiederholt: „Ich erfülle dir den Wunsch deinen Vater Confaince mit Seele zurück ins Leben zu holen und gebe dir die Fähigkeit durch Berührung deinen Gegner erstarren zu lassen für eine maximale Zeit von einer Stunde. Dafür wirst du mir dienen bis an dein Lebensende. Einverstanden?“ Entschlossen blickte La Mare in die Finsternis: „Einverstanden.“ Über den Boden bewegte sich schwarzer Rauch, der aus der tiefen Finsternis in den etwas helleren Bereich des Thronsaales überging. Dieser sammelte sich an einem Punkt und stieg hinauf bis er die Größe einer Person angenommen hatte. Immer mehr Rauch sammelte sich an diesem Punkt, wurde dichter und wirkte anfassbarer bis tatsächlich ein Wolf daraus zu erkennen war. Der Körper materialisierte sich, wurde zu Fleisch und Blut und hauchte dem erst noch reglosen Körper Leben ein. Verwundert blickte sich Confaince um. So war er vor ein paar Augenblicken noch in der Seelenebene gewesen und stand nun in einem vollkommen dunklen Raum. Gerade als Confaince seine Tochter erblickte, wurde diese von einer dunklen Aura eingehüllt. Erschrocken rannte er auf sie zu, kam jedoch nicht weit. Eine Druckwelle aus schwarzer Magie tauchte wie aus dem Nichts aus und schleuderte ihn zurück gegen die Wand, eine sogenannte schwarze Magiewelle. „Nein!“, schrie La Mare auf, während die dunkle Aura kurz darauf in ihr zu verschwinden schien. Als La Mare auf ihren Vater zu rennen wollte, welcher sich bereits wiederaufrichtete, wurde der gesamte Thronsaal in eine tiefe Finsternis gehüllt. Zudem schlossen sich die Tore, welches ihnen ein dumpfes Geräusch verkündete. „La Mare!“, rief Confaince aufgewühlt. Er wusste nicht, was hier vor sich ging oder wo sie überhaupt waren, jedoch hatte er ein ganz ungutes Gefühl. „Bleib wo du bist“, befahl die düstere Stimme. La Mare dachte nicht daran und lief in die Richtung, in der sie ihren Vater vermutete. Ketten rasselten. Sie spürte wie sich diese um ihren Körper legten und versuchte sich aus ihnen zu winden. „Verschwinde nach Civitas. Schnell! Zu den weißen Magiern“, rief La Mare ihm zu. Die Ketten bewegten sich viel zu schnell und bedeckten ihren ganzen Körper, ehe sie zu einer weiteren Reaktion fähig war. Ein wütendes Schnauben war zu hören: „Wie kannst du es wagen?“ „Civitas?“, wiederholte Confaince verwirrt und versuchte anhand ihrer Stimme die Richtung zu bestimmen. „Schnell! Verschwinde! Hol Hilfe!“, wiederholte La Mare nun drängender. Weitere Ketten waren zu hören, wie sie über den Boden rasselten. Confaince blieb keine andere Möglichkeit und musste seiner Tochter einfach vertrauen. Noch immer irritiert verschwand Confaince in schwarzem Rauch. La Mare spürte wie sich die Ketten jetzt auf Hand- und Fußgelenke begrenzten und sie mit einem Ruck zur Wand zogen, wo sich diese verankerten. Ein erneutes Schnauben war zu hören: „Kein weißer Magier kommt hier hinab. Du gehörst mir und dein Vater wird dir nicht helfen können.“ Obwohl La Mare überhaupt nichts sehen konnte, ließ sie instinktiv ihre Flügel erscheinen und schlug damit nach den Ketten. Diese fielen in Teilen zu Boden. Das erneute Klirren ließ den Diener zusammenzucken, was La Mare jedoch nicht sehen konnte. Dieser rührte sich die ganze Zeit nicht von der Stelle, bis er einen Befehl von Satan erhalten würde. „Ich werde dir niemals dienen!“, verkündete La Mare und versuchte die Orientierung wieder zu finden. Wo war denn nur dieses Tor geblieben!? Mit einem Mal wurde sie am Hals gepackt und hochgehoben. Sie griff nach der Klaue, die sie hielt. Nach allem was sie spüren konnte, hatte er lange Krallen, die sich um ihren Hals schlossen. Zu ihrer Verwunderung zog sich die tiefe Finsternis auf die vorige Dunkelheit zurück, sodass sie die Gestalt vor sich erkennen konnte. Es handelte sich um eine schwarzrote Fledermaus mit glühend roten Augen. An seinem Kopf hatte er zwei Widderhörner und in seinen Augen konnte sie keinerlei Pupillen oder sonstige Struktur erkennen. Geschockt blickte sie ihn an und ihr erster Gedanke war, dass Fusco nicht untertrieben hatte, als er in seinen Geschichten von dem hässlichen Fürsten sprach. „Hast du wirklich geglaubt, dass du mir entkommen kannst?“, schnaubte der Teufel sie verärgert an, „Du wirst hierbleiben und mir dienen, wie vereinbart. Einen Pakt bricht man nicht, höchstens durch den Tod.“ Nachdem La Mare den ersten Schrecken verkraftet hatte, schlug sie nun mit ihren Flügeln nach ihm, jedoch hinterließen diese überhaupt keine Wunden. Missbilligend warf er La Mare gegen die Wand und blickte zu dem Diener: „Geh!“ Der Fuchs war erleichtert endlich verschwinden zu können und das auch noch ohne weiteren Schaden davon getragen zu haben. Die Tore des Thronsaales öffneten sich, der Diener erhob sich und eilte hinaus. Knurrend richtete sich La Mare wieder auf: „Ich werde dir niemals gehorchen!“ Nur flüchtig hatte La Mare einen Blick auf den Diener geworfen, als dieser den Thronsaal verlassen hatte. Immerhin waren nun wieder die Tore offen. Nur brachte ihr das gerade wenig, denn sie konnte sich nicht teleportieren. „Du wirst gehorchen lernen“, erwiderte der Fürst immer noch verärgert, aber schon in einem etwas gleichgültigerem Ton. Dabei wand er sich von La Mare ab und ging wieder in den dunkleren Teil des Thronsaales. Verwirrt blickte La Mare ihm hinterher, als ein schwarzer Panter den Saal betrat und direkt auf La Mare zu ging. Dabei wand er sich beiläufig an den Teufel: „Wie ihr wünscht, mein Fürst.“ La Mare hatte überhaupt nicht mitbekommen, dass er irgendwas gesagt hatte. Was ging hier nur vor sich!? Was wollte dieser Panter von ihr!? „Du kommst mit mir“, wand sich der Panter nun scheinbar an La Mare, die ihn völlig entgeistert ansah: „Was?“ Ohne ein weiteres Wort packte der Panter sie am Arm und versuchte sie mit sich zu ziehen. La Mare stemmte sich mit aller Kraft dagegen: „Nein! Das kannst du vergessen! Lass mich los!“ Der Panter verstärkte den Griff und zog sie hinter sich her aus dem Thronsaal. Stolpernd und wiederwillig wurde La Mare mitgezogen. Der Panter war allen Anschein nach einem Dämon, denn er hatte die typischen roten Augen, die auch Fusco hatte. „Wenn du jemals wieder einen Fuß aus der Hölle setzen willst, solltest du gehorchen“, fügte der Panter nachdrücklich hinzu, „Ungehorsame Diener werden zum Höllendämonen füttern eingeteilt und verlassen die Hölle niemals wieder.“ Da ihre Gegenwehr auf diese Weise nicht funktionierte, ging La Mare nun zu einem direkteren Angriff über und schlug mit ihren Flügeln nach ihm. Trotz der Einschnitte ließ der Panter nicht locker und zog sie weiter durch die Gänge des Schlosses. „Was soll das werden?“, forderte La Mare nun zu wissen. Wenn sie ihre Situation überdachte, war es eigentlich sinnlos sich zu wehren. Selbst wenn sie ihm für einen Moment entkommen würde, könnte sie ja doch nicht aus der Hölle fliehen. „Ich sagte doch, du kommst mit mir“, wiederholte der Panter und blickte sich dabei nicht einmal nach La Mare um. Mit einem leichten Murren zog La Mare ihre Flügel ein und unterließ die weitere Gegenwehr. Sie würde schon einen Weg finden zu entkommen. Außerdem würde ihr Vater Hilfe holen und die weißen Magier würden sie retten. Dessen war sie sich sicher.

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BeitragThema: Re: Karasu no shugo Tenshi - EG - Teil 12 (von Angelfeather und Luna42)   17.04.17 9:02

Kapitel 2 - Eine vage Erinnerung

Es war noch mitten in der Nacht, in den Fenstern brannten keine Lichter mehr. Selbst von den Straßenlaternen brannte nur noch jede Zweite. Confaince atmete tief durch, jedoch tobte in ihm innerlich das reinste Chaos. Er fühlte sich älter und musste es auch zwangsläufig sein, wenn er das Alter seiner Tochter bedachte. Dennoch war er aus irgendwelchen Gründen wieder am Leben nachdem Ténèbres ihn und ja auch Volonté getötet hatte. Sein Zeitgefühl war vollkommen dahin. Als Seele schien die Zeit still zu stehen, so war sein Körper nun älter. Seine Seele jedoch noch genauso jung, wie zum Zeitpunkt seines Todes. Confaince blickte sich erneut um, dieses Mal aufmerksamer. Welche Gefahren hier lauern könnten, wusste er nicht. Genauso wenig, das Ténèbres bereits tot war und keine Bedrohung mehr für sie darstellte. Schnellen Schrittes lief er los, beschleunigte diese weiter und rannte. Den einzigen Anhaltspunkt, den er hatte, waren La Mares Worte. Die Stadt Civitas war groß und er hatte keine Ahnung, wie er hier einen weißen Magier finden sollte. Zudem wusste er nicht einmal, ob ihm das überhaupt etwas bringen würde. Die Worte seiner Tochter waren die einzige Hoffnung an die er sich im Moment klammern konnte. Die drückende Stille machte ihn nur noch nervöser und als er hörte wie eine Dose über den Boden rollte, drehte er sich ruckartig in die Richtung. Ein Leopard saß dort an der Wand und schlief. Ihm musste die Dose neben ihm aus der Hand gefallen sein. Murrend wand sich Confaince von dem Schlafenden ab. Nun wand er seinen Blick jedoch auf das Geschehen vor ihm, denn ein helles, kleines Licht kam langsam auf ihn zu. Waren das vielleicht die weißen Mager!? Er hatte keine Ahnung, woran er diese erkennen konnte und blieb wachsam. Während das Licht sich näherte, konnte er die Umrisse von vier Personen erkennen. Es handelte sich um drei Wölfe und einen Wildhund, die allem Anschein nach sich vorsichtig auf ihn zu bewegten. „Wer bist du?“, fragte der einzige hellbraune Wolf unter ihnen. Die vier blieben mit einigem Abstand vor ihm stehen und auch Confaince blieb erst einmal wo er war: „Wer will das wissen?“  Auch wenn er auf der Suche nach weißen Magiern war, musste er vorsichtig sein. Er wusste nichts über sie und konnte sich nicht sicher sein, ob das überhaupt die waren, die er suchte. Die helle Lichtkugel in der rechten Hand des hellbraunen Wolfes erhellte die Umgebung auch nur bis zu einem gewissen Umkreis. Zuviel Aufmerksamkeit wollte man allem Anschein nach nicht erregen und riskieren weitere Anwohner zu wecken. Der Wolf zögerte einen Moment, ehe er Confaince nun antwortete: „Comae, mein Name. Jetzt verrate mir deinen.“ Eine Stimme erhob sich hinter den vieren und die näher kommenden Schritte kündigten des Weiteren eine fünfte Person an: „Gibt es Schwierigkeiten?“ Hastig antwortete der Wolf: „Aposter, ihr solltet wirklich nicht näherkommen. Wir kümmern uns darum.“ „Dafür haben wir keine Zeit“, bemerkte Aposter und trat nun in das Licht, wo Confaince ihn erkennen konnte. Aposter blickte ebenfalls zu Confaince herüber, während er weiter auf diesen zu ging: „Du bist ein Diener. Ziemlich ungewöhnlich so spät nachts noch in der Stadt unterwegs zu sein.“ „Ich bin was?“, hinterfragte Confaince, wollte aber eigentlich die Antwort gar nicht hören, da er sich im Moment viel mehr um La Mare sorgte, „Ist auch vollkommen egal. Ich will es gar nicht wissen.“ Verwundert und abschätzend blickte Aposter ihn an und versuchte sich ein Bild von ihm zu machen: „Du siehst aus wie… das kann nicht sein.“ Nun wurde Confaince doch langsam ungeduldig und murrte: „Was wollt ihr?“ Als Aposter auf die Frage nicht antwortete und scheinbar total in Gedanken versunken war, übernahm Comae das Antworten: „Wir wollen wissen wer du bist und was du hier machst? Dass du ein Diener bist, steht bereits außer Frage. Da kannst du dich noch so verstellen.“ Ehe Confaince etwas darauf erwidern konnte, mischte sich Aposter ein: „Warte. Könnte es sein, dass du von den Toten wieder auferstanden bist?“ Verwundert blickte Confaince zu Aposter: „Woran hast du das erkannt?“ Ein leichtes Seufzen war von Aposter zu hören, ehe er dann doch lächelte: „Ich habe eher dich erkannt. Bedauerlicher Weise habe ich da aber auch ein ganz schlechtes Gefühl. Daher frage ich es einfach gerade heraus: Wie bist du zurück ins Leben zurückgekehrt oder eher wer hat dich zurückgeholt?“ Einen Moment zögerte Confaince, ehe er auf Aposters Frage antwortete: „Meine Tochter war das vermutlich.“ Sicher was wirklich geschehen war, konnte er sich immer noch nicht sein. Fest stand jedoch, dass La Mare damit etwas zu tun hatte. „Heißt deine Tochter zufällig La Mare?“, hinterfragte Aposter weiter. Die weißen Magier beobachteten das ganze Geschehen eher angespannt. „Du kennst meine Tochter?“, stellte Confaince fest und war sich nun schon etwas sicherer, dass er die richtigen Magier gefunden hatte. Allerdings musste er dennoch vorsichtig sein. Aposter lächelte nun wirklich und schien tief bewegt zu sein: „La Mare ist meine Nichte, ich bin dein älterer Bruder, Aposter.“ Auch wenn er sich freute, trübte sich dieses durch ein Seufzen: „Das heißt dann wohl, dass La Mare nicht mit dir fliehen konnte. Das ist sicher ganz schön viel für dich. Gehen wir erst mal zum Grundstück und dann erzählst du mir alles und ich werde dir alles erzählen, was du wissen willst.“ Comae räusperte sich: „Aber ihr könnt doch gar nicht mit Sicherheit sagen, ob er wirklich der ist, wer er vorgibt zu sein.“ „Ich bin mir sicher“, entgegnete Aposter, „Ich erkenne meinen Bruder.“ Confaince versuchte die ganzen Informationen noch zu verarbeiten. Erst war er wieder am Leben, La Mare steckte in Schwierigkeiten, er musste weiße Magier suchen und traf dann auf seinen Bruder. „Wir müssen La Mare helfen“, war das Einzige, was jetzt wirklich entscheidend für ihn war. Aposter nickte zustimmend: „Das werden wir. Nur hat das jetzt keinen Sinn. Komm und vertrau mir.“ Noch immer skeptisch nickte Confaince und ließ sich von Aposter führen. Die anderen Magier folgten ihnen und ließen ihn dabei nicht aus den Augen.

Die beiden weißen Magier am Tor begrüßten sie freundlich, während Aposter zusätzlich ein respektvolles Nicken erhielt. Confaince kümmerte sich gar nicht darum und musterte eher die beiden Wachen und das Grundstück, welches sie betraten. Der Garten des Anwesens war kaum beleuchtet, lediglich die Fenster des Hauses sorgten für etwas Licht. So langsam sackte alles ein wenig und er versuchte seine Gedanken zu ordnen. Kaum hatten sie das Haus betreten und gingen den Flur entlang, kamen Confaince einige Unklarheiten: „Du bist also mein Bruder?“ Die Skepsis schwang in seiner Stimme mit: „Das halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Mein Bruder ist tot.“ Aposter blickte seitlich zu ihm und lächelte: „Ja, ich war so tot, wie du es warst.“ Er führte Confaince in das Wohnzimmer. Dort erwartete sie bereits Avisa und Apollon, welche selbst nicht mit losgezogen waren, um La Mare zu suchen. „Habt ihr sie gefunden?“, hinterfragte Avisa sogleich, worauf hin Aposter den Kopf schüttelte. „Aber ich weiß schon in Etwa wo sie hin ist“, erklärte er und wies auf Confaince, „wenn ich vorstellen dürfte, mein Bruder Amelus.“ „Amelus?“, fragte Confaince verwirrt, „Confaince.“ „Confaince, Amelus ist der Name, den unsere Eltern dir gaben“, erklärte Aposter und wollte noch einiges mehr sagen, als Apollon sich murrend einmischte: „Soll das etwa heißen, dass La Mare ihren Vater zurück ins Leben geholt hat? Das glaube ich nicht. Wie denn? Und woher soll sie wissen, dass das möglich ist. Hast du ihr etwa solche Geschichten abends erzählt?“ Aposter schüttelte den Kopf: „Wo denkst du hin? Es waren ganz normale Gute-Nacht-Geschichten. Davon mal abgesehen haben wir ständig mit Dienern zu tun und sie weiß auch, dass ich von den Toten auferstanden bin. So abwegig ist das also überhaupt nicht.“ Er wies auf einen freien Platz auf dem Sofa, damit Confaince sich setzten konnte. Nachdem Confaince Platz genommen hatte, setzte sich auch Aposter neben Avisa: „Jetzt erzähl mir doch ganz von vorne, was eigentlich passiert ist, Amelus.“ „Confaince“, verbesserte er erneut und ging noch einmal das Geschehene durch. „Wer weiß, was Satan mit ihr anstellt?“, knurrte Apollon, „Und La Mare hört selten auf das was man ihr sagt. Sie wird da unten umkommen.“ „Satan wird in ihr eine Dienerin sehen, wie in jeder anderen“, beruhigte Aposter ihn, „Das heißt, dass er sie früher oder später zu einem Auftrag nach oben schickt. Wir müssen sie dann nur abfangen. Das kriegen wir organisiert. Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren, Apollon.“ „Als wenn das so einfach wäre, Vater.“ „Es ist nicht einfach, aber machbar“, beharrte Aposter weiter. Confaince konnte dem Ganzen nicht wirklich folgen und murrte: „Wie wäre es, wenn ihr mir das jetzt endlich mal erklärt? Wo genau ist meine Tochter und wie kann ich sie da wieder rausholen?“ Aposter überlegte, ob es eine schonende Möglichkeit gab jemanden zu erklären, dass es den Teufel und die Hölle wirklich gab und seufzte leicht, als ihm nichts darauf hineinfiel: „Am… Confaince, da du ja bereits ein wenig etwas über deine Familie in Erfahrung bringen konntest, weißt du sicherlich auch, dass wir einem Fürsten verpflichtet sind. Von Generation zu Generation muss jedem ihm dienen. Dieser Fürst ist der Teufel und hat auch die Macht Tote zu erwecken. La Mare ist in der Hölle und hat sich dem Teufel verpflichtet, obwohl sie das eigentlich schon sein müsste. Es ist gut, wenn Satan nichts davon mitbekommen hat. Sonst wäre alles noch schlimmer, als es eh schon ist…“ „Moment mal. Du willst mir erzählen, dass es den Teufel und die Hölle wirklich gibt?“, hinterfragte Confaince, „Bist du noch ganz dicht? Das ist doch totaler Unsinn!“ Wo war er hier nur hingeraten und wie sollte er La Mare helfen? Und Ténèbres… Volonté… Die Erinnerung kam schmerzlich und die Trauer zog ihn innerlich in die Tiefe: „Ich möchte jetzt etwas allein sein.“ „Natürlich“, stimmte Aposter ihm zu, „Du kannst erst einmal in La Mares Zimmer schlafen. Versuche etwas zur Ruhe zu kommen. Gleich morgen früh machen wir uns daran La Mare aufzuspüren und ihr da wieder raus zu helfen. Vertrau uns.“ Er stand auf und führte Confaince zu La Mares Zimmer. Zwischen ihnen herrschte Schweigen bis Aposter die Tür zu La Mares Zimmer öffnete: „Hier ist es.“ „Bis morgen“, antwortete Confaince knapp, betrat das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Seufzend ließ er sich auf das Bett fallen und konnte nichts gegen die Erinnerungen an Volontés Tod tun. Es fühlte sich nicht so an, als wäre es schon Jahre her, sondern eher, als wäre es gerade erst passiert. Der Schmerz bohrte sich tief in sein Herz. Egal, was es kosten würde, er musste La Mare zurückholen. Er hatte schon seine geliebte Volonté verloren. La Mare würde er nicht auch noch verlieren. Selbst wenn es bedeutete mit diesen Verrückten zusammen zu arbeiten.

Mit einem kräftigen Stoß landete La Mare in einem der vielen Zimmer, die für die Diener vorgesehen waren. Es war ähnlich wie Corvus‘ Zimmer damals. Die Bettdecke war lediglich in einem etwas besserem Zustand. „Hier kannst du schlafen. Mach mir keinen Ärger. Morgen früh geht das Training los und ich dulde keine Schwäche“, ermahnte sie der Panter sogleich. Verärgert drehte sich La Mare zu ihm um: „Du glaubst doch wohl selber nicht, dass ich einfach hierbleibe und warte bis du mich abholst.“ Demonstrativ zog der Panter einen Schlüsselbund aus seiner Tasche: „Das ist eines der Zimmer, die ich für meine Schüler benutze und die schließe ich ein. Da du dich scheinbar eh nicht teleportieren kannst, spare ich mir die Ketten.“ „Das kannst du dir gleich sparen“, knurrte sie, „Ich könnte diese Tür mühelos mit meinen Federn zerschneiden.“ Auf den Panter wirkte sie überzeugend, also glaubte er das mal und steckte die Schlüssel ein: „Dann finde dich damit ab, dass du jetzt mich als Lehrmeister hast. Letal ist mein Name und solange ich die Verantwortung für dich habe, gibt es keine Fehltritte und kein Zögern. Jeden Fluchtversucht bekommst du bitter zu spüren. Angenehme Träume wünsche ich.“ Ohne ihre Antwort abzuwarten, ging er einfach davon. „Du hast mir gar nichts zu sagen!“, rief sie ihm nach und warf sich dann wütend aufs Bett. Das war ja wunderbar gelaufen, aber es würde sich sicherlich bald eine Gelegenheit zur Flucht bieten.

Selbstständig hatte sich La Mare Wasser und Brot besorgt. Die Essensausgabe war ihr bereits durch Corvus bekannt, auch wenn das schon einige Jahre her war. Als Letal das Zimmer betrat, war sie bereits mit dem Frühstücken fertig und blickte ihn murrend an. Er hatte ein schwarzes, abgenutztes und altertümliches Kleid dabei. Der Rock war einfach kurz abgeschnitten, nicht einmal gleichmäßig, genauso wie die Ärmel: „Zieh das an! Ein Diener kann nicht in weißer Kleidung herumlaufen. Du fällst ja auf wie ein bunter Hund“, murrte er, warf ihr das Kleid zu und drehte sich um, „beeile dich.“ Dann verließ er das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. La Mare beäugte das neue Kleidungsstück. Eigentlich hatte sie überhaupt keine Lust diesen Lumpen anzuziehen, aber was blieb ihr anderes übrig? Wenn sie mitmachte, würde sie schneller aus der Hölle kommen und fliehen können. Immer noch skeptisch über das zugeteilte Kleid, zog sie sich um. Der Rock ging ihr nicht einmal bis an die Knie, an der längsten Stelle. Außerdem fragte La Mare sich, aus welchem Jahrhundert dieses stammte. Die Bänder vorne zog sie zusammen und band eine Schleife, die das Kleid an Ort und Stelle halten sollte. Ihr weißes Kleid legte sie ordentlich zusammen und auf das Bett. Zumindest würde es so nicht schmutzig werden oder gar beschädigt. Es klopfte an der Tür, Letal wurde ungeduldig: „Bist du endlich fertig?“ „Ja!“, knurrte La Mare genervt und ging zur Tür, um diese zu öffnen, „Zufrieden?“ Der Dämon musterte sie abschätzend: „Zumindest siehst du jetzt nicht mehr wie die Unschuld vom Lande aus.“ Ohne ihre Antwort abzuwarten ging er voraus: „Halte Schritt.“ Seufzend folgte La Mare ihm.

Confaince saß auf dem Sofa des Wohnzimmers und aß das belegte Brötchen, welches ihm sein Bruder gebracht hatte sowie einen Kaffee zusammen mit zwei weiteren auf einem Tablett. Aposter selbst hatte sich einen der Becher genommen und nippte an diesem: „Gestern lief unser Gespräch ja noch nicht so gut. Ich verstehe, dass das alles etwas viel für dich ist. Vielleicht erinnerst du dich ja doch unterbewusst an etwas aus unserer kurzen gemeinsamen Zeit. Unser Vater hieß Caligare, unsere Mutter, Creatrix. Ich bin 12 Jahre älter wie du und habe mich die meiste Zeit um dich gekümmert. Unser Vater war zu dieser Zeit ziemlich durch den Wind. Du wolltest immer auf den Arm genommen werden und einfach nie einschlafen. Ich war schon am Verzweifeln und dann überlegte ich mir ein Schlaflied für dich.“ Aposter begann die Melodie zu summen und konnte sich selbst noch gut an die Zeit erinnern. „Die Melodie kenne ich“, bemerkte Confaince. Lächelnd wand sich Aposter an ihn: „Wenn du den Text haben willst, kann ich ihn dir gerne geben.“ „Ich unterbreche ja wirklich ungern euer Wiedersehen“, begann Apollon, „Aber wir sollten uns wirklich erst einmal auf La Mare konzentrieren.“ Aposter nickte zustimmend: „Sovos ist bereits dabei alles zu organisieren. Amelus und ich werden dann losziehen, sobald jemand sie entdeckt. Du bleibst hier, Apollon.“ „Schon klar“, murrte dieser und wusste sehr wohl, dass er als Herrscher sich nicht solcher Gefahr aussetzen durfte. Fusco kam ins Wohnzimmer und schnappte sich eine der Kaffeetassen, um diesen einfach seine Kehle herunter zu schütten: „Guten Morgen. Ich habe das mit La Mare schon gehört. Wann geht es los?“ Wie immer grinste Fusco gut gelaunt in die Runde. „Wenn ich vorstellen dürfte, dass ist Fusco ein guter Freund der Familie. Fusco, du erinnerst dich sicher noch an meinen kleinen Bruder, Amelus“, stellte Aposter sie vor. „Confaince“, berichtigte er erneut und musterte Fusco. Seine Art gefiel ihm schon jetzt nicht. Grinsend setzte sich Fusco zu ihnen: „Freut mich unheimlich dich wieder zu sehen, Confaince. Du bist echt groß geworden.“ Confaince erwiderte daraufhin nichts mehr und murrte lediglich. „Fusco ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber man kann sich auf ihn verlassen, wenn es drauf ankommt“, erklärte Aposter, als er Confaince Reaktion bemerkte, „Fusco ist ein Dämon und kann mit seinen Sinnen bei der Suche zusätzlich eine Hilfe sein.“ „Soll das ein Witz sein?“, hinterfragte Apollon, „Nichts gegen dich Fusco, aber du siehst zwar aus wie ein Dämon, benimmst dich aber so gar nicht wie einer und das du deine Fähigkeiten wirklich in vollem Maß einsetzt, habe ich noch nie erlebt.“ Fusco lachte darauf hin: „Ich hatte das bisher auch nie nötig und ich denke auch jetzt bekommen das die weißen Magier super hin. Schließlich sind es weiße Magier.“ „Wo bleibt Sovos?“, warf Apollon nun ein, „So lange dauert es nun wirklich nicht alle Häuser in die Suche zu integrieren.“ Er stand auf: „Ich werde mal schauen, ob er Hilfe braucht. Hier herumsitzen und nichts tun, macht mich nervös.“ Nachdem Apollon das Zimmer verlassen hatte, wand sich Aposter wieder seinem Bruder zu: „Apollon nimmt das auch sehr mit, so wie uns alle hier. Er versucht es zu verbergen und seinen Pflichten als Herrscher nach zu kommen. Wir sollten alle ein wenig aufeinander achten. Vielleicht lenkt dich das auch ein wenig ab, wenn du jetzt den Rest deiner Familie kennen lernst.“ Confaince hatte jetzt wirklich anders im Sinn, als sich mit seiner Familie zu beschäftigen. Wenn er das wollte, hätte er auch noch später dazu Zeit.

Die Peitschenspitze knallte nur knapp vor ihrem Gesicht auf den Boden. „Wieder hoch!“, brüllte Letal sie an. Fluchend erhob sich La Mare: „Ich kann nicht so schnell rennen. Ich habe Flügel zum Fliegen. Das ist meine Stärke, du hirnrissiger Dämon!“ Erneut knallte die Peitsche und dieses Mal zielte er auf ihre Füße: „Renn! Wiederworte gibt es bei mir nicht.“ Murrend rannte La Mare wieder los. Letal immer dicht hinter ihr und ließ die Peitsche knallen, solange sie zu langsam war: „Schneller! Wenn man schon nicht teleportieren kann, sollte man zumindest rennen können.“ Wenn von ihrer Kooperation nicht abhängen würde wieder zurück nach Hause zu kommen, hätte sie ihm schon längst außer Gefecht gesetzt. Was glaubte der eigentlich, wer er ist!? Rosenengel rannten nicht. Das hatten sie überhaupt nicht nötig. Ein weiterer Peitschenhieb und die fordernde Stimme hinter ihr: „Du wirst schon wieder langsamer.“ „Du nervst“, knurrte La Mare und versuchte wieder sich wieder auf das alte Tempo hoch zu kämpfen, aber eigentlich brauchte sie längst eine Pause. So ging das einfach nicht weiter, murrend blieb sie stehen: „Ich werde keinen Schritt mehr gehen. Ich kann kämpfen und brauche dieses bescheuerte Training nicht.“ „Das kann jeder behaupten“, entgegnete Letal und unterzog sie einer erneuten Musterung, „Keine Muskeln, viel zu unbeweglich, klein, dürr und zerbrechlich.“ Verärgert blickte La Mare zu ihm, als ihr eine Idee kam: „Wenn du denkst, ich bin so schwach, dann kämpfe doch gegen mich. Oder hast du Angst?“ Letal ließ sich sicherlich nicht unterstellen, dass er Angst hatte. Mit einer schnellen Bewegung zog er sein Muskelshirt aus und warf es auf den Boden, dann ließ er seinen Kopf im Nacken kreisen und knackte mit den Fingerknöcheln: „Zeig was du kannst.“ „Das hättest du ruhig anlassen können“, kommentierte La Mare das eigenartige Verhalten, „Den Anblick hätte ich mir gerne erspart.“ „Greif mich an“, forderte er sie auf, ohne auf ihre Aussagen weiter einzugehen. La Mare ließ ihre Flügel erscheinen und attackierte Letal mit den Federn. Da er bereits mit ihren scharfen Federn Bekanntschaft gemacht hatte, wich er diesen flink aus und rannte auf La Mare zu: „Zu langsam.“ Um Letals Angriff zu entgehen, flog La Mare nach oben, um von dort aus erneut mit den Federn anzugreifen. Knurrend blickte Letal hinauf und wich ihrem neuen Angriff aus: „Immerhin nutzt du deinen Vorteil aus. Taktik ist nicht schlecht.“ Jedoch hatte Letal bereits ausreichend Erfahrung mit geflügelten Gegnern und sprang mit Schwung nach oben. Dämonen konnten unheimlich hochspringen und versuchte damit La Mare zu erhaschen. Mit einigen Flügelschlägen war La Mare ihm ausgewichen: „Zu langsam. Da musst du dich wohl noch mehr anstrengen.“ Wütend blickte Letal zu ihr hoch und knurrte: „Dein loses Mundwerk werde ich dir noch stopfen.“ Auf die Drohung hin schoss La Mare mit weißen Magiekugeln auf Letal: „Dazu müsstest du mich erst einmal fangen.“ Verwundert wich Letal ihnen aus und fragte sich, ob Satan das nicht aufgefallen war: „Du hast weiße Magie? Das ist hier verboten und Satan hätte sie blockiert. Aber das heißt auch, dass du eine weiße Magierin bist und nicht nur so ein Engelswesen, was auch immer du bist.“ „Das nennt sich Rosenengel, du Idiot“, erklärte La Mare ihm, „Das ist vollkommen normal, dass ich weiße Magie habe. Ich verfüge auch über schwarze Magie, aber nicht im Schutzengelrang.“ „Warte. Was?“, versuchte Letal ihr zu folgen, „Und was für einen Rang musst du haben für schwarze Magie? Die brauchst du hier nämlich.“ „Ach? Und wenn nicht? Ich habe nämlich keine Lust den Rang zu wechseln“, entgegnete La Mare frech, „Zudem lässt sich das eh nicht so einfach auf Befehl wechseln. Schwarze Magie habe ich nur als Racheengel.“ Da musste Letal nicht lange überlegen: „Und von was hängt es ab, dass du zum Racheengel wechselst?“ „Als wenn ich dir das sagen würde“, antwortete La Mare murrend, „Hältst du mich für bescheuert?“ „Wenn du hier überleben willst, solltest du es mir sagen“, argumentierte er, „Satan wird absolut nicht begeistert sein.“ „Die hässliche Fledermaus kann mich mal“, knurrte La Mare, „Die weißen Magier werden eh kommen und mich retten.“ Knurrend hob Letal sein Shirt auf: „Wir werden sehen. Deine sogenannten weißen Magier werden selbst von einem ehemaligen Diener regiert. Der hat doch viel zu viel Angst um hier runter zu kommen.“ „Apollon hat überhaupt keine Angst und nimmt es locker mit dir auf“, verteidigte La Mare ihn, „und mit der Fledermaus sowieso.“ Letal zog sein Shirt wieder an und blickte zu La Mare nach oben: „Komm runter, der Kampf ist fürs Erste beendet. Ich brauche bei dir eine ganz neue Strategie, um deinen Willen und deinen Schutzengelrang zu brechen. Ich finde schon heraus, wie das funktioniert. Verlass dich darauf.“ „Als ob“, spottete La Mare, während sie wieder auf dem Boden landete, „Ich bin hier schneller wieder raus, als du dir vorstellen kannst.“ „Weil der ehemalige Henker des Teufels dich retten kommt? Wach auf! Corvus ist auch nur ein geflohener Diener, der eines Tages dafür mit seinem Leben bezahlt“, knurrte Letal und ging voraus zurück zum Schloss. La Mare war froh nicht wieder rennen zu müssen und lief ihm mit etwas Abstand nach: „Was meinst du mit Henker?“ Verwundert über ihre Unwissenheit setzte er fort: „Du weißt doch sicher, was ein Henker ist oder? Das Wort spricht ziemlich für sich. Corvus war der Henker des Teufels und jagte so gut wie alle flüchtigen Diener. Und hier unten gilt nicht umsonst die Warnung – Wer flieht, bezahlt es mit seinem Leben -. Er hat hunderte, wenn nicht sogar tausende Diener getötet. Seit seiner Flucht ist der Posten frei.“ Aufgebracht knurrte sie Letal an: „Du lügst. So etwas würde er niemals tun.“ Lachend lief er weiter: „Frag wenn du willst. Jeder kennt Corvus und jeder Diener hat ihn gefürchtet. Dein geliebter Herrscher ist ein Mörder.“ „Nein!“, behaarte La Mare, „Du lügst!“ „Glaub doch was du willst“, meinte Letal schließlich kopfschüttelnd, „Aber das ändert nichts.“ Murrend lief La Mare ihm nach und ging auf das Gespräch nicht weiter ein, allerdings bedrückte sie diese Information etwas, auch wenn sie nicht glauben wollte, dass es stimmte.

„Die Häuser sind alle informiert“, erklärte Sovos, „sobald La Mare irgendwo gesichtet wird, werden wir informiert. Im Moment können wir nur abwarten.“ „Warum ist das eigentlich niemanden von uns aufgefallen, dass La Mare ihre Eltern so sehr vermisst?“, beschuldigte Apollon sich selbst, „So sehr, dass sie sich in solche Gefahr begibt. Das hätte nicht passieren dürfen. Sie wird daran noch zu Grunde gehen. Ich weiß wie schrecklich die Hölle ist und …“ Aposter unterbrach ihn: „Apollon, hör auf damit. Du machst dich damit nur selbst verrückt. Wir sind alle innerlich aufgewühlt, aber wir schaffen das. La Mare wird bald wieder nach Hause kommen.“ Fusco konnte nicht anders, als ebenfalls einen Kommentar abzugeben: „Ich weiß gar nicht was ihr habt. Sie hat es doch geschafft ihren Vater mit Seele wieder auferstehen zu lassen. Die meisten schaffen das nicht. Das ist eine Leistung.“ Aposter entging nicht, dass Apollons Blick sofort zu Fusco ging und sich sein Krähensymbol verdunkelte. Er sprang sofort auf und zog an Apollons Arm: „Nicht jetzt, nicht hier. Geh ein Stück nach draußen.“ Murrend stieß Corvus ihn beiseite und verließ das Zimmer. Devoto und Defensor folgten ihm mit etwas Abstand, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Erleichtert seufzte Aposter auf und setzte sich wieder: „Das war knapp.“ Fusco lachte: „Das wäre sicher lustig geworden.“ Confaince konnte dem ganzen Geschehen nicht wirklich folgen, aber Fusco war ihm definitiv unsympathisch. „Bitte Fusco“, ermahnte ihn Aposter, „Reiß dich zusammen. Du kennst die Problematik und das brauchen wir nun wirklich nicht auch noch.“ Grinsend lehnte sich Fusco zurück: „Macht euch doch nicht so einen Kopf. La Mare ist ein cleveres Mädchen. Noch dazu wird sie alles unternehmen, um zurück zu Apollon zu kommen.“

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Karasu no shugo Tenshi - EG - Teil 12 (von Angelfeather und Luna42)
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